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Dienstag, 20. Mai 2014

Nachlese

Oh, eigentlich fehlen mir die Worte... Ich bin sehr froh, dass ich den letzten Eintrag geschrieben habe. Ich habe lange gezögert, denn ich hatte Angst vor möglichen Reaktionen. Und ich hatte Angst, mich lächerlich zu machen. Es ist schwierig, einen Zeitpunkt zu bestimmen, an dem eine ausgedehnte Kinderwunschzeit in unfreiwillige Kinderlosigkeit übergeht. Und dann habe ich gedacht, gehofft - was, wenn ich hier darüber schreibe - und dann doch schwanger werde? - Die müssen mich ja dann alle für total verrückt und hysterisch halten?!
Nunja, seit dem Zeitpunkt, an dem wir uns in die Hände der schwedischen Schulmedizin begeben haben, bezeichne ich uns als unfreiwillig (ungewollt) kinderlos. Aber wir hoffen natürlich immer noch und immer wieder und es wäre wohl keinen Tag zu früh für eine hoffnungsvolle 'Trendwende'.
Das wichtigste für mich ist aber im Moment der Weg zurück ins Leben. Ich will kein 'Monster' mehr sein, weder zu mir selbst noch gegenüber anderen. Gerade habe ich ein gutes Gefühl (die hellen Vorsommersonnentage tun sicher auch ihr übriges!) und ich setzte mich mit so manchen Aspekten auseinander. Ich überlege viel, wie ich manchen Menschen wieder begegnen möchte, könnte, wie ich um Verzeihung für so manches Gesagte und Nichtgesagte bitten möchte, und wie ich mit Situationen umgehen will, für die ich mich eigentlich noch nicht bereit fühle.
Und ich habe das Bedürfnis darüber zu reden. So viele unterdrückte Erlebnisse und Gedanken kommen nach oben. Manchmal komme ich mir schon vor wie meine eigene Oma, die nach einem Krankenhausaufenthalt immer und immer wieder das Gleiche erzählen wollte. Keine Angst, das alles erspare ich euch hier, da muss vor allem meine Familie durch ;) ;) Und ich merke, wie mir das Reden hilft. Die Reaktionen darauf - im richtigen Leben und vor allem hier im Blog - haben mich aber umgehauen. Danke, danke, danke! Einfach zu wissen, man ist nicht allein (und so eine ausgedehnte Kinderwunschzeit ist eine sehr einsame!), da gibt es 'Leidensgenossinnen', auch manche mit Happy End, und  die vielen lieben Menschen, die mitfühlen, an einen denken usw. - das tut so gut. Danke noch mal!
Zum Schluss möchte ich noch kurz erwähnen, wo wir gerade stehen (mein neues Redebedürfnis...): Die schwedische, schulmedizinische Behandlung hat sich für mich nicht richtig und ziemlich 'brutal' angefühlt. Von manchen Ansätzen her war ich regelrecht schockiert, bin ich doch eher mit zentraleuropäischer Ganzheitlichkeit aufgewachsen. Also pausieren wir da und haben uns meiner Heilpraktikerin anvertraut und versuchen mal (wieder) einen sanften Weg zu gehen. Das Beste an ihrem 'Paket' sind aber die "Lebensfreudetropfen" (Bachblüten), die mich auf meinem Weg sehr unterstützen.
Jetzt lösen sich hier gerade die Morgenwolken auf, die nach einem schönen warmen Vorsommerregentag gestern noch am Himmel hingen. Vielfältige Aufgaben warten heute auf mich und da mache ich mich gleich daran. Und auch am Blog gehe ich dann mal wieder zur Tagesordnung (Schweden - Küche - Nähen - Schule) über :)
Herzlichst, Barbara

4 Kommentare:

  1. Christina Lehmann20. Mai 2014 um 10:32

    Liebe Barbara,

    ich wünsche dir ganz viel Zuversicht, Lebensfreude, Gottvertrauen und Kraft für jeden neuen Tag! Und ja - auch das weiß ich aus Erfahung (siehe mein Kommentar zum bewussten Post von dir): Reden hilft ungemein. Und ich hoffe und glaube aus deinen Erzählungen hier zu wissen, dass du einen verständnisvollen Partner und liebe Eltern hast, die dich auffangen. Und das gibt einem die Sicherheit, die man braucht, finde ich für mich jedenfalls.

    Mein Wunsch ist, genau wie deiner, nicht zu verbittern, offen zu bleiben, gönnen zu können. Und ich wünsche dir ganz arg, dass dein/euer Wunsch Erfüllung finden darf!!!! Auch das steht in Gottes Händen! ♥

    Liebe Grüße aus dem Frankenland
    Christina

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  2. Liebe Barbara,

    jetzt kommentiere ich doch Deinen Blog, auch wenn das, wie Du ja weisst, sonst nicht meine Art ist. Deine Entscheidung über Eure ungewollte Kinderlosigkeit zu sprechen finde ich wahnsinnig mutig und richtig, und ich hoffe dass Euch das Leben durch diesen offenen Umgang wieder etwas leichter wird. Du mutige Frau!!!

    Grüße von ganzem Herzen,
    Frieda

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  3. Liebe Barbara,
    ich hatte mir einige Tage Bloglesepause gegönnt und habe grad erst deine letzten Posts gelesen. Immer wieder mal habe auch ich diese traurige oder melancholische Stimmung zwischen einiger deiner Zeilen wahrgenommen. Ich hatte nur eine andere Erklärung für mich.
    Ich glaube, du gehst nun die ersten richtigen Schritte in die richtige Richtung. Es ist sicher nicht leicht, aber Offenheit ist meist die beste Art. Man wird wieder freier, muss nicht jeden Satz, jedes Wort abwägen. Ich weiß, wovon ich rede.
    Es wird immer wieder vorkommen, dass man nicht richtig verstanden wird, dass Mitmenschen unsensibel reagieren. Meist geschieht dies sogar nicht mal mit Vorsatz. Ich muss auch mit meinem Problem lernen zurecht zu kommen und werde es nie für jeden recht machen können. Und ich muss deshalb gar kein schlechtes Gewissen haben.
    Ich bewundere dich so sehr, wie du dein Leben meisterst. Jedes Problem wieder neu angehst. Du bist stark, vergiss das nie! Ich wünsche euch so viel Glück, wie ich auch nur in so einen kleinen Kommentar verpacken kann. Mehr kann ich dazu jetzt grad nicht sagen, da mich das so berührt.
    Herzlichste Grüße
    Petra

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  4. Nur mal so am Rande:
    eine gute Freundin und Arbeitskollegin litt jahrelang unter ihrer (ungewollten) Kinderlosigkeit, das biologische Ende nahte. Es war sehr schwierig für sie, durch mich als Mehrfachmutter, durch Kunden oder generell durch Freunde mit kleinen Kindern immer mal wieder mit dem Thema "Kind" konfrontiert zu werden. Dann zog sie in eine andere Stadt, weg von den Orten, wo sie sich nicht so ganz wohl gefühlt hatte und mit 42 wurde sie schwanger (ohne weitere medizinische Eingriffe) Ihr Sohn ist jetzt knapp 1,5 Jahre!
    Oder: meine Tante, ebenfalls ungewollt kinderlos, entschied sich (als Ersatz sozusagen) mit Ihrem Mann für eine Adoption. Das Verfahren dauerte nahezu 2 Jahre, aber als die frohe Botschaft der Adoption kam, wurde sie kurz darauf schwanger. Beide Jungs (Adoptionskind und Eigenes) wuchsen herrlich nebeneinander auf, heute ist sie Oma des Kindes des Adoptionssohnes....

    Manche Dinge im Leben haben ganz andere Ursachen und gehen ihre ganz eigenen Wege. Vielleicht machen Dir diese beiden Beispiele MUT

    LG eine Leserin

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