Ja, langsam verinnerlichen wir es: Wir haben ein Haus
gekauft ersteigert, unser Haus, unser zu Hause, in das wir im Sommer einziehen werden.
Vor drei Wochen hatte ich es
hier schon angedeutet: Endlich tat sich mal was auf dem Göteborger Immobilienmarkt. Wie auch in Stockholm läuft das Meiste über Kaufen und Verkaufen, der Mietmarkt ist zwar etwas größer als in der Hauptstadt, aber immer noch uninteressant, wenn man etwas größeres oder eher kurzfristig etwas sucht. Zudem haben wir auch schon länger vor, dass wir unsere Wohnsituation vergrößern, und wenn nicht jetzt, wann dann?! :-)
Über den Beginn unserer Immobilien-Spekulanten-Karriere habe ich hier schon mal geschrieben...
Seit mein Mann die Zusage für seine Stelle hatte, haben wir geschaut. Erfolglos. Keine Häuser, unpassende Häuser, zu weit weg, zu teuer, wieder tagelang keine neuen Häuser in den Anzeigen. Dabei hatten wir immer im Hinterkopf: Wenn wir noch vor dem Arbeitsbeginn des Mannes umziehen wollen, müssen wir bis zum 1. Mai gekauft haben. Puh!
Am Sonntag vor zwei Wochen ergab es sich aber, dass wir gleich drei Häuser ansehen konnten. Also reisten wir mal wieder nach Göteborg und besichtigten drei Objekte. Bei Objekt 1 wären mir fast die Ohren abgefallen, so laut umtoste die Stadtautobahn dieses Wohngebiet. Objekt 2 stellte sich als gut getarnte Mogelpackung heraus, mit hohem Ausgangspreis und nicht viel dahinter. Aller guten Dinge sind 3. In Objekt 3 haben der Mann und ich uns sofort verliebt. Wir wussten, das ist
unser Haus, das muss unser Haus werden.
Nun ist ja das bizarre an solchen öffentlichen Besichtigungsterminen, dass man sich etwa 45 Minuten mit ca. 20 anderen Interessenten durch das Haus bewegt und verzweifelt versucht, so viele Punkte von der imaginären Checkliste wie möglich zu kontrollieren. Bei diesem Haus stimmte aber irgendwie vor allem das Gefühl.
Es wäre aber nicht so, dass uns das nicht auch bei Häusern in Stockholm so ergangen wäre.
Wie schon gesagt, ist es für meinen Geschmack wirklich ein bisschen absurd, dass man ein Objekt 45 Minuten lang anschauen kann, für das man dann mehrere Millionen Kronen bezahlen soll. Für jeden anderen Kauf hat man mehr Zeit, sei es Auto oder eine neue Kamera oder ähnliches. Denn in der gleichen Hochgeschwindigkeit beginnt dann auch die Versteigerung.
Wir hatten uns mit meinem Schwiegervater beratschlagt und stiegen dann in das Bietverfahren ein. Bis zum Abend des ersten Tages war der Preis bereits um eine halbe Million Kronen (fast 50 000 €) gestiegen. Am nächsten Morgen flogen wir um 7 Uhr nach München und als der Mann am Gepäckband das Handy wieder einschaltete, waren bereits weitere Gebote abgegeben worden. Wir begrüßten meine Eltern, hüpften ins Auto, mein Papa fuhr los auf die Autobahn - und wir begannen wieder zu bieten. Per SMS, mit 140 auf der Autobahn in Niederbayern, bietet man Millionen und aber Millionen Kronen für ein Haus in Göteborg. Zwei Bieter stiegen aus, ein neuer Bieter stieg ein. Das Handy vibrierte im 10-Minuten-Takt. Mir war schon ganz übel, die Stimmung im Auto wie vor einem Gewitter. Kurz vor der Ausfahrt gab mein Mann unser letztes Gebot ab, wir hatten unser absolutes Limit erreicht.

Dann vibrierte das Handy meines Mannes nicht mehr. Mist, kein Empfang im Bayerischen Wald?! Ich schwitzte, ich frohr, ich zitterte. Wir verschickten Probe-SMS und warteten. Drei Stunden, drei ewig lange Stunden. Dann rief der Makler an: "Herzlichen Glückwünsch, ihr habt die Versteigerung gewonnen!"
Wir lachten, weinten, hüpften, schauten uns besorgt in die Augen - und dann das ganze nochmal von vorne. Wir hatten ein Bietverfahren gewonnen. Wir waren an unser absolutes Limit gegangen - wird dieses Haus es dann
wert sein?! Egal, die Freude überwog erstmal und ich hatte so vielleicht mein schönstes Geburtstagsgeschenk erhalten.
Dann musste es aber weiter flott gehen, der Makler mailte schon den Entwurf des Kaufvertrags, wir buchten von Bayern die Züge, flogen Samstagabend nach Stockholm und fuhren Sonntagmorgen nach Göteborg. Dort spazierten wir durch unser neues Wohnviertel, besichtigten das Haus noch einmal kurz mit einem Sachverständigen, trafen erstmals die Eigentümer/Verkäufer und unterschrieben den Kaufvertrag. Diese Woche tätigten wir noch die Anzahlung - drei, zwei, eins - unser Haus!!!

Tja, und nun haben wir wirklich ein Haus, unser Haus, ein bisschen unser Traum-Haus! Schon in zwei Monaten wird die Übergabe und der Umzug stattfinden. Bis dahin müssen wir unsere Stockholmer Wohnung aufräumen, stylen, verkaufen, ausräumen (und nebenbei noch das Schuljahr zu Ende bringen!). Der Sommer will gut durchgeplant, organisiert, vorbereitet werden. Wir beschäftigen uns mit wirklich wichtigen Dingen, wie der Sickerung, die noch dieses Jahr erneuert werden muss, aber auch mit schönen Dingen, wie der Tapeten- und Farbauswahl für verschiedene Räume. Ja, wir haben wirklich ein Haus.
Und wie nähert man sich einem Haus, das man nur etwa 2 Stunden gesehen hat, davon manche Räume nur 10 Minuten, manche Ecken des Grundstücks noch kürzer? Man malt es aus der Maklerbroschüre ab: Zählt die Treppenstufen, betrachtet die Fenster, studiert Dachrinnen und analysiert den Schornstein.
Schön ist es unser Haus, und ich bin froh, dass es nicht rot ist - das wäre ja vielleicht doch ein bisschen zu viel des Guten ;-)