Freitag, 9. Mai 2014

Endlich Freitag!

Es ist wieder mal Freitagnachmittag und ich sitze total geplättet am Küchentisch. Mein Unterricht, bzw. die Kinder, waren heute sehr anstrengend. Gerade habe ich noch das letzte Organisatorische im Schulintranet erledigt und eine heiße Schokolade getrunken. Jetzt habe ich das Diensthandy ausgeschaltet und es ist endlich Wochenende. Ich weiß noch nicht, was ich von dieser Woche halten soll.
Was mich definitiv sehr runter gezogen hat, waren die beruflichen "Neuigkeiten"... Dass ich davon ausgegangen bin, das Examen am Ende des Semesters zu erhalten, war vielleicht naiv, das ist vielleicht nur in Deutschland oder gar nur in Bayern so?! Eigentlich müsste ich es ja langsam wissen, dass man in Schweden von unter 3 Monaten gar nicht von Wartezeit spricht.
Ein anderer Hammer war das Ausfüllen des Kompetenzerfassungsbogens (Foto oben): Mit einem ausländischen Lehrerexamen und einer fast fertigen Weiterbildung sowie anderen Sprachqualifikationen erfülle ich gerade mal 5% des Anforderungsprofils für Lehrer?!?!
Mein Mann sagt, dass das ja nur eine Formalie wäre, ich soll mich nicht aufregen. Aber erstens frage ich mich, was er in einer ähnlichen Sitaution machen würde und zweitens bin ich schon erstaunt, was man wohl alles können muss, um zumindest auf 50% zu kommen... Auf den Händen laufend jonglieren und die schwedische Nationalhymne singen?!
Ich hatte jedenfalls schon ein paar mehrere Augenblicke, in denen ich gerne alles hingeschmissen hätte. Vor allem weil ich die letzten beiden Weiterbildungsjahre und insbesondere das letzte mit der Doppelbelastung nur so gut durchgestanden habe, weil ich das Ziel vor Augen hatte. Wie sehr habe ich mich auf ein Ende gefreut, aber der Schlauch scheint noch - richtig gerechnet, Kathrin, mindestens ein Jahr weiter zu gehen. Ein eigenes Klassenzimmer, eine eigene Klasse, Ruhe, Routine, Alltag *plopp* - Seifenblase zerplatzt. Die Dame für das Weiterbildungsprojekt meinte, dass falls ich trotzdem schon eine Arbeit suchen wollte, solle ich es doch mit der Teilnahmebestätigung versuchen. Wie trotzdem? Bleiben schwedische Lehramtsstudenten dann erstmal ein Jahr zu Hause und warten auf die Dokumente?!
Heute habe ich jedenfalls meine Bewerbung für nächstes Schuljahr wieder beim Sprachzentrum eingereicht und ich hoffe, dass sich niemand mit Lehrerzulassung bewirbt. Für den Muttersprachunterricht reicht zum Glück vorerst noch mein deutsches Examen. Aber glücklich bin ich damit nicht gerade...
Hier habe ich ja auch angedeutet, dass ich bald meine Aufenthaltserlaubnis verlängern lassen muss. Ratet mal, wie lange da die Wartezeit ist?!
Aber, es muss ja auch irgendwie weitergehen und so habe ich diese Woche mit Freude und Elan an einer Präsentation für die Weiterbildung gebastelt. Manchmal frage ich mich ernsthaft, woher ich diese Energie noch nehme, habe ich bald ein großes Loch irgendwo?!
Etwas Energie ziehe ich jedenfalls aus kleinen Alltagsfreuden. Heute habe ich mich zum Beispiel gefreut, dass das Radeln im Regen nicht mehr so kalt ist wie noch vor ein paar Wochen... Und ich freue mich über meine Handschuhe, die immer noch in Gebrauch sind.
Ich freue mich über die erste Weinbergschnecke des Jahres und...
... über den Anblick der Kaffeetasse auf dem Parkautomaten. Ich frage mich schon die ganze Woche, wer die da wohl hingestellt und vergessen hat?!
Ich habe mir wider des Wetterberichts Sandalen gekauft und trage sie halt jetzt erst mal mit Strumpfhose im Klassenzimmer ;)

Und ich habe gut gekocht und gegessen. Hier ein neuer Favorit: Buchweizenrisotto mit Bärlauch und gebackenem Käse (selber paniert mit Senfkruste!) - mmh :)
Ein paar kühle, aber sonnige Augenblicke gab es auch.

Habt ein schönes Wochenende!

6 Kommentare:

  1. Liebe Barbara,

    es tut mir so leid, dass Du von der schwedischen Bürokratie so ausgebremst wirst. Der Umgang mit Ausländern scheint in Schweden noch bürokratischer sein als in Deutschland. Eine Sache kann ich allerdings gar nicht verstehen, warum benötigst Du eine Aufenthaltserlaubnis, Du bist doch EU Bürgerin und in EU gilt Freizügigkeitsgesetzt, das allen EU Bürgern erlaubt in anderen EU Ländern zu wohnen und zu arbeiten.
    Auszug aus dem Internet.
    Freizügigkeit – EU Bürger

    Die Freizügigkeit von Arbeitnehmern ist ein in Artikel 45 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union verankerter Grundsatz, dessen Umsetzung durch abgeleitetes EU-Recht und die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs gewährleistet wird. EU-Bürgern steht es demnach zu,

    in einem anderen EU-Land Arbeit zu suchen,
    dort zu arbeiten, ohne dass eine Arbeitserlaubnis erforderlich wäre,
    zu diesem Zweck dort zu wohnen,
    selbst nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses dort zu bleiben,
    hinsichtlich Zugang zu Beschäftigung, Arbeitsbedingungen und aller anderen Sozialleistungen und Steuervorteile genauso behandelt zu werden wie die Staatsangehörigen des Aufnahmelandes.

    Allerdings Bürokratie herrscht auch in Deutschland und so manches mal nicht zu knapp.
    Auf die Note meiner Diplomarbeit wartete ich an einer deutschen Uni sieben!!! Monate.

    Liebe Grüße
    felis

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    1. Liebe Felis,

      das ist ganz lieb, dass du mir sogar den Gesetzestext rausgesucht hast! :)
      Ich brauche eine Aufenthaltserlaubnis, weil ich als Lehrerin im "Staatsdienst" arbeite und da reicht das Aufenthaltsrecht, das man als EU-Bürger natürlich hat, nicht aus. Allein mit dem Aufenthaltsrecht hätte ich z.B. auch nicht an der regierungsfinanzierten Weiterbildung teilnehmen dürfen, deshalb habe ich auch gleich von Anfang an die Erlaubnis beantragt (ich habe bis jetzt eine befristete, die nach 2 Jahren in eine unbefristete umgewandelt werden kann). Zudem ist die Aufenthaltserlaubnis Voraussetzung, wenn man dann die (doppelte) Staatsbürgerschaft beantragen will - was wahrscheinlich nicht alle wollen, die nur zum Arbeiten kommen.

      Mit Bürokratie könnte ich ja noch, aber dieses ständige Geringschätzen alles Nicht-Schwedischen, aller nicht-schwedischen Abschlüsse usw., das ist sehr verletzend und frustrierend (zumal es ja auch da inzwischen EU-Regelungen gibt, Bologna etc).

      Herzliche Grüße,
      Barbara

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  2. Ich wünsch dir eine riesige Portion Kraft!! Alles, alles Liebe.
    Maria

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  3. Na das hört sich ja ziemlich desaströs an, liebe Barbara - gib aber nicht auf.
    Wenn ich so dein Outfit ansehe, muss ich sagen, bin ich doch froh hier in südlicheren Gefilden zu leben. :)
    HG sendet Dir
    Birgit

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  4. Liebe Barbara, das Geringschaetzen allen Auslaendischen ist vermutlich ueberall auf der Welt so. Und dabei sind die Schweden im Umgang noch wirklich hoeflich (die beste Freundin hat einen Schweden geheiratet und lebt dort)...Hier in Frankreich gibt es auch nur DEN einen richtigen Weg und das ist natuerlich der franzoesische...Und wenn ihr mal Kinder habt, wird es vermutlich noch schlimmer mit allen Ratschlaegen va der Schwiegerfamilie...
    Liebe Gruesse Rina

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    1. Liebe Rina,

      danke für deinen Kommentar, den ich aber hier nicht einfach so stehen lassen möchte. Ich bezog mich in meinem Eintrag vor allem, wenn nicht sogar ausschließlich, auf die Bürokratie und die Schwierigkeiten mit der Anerkennung von ausländischen Lehrerexamen. Über andere Berufsgruppen kann ich mich nicht äußern und in meinem Privatleben mache ich keinesfalls nur negative Erfahrungen - im Gegenteil. Meine Schwiegerfamilie und v.a. meine Schwägerin sind sehr aufgeschlossen und wir gehen unseren Weg. Ob sie den dann letztendlich immer gut finden, das weiß ich nicht.
      Es tut mir leid, wenn das bei dir nicht so einfach ist.
      Herzliche Grüße,
      Barbara

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