Nachdem ich
hier so viele positive Rückmeldungen und noch mehr neugierige Fragen bekommen habe, gibt es jetzt ein TisdagsTutorial, in dem ich zu beschreiben versuche, wie ich die Basic-T-Shirts für den Mann genäht habe. Vorneab möchte ich noch sagen, dass ich keinem Kauf-Schnitt gefolgt bin, sondern diesen selbst aus drei Lieblingsoberteilen des Mannes abgezeichnet und zusammengebastelt habe (wenn Interesse besteht, kann ich auch dieses mal zeigen).
Wie ich vor Kurzem schon mal beschrieben habe, verwende ich für die 'unsichtbaren' (innenliegenden Nähte) den Stich, der die Nr. 8 auf meiner Nähmaschine hat. Alle sichtbaren Nähte für Bündchen, Saum und Ausschnitt nähe ich mit der Zwillings-/Doppelnadel mit 4 mm Abstand und im einfachen, gerade Stich (Nr. 1). Allerdings ist hier wichtig, dass man keine zu kleine Sticheinstellung wählt, sonst wird der Saum/Ausschnitt beim Nähen zu stark gedehnt und steht/leiert/wirft Wellen (letzteres ist ja manchmal erwünscht). 3-3,5 hat sich bei mir als Stichlänge bewährt.

Man braucht Jersey-Stoff (Single oder Interlock) in ausreichender Menge (ich berechne bei 1,50m Stoffbreite ca. 1m für T-Shirts und 1,50m für Langarmshirts; die Größe ist in etwa M, allerdings etwas länger und schmäler), passende Nähseide (2 Spulen sind ideal für die Doppelnadel, man kann sich aber auch mit einer Unterfadenspule behelfen), Doppelnadel und Jerseynadeln, Stecknadeln, Schere, Maßband, Geodreieck (benutze ich gerne um Säume usw. zu markieren), Schneiderkreide. Außerdem einen Schrägbandformer, wozu ich mir gleich eine passende Schablone gemacht habe, so geht der Zuschnitt schneller. Zur Unterhaltung empfehle ich noch ein Hörspiel (besonders von
hier, ich habe gerade die 6 Teile "Orlando" gehört, war schwer begeistert und habe währenddessen 3 T-Shirts genäht) :)
Dann kann es losgehen...
Wichtig ist es, dass man sich den Jersey genau anschaut, denn auch dieser hat (außer Interlockstoffe) eine rechte und eine linke Seite. Die rechte, außenliegende Seite sieht man hier rechts, die linke Innenseite links. Außerdem ist beim Zuschnitt noch zu beachten, dass man den Jersey nur in eine Richtung, nämlich längs parallel zur Webkante und NICHT quer, zuschneiden kann (siehe linkes Foto unten, die Webkante ist, denke ich, gut erkennbar).
Wichtig ist auch, dass man den Stoff gut bügelt. Jersey hat eine Tendenz, sich aufzurollen, v.a. wenn man die Bänder für den Ausschnitt zuschneidet. Da hilft nur dämpfen, dämpfen, dämpfen, dass die Brillengläser beschlagen (oder Sprühstärke). Die 'Schrägbänder' werden bei Jerseystoffen aber gerade mit dem Fadenlauf und NICHT schräg zugeschnitten. Die Ausschnitte, die mit einem Band versäubert werden, werden ohne Nahtzugabe zugeschnitten, ansonsten empfehle ich 0,7 bis 1 knappen cm. Für die Säume habe ich 3,5 cm zugegeben.
Zuerst werden das Vorder- und das Rückenteil rechts auf rechts aufeinander gelegt. Eine Schulternaht stecken und dann mit Stich Nr. 8 (ich nenne ihn hier im Folgenden der Einfachheit halber so) abgenäht.
Dann steckt man, wie
hier sehr gut beschrieben, das Schrägband am Ausschnitt fest. Ich stecke die Stecknadeln so und entferne sie kurz bevor ich sie mit dem Nähfuß erreiche, damit der dünne Singlejersey nicht verdrückt wird und sich keine kleinen, kantigen Wellen bilden.
Nun wechselt man an der Nähmaschine von der Jersey-Nadel zur Doppelnadel und näht den Ausschnitt. Dazu kann man sich (wegen der offenen Schulternaht) den Ausschnitt immer schön gerade hinlegen.
Und wenn die Doppelnadel schon eingespannt ist, dann kann man auch gleich die Ärmelsäume nähen, die man nämlich im übernächsten Schritt braucht und so spart man sich einen Nadel-/Nähfußwechsel.
Zuerst markiere ich mir mit Schneiderkreide und Geodreieck zwei parallele Linien, 2 cm und 2,5 (bzw. 4,5). Dann bügele ich einmal zur ersten Linie hin um, dann zu zweiten hin. Mit ein paar Stecknadeln fixieren. Mit der Doppelnadeln abnähen.
Nun wechselt man wieder zurück zur Jerseynadel und Stich Nr. 8 und schließt auch die zweite Schulternaht. Durch das Schrägband entsteht dabei meist ein kleiner Wulst, den ich dann mit der Hand anhefte, so dass nichts aufsteht.
Nun breitet man den Shirt-Körper mit der rechten Seite nach OBEN vor sich aus und steckt die Armkugelmitte rechts auf recht auf der Schulternahtlinie fest. Von dort aus steckt man dann den Ärmel in die jeweilige Richtung fest. Mit Stich Nr. 8 abnähen und mit dem zweiten Ärmel ebenso verfahren.
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| Hier liegt der Ärmel noch vor dem Körperteil, d.h. noch nicht rechts auf rechts. Ich wollte hier aber zeigen, wie die Armkugelmitte und Schulternaht aufeinanderpassen sollen. |
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| So sieht dann der eingesteckte Ärmel auf der linken Seite, d.h. auf der Seite auf der man näht, aus. |
Nun gilt es noch die Seitennähte zu schließen: Dazu steckt man zuerst auch ganz exakt die Armnähte aufeinander, dann die jeweiligen Saumenden (Ärmel und Körper) und schließlich steckt man den Rest ab.
Für den unteren Saum verwende ich die gleichen Maße wie beim Ärmelsaum, bügele den Einschlag um und fixiere ihn etwas mit Stecknadeln. Ich wechsle wieder zur Doppelnadel und nähe den Saum auf der rechten Seite (!!! - auf der Rückseite ergibt sich beim Nähen mit der Doppelnadel ein Zickzack-Stich, deshalb muss rechts immer oben sein) ab.
So schaut nun das fertige T-Shirt aus, mit Detailbildern von Auschnitt, Ärmel und Saum.
Mit Zuschneiden, Bügel und Nähen, brauche ich etwa 2 Stunden pro Shirt, wobei ich es effektiver machen kann, wenn ich mir z.B. gleich mehrere zuschneide.
Ich hoffe, dass meine Anleitung etwas Licht ins Dunkel bringen konnte und auf dass nun viele Männer auch endlich benäht werden ;) Gutes Gelingen!
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