Der kladdkaka in Schweden ist berühmt und berüchtigt. Nichts für Leute mit Diätvorhaben oder Zuckerphobie. Am Besten wird er noch lauwarm gegessen, mit Sahne oder Vanilleeis und mit einem weichen Kern.
Das Ganze ist mir dann doch zu mächtig und so habe ich nach alternativen Rezepten gesucht. Mit Orangenschale im Teig dann doch etwas frischer, den Zucker reduzieren und mit leckeren Nüssen als Deko, befand ich dieses Rezept hier für sehr gut und teile es gerne mit Euch (Achtung! Es ist immer noch recht gehaltvoll, aber leider auch sehr gut!):
200 g Butter schmelzen und darin 200 g Vollmilchschokolade zergehen lassen.
In einer anderen Schüssel 100 g Zucker mit 3 Eiern verschlagen und nach und nach die Schokobutter unterrühren.
Schließlich die Schale von 2 Bio-Orangen sowie 150 g Mehl zugeben. Im Originalrezept nicht vorgesehen, gebe ich doch immer einen halben TL Backpulver zu, damit der Kuchen nicht ganz so klebrig ("kladdig") und zusammengesunken wird.
In einer gut gefetteten bzw. mit Backpapier ausgekleideten Form ca. 20 Minuten bei 200°C im Ofen backen.
Mit etwas Schokolade (im Original doch noch mal 150 g, hier von mir nur 25 g!) und Pekannüssen verzieren. Schmeckt sehr gut zu etwas "Bitterem" wie starkem Kaffee oder starkem schwarzen Tee.
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Freitag, 3. November 2017
Mittwoch, 22. Februar 2017
Yarn Along 3/2017
Knitting: Gudrun mittens for my sister in law (second attempt)
Reading:Odinsbarn by Siri Pettersen, the first book i a fantasy trilogy, inspired by Old Scandinavian motives
AND thumbing through all the books I purchased today at the Swedish books' sale.
Joining Ginny for another inspiring Yarn Along
Heute ist quasi der beste Tag im Jahr für eine Buchliebhaberin - der Bücherschlussverkauf beginnt. Wie schon 2014, stand ich auch heute um 7 Uhr vor dem Buchgeschäft und habe mich vor allem mit Kochbüchern und Gartenbüchern eingedeckt. Was der Bücherschlussverkauf ist und wie mein Stapel 2014 aussah, kann man hier sehen.
Ich stricke langsam an den Handschuhen weiter, schließlich hat die Schule wieder begonnen und es gibt viel anderes zu tun.
Freitag, 3. Februar 2017
Apfelliebe: Schnelles Apfelbrot
Jetzt ist aber glücklicherweise der fernsehfreie Februar ;-) und ich verrate euch endlich das Rezept für das schnelle Apfelbrot:
Zwei Kastenformen fetten und mit Semmelbröseln ausstreuen.
Den Ofen auf 175°C vorheizen.
In einer Schüssel alle trockenen Zutaten mischen:
- 4 dl Haferflocken
- 300 g feines Dinkelmehl
- 300 g Vollkorn-Dinkelmehl
- 1 dl Leinsamen
- 1 dl Sonnenblumenkerne
- 1 1/2 TL Salz
- 4 TL Bikarbonat (Backnatron)
- 2 geriebene Äpfel,
- 2 EL Honig und
- 9 dl (900 ml) flüssigen Magerjoghurt
Ich will auch noch die Gelegenheit nutzen und kurz Gesas Fragen von der Sonntagsfreude beantworten:
Nein, leider backe ich viel zu selten unser eigenes Brot. Ich hoffe, dass es aber wieder mehr wird. Seit November haben wir jetzt einen großen Gefrierschrank und mein Ziel ist es, eine Schublade nach und nach mit selbstgebackenem Brot zu füllen, so dass immer was da ist. Wenn ich in Deutschland bin, kaufe ich dort Brot ein und gefriere es teilweise ein. Ebenso gibt es in unserem Bioladen sehr gutes Brot.
Sauerteigbrot habe ich schon seit fast einem Jahr nicht mehr gemacht. Schade eigentlich...
Ich habe mehrere Alltagsbrote, die alle mit Hefe oder Backpulver bzw. Bikarbonat gebacken werden (z.B. Jakobs Dinkelbrot) und so recht flott gehen. Andererseits bin ich recht experimentierfreudig und teste auch gerne neue Rezepte.
Donnerstag, 3. November 2016
Ein Brief an J
in einem Kommentar letzte Woche hast du mich gefragt, ob ich die Doku über die Arbeitsbedingungen in Schweden gesehen hätte und was ich darüber dächte. Nun schaue ich ja nicht mehr so viele Berichte über Schweden im deutschen Fernsehen an, aber dein Kommentar hatte mich neugierig gemacht. Also legte ich mich aufs Kanapee und versuchte objektiv meiner Aufgabe als Kritikerin zu walten. Leider bekam ich immer wieder Anfälle von Brechreiz und in meinem Hinterkopf dämmerte es, warum ich mir eigentlich keine Berichte über Schweden mehr im deutschen Fernsehen ansehen wollte. Das einzig legitime Fernsehprogramm, auch für Aus-/Einwanderer, ist meiner Meinung nach Inga Lindström ;-)
Nun aber zu meiner 'Filmkritik':
1. Man erfährt über Frau Van den Boom gleich zu Beginn, dass sie Autorin von Beruf ist und Schweden ihr Lieblingsland ist! Da kann man wohl schon kaum mehr eine objektive Reportage für einen öffentlich-rechtlichen Sender machen.
2. Die Reportage wurde natürlich im Sommer gemacht, vermutlich während der 20 Tage im Juli, an denen ausnahmsweise die Sonne scheint und Frau Van den Boom an Seen stehen bleiben kann und verzückt Handyfotos knipsen kann. Warum war sie nochmal in Schweden unterwegs?!
3. Frau Van den Boom oder auch die Redaktion haben sich ausschließlich Betriebe in der freien Wirtschaft ausgesucht, junge Startups, oft im IT-Bereich. Da frage ich mich schon, was ist mit den Angestellten an Schulen, Krankenhäusern, in den Kommunen und anderen öffentlichen Bereichen? Tanzen auch die Müllmänner, Straßenkehrer und Milchbauern morgens? Wenn man hier so glücklich arbeitet, warum haben gerade über 20 Hebammen und Kinderkrankenschwestern am Krankenhaus in Helsingborg gekündigt? Warum gehören Grundschullehrerinnen mit 45 Stunden/Woche und Aufgaben, die weit über den 'Lehrauftrag' hinausgehen neben Krankenschwestern zur Risikogruppe Nr. 1 für Burnout?
4. Die vorgestellten Betriebe sind alle in der Ballungsregion Südschweden angesiedelt, immer in Großstadtnähe. Was ist mit den Arbeitnehmern im Nordland? Wie glücklich ist man, wenn die Arbeitsplätze aus der Region verschwinden? Wie glücklich ist man, wenn man über eine Stunde einfach in Schnee und Dunkelheit pendeln muss, oder schließlich doch wegziehen muss, was das Land weiter entvölkert?! Warum wird im Moment in den schwedischen Medien diskutiert, ob das Norrland die neue Kolonie Südschwedens ist, das man zur vermeintlich umweltfreundlichen Stromgewinnung ausbeutet, Krankenhäuser, Schulen und anderer Service wird aber abgezogen werden?!
5. Bei ihrer Frage an Schweden gleich zu Beginn, ob sie glücklich seien, antwortet ein älterer Herr: "Wir haben gelernt zu antworten, dass wir glücklich sind. Aber es sind wohl nur wenige." Auf diese eine authentische Antwort wird aber nicht weiter eingegangen, sondern Frau Van den Boom sucht gleich weiter nach glücklichen Arbeitnehmern. Psychische Erkrankungen, Winterdepression und anderes, was in Schweden durchaus sehr häufig ist, durch alle Alters- und Gesellschaftschichten hindurch, wird nicht mit einem Wort erwähnt.
6. "Schweden ist das beste Land um Familie und Arbeitsleben zu vereinbaren". Das stimmt natürlich, wenn man sich dem nationalen Diktat unterwirft, das Kind ab 1 1/2 - 2 Jahren täglich bis zu 8 oder 9 Stunden in eine Krippe zu geben, in der vorallem unausgebildete Kräfte arbeiten (weil Frauenberufe im sozialen Bereich so grottenschlecht bezahlt werden, dass dort vorallem Studenten, Migrantinnen oder Pensionisten arbeiten, die nebenher jobben... Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber die Schweden sind was Schule und Kindergarten angeht ziemlich leicht zufrieden zu stellen, hauptsache, das Kind hat Spaß (auch besonders wichtig in der Schule!) und ist verwahrt und bekommt eine warme Mahlzeit am Tag auf Steuerkosten). Was ist aber mit den Familien, in denen jemand länger zu Hause bleiben möchte? Was ist mit denen, die ihre Kinder gerne selbst erziehen möchten? Da hat der Staat schon einen Riegel vorgeschoben, indem es kein Ehegattensplitting oder Partnerrente gibt, und will man (oft als Frau mit niedrigerem Einkommen) nicht in der Altersarmutsfalle landen, muss man früh wieder arbeiten und in die eigene Versorgung einzahlen.
7. Vielleicht hat der/die normale schwedische Angestellte in einem Betrieb auch tatsächlich weniger Stress, dafür wartet dann aber der Kunde schon mal Wochen/Monate auf sein Produkt oder die Bearbeitung der Anfrage (oder Stunden auf die Bedienung im Geschäft). Schweden ist eine Service-Wüste! Wer in den deutschsprachigen Ländern jammert, sollte mal in Schweden sein Glück versuchen...
usw.
Mein Fazit: Das war die schlechteste, verdrehteste Doku seit Langem und ich hoffe, dass ganz viele, die das gesehen haben, ihren eigenen Kopf benutzen und sich Gedanken machen, ob das wirklich so sein kann. Flacher Journalismus, der nur einmal wieder das Bullerbü-Klischee bedient, und der schwedische Tourismus-Verband lacht sich krank über die doofen Deutschen, die gratis Werbung zur besten Sendezeit machen und weiter Geld in den südschwedischen Tourismus spülen. Ich bin mir sicher, dass man auch unter deutschen Startups so innovative Betriebe findet, vielleicht in Berlin oder München, aber da hätte Frau Van der Boom ja nicht nach Schweden reisen können. Wie sagte eine Freundin von mir?! "Schreib "schwedisch" drauf und du kannst es in Deutschland für den vierfachen Preis verkaufen..." und da ist wohl was dran, auch was Berichterstattung und Information betrifft.
Liebe Jana (und liebe andere Leserinnen), ich hoffe, meine Filmkritik konnte ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und zum Nachdenken anregen. Ich will Schweden nicht schlecht machen, aber ich wünsche mir ein realistischeres Bild von dem Land, das nur ein Land wie alle anderen ist (mit Rüstungsindustrie, Landflucht, immer noch schlechteren Arbeitsbedingungen von Frauen, Rassismus usw.). Schweden hat nur das Glück mit Projektionen und Wunschvorstellungen aufgeladen/überlagert zu sein und profitiert immens von diesem Image. Und für mich ist es extrem anstrengend, immer alles richtig stellen zu müssen...
Diese Filmkritik war aber ein Vergnügen zu schreiben (wenn man vom Brechreiz beim Dokuschauen mal absieht) und war wohl wirklich notwendig. Lies weiterhin gerne Astrid-Lindgren-Bücher oder schau auch gerne Inga Lindström-Filme, da weiß man, dass es erfundene Geschichten vor einer schönen Kulisse sind, aber glaub nicht an die modernen Schweden-Märchen, da ist meistens was faul.
p.s.: Bücher von Frau Van den Boom würde ich mir wirklich nicht kaufen!
Nun aber zu meiner 'Filmkritik':
1. Man erfährt über Frau Van den Boom gleich zu Beginn, dass sie Autorin von Beruf ist und Schweden ihr Lieblingsland ist! Da kann man wohl schon kaum mehr eine objektive Reportage für einen öffentlich-rechtlichen Sender machen.
2. Die Reportage wurde natürlich im Sommer gemacht, vermutlich während der 20 Tage im Juli, an denen ausnahmsweise die Sonne scheint und Frau Van den Boom an Seen stehen bleiben kann und verzückt Handyfotos knipsen kann. Warum war sie nochmal in Schweden unterwegs?!
3. Frau Van den Boom oder auch die Redaktion haben sich ausschließlich Betriebe in der freien Wirtschaft ausgesucht, junge Startups, oft im IT-Bereich. Da frage ich mich schon, was ist mit den Angestellten an Schulen, Krankenhäusern, in den Kommunen und anderen öffentlichen Bereichen? Tanzen auch die Müllmänner, Straßenkehrer und Milchbauern morgens? Wenn man hier so glücklich arbeitet, warum haben gerade über 20 Hebammen und Kinderkrankenschwestern am Krankenhaus in Helsingborg gekündigt? Warum gehören Grundschullehrerinnen mit 45 Stunden/Woche und Aufgaben, die weit über den 'Lehrauftrag' hinausgehen neben Krankenschwestern zur Risikogruppe Nr. 1 für Burnout?
4. Die vorgestellten Betriebe sind alle in der Ballungsregion Südschweden angesiedelt, immer in Großstadtnähe. Was ist mit den Arbeitnehmern im Nordland? Wie glücklich ist man, wenn die Arbeitsplätze aus der Region verschwinden? Wie glücklich ist man, wenn man über eine Stunde einfach in Schnee und Dunkelheit pendeln muss, oder schließlich doch wegziehen muss, was das Land weiter entvölkert?! Warum wird im Moment in den schwedischen Medien diskutiert, ob das Norrland die neue Kolonie Südschwedens ist, das man zur vermeintlich umweltfreundlichen Stromgewinnung ausbeutet, Krankenhäuser, Schulen und anderer Service wird aber abgezogen werden?!
5. Bei ihrer Frage an Schweden gleich zu Beginn, ob sie glücklich seien, antwortet ein älterer Herr: "Wir haben gelernt zu antworten, dass wir glücklich sind. Aber es sind wohl nur wenige." Auf diese eine authentische Antwort wird aber nicht weiter eingegangen, sondern Frau Van den Boom sucht gleich weiter nach glücklichen Arbeitnehmern. Psychische Erkrankungen, Winterdepression und anderes, was in Schweden durchaus sehr häufig ist, durch alle Alters- und Gesellschaftschichten hindurch, wird nicht mit einem Wort erwähnt.
6. "Schweden ist das beste Land um Familie und Arbeitsleben zu vereinbaren". Das stimmt natürlich, wenn man sich dem nationalen Diktat unterwirft, das Kind ab 1 1/2 - 2 Jahren täglich bis zu 8 oder 9 Stunden in eine Krippe zu geben, in der vorallem unausgebildete Kräfte arbeiten (weil Frauenberufe im sozialen Bereich so grottenschlecht bezahlt werden, dass dort vorallem Studenten, Migrantinnen oder Pensionisten arbeiten, die nebenher jobben... Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber die Schweden sind was Schule und Kindergarten angeht ziemlich leicht zufrieden zu stellen, hauptsache, das Kind hat Spaß (auch besonders wichtig in der Schule!) und ist verwahrt und bekommt eine warme Mahlzeit am Tag auf Steuerkosten). Was ist aber mit den Familien, in denen jemand länger zu Hause bleiben möchte? Was ist mit denen, die ihre Kinder gerne selbst erziehen möchten? Da hat der Staat schon einen Riegel vorgeschoben, indem es kein Ehegattensplitting oder Partnerrente gibt, und will man (oft als Frau mit niedrigerem Einkommen) nicht in der Altersarmutsfalle landen, muss man früh wieder arbeiten und in die eigene Versorgung einzahlen.
7. Vielleicht hat der/die normale schwedische Angestellte in einem Betrieb auch tatsächlich weniger Stress, dafür wartet dann aber der Kunde schon mal Wochen/Monate auf sein Produkt oder die Bearbeitung der Anfrage (oder Stunden auf die Bedienung im Geschäft). Schweden ist eine Service-Wüste! Wer in den deutschsprachigen Ländern jammert, sollte mal in Schweden sein Glück versuchen...
usw.
Mein Fazit: Das war die schlechteste, verdrehteste Doku seit Langem und ich hoffe, dass ganz viele, die das gesehen haben, ihren eigenen Kopf benutzen und sich Gedanken machen, ob das wirklich so sein kann. Flacher Journalismus, der nur einmal wieder das Bullerbü-Klischee bedient, und der schwedische Tourismus-Verband lacht sich krank über die doofen Deutschen, die gratis Werbung zur besten Sendezeit machen und weiter Geld in den südschwedischen Tourismus spülen. Ich bin mir sicher, dass man auch unter deutschen Startups so innovative Betriebe findet, vielleicht in Berlin oder München, aber da hätte Frau Van der Boom ja nicht nach Schweden reisen können. Wie sagte eine Freundin von mir?! "Schreib "schwedisch" drauf und du kannst es in Deutschland für den vierfachen Preis verkaufen..." und da ist wohl was dran, auch was Berichterstattung und Information betrifft.
Liebe Jana (und liebe andere Leserinnen), ich hoffe, meine Filmkritik konnte ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und zum Nachdenken anregen. Ich will Schweden nicht schlecht machen, aber ich wünsche mir ein realistischeres Bild von dem Land, das nur ein Land wie alle anderen ist (mit Rüstungsindustrie, Landflucht, immer noch schlechteren Arbeitsbedingungen von Frauen, Rassismus usw.). Schweden hat nur das Glück mit Projektionen und Wunschvorstellungen aufgeladen/überlagert zu sein und profitiert immens von diesem Image. Und für mich ist es extrem anstrengend, immer alles richtig stellen zu müssen...
Diese Filmkritik war aber ein Vergnügen zu schreiben (wenn man vom Brechreiz beim Dokuschauen mal absieht) und war wohl wirklich notwendig. Lies weiterhin gerne Astrid-Lindgren-Bücher oder schau auch gerne Inga Lindström-Filme, da weiß man, dass es erfundene Geschichten vor einer schönen Kulisse sind, aber glaub nicht an die modernen Schweden-Märchen, da ist meistens was faul.
p.s.: Bücher von Frau Van den Boom würde ich mir wirklich nicht kaufen!
Montag, 31. Oktober 2016
Halloween kann man feiern oder nicht...
... und es gibt sicher so viele Befürworter wie Gegner, aber wir, d.h. 4 Lehrerinnen und 4 vierte Klassen, haben es am Donnerstag vor den Herbstferien getan. Schweden ist ja an sich ziemlich arm an Jahreskreisfesten und noch ärmer, wenn man schaut, was für die Kinder da ist. Kein Fasching, kein Martinsfest, da erscheint es mir nicht so abwegig, dass man auf den Halloween-Zug aufspringt, denn das Bedürfnis nach Ritualen, Festen und Haltepunkten durch das Jahr wohnt wohl jedem/jeder inne.
Letztendlich kommt es auch darauf an, was man daraus macht. Bei uns war es wohl eher ein "Themafest" und hatte mit dem amerikanischen Halloween nicht so viel gemeinsam...
Ich habe damit begonnen, 120 Mini-Muffins zu backen. Gefärbt mit Lebensmittelfarben, mit Gespensterschleim dekoriert. Dieser hier in den Farben blau, grün und rot wird von Dr.*Oe*tker angeboten, aber wohl nur für den schwedischen Markt, oder?! Es heißt natürlich auch nicht Gespensterschleim, sondern Dekorgelee.
Die Kinder selber durften zwei Kinderhände voll salzige Snacks mitbringen und ein Getränk. In einem Klassenzimmer gab es eine "Disco", ein einem anderen einen Gespensterfilm. Im dritten Klassenzimmer hatten wir "die Kammer des Ekelns", in der man blind in Behältern nach Kuhaugen (Oliven), Würmern (kalte, ölige Spaghetti) und anderem tasten konnte. In meinem Klassenzimmer gab es Bastelangebote mit Papier.
Hätte ich das Fest ganz alleine ausgerichtet, hätte es sicher noch einmal einen anderen Ton bekommen, aber es war gut so. 100 Kinder in 1 1/2 Stunden glücklich zu machen, ist schon logistisch nicht einfach, aber am Ende waren alle zufrieden.
Was mir noch auffiel, war, dass die Verkleidungen sich nur im Schreckspektrum bewegten (Zombie, Figuren aus Gruselfilmen, Skelette usw.). Nun habe ich schon lange nicht mehr in Deutschland gelebt und kann die letztjährigen Trends nicht beurteilen, aber als wir in den USA wohnten, fiel mir auf, dass die Kinder dort oft sehr fantasievolle Verkleidungen hatten, wie Figuren aus Kinderbüchern, oder klassische Figuren wie Prinzessin oder Pirat. Hier glaube ich, gibt es zwei Ursachen in Schweden: Zum einen, wie das Fest eingeführt und etabliert wurde und zum anderen, was in den Geschäften als Verkleidung angeboten wird. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.
Und weil ich die Bastelangebote schon mal daheim vorgemacht habe, habe ich mir erlaubt, im Bingo "etwas mit Papier machen" anzukreuzen.
Ich wünsche euch schöne Herbstferientage sowie ruhige Tage rund um den Reformationstag und Allerheiligen!
Letztendlich kommt es auch darauf an, was man daraus macht. Bei uns war es wohl eher ein "Themafest" und hatte mit dem amerikanischen Halloween nicht so viel gemeinsam...
Ich habe damit begonnen, 120 Mini-Muffins zu backen. Gefärbt mit Lebensmittelfarben, mit Gespensterschleim dekoriert. Dieser hier in den Farben blau, grün und rot wird von Dr.*Oe*tker angeboten, aber wohl nur für den schwedischen Markt, oder?! Es heißt natürlich auch nicht Gespensterschleim, sondern Dekorgelee.
Die Kinder selber durften zwei Kinderhände voll salzige Snacks mitbringen und ein Getränk. In einem Klassenzimmer gab es eine "Disco", ein einem anderen einen Gespensterfilm. Im dritten Klassenzimmer hatten wir "die Kammer des Ekelns", in der man blind in Behältern nach Kuhaugen (Oliven), Würmern (kalte, ölige Spaghetti) und anderem tasten konnte. In meinem Klassenzimmer gab es Bastelangebote mit Papier.
Hätte ich das Fest ganz alleine ausgerichtet, hätte es sicher noch einmal einen anderen Ton bekommen, aber es war gut so. 100 Kinder in 1 1/2 Stunden glücklich zu machen, ist schon logistisch nicht einfach, aber am Ende waren alle zufrieden.
Was mir noch auffiel, war, dass die Verkleidungen sich nur im Schreckspektrum bewegten (Zombie, Figuren aus Gruselfilmen, Skelette usw.). Nun habe ich schon lange nicht mehr in Deutschland gelebt und kann die letztjährigen Trends nicht beurteilen, aber als wir in den USA wohnten, fiel mir auf, dass die Kinder dort oft sehr fantasievolle Verkleidungen hatten, wie Figuren aus Kinderbüchern, oder klassische Figuren wie Prinzessin oder Pirat. Hier glaube ich, gibt es zwei Ursachen in Schweden: Zum einen, wie das Fest eingeführt und etabliert wurde und zum anderen, was in den Geschäften als Verkleidung angeboten wird. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.
Und weil ich die Bastelangebote schon mal daheim vorgemacht habe, habe ich mir erlaubt, im Bingo "etwas mit Papier machen" anzukreuzen.
Ich wünsche euch schöne Herbstferientage sowie ruhige Tage rund um den Reformationstag und Allerheiligen!
Sonntag, 21. Februar 2016
Sonntagsfreude 5/2016: Die Zulassung ist da!
Am Sonntag
einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die
ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung
schlicht und einfach eine
Sonntagsfreude sind :)
Fast 16 Monate und einen Widerspruch samt 1500 Kronen Bearbeitungsgebühr später ist sie einfach so da: Meine Zulassung als schwedische Lehrerin - für alle von mir erworbenen und angestrebten Fächer. Einfach so. Ich kann es immer noch nicht fassen. Alle (beruflichen) Existenzängste scheinen plötzlich unnötig und substanzlos gewesen, doch die lange Zeit, in der ich gebangt, geflucht, gehadert habe, hat ihre Spuren hinterlassen. Es muss erst langsam sitzen und ins Bewusstsein vordringen: Ich bin eine zugelassene, staatlich geprüfte schwedische Grundschullehrerin für die Jahrgangsstufen 1-6 mit den Fächern Deutsch, Schwedisch, Mathe und SO (eine Fächerkombination aus Religion, Geschichte, Erdkunde und Sozialkunde)!!! RIESENSONNTAGSFREUDE!
Dienstag, 5. Mai 2015
Orange Grüße
Ihr Lieben,
ich bin völlig überwältigt, von Euren lieben Wünschen und Gratulationen zu unserem Haus. Tack! Auch herzlichen Dank der Nachfrage bezüglich des Gesundheitsstatus: Ja, es geht aufwärts, wir sind beide wieder auf den Beinen, der Mann schon fast ganz, bei mir zieht es sich. In den letzten Tagen wieder Migräne, Kreislauf, Magen, Darm - da will einiges verarbeitet werden. Aber ich arbeite und freue mich über die Struktur des Alltags. Wir essen viele Vitamine, aber manchmal muss es für mich auch eine Cola sein, um mich auf den Beinen zu halten.
Schon nächstes Wochenende (nach Christi Himmelfahrt) wird unsere Wohnung besichtigt und zum Verkauf freigegeben werden. Drückt uns die Daumen, dass uns das Bietsystem gewogen ist :-)
Das ist aber für mich im Moment gedanklich noch weiter weg, mich beschäftigt diese Woche sehr meine berufliche Zukunft. Ich schicke wöchentlich Bewerbungen ab, erkundige mich über Alternativen und habe für einen Abendkurs in Kinder- und Jugendliteratur an der Uni angesucht. Natürlich hat mein Mann eine gute Arbeit in Göteborg und wir haben unser Haus, aber ich glaube, ich würde eine Arbeitsstelle so sehr für mich brauchen, um in Göteborg Fuß fassen zu können. Abgesehen davon, dass es uns im Moment grad finanziell sehr gut tun würde (...), ist für mich hier die Arbeit in Schweden ein wichtiger Anküpfungspunkt, ein Ort der Integration und essentiell für mein Selbstbild und -gefühl im Heimland des Mannes.
In meine Gedankenblase "Arbeit" passt es da gerade sehr gut, dass ich nun erstmals DAS orange Kuvert erhalten habe. Im orangen Kuvert schickt die Pensionsbehörde jedes Jahr einen Rentenbescheid an alle arbeitenden Schweden raus, auch mit Informationen zu verschiedenen Anlegemöglichkeiten usw. Nachdem letztes Jahr nur der Mann ein Kuvert bekam, fühle ich mich mit meinem orangen Kuvert nun doch schon auch in der Mitte der schwedischen Gesellschaft angekommen ;-) ;-) ;-)
Wie Wane richtig gemutmaßt hat, wird der Blog in den nächsten Monaten eher sporadisch gefüllt werden. Zur Sonntagsfreude bin ich aber immer da und ich halte euch natürlich über alle wichtigen Ereignisse auf dem Laufenden.
Habt einen richtig schönen Vorsommer! Man liest sich :-)
Varma hälsningar, Barbara
ich bin völlig überwältigt, von Euren lieben Wünschen und Gratulationen zu unserem Haus. Tack! Auch herzlichen Dank der Nachfrage bezüglich des Gesundheitsstatus: Ja, es geht aufwärts, wir sind beide wieder auf den Beinen, der Mann schon fast ganz, bei mir zieht es sich. In den letzten Tagen wieder Migräne, Kreislauf, Magen, Darm - da will einiges verarbeitet werden. Aber ich arbeite und freue mich über die Struktur des Alltags. Wir essen viele Vitamine, aber manchmal muss es für mich auch eine Cola sein, um mich auf den Beinen zu halten.
Schon nächstes Wochenende (nach Christi Himmelfahrt) wird unsere Wohnung besichtigt und zum Verkauf freigegeben werden. Drückt uns die Daumen, dass uns das Bietsystem gewogen ist :-)
Das ist aber für mich im Moment gedanklich noch weiter weg, mich beschäftigt diese Woche sehr meine berufliche Zukunft. Ich schicke wöchentlich Bewerbungen ab, erkundige mich über Alternativen und habe für einen Abendkurs in Kinder- und Jugendliteratur an der Uni angesucht. Natürlich hat mein Mann eine gute Arbeit in Göteborg und wir haben unser Haus, aber ich glaube, ich würde eine Arbeitsstelle so sehr für mich brauchen, um in Göteborg Fuß fassen zu können. Abgesehen davon, dass es uns im Moment grad finanziell sehr gut tun würde (...), ist für mich hier die Arbeit in Schweden ein wichtiger Anküpfungspunkt, ein Ort der Integration und essentiell für mein Selbstbild und -gefühl im Heimland des Mannes.
In meine Gedankenblase "Arbeit" passt es da gerade sehr gut, dass ich nun erstmals DAS orange Kuvert erhalten habe. Im orangen Kuvert schickt die Pensionsbehörde jedes Jahr einen Rentenbescheid an alle arbeitenden Schweden raus, auch mit Informationen zu verschiedenen Anlegemöglichkeiten usw. Nachdem letztes Jahr nur der Mann ein Kuvert bekam, fühle ich mich mit meinem orangen Kuvert nun doch schon auch in der Mitte der schwedischen Gesellschaft angekommen ;-) ;-) ;-)
Wie Wane richtig gemutmaßt hat, wird der Blog in den nächsten Monaten eher sporadisch gefüllt werden. Zur Sonntagsfreude bin ich aber immer da und ich halte euch natürlich über alle wichtigen Ereignisse auf dem Laufenden.
Habt einen richtig schönen Vorsommer! Man liest sich :-)
Varma hälsningar, Barbara
Montag, 4. Mai 2015
Unser Haus
Ja, langsam verinnerlichen wir es: Wir haben ein Haus gekauft ersteigert, unser Haus, unser zu Hause, in das wir im Sommer einziehen werden.
Vor drei Wochen hatte ich es hier schon angedeutet: Endlich tat sich mal was auf dem Göteborger Immobilienmarkt. Wie auch in Stockholm läuft das Meiste über Kaufen und Verkaufen, der Mietmarkt ist zwar etwas größer als in der Hauptstadt, aber immer noch uninteressant, wenn man etwas größeres oder eher kurzfristig etwas sucht. Zudem haben wir auch schon länger vor, dass wir unsere Wohnsituation vergrößern, und wenn nicht jetzt, wann dann?! :-) Über den Beginn unserer Immobilien-Spekulanten-Karriere habe ich hier schon mal geschrieben...
Seit mein Mann die Zusage für seine Stelle hatte, haben wir geschaut. Erfolglos. Keine Häuser, unpassende Häuser, zu weit weg, zu teuer, wieder tagelang keine neuen Häuser in den Anzeigen. Dabei hatten wir immer im Hinterkopf: Wenn wir noch vor dem Arbeitsbeginn des Mannes umziehen wollen, müssen wir bis zum 1. Mai gekauft haben. Puh!
Am Sonntag vor zwei Wochen ergab es sich aber, dass wir gleich drei Häuser ansehen konnten. Also reisten wir mal wieder nach Göteborg und besichtigten drei Objekte. Bei Objekt 1 wären mir fast die Ohren abgefallen, so laut umtoste die Stadtautobahn dieses Wohngebiet. Objekt 2 stellte sich als gut getarnte Mogelpackung heraus, mit hohem Ausgangspreis und nicht viel dahinter. Aller guten Dinge sind 3. In Objekt 3 haben der Mann und ich uns sofort verliebt. Wir wussten, das ist unser Haus, das muss unser Haus werden.
Nun ist ja das bizarre an solchen öffentlichen Besichtigungsterminen, dass man sich etwa 45 Minuten mit ca. 20 anderen Interessenten durch das Haus bewegt und verzweifelt versucht, so viele Punkte von der imaginären Checkliste wie möglich zu kontrollieren. Bei diesem Haus stimmte aber irgendwie vor allem das Gefühl. Es wäre aber nicht so, dass uns das nicht auch bei Häusern in Stockholm so ergangen wäre.
Wie schon gesagt, ist es für meinen Geschmack wirklich ein bisschen absurd, dass man ein Objekt 45 Minuten lang anschauen kann, für das man dann mehrere Millionen Kronen bezahlen soll. Für jeden anderen Kauf hat man mehr Zeit, sei es Auto oder eine neue Kamera oder ähnliches. Denn in der gleichen Hochgeschwindigkeit beginnt dann auch die Versteigerung.
Wir hatten uns mit meinem Schwiegervater beratschlagt und stiegen dann in das Bietverfahren ein. Bis zum Abend des ersten Tages war der Preis bereits um eine halbe Million Kronen (fast 50 000 €) gestiegen. Am nächsten Morgen flogen wir um 7 Uhr nach München und als der Mann am Gepäckband das Handy wieder einschaltete, waren bereits weitere Gebote abgegeben worden. Wir begrüßten meine Eltern, hüpften ins Auto, mein Papa fuhr los auf die Autobahn - und wir begannen wieder zu bieten. Per SMS, mit 140 auf der Autobahn in Niederbayern, bietet man Millionen und aber Millionen Kronen für ein Haus in Göteborg. Zwei Bieter stiegen aus, ein neuer Bieter stieg ein. Das Handy vibrierte im 10-Minuten-Takt. Mir war schon ganz übel, die Stimmung im Auto wie vor einem Gewitter. Kurz vor der Ausfahrt gab mein Mann unser letztes Gebot ab, wir hatten unser absolutes Limit erreicht.
Dann vibrierte das Handy meines Mannes nicht mehr. Mist, kein Empfang im Bayerischen Wald?! Ich schwitzte, ich frohr, ich zitterte. Wir verschickten Probe-SMS und warteten. Drei Stunden, drei ewig lange Stunden. Dann rief der Makler an: "Herzlichen Glückwünsch, ihr habt die Versteigerung gewonnen!"
Wir lachten, weinten, hüpften, schauten uns besorgt in die Augen - und dann das ganze nochmal von vorne. Wir hatten ein Bietverfahren gewonnen. Wir waren an unser absolutes Limit gegangen - wird dieses Haus es dann wert sein?! Egal, die Freude überwog erstmal und ich hatte so vielleicht mein schönstes Geburtstagsgeschenk erhalten.
Dann musste es aber weiter flott gehen, der Makler mailte schon den Entwurf des Kaufvertrags, wir buchten von Bayern die Züge, flogen Samstagabend nach Stockholm und fuhren Sonntagmorgen nach Göteborg. Dort spazierten wir durch unser neues Wohnviertel, besichtigten das Haus noch einmal kurz mit einem Sachverständigen, trafen erstmals die Eigentümer/Verkäufer und unterschrieben den Kaufvertrag. Diese Woche tätigten wir noch die Anzahlung - drei, zwei, eins - unser Haus!!!
Tja, und nun haben wir wirklich ein Haus, unser Haus, ein bisschen unser Traum-Haus! Schon in zwei Monaten wird die Übergabe und der Umzug stattfinden. Bis dahin müssen wir unsere Stockholmer Wohnung aufräumen, stylen, verkaufen, ausräumen (und nebenbei noch das Schuljahr zu Ende bringen!). Der Sommer will gut durchgeplant, organisiert, vorbereitet werden. Wir beschäftigen uns mit wirklich wichtigen Dingen, wie der Sickerung, die noch dieses Jahr erneuert werden muss, aber auch mit schönen Dingen, wie der Tapeten- und Farbauswahl für verschiedene Räume. Ja, wir haben wirklich ein Haus.
Und wie nähert man sich einem Haus, das man nur etwa 2 Stunden gesehen hat, davon manche Räume nur 10 Minuten, manche Ecken des Grundstücks noch kürzer? Man malt es aus der Maklerbroschüre ab: Zählt die Treppenstufen, betrachtet die Fenster, studiert Dachrinnen und analysiert den Schornstein.
Schön ist es unser Haus, und ich bin froh, dass es nicht rot ist - das wäre ja vielleicht doch ein bisschen zu viel des Guten ;-)
Vor drei Wochen hatte ich es hier schon angedeutet: Endlich tat sich mal was auf dem Göteborger Immobilienmarkt. Wie auch in Stockholm läuft das Meiste über Kaufen und Verkaufen, der Mietmarkt ist zwar etwas größer als in der Hauptstadt, aber immer noch uninteressant, wenn man etwas größeres oder eher kurzfristig etwas sucht. Zudem haben wir auch schon länger vor, dass wir unsere Wohnsituation vergrößern, und wenn nicht jetzt, wann dann?! :-) Über den Beginn unserer Immobilien-Spekulanten-Karriere habe ich hier schon mal geschrieben...
Seit mein Mann die Zusage für seine Stelle hatte, haben wir geschaut. Erfolglos. Keine Häuser, unpassende Häuser, zu weit weg, zu teuer, wieder tagelang keine neuen Häuser in den Anzeigen. Dabei hatten wir immer im Hinterkopf: Wenn wir noch vor dem Arbeitsbeginn des Mannes umziehen wollen, müssen wir bis zum 1. Mai gekauft haben. Puh!
Am Sonntag vor zwei Wochen ergab es sich aber, dass wir gleich drei Häuser ansehen konnten. Also reisten wir mal wieder nach Göteborg und besichtigten drei Objekte. Bei Objekt 1 wären mir fast die Ohren abgefallen, so laut umtoste die Stadtautobahn dieses Wohngebiet. Objekt 2 stellte sich als gut getarnte Mogelpackung heraus, mit hohem Ausgangspreis und nicht viel dahinter. Aller guten Dinge sind 3. In Objekt 3 haben der Mann und ich uns sofort verliebt. Wir wussten, das ist unser Haus, das muss unser Haus werden.
Nun ist ja das bizarre an solchen öffentlichen Besichtigungsterminen, dass man sich etwa 45 Minuten mit ca. 20 anderen Interessenten durch das Haus bewegt und verzweifelt versucht, so viele Punkte von der imaginären Checkliste wie möglich zu kontrollieren. Bei diesem Haus stimmte aber irgendwie vor allem das Gefühl. Es wäre aber nicht so, dass uns das nicht auch bei Häusern in Stockholm so ergangen wäre.
Wie schon gesagt, ist es für meinen Geschmack wirklich ein bisschen absurd, dass man ein Objekt 45 Minuten lang anschauen kann, für das man dann mehrere Millionen Kronen bezahlen soll. Für jeden anderen Kauf hat man mehr Zeit, sei es Auto oder eine neue Kamera oder ähnliches. Denn in der gleichen Hochgeschwindigkeit beginnt dann auch die Versteigerung.
Wir hatten uns mit meinem Schwiegervater beratschlagt und stiegen dann in das Bietverfahren ein. Bis zum Abend des ersten Tages war der Preis bereits um eine halbe Million Kronen (fast 50 000 €) gestiegen. Am nächsten Morgen flogen wir um 7 Uhr nach München und als der Mann am Gepäckband das Handy wieder einschaltete, waren bereits weitere Gebote abgegeben worden. Wir begrüßten meine Eltern, hüpften ins Auto, mein Papa fuhr los auf die Autobahn - und wir begannen wieder zu bieten. Per SMS, mit 140 auf der Autobahn in Niederbayern, bietet man Millionen und aber Millionen Kronen für ein Haus in Göteborg. Zwei Bieter stiegen aus, ein neuer Bieter stieg ein. Das Handy vibrierte im 10-Minuten-Takt. Mir war schon ganz übel, die Stimmung im Auto wie vor einem Gewitter. Kurz vor der Ausfahrt gab mein Mann unser letztes Gebot ab, wir hatten unser absolutes Limit erreicht.
Dann vibrierte das Handy meines Mannes nicht mehr. Mist, kein Empfang im Bayerischen Wald?! Ich schwitzte, ich frohr, ich zitterte. Wir verschickten Probe-SMS und warteten. Drei Stunden, drei ewig lange Stunden. Dann rief der Makler an: "Herzlichen Glückwünsch, ihr habt die Versteigerung gewonnen!"
Wir lachten, weinten, hüpften, schauten uns besorgt in die Augen - und dann das ganze nochmal von vorne. Wir hatten ein Bietverfahren gewonnen. Wir waren an unser absolutes Limit gegangen - wird dieses Haus es dann wert sein?! Egal, die Freude überwog erstmal und ich hatte so vielleicht mein schönstes Geburtstagsgeschenk erhalten.
Dann musste es aber weiter flott gehen, der Makler mailte schon den Entwurf des Kaufvertrags, wir buchten von Bayern die Züge, flogen Samstagabend nach Stockholm und fuhren Sonntagmorgen nach Göteborg. Dort spazierten wir durch unser neues Wohnviertel, besichtigten das Haus noch einmal kurz mit einem Sachverständigen, trafen erstmals die Eigentümer/Verkäufer und unterschrieben den Kaufvertrag. Diese Woche tätigten wir noch die Anzahlung - drei, zwei, eins - unser Haus!!!
Tja, und nun haben wir wirklich ein Haus, unser Haus, ein bisschen unser Traum-Haus! Schon in zwei Monaten wird die Übergabe und der Umzug stattfinden. Bis dahin müssen wir unsere Stockholmer Wohnung aufräumen, stylen, verkaufen, ausräumen (und nebenbei noch das Schuljahr zu Ende bringen!). Der Sommer will gut durchgeplant, organisiert, vorbereitet werden. Wir beschäftigen uns mit wirklich wichtigen Dingen, wie der Sickerung, die noch dieses Jahr erneuert werden muss, aber auch mit schönen Dingen, wie der Tapeten- und Farbauswahl für verschiedene Räume. Ja, wir haben wirklich ein Haus.
Und wie nähert man sich einem Haus, das man nur etwa 2 Stunden gesehen hat, davon manche Räume nur 10 Minuten, manche Ecken des Grundstücks noch kürzer? Man malt es aus der Maklerbroschüre ab: Zählt die Treppenstufen, betrachtet die Fenster, studiert Dachrinnen und analysiert den Schornstein.
Schön ist es unser Haus, und ich bin froh, dass es nicht rot ist - das wäre ja vielleicht doch ein bisschen zu viel des Guten ;-)
Donnerstag, 30. April 2015
Rosa-Rote Grüße
Trotz Kälte, Wind und Regenschauern am Walpurgistag, zeigen sich schon die ersten Gänseblümchen. Ich mag Gänseblümchen sehr. Auf Schwedisch heißen sie übrigens "Tausendschön" (tusensköna).
In der Küche erfreut uns nun auch die erste Blüte der Mårbacka-Geranie wieder, eine schöne Abwechslung zu den anderen dunkelroten Blüten! Der Legende nach, wurde diese Geranie von Sophie Elkan nach Mårbacka gebracht und dort vermehrt und etabliert. Nun wäre diese Legende aber nicht so sensationell, wenn nicht auch mein Schwiegervater einen Teil dazu zu erzählen hätte :-) Sophie Elkan war nämlich Jüdin, wie auch die Großmutter der Großmutter meines Schwiegervaters. Die beiden Frauen waren Freundinnen und es war wohl die Großmutter der Großmutter meines Schwiegervaters, die Sophie Elkan den ersten Ableger gab, der nach Mårbacka kam. Das ist vielleicht nicht ganz unwahrscheinlich, da dieser Familienzweig für seine grünen Daumen bekannt ist. Aber, es geht auch die Legende, dass es immer noch Ableger der Ur-Geranie gibt und meine Schwägerin bekam neulich einen geschenkt. Naja, wenn der groß genug ist, werde ich um einen Ableger bitten, denn man weiß ja nie ;-)
Weil die Kräuter Platz im Gefrierfach brauchten, musste etwas raus. Da fand ich - Schande über mich - noch Rhabarber aus Bayern vom letzten Jahr. Im Schneckentempo wurde dieser geschnippelt, geköchelt und abgeseit - und so steht jetzt die erste Flasche Rhabarbersaft des Jahres schon im Kühlschrank :-)
Schließlich freue ich mich auch noch sehr über die ersten Erdbeeren, die uns meine Mama ins Gepäck geschmuggelt hat.
In der Küche erfreut uns nun auch die erste Blüte der Mårbacka-Geranie wieder, eine schöne Abwechslung zu den anderen dunkelroten Blüten! Der Legende nach, wurde diese Geranie von Sophie Elkan nach Mårbacka gebracht und dort vermehrt und etabliert. Nun wäre diese Legende aber nicht so sensationell, wenn nicht auch mein Schwiegervater einen Teil dazu zu erzählen hätte :-) Sophie Elkan war nämlich Jüdin, wie auch die Großmutter der Großmutter meines Schwiegervaters. Die beiden Frauen waren Freundinnen und es war wohl die Großmutter der Großmutter meines Schwiegervaters, die Sophie Elkan den ersten Ableger gab, der nach Mårbacka kam. Das ist vielleicht nicht ganz unwahrscheinlich, da dieser Familienzweig für seine grünen Daumen bekannt ist. Aber, es geht auch die Legende, dass es immer noch Ableger der Ur-Geranie gibt und meine Schwägerin bekam neulich einen geschenkt. Naja, wenn der groß genug ist, werde ich um einen Ableger bitten, denn man weiß ja nie ;-)
Weil die Kräuter Platz im Gefrierfach brauchten, musste etwas raus. Da fand ich - Schande über mich - noch Rhabarber aus Bayern vom letzten Jahr. Im Schneckentempo wurde dieser geschnippelt, geköchelt und abgeseit - und so steht jetzt die erste Flasche Rhabarbersaft des Jahres schon im Kühlschrank :-)
Schließlich freue ich mich auch noch sehr über die ersten Erdbeeren, die uns meine Mama ins Gepäck geschmuggelt hat.
Donnerstag, 16. April 2015
3 Jahre 60°Nord
Heute vor 3 Jahren habe ich meinen ersten Blogeintrag geschrieben :-) Diesen kleinen Bloggeburtstag möchte ich mit einer Liste feiern - lauter Sachen, die ich an Schweden mag!
Ich mag an Schweden
Ich habe kein einziges seiner Bücher gelesen, aber ich finde ihn im schwedischen Fernsehen besonders faszinierend. Vorallem seine behäbige Art, sein Nuscheln und sein Äußeres machen ihn wirklich zu einem schwedischen Unikat. Im Filmlink, den ich sehr empfehle :-), beschreibt er, wie ein professioneller Killer eine Leiche zerstückelt.
Danke, dass Ihr hier bei mir lest und ich hoffe Ihr haltet mir auch noch die nächsten 3 Jahre (?) die Treue. Morgen gibt es eine verfrühte Sonntagsfreude und nächste Woche geht es dann weiter ins vierte Blogjahr :-)
Ich mag an Schweden
- schöne rote Holzhäuser
- die weitläufige Landschaft
- das Hefeteiggebäck
- ... und sonst auch so alles, was allen Deutschen gefällt :-) ;-)
- dass es in Schweden seit 200 Jahren keinen Krieg mehr gegeben hat. Das macht dieses Land reich an bewahrtem Kulturgut, die Menschen in sich ruhig und sicher
- dass es in Schweden viel Alltagsfeminismus gibt, eine Partei, die sich Feministische Intiative nennt, und die Gleichberechtigung noch nicht perfekt, aber weiter als in Deutschland ist
- dass alle du zueinander sagen und es weniger Titel-Gedöns gibt
- dass es einen reichen Schatz an Handarbeitskenntnissen, Material, Ausstellungen, Kursen gibt
Ich habe kein einziges seiner Bücher gelesen, aber ich finde ihn im schwedischen Fernsehen besonders faszinierend. Vorallem seine behäbige Art, sein Nuscheln und sein Äußeres machen ihn wirklich zu einem schwedischen Unikat. Im Filmlink, den ich sehr empfehle :-), beschreibt er, wie ein professioneller Killer eine Leiche zerstückelt.
Danke, dass Ihr hier bei mir lest und ich hoffe Ihr haltet mir auch noch die nächsten 3 Jahre (?) die Treue. Morgen gibt es eine verfrühte Sonntagsfreude und nächste Woche geht es dann weiter ins vierte Blogjahr :-)
Samstag, 11. April 2015
Warum ich so kritisch über Schweden schreibe
Manchmal bekomme ich ziemlich enttäuschte, verwunderte oder auch verärgerte Kommentare und e-mails - warum ich denn immer so kritisch und negativ über Schweden schreibe
Hier eine kurze Antwort: Meiner Meinung nach ist im deutschsprachigen Bereich jede positive Werbung für Schweden mehr als überflüssig.
Ich kenne kein Land außer Schweden, von dem fast jede und jeder eine derart ungeteilte positive Auffassung hat, die aber zu 95% auf Astrid Lindgren, Inga Lindström, Abba und eigenen wunderschönen Urlaubserlebnissen beruht.
Sicherlich überzeichne ich manchmal ein bisschen, aber ich wünsche mir grundsätzlich ein differenzierteres Bild von der Deutschen Traumland Nr 1. Dazu will ich mit meinen kritischen, kuriosen und manchmal auch einfach negativen Berichten beitragen. Denn, das Leben ist kein Bullerbü und gerade vor schönster Kulisse tragen sich bei näherer Betrachtung die absurdesten Gegebenheiten zu.
Ich will niemandem seine Vorstellung von Schweden madig machen, aber ich wünsche mir eine Reflektion, von der Schweden meiner Meinung nach irgendwie ausgeschlossen wird. Man sagt ja oft: Frankreich ist wunderschön, aber die rechten Kräfte dort sind schon bedenklich. Ich reise gerne in die USA, aber dort Leben möchte ich aus verschiedenen Gründen nicht. Italien ist ja wirklich fantastisch, aber dass die so jemanden wie den Berlusconi wählen ist schon erstaunlich...
Mein Eindruck ist, dass man von Schweden auch vieles nicht wissen will, man will an einem Bild aus eigenen Kindertagen aus einem Kinderbuch - unterstützt von Landschaftsbildern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen - festhalten, auch wenn es in dem Land nur halb so idyllisch zu geht.
Wie glücklich oder unglücklich ich hier im Heimatland meines Mannes bin, lässt sich an diesen Berichten kaum messen. Wie alle Menschen, egal wo sie wohnen, bin ich mal glücklicher und mal unglücklicher. Dass ein Neustart in einem fremden Land und eine ungewollte Kinderlosigkeit es manchmal schwerer machen, kann ich nicht verleugnen. Müsste ich aber in Deutschland zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren umziehen und eine neue Arbeitsstelle finden, würde ich mir auch darüber Gedanken und Sorgen machen. Das hat nichts damit zu tun, ob man nun snust, übermäßig Zucker konsumiert oder eine Generation hoch verschuldet ist.
Ich wünsche mir, dass man die beiden Aspekte auseinander halten kann und dass man Schweden die Chance gibt, als richtiges Land betrachtet zu werden und nicht nur als Spielfilmkulisse.
Hier eine kurze Antwort: Meiner Meinung nach ist im deutschsprachigen Bereich jede positive Werbung für Schweden mehr als überflüssig.
Ich kenne kein Land außer Schweden, von dem fast jede und jeder eine derart ungeteilte positive Auffassung hat, die aber zu 95% auf Astrid Lindgren, Inga Lindström, Abba und eigenen wunderschönen Urlaubserlebnissen beruht.
Sicherlich überzeichne ich manchmal ein bisschen, aber ich wünsche mir grundsätzlich ein differenzierteres Bild von der Deutschen Traumland Nr 1. Dazu will ich mit meinen kritischen, kuriosen und manchmal auch einfach negativen Berichten beitragen. Denn, das Leben ist kein Bullerbü und gerade vor schönster Kulisse tragen sich bei näherer Betrachtung die absurdesten Gegebenheiten zu.
Ich will niemandem seine Vorstellung von Schweden madig machen, aber ich wünsche mir eine Reflektion, von der Schweden meiner Meinung nach irgendwie ausgeschlossen wird. Man sagt ja oft: Frankreich ist wunderschön, aber die rechten Kräfte dort sind schon bedenklich. Ich reise gerne in die USA, aber dort Leben möchte ich aus verschiedenen Gründen nicht. Italien ist ja wirklich fantastisch, aber dass die so jemanden wie den Berlusconi wählen ist schon erstaunlich...
Mein Eindruck ist, dass man von Schweden auch vieles nicht wissen will, man will an einem Bild aus eigenen Kindertagen aus einem Kinderbuch - unterstützt von Landschaftsbildern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen - festhalten, auch wenn es in dem Land nur halb so idyllisch zu geht.
Wie glücklich oder unglücklich ich hier im Heimatland meines Mannes bin, lässt sich an diesen Berichten kaum messen. Wie alle Menschen, egal wo sie wohnen, bin ich mal glücklicher und mal unglücklicher. Dass ein Neustart in einem fremden Land und eine ungewollte Kinderlosigkeit es manchmal schwerer machen, kann ich nicht verleugnen. Müsste ich aber in Deutschland zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren umziehen und eine neue Arbeitsstelle finden, würde ich mir auch darüber Gedanken und Sorgen machen. Das hat nichts damit zu tun, ob man nun snust, übermäßig Zucker konsumiert oder eine Generation hoch verschuldet ist.
Ich wünsche mir, dass man die beiden Aspekte auseinander halten kann und dass man Schweden die Chance gibt, als richtiges Land betrachtet zu werden und nicht nur als Spielfilmkulisse.
Samstag, 28. März 2015
Pengar
Reden wir heute mal übers Geld! :-) Nein, nicht über zahlungspflichte Tools, sondern über das Geld der Schweden. Ein Leserin hat mir dazu ein paar Fragen gemailt, die ich nicht unbeantwortet lassen will.
Ja, in Schweden ist das bargeldlose Einkaufen auf dem Siegeszug. An vielen Geschäften findet man an der Eingangstür einen Zettel oder einen Aufkleber "Endast kort" - Nur Kartenbezahlung. Die Argumentation, die dahinter steht, ist, dass man so weniger Raubüberfällen ausgesetzt sein kann. Ähnlich kann man auch in Stockholm schon lange keine Bustickets mehr mit Bargeld beim Bussfahrer kaufen, sondern nur mit Karte bei entsprechenden Automaten an entsprechenden Verkehrsknotenpunkten. Einzelfahrkarten, die man mit Bargeld bezahlen will, können nur in Kiosks erworben werden.
Eine andere Alternative ist das Bezahlen mit dem Handy*. Man kann, wieder als Beispiel im öffentlichen Nahverkehr, eine spezielle App herunterladen und darüber die Tickets kaufen. Ähnliches bieten auch die Bahn oder andere Dienstleister an. Die Kosten werden über den Anbieter verrechnet. Ähnlich kann man sich auch Mini-Kredite via Handy sichern.
Und das sagt nun schon einiges über das Verhältnis der Schweden zum Geld aus. Wie die Leserin richtig folgerte, gibt es viele Schweden, die große (!) finanzielle Probleme haben. Die Tageszeitung Dagens Nyheter bezifferte am Donnerstag die Anzahl der total überschuldeten Schweden mit einer halben Million - bei nur 9 Millionen Einwohnern! Total überschuldet heißt, dass man keine der monatlichen Ausgaben mehr selbst begleichen kann. Abgesehen von den Amerikanern, die ich während meinem Jahr in Indiana getroffen habe, sind nur die Schweden ebenso unbekümmert beim Aufnehmen von Krediten - und die Banken samt niedrige Zinsen machen es möglich. Dabei kann es sich um Kleinkredite handeln, oder um die Finanzierung einer Wohnung, bei der für den Eigenanteil bei einer anderen Bank wieder ein kleinerer Kredit aufgenommen wird.
Auch Studienkredite werden gerne aufgenommen - und viele dann nicht mehr zurück bezahlt. So haben viele junge Schweden schon Kontakt mit dem Gerichtsvollzieher.
Glücklicherweise ist mein Mann sehr solide, denn ich könnte bei so einem Finanzverhalten nicht mehr schlafen!
Aber, es gibt es noch, das Bargeld. Im Herbst werden wir sogar neue Scheine in Schweden bekommen! Auf dem Flohmarkt u.ä. kann man noch mit Bargeld bezahlen, auch wenn es sicher ausgefuchste Flohmarktverkäufer mit Kartenlesegerät gibt.
Ich habe immer ein bisschen Kleingeld im Geldbeutel, aber den Wocheneinkauf bezahle ich z.B. auch immer mit Karte. Viele Tankstellen sind inzwischen nur noch mit Tankautomaten versehen, auch da braucht es eine Karte. Meine Devise ist der goldene Mittelweg und ich kontrolliere wöchentlich meine Ausgaben. Bargeld, wo möglich und sinnvoll, Karte, wo nötig und auch sinnvoll.
Eine Sache, die mich aber nervt, ist, dass bei schwedischen Banken nur noch eine Karte ausgegeben wird, die zugleich EC- und Kredit-Karte ist (z.B. Visa- oder Mastercard). Im Kartenlesegerät des Supermarktes in Schweden wähle ich dann, ob der Betrag vom Konto abgezogen werden soll, oder auf Kredit gehen soll. Diese Karte wird aber in deutschen Geschäften nicht akzeptiert, da sie eine vermeintliche Kreditkarte ist und diese Geschäfte nur eine EC-Karte akzeptieren (hat wohl mit Buchungsgebühren für die Geschäfte zu tun). Für mich hat das zur Folge, dass ich mir genau überlegen muss, was ich alles für ca wie viel Geld in meiner Heimatstadt einkaufen will. Und dass ich gegebenenfalls nochmal (mit Gebühr) Geld nach-abheben muss, denn wir kaufen ja nicht wenig in Bayern ein ;-)
*Ob das aber mit ausländischen Sim-Karten funktioniert. Naja, Service am Kunden ist was anderes...
Ja, in Schweden ist das bargeldlose Einkaufen auf dem Siegeszug. An vielen Geschäften findet man an der Eingangstür einen Zettel oder einen Aufkleber "Endast kort" - Nur Kartenbezahlung. Die Argumentation, die dahinter steht, ist, dass man so weniger Raubüberfällen ausgesetzt sein kann. Ähnlich kann man auch in Stockholm schon lange keine Bustickets mehr mit Bargeld beim Bussfahrer kaufen, sondern nur mit Karte bei entsprechenden Automaten an entsprechenden Verkehrsknotenpunkten. Einzelfahrkarten, die man mit Bargeld bezahlen will, können nur in Kiosks erworben werden.
Eine andere Alternative ist das Bezahlen mit dem Handy*. Man kann, wieder als Beispiel im öffentlichen Nahverkehr, eine spezielle App herunterladen und darüber die Tickets kaufen. Ähnliches bieten auch die Bahn oder andere Dienstleister an. Die Kosten werden über den Anbieter verrechnet. Ähnlich kann man sich auch Mini-Kredite via Handy sichern.
Und das sagt nun schon einiges über das Verhältnis der Schweden zum Geld aus. Wie die Leserin richtig folgerte, gibt es viele Schweden, die große (!) finanzielle Probleme haben. Die Tageszeitung Dagens Nyheter bezifferte am Donnerstag die Anzahl der total überschuldeten Schweden mit einer halben Million - bei nur 9 Millionen Einwohnern! Total überschuldet heißt, dass man keine der monatlichen Ausgaben mehr selbst begleichen kann. Abgesehen von den Amerikanern, die ich während meinem Jahr in Indiana getroffen habe, sind nur die Schweden ebenso unbekümmert beim Aufnehmen von Krediten - und die Banken samt niedrige Zinsen machen es möglich. Dabei kann es sich um Kleinkredite handeln, oder um die Finanzierung einer Wohnung, bei der für den Eigenanteil bei einer anderen Bank wieder ein kleinerer Kredit aufgenommen wird.
Auch Studienkredite werden gerne aufgenommen - und viele dann nicht mehr zurück bezahlt. So haben viele junge Schweden schon Kontakt mit dem Gerichtsvollzieher.
Glücklicherweise ist mein Mann sehr solide, denn ich könnte bei so einem Finanzverhalten nicht mehr schlafen!
Aber, es gibt es noch, das Bargeld. Im Herbst werden wir sogar neue Scheine in Schweden bekommen! Auf dem Flohmarkt u.ä. kann man noch mit Bargeld bezahlen, auch wenn es sicher ausgefuchste Flohmarktverkäufer mit Kartenlesegerät gibt.
Ich habe immer ein bisschen Kleingeld im Geldbeutel, aber den Wocheneinkauf bezahle ich z.B. auch immer mit Karte. Viele Tankstellen sind inzwischen nur noch mit Tankautomaten versehen, auch da braucht es eine Karte. Meine Devise ist der goldene Mittelweg und ich kontrolliere wöchentlich meine Ausgaben. Bargeld, wo möglich und sinnvoll, Karte, wo nötig und auch sinnvoll.
Eine Sache, die mich aber nervt, ist, dass bei schwedischen Banken nur noch eine Karte ausgegeben wird, die zugleich EC- und Kredit-Karte ist (z.B. Visa- oder Mastercard). Im Kartenlesegerät des Supermarktes in Schweden wähle ich dann, ob der Betrag vom Konto abgezogen werden soll, oder auf Kredit gehen soll. Diese Karte wird aber in deutschen Geschäften nicht akzeptiert, da sie eine vermeintliche Kreditkarte ist und diese Geschäfte nur eine EC-Karte akzeptieren (hat wohl mit Buchungsgebühren für die Geschäfte zu tun). Für mich hat das zur Folge, dass ich mir genau überlegen muss, was ich alles für ca wie viel Geld in meiner Heimatstadt einkaufen will. Und dass ich gegebenenfalls nochmal (mit Gebühr) Geld nach-abheben muss, denn wir kaufen ja nicht wenig in Bayern ein ;-)
*Ob das aber mit ausländischen Sim-Karten funktioniert. Naja, Service am Kunden ist was anderes...
Freitag, 27. März 2015
Snus
Auf schwedischen Gehwegen liegen nicht nur Zigarettenkippen, sondern auch kleine braune Päckchen. Der erfahrene Skandinavienreisende weiß, dass es sich dabei um Snus handelt.
Snus ist kein Kautabak, sondern sog. Oraltabak. Auf dem Kontinent (=Zentraleuropa) ist diese Form des Tabakkonsums verboten, u.a. weil die Wirkung um ein Vieles stärker als beim Rauchen oder Schnupfen ist. Snus wird an den Supermarktkassen und in Kiosken aus Kühlschränken neben der Kasse verkauft. Man muss mindestens 18 Jahre alt sein, um Snus kaufen zu können. Gesnust wird von fast allen in Schweden: Ärzte, Eishockeyspieler, Bauarbeiter, Lehrerinnen, Anwälte... Ob die Königsfamilie snust, weiß ich nicht ;-)
Der Portionssnus wird in kleinen runden Dosen verkauft. Will man snusen, öffnet man die Dose, entnimmt ein solches Snuspäckchen und klemmt es sich zwischen Oberlippenlappen und Zahnfleisch/Mundschleimhaut. Bei nur einem Snuspäckchen ist das fast unsichtbar. Es gibt aber genügend Leute, die immer gleichzeitig zwei oder mehrere Snuspäckchen im Mund haben. Der extreme Snuser hat auch ein Päckchen im Mund, während er/sie schläft und wechselt einmal in der Nacht.
Snus schädigt nicht die Menschen im Umfeld des Snusers, aber es werden zunehmend Stimmen laut, dass auch intensives Snusen gesundheitliche Schäden zur Folge haben kann (meiner Meinung nach haben muss).
Für mich gehört das Snusen mit zum Ekelhaftesten, was Schweden zu bieten hat. Ungeübten Snusern läuft nämlich ein 'Saft' die Zähne runter, der Mundgeruch von Snusern ist gewöhnungsbedürtig. Ich könnte beispielsweise nie jemanden küssen, der Snus im Mund hat! Die meisten Schweden können das aber offensichtlich problemlos.
Die Abhängigkeit vom Snus ist erschreckend, wird aber immer mit einer niedrigeren Raucherzahl verteidigt: In Schweden rauchen nur 16% der Erwachsenen, während es z.B. in Deutschland 25% und in Österreich 34% sind.
Ein Gerücht ist übrigens auch, dass gemahlenes Glas in den Päckchen sein soll. Das, was so kristallin aussieht, ist Salz, das den ph-Wert im Mund erhalten soll.
![]() |
| Man kann Snuspäckchen auch an Straßenschilder kleben |
Der Portionssnus wird in kleinen runden Dosen verkauft. Will man snusen, öffnet man die Dose, entnimmt ein solches Snuspäckchen und klemmt es sich zwischen Oberlippenlappen und Zahnfleisch/Mundschleimhaut. Bei nur einem Snuspäckchen ist das fast unsichtbar. Es gibt aber genügend Leute, die immer gleichzeitig zwei oder mehrere Snuspäckchen im Mund haben. Der extreme Snuser hat auch ein Päckchen im Mund, während er/sie schläft und wechselt einmal in der Nacht.
Snus schädigt nicht die Menschen im Umfeld des Snusers, aber es werden zunehmend Stimmen laut, dass auch intensives Snusen gesundheitliche Schäden zur Folge haben kann (meiner Meinung nach haben muss).
Für mich gehört das Snusen mit zum Ekelhaftesten, was Schweden zu bieten hat. Ungeübten Snusern läuft nämlich ein 'Saft' die Zähne runter, der Mundgeruch von Snusern ist gewöhnungsbedürtig. Ich könnte beispielsweise nie jemanden küssen, der Snus im Mund hat! Die meisten Schweden können das aber offensichtlich problemlos.
Die Abhängigkeit vom Snus ist erschreckend, wird aber immer mit einer niedrigeren Raucherzahl verteidigt: In Schweden rauchen nur 16% der Erwachsenen, während es z.B. in Deutschland 25% und in Österreich 34% sind.
Ein Gerücht ist übrigens auch, dass gemahlenes Glas in den Päckchen sein soll. Das, was so kristallin aussieht, ist Salz, das den ph-Wert im Mund erhalten soll.
Samstag, 21. Februar 2015
Selbstgemachte Staubsauger
In meinem Fastenheft steht geschrieben: "Es ist nicht nur üblich, Sonntags das Fasten zu unterbrechen
- es ist sogar eine gewisse Verpflichtung darin zu sehen, die Feier
das Sonntags auch durch ein feierliches Essen zu bereichern. "Wenn
Fasten, dann Fasten; wenn Rebuhn, dann Rebhuhn" soll Teresa von Avila
gesagt habe. Und Sonntag als Tag der Auferstehung ist nunmal Rebhuhn-Zeit."
Für den Sonntagnachmittagskaffee darf es also gerne etwas Süßes sein - aber was hat das mit Staubsaugern zu tun?!
Nun, diese grünen schwedischen Zuckerbomben haben auch den Beinamen Dammsugare - Staubsauger, denn sie erinnern an ein frühes Staubsaugermodell. Hier zeige ich Euch, wie man die Punschrollen (so heißen sie eigentlich) ganz einfach selber machen kann.
Zunächst braucht man altes Hefegebäck oder alten Sandkuchen o.ä., Marzipan, dunkle Schokolade, zimmerwarme Butter, Zucker, Lebensmittelfarbe, Arrak- oder Rumaroma, Kakaopulver.
Zunächst das trockene Gebäck zerbröseln, so dass man einen halben Liter Brösel hat.
Cirka 150 g Marzipan grün (oder anders knallig) einfärben und mit Hilfe von Puderzucker oder Kartoffelmehl zu zwei Bahnen ausrollen.
Für die Füllung 75 g zimmerwarme Butter, 10 g Kakao, etwas Zucker (je nach Süße des Bröselgebäcks) und einige Tropfen Aroma zu einem weichen Teig verkneten.
Die Füllung mittig auf einer Marzipanbahn platzieren, das Marzipan darüberschlagen und so "verrollen", dass die Nahtstelle unten zum Liegen kommt. In cirka 6 cm lange Stücke schneiden.
Nun die Schokolade im Wasserbad schmelzen und die beiden Enden zügig darin eintauchen. Eventuell die Rollen vorher eine halbe Stunde in den Kühlschrank stellen, damit die Buttermasse wieder fester wird.
Im Kühlschrank in einer Blechdose mit Butterbrotpapier verwahren. So halten sie auch ein paar Wochen, wenn sie nicht vorher aufgegessen werden.
Für den Sonntagnachmittagskaffee darf es also gerne etwas Süßes sein - aber was hat das mit Staubsaugern zu tun?!
Nun, diese grünen schwedischen Zuckerbomben haben auch den Beinamen Dammsugare - Staubsauger, denn sie erinnern an ein frühes Staubsaugermodell. Hier zeige ich Euch, wie man die Punschrollen (so heißen sie eigentlich) ganz einfach selber machen kann.
Zunächst braucht man altes Hefegebäck oder alten Sandkuchen o.ä., Marzipan, dunkle Schokolade, zimmerwarme Butter, Zucker, Lebensmittelfarbe, Arrak- oder Rumaroma, Kakaopulver.
Zunächst das trockene Gebäck zerbröseln, so dass man einen halben Liter Brösel hat.
Cirka 150 g Marzipan grün (oder anders knallig) einfärben und mit Hilfe von Puderzucker oder Kartoffelmehl zu zwei Bahnen ausrollen.
Für die Füllung 75 g zimmerwarme Butter, 10 g Kakao, etwas Zucker (je nach Süße des Bröselgebäcks) und einige Tropfen Aroma zu einem weichen Teig verkneten.
Die Füllung mittig auf einer Marzipanbahn platzieren, das Marzipan darüberschlagen und so "verrollen", dass die Nahtstelle unten zum Liegen kommt. In cirka 6 cm lange Stücke schneiden.
Nun die Schokolade im Wasserbad schmelzen und die beiden Enden zügig darin eintauchen. Eventuell die Rollen vorher eine halbe Stunde in den Kühlschrank stellen, damit die Buttermasse wieder fester wird.
Im Kühlschrank in einer Blechdose mit Butterbrotpapier verwahren. So halten sie auch ein paar Wochen, wenn sie nicht vorher aufgegessen werden.
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