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Samstag, 20. Oktober 2012

Wandertagebuch: Aufstieg aus dem Tal

Ihr Lieben,
danke für alle eure Kommentare, emails und Päckchen, die im Laufe der Woche hier eintrafen. Wahnsinn! Ich bin total überwältigt. Auch hat dieser Blog hier letzten Sonntag einen neuen Rekord bzgl. Anzahl der Aufrufe aufgestellt. So sehr mich eure Anteilnahme gefreut hat, macht mich das auch ein bisschen nachdenklich in Sachen Blogwelt - ist es das, was man schreiben sollte, wenn man viele Aufrufe und Kommentare möchte?! Warum bekommen normale/positive Einträge nicht so eine Rückmeldung? ...

Naja, wie die Überschrift ausdrückt, geht es wohl wieder aufwärts. Es ist mir gelungen, mich trotz allem zu dem Aufsatz durchzuringen und habe ihn heute Nacht um 00:04 Uhr eingeschickt. Dieser Aufsatz war eine Teilexamensaufgabe im Weiterbildungsprojekt und ich sollte erörtern, wie sich der Berufsauftrag des Lehrers in meinem Heimatland von dem in Schweden unterscheidet. Ihr könnt Euch denken, dass die Motivation letztes Wochenende gleich Null war.
Ja, was war eigentlich genau los, letztes Wochenende? Ich hatte Ende August ein Sondierungsgespräch, für welche Fachrichtung ich mich mit meinem deutschen Examen weiterbilden kann und möchte. Damals verblieben wir so, dass ich Unter- und Mittelstufe mit sozialwissenschaftlichem Zweig mache. Da wurde mir auch mitgeteilt, dass wir Mitte Oktober die individuellen Studiepläne bekommen werden und Ausbildungsverträge zum Unterschreiben. Tja, und dann kam letzten Donnerstag eine e-mail, die mit keinem Wort Unter- und Mittelstufe oder sozialwissenschaftlicher Zweig enthielt. Ich war verwundert und fragte nach. Nein, Unter- und Mittelstufe mit sozialwissenschaftlichem Zweig geht nicht, aber Unter- und Mittelstufe mit NATURwissenschaftlichem Zweig würde gehen. Ich müsste "nur" ein paar Kurse Mathe, Physik und Chemie machen. Und wer mich kennt, weiß, dass das die absolute Hölle für mich wäre. Und warum soll ich mich mindestens ein Jahr lang ohne Einkommen zu etwas weiterbilden, das ich gar nicht will?! Zweifel ohne Ende, das ganze Wochenende lang.
Am Montag ging ich trotzdem - wenn auch mit wenig Motivation - ins Praktikum an eine Schule, wo es nur Unter- und Mittelstufe gibt und meine Betreuerin den sozialwissenschaftlichen Zweig unterrichtet. Die hat mich ganz toll beraten und so habe ich - mal wieder - einen Einspruch verfasst und damit gedroht, das Weiterbildungsprojekt zu verlassen. Nun kam diese Woche die vorsichtige Mail, dass mit der Fachbetreuerin des sozialwissenschaftlichen Zweigs gesprochen wurde und dass es ggfs. möglich ist. Nächste Woche kommen nun die individuellen Studiepläne und wir werden sehen...

Die Woche an der Schule war sehr gut und hat mich bestätigt, dass eben Unter- und Mittelstufe mit sozialwissenschaftlichem Zweig genau das richtige für mich sind. Natürlich wurde mir dabei vor Augen geführt, dass diese Weiterbildung wirklich schlecht aufgestellt und etwas 'überflüssig' ist. Sowohl meine Sprachkenntnisse als auch meine Ausbildung würden voll und ganz ausreichen um qualitativ hochwertigen Unterricht nach schwedischen Maßstäben halten zu können. Dies wurde mir auch von meiner Betreuungslehrerin bestätigt. Dass ich noch nicht unterrichten darf, ist also eine rein politische Entscheidung die auf der Gesetzesänderung der konservativen Regierung von 2011 beruht. Frustrierend. Also werde ich mich tapfer weiterbilden, damit ich dann irgendwann arbeiten darf - und womöglich mit 0,5% weniger Lohn als meine Kollegen bestraft werde, weil die Schüler nicht entsprechende Ergebnisse in den nationalen Tests abliefern (so diese Woche Lehrern an 7 Schulen in Stockholmer Vororten passiert). Ich denke, in Deutschland sollte man sich langsam vom 'Vorbild Schweden' in Sachen Schule verabschieden...

Ansonsten ist das Wetter hier grau und ich werde versuchen, das Wochenende zu nutzen um meine Akkus wieder etwas aufzuladen. Aber das Energienivau ist immer noch niedrig. Morgen wieder eine Sonntagsfreue! Schönes Wochenende :)

3 Kommentare:

  1. Da hätte ich von Schweden wirklich auch mehr Flexibilität erwartet. Der Vorschlag den naturwissenschaftlichen Zweig einzuschlagen (mal eben so) ist ja einfach nur völlig absurd. Glücklicherweise lässt sich jedoch anscheinend vieles im persönlichen Kontakt klären und ich hoffe, dass deine Weiterbildung nun ohne solche Stolpersteine weiter geht.
    LG, Micha

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  2. Die Bürokratie - stelle ich immer wieder fest - ist irgendwie in Schweden nicht anders als in Deutschland auch - sogar in manchen Bereichen noch unlogischer! -> Hier habe ich auch letztens gelesen, daß dringend Naturwissenschaftliche Lehrer gesucht werden - die Bekannte meiner Freundin hatte ein Refendariat abgebrochen und wollte dieses in S-H wieder aufnehmen - aber nun durfte sie nicht mehr weitermachen, da sie den Anspruch verwirkt hatte ( dabei hatte sie sogar in S-H studiert ). Aber es gibt keine Lehrer die unterrichten können - so etwas gibt es doch gar nicht oder - was wollen die denn?
    Ja - ich drücke Dir die Daumen, daß es noch klappt mit der Weiterbildung. Ich sage nur EUROPA- da kann man überall anders auch arbeiten -mmmhhh klar oder! Also als Vorbild für Schulen galt meiner Meinung nach Hauptsächlich Finnland - und dann auch gerne internationale Schulen, die sogar einen sächsischen Lehrplan haben ( die haben in der Pisa-Studie am besten abgeschnitten).
    Gibt es in Stockholm nicht auch eine internationale Schule?
    Liebe Grüße Tinki

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  3. Wie schön ... dass Du es schaffst, Dich fast ganz alleine aus dem Tal wieder nach oben zu schieben. Es geht aufwärts. Das freut mich für Dich! Ich drücke die Daumen, dass das mit dem sozialwissenschaftlichen Zweig klappt. Naturwissenschaften wären für mich auch nicht machbar. *uuuaaahhhh*
    Ganz liebe Grüße

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