Ich schreibe hier darüber vor allem für mich, aber auch um andere zum Nachdenken anzuregen und vielleicht zu ermutigen. Und vieles ist viel komplizierter und komplexer als ich es hier formulieren kann - es ist ein Auszug aus meinen Gedanken.
Danke!
Wieder ist ein Jahr vergangen, ohne, dass sich etwas verändert hat. Wir sind immer noch unfreiwillig kinderlos.
Wieder ist ein Jahr vergangen, und doch haben Dinge sich verändert. Davon möchte ich heute berichten, wie es mir gerade damit geht, wie es uns gerade damit geht und wie es weitergehen könnte.
Ich glaube nun rückblickend, dass das zweite und das dritte Jahr die schlimmsten waren, auch diese liegen jetzt schon eine Weile hinter mir. Das erste Jahr war ich voller Hoffnung, dann kamen die Zweifel, dann die Wut und Bitterkeit. Und nun beschäftige ich mich schon fast ein Jahr mit Trauerarbeit.
Wahnsinnig geholfen hat es mir, darüber zu sprechen und noch immer verspüre ich oft den Drang, dass ich darüber sprechen möchte. Allerdings tue ich das nicht mehr so oft, denn ich habe gemerkt, dass es ein ermüdendes Thema ist, zumal es keine absoluten Antworten und keine endgültigen Lösungen gibt. Ich halte aber Zwiesprache mit mir selber und das funktioniert immer besser.
Als ich einsah, dass ich trauern wollte, ja trauern musste, war ich zunächst selbst überrascht. Denn man kann ja nicht um nichts trauern. Manchmal ertappte ich mich sogar bei dem Gedanken, dass ich gerne ein Kind verloren hätte, denn dann könnte ich ganz legitim trauern. Aber in meinem Körper war noch nie ein Leben entstanden, kein Leben hatte sich verabschiedet. Worum also trauern?
Mit meiner besten Freundin, die in unserem Hoffnungsjahr tatsächlich ein Kind verloren hatte, führte ich ein Gespräch darüber, dass ich mich nicht zu trauern traute, weil man ja nicht um nichts und niemanden trauern konnte. Sie ermutigte mich auf eine wunderbare Weise dennoch zu trauern, mit der Trauerarbeit zu beginnen - und jetzt befinde ich mich mittendrin. Und es tut mir gut.
Stück für Stück nehme ich Abschied von Wünschen, Ideen, Hoffnungen und Lebensbildern. Damit schaffe ich auch Raum für neue Bilder, neue Wünsche, neue Ideen. Immer öfter sage ich es auch laut: Jetzt ist es gut, so wie es ist.
Und ein neues Selbstbewusstsein bahnt sich seinen Weg. Auf die Frage, ob ich eigene Kinder hätte, antworte ich - statt früher schamhaft - ein bestimmtes und deutliches Nein, das weitere Nachfragen auch direkt unterbindet. Genauso bin ich mir selbst bewusst geworden, für was ich meinen Körper aussetzten möchte, und für was nicht.
Ich ärgere mich manchmal sehr, wie mit der Verzweiflung von jungen Paaren ein gutes Geschäft gemacht wird. In den Beratungsgesprächen in unserer Kinderwunschklinik wurde kein einziges Mal auf mögliche Nebenwirkungen oder Risiken für die Frau hingewiesen. Wir bekamen lediglich eine Hochglanzbroschüre in die Hand gedrückt, in dessen Zentrum der Bericht von Elin und Lars stand, die beim dritten Versuch ihr Wunschkind bekamen. Dabei ist die echte Erfolgsrate bei Weitem niedriger! Es ist ein gesellschaftliches Tabu-Thema wie viele schließlich doch ohne Kind, aber mit zig tausend Euro Schulden nach viel mehr als drei mitfinanzierten Versuchen (oft im In- und Ausland) dastehen.
Diese selbstbewusste Entscheidung tut mir gut. In Gesprächen mit meinem Umfeld fühle ich mich weniger angreifbar. Und unser Umfeld scheint auch langsam zu begreifen: Die beiden bekommen vielleicht keine Kinder, aber es scheint, sie haben einen guten alternativen Lebensplan.
Allerdings ist es wesentlich einfacher, das der Familie zu vermitteln, als Umstehenden in einer der kinderfreundlichsten Gesellschaften der Welt. Auch in Schweden kann man ohne Kinder leben :-)
Allerdings muss ich natürlich zugeben, dass es nicht immer so geradeaus und aufwärts geht. Wie eben vor zwei Wochen, springt mich manchmal der Schmerz von hinten an, die Wunde klafft weit auf, Tränen bahnen sich den Weg. Und manchmal werde ich auch noch wütend, fuchsteufelswild. Aber dann - und das ist der große Unterschied - erlaube ich mir, dass es so ist. Dass ich diese Gefühlsstücke zulassen muss, damit ich verarbeiten und verabschieden kann. Und dann geht es mir besser. Stückchenweise immer besser.
Erstmals seit langem fühle ich mich wieder eins mit mir, stimmig, als Ganzes mit Körper, Geist und Seele. Und ich habe Lust aufs Leben, auf mein Leben, ein Leben mit meinem Mann und alles, was uns da so erwartet.
Ich hoffe, dass ich diesen Weg so kraftvoll weitergehen kann. Und ich wünsche allen, die einen ähnlichen Weg gehen müssen, dass sie den langen, schmerzvollen Weg durchhalten. Denn irgendwann wird es tatsächlich wieder besser, wieder leichter, wieder anders. Das alte Sprichwort "Die Zeit heilt
Und wohin so ein Weg dann schließlich doch noch führen kann, bleibt offen und spannend...
Gibt es gesundheitliche Gründe für eure Kinderlosigkeit?
AntwortenLöschenLiebe Erika,
Löschenich bitte um dein Verständnis, dass diese Frage hier in einem öffentlichen Blog nicht beantworten werde. Das ist meine/unsere Privatsache.
Herzliche Grüße, Barbara
Entschuldige, wenn es so wäre, hätte ich eine Anregung, von denen du bestimmt schon 1000 bekommen hast. Alles Liebe Erika
LöschenAuch ich habe einen ähnlichen Weg gehen müssen, wir werden nicht gefragt, ob wir das wollen...
AntwortenLöschenTrauern ist gut, finde ich und sich verabschieden (irgendwann) von dem Wunsch ist empfehlenswert.
Aber jeder Mensch hat seinen eigenen Weg und sein ganz eigenes Tempo.
Lass Dir Zeit, soviel Du eben brauchst.
Du schreibst "Ich habe Lust aufs Leben", das klingt für mich sehr optimistisch.
Angelika
Ich wünsche es Dir von Herzen, dass Du Deinen Weg weitergehen kannst. Auch mit Rückschlägen, vielleicht müssen die sein, damit die Trauerarbeit weitergehen kann. Die Trauer ist wichtig, ich glaube sonst findet man keinen Weg damit umgehen zu können.
AntwortenLöschenAlles Liebe
Sabine
Oh, wie schon bei Deinem ersten Beitrag zu dem Thema kann ich bei Vielem was Du schreibst laut "Ja!" rufen.
AntwortenLöschenTrauern ist wichtig und richtig. Auch wenn da kein Kind war, ist es für mich immer so gewesen, als hätte ich viele Möglichkeiten auf ein Kind verloren. Das macht sehr traurig und wütend.
Nach der Trauer kam bei uns die neue Perspektive. Das hat gedauert und die Zeit der Trauer war ganz wertvoll. Neue Wege konnte ich erst dann beschreiten, als ich meine Wünsche, Zweifel, Anschuldigungen und Verluste zulassen, beweinen und bereden konnte. Irgendwie kam dann das Neue ganz von selbst. Weh tut es immer noch, auch nach all den Jahren. Dann, wenn mein Sohn fragt, warum er keine Geschwister hat.
Ich kann Dir auch noch Folgendes erzählen: ich arbeite als Schulsozialarbeiterin. Da fragen die Eltern auch gerne: "Haben Sie Kinder?" Wenn ich dann mit: "Ja, einen Sohn." antworte kommt oft, dass ich ja dann die Probleme in den Familien mit mehr Kindern auch nicht verstehen würde. Ist also immer schwierig.
Zum Thema Kinderwunschbehandlung: Wir hatten uns nach einigen Behandlungen auch entschlossen nicht alle Wege zu gehen. Ich merke immer wieder, dass dies genau das Richtige war. Dort wird vieles "verkauft", muss hier in Deutschland ja auch selbst bezahlt werden. Ich wollte nicht um JEDEN Preis, JEDE Behandlung und JEDE ethische Grenzüberschreitung ein Kind. Der Arzt hat dies nicht verstanden. Ich bin immer noch dankbar, dass wir beide so entschieden haben.
Ich wünsche Dir viel Kraft für Deinen Weg!
Liebe Grüße,
Martina
Liebe Martina,
Löschenherzlichen Dank für deine persönlichen Worte!
Alles Liebe und Gute für Dich!
Barbara
p.s. Gudrun-Kleidung mag ich auch sehr :-)
Hallo!
AntwortenLöschenRespekt, du gehst toll mit der Situation um. Selbstverständlich hast du das Recht zu trauern. Wer das nicht versteht, ist einfach zu dumm, um über den Tellerrand zu gucken. Das du nicht alles versuchst was machbar ist, kann ich nachvollziehen. Eine Freundin hat nach diversen Behandlungen auch abgebrochen und Monate gebraucht, bis sie die körperlichen Strapazen verarbeitet hatte.
Ich wünsche dir/ euch, dass ihr euch ein wunderbares Leben aufbaut. Wer weiß, vielleicht ist der Neuanfang in Göteborg genau das Richtige. Alles auf Anfang. Ich wünsche euch Glück dafür. Liebe Grüsse Tellerränder
Danke für dein Schreiben und Mitteilen!
AntwortenLöschenDeine Worte berühren mich sehr! Und machen mich still und nachdenklich...
LG Christine
Liebe Barbara,
AntwortenLöschendas du trauerst finde ich ist gut, richtig und wichtig!
So wie du schreibst trauerst du in meinen Augen nicht um nichts, sondern um etwas, was in dein Leben gehören sollte und aus Gründen, die keiner dir abschließend sagen kann (abgesehen vielleicht von den medizinischen) nun nicht in der gewünschten Form da sein wird und das ist ganz schön viel, um was getrauert werden kann und muss. Nur weil ein verlorenes Kind gesellschaftlich vielleicht eher verstanden wird, ist es nicht mehr ein Grund, zu trauern. Alles, was fehlt ist Grund genug seinen Umgang und Weg damit zu finden.
Ich wünsche dir und euch von Herzen, dass die Schritte in eine sich für euch gut anfühlende Zukunft immer größer werden!!!!
Alles Liebe und viele Grüße aus HH
SANDRA
Liebe Barbara,
AntwortenLöschendanke für's Teilhabenlassen. Trauern ist wichtig, denn es hilft mit den Tatsachen abzuschließen und offen für neue Wege zu sein.
Jede medizinische Möglichkeit sollte man nicht wahrnehmen.
Ich galube, ich habe das schon einmal gefragt: Wäre eine Adoption oder ein Pflegekind keine Option für Euch?
Mein Cousin, der ebenfalls keine Kinder bekommen konnte, hat auf diesem weg eine wunderbare Tochter.
Alles Gute auf Deinem weiten weg!
Liebe Sigrid,
Löschennatürlich kann ein Pflegekind oder eine Adoption eine Alternative sein, das ist durchaus etwas, was hier auch besprochen wird. Allerdings muss man dafür auch viele (bürokratischen) Voraussetzungen erfüllen, und das ist nicht immer einfach, gerade, wenn man keine Staatsbürgerin im Land ist usw.
Herzliche Grüße, Barbara
Warum sollen Sie nicht trauern dürfen? Sie trauern doch um einen Lebenswunsch, der sich bisher nicht für Sie und Ihren Mann erfüllt hat. Ein Kind zu haben, ist i.d.R. ein ureigenster Wunsch eines Menschen. Wenn er sich nicht erfüllt, verändert er mehr als vielleicht eine berufliche andere Entscheidung als die des Herzens. Die Trauer um ein nicht geschenktes Kind, denn Kind sind ein Geschenk, ist so individuell wie der Mensch an sich und bricht immer wieder mal auf, so meine Erfahrung aus dem Bekanntenkreis.
AntwortenLöschenDie Ursachen für die Kinderlosigkeit stehen hier nicht zur Diskussion. Meine Erfahrung mit Kinderkriegen (und dann mit vielen anderen Dingen wie Stillen) ist, da hat - wenn physiologisch alles in Ordnung ist - die Seele ein ganzes Stück mitzureden. Nur macht die Seele oft anderes als der bewußte Geist. Da ist nichts zu erzwingen, da ist nur mitzuleben - mit allen Gefühlsfacetten.
Wie Sigrid schon schrieb, wäre denn eine Pflege oder Adoption ein anderer Weg für Sie beide? Selbst diese Entscheidung muß keineswegs zwanghaft für jeden Kinderlosen sein, denn auch sie ist persönlich.
Manchmal ist es gut sich im Leben von einem sehnlichen Wunsch zu verabschieden. Das tut weh und geht nicht ohne Tränen. Ich habe es aber am eigenen Leib und auch bei anderen schon erlebt, dass sich dann genau dieser Wunsch doch noch erfüllt hat, auch in anderen Lebensbereichen. Ich wünsche dir, dass du lernen kannst, damit zu leben, dass ihr lernen könnt, damit zu leben. Es tun sich sicher andere Türen auf und wer weiß, vielleicht auch irgendwann noch die Tür zum eigenen Kind.
AntwortenLöschenDa schließe ich mich meiner Vorschreiberin an. Ich hatte das gleiche Problem vor mittlerweile 26 Jahren. Einen Sohn hatte ich schon, nach 2 Jahren sollte das 2. Kind kommen. Es passierte nichts - 4 lange Jahre lang. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich während dieser 4 Jahre jeder Mutter mit Kinderwagen, jeder Mutter mit Baby sehnsüchtig hinterher geschaut habe. Kinderwunsch ist etwas, was tief aus dem Inneren kommt und was man mit dem Kopf nicht steuern kann (sei doch froh, du hast doch schon ein Kind etc., wurde mir gesagt). Natürlich war ich froh, dass ich ein Kind hatte, nur - es sollte eben nicht ein Einzelkind bleiben.
AntwortenLöschenIrgendwann habe ich mich dann von dem Wunsch, ein 2. Kind zu bekommen, verabschiedet. Ich habe diesen Wunsch ganz bewusst losgelassen, habe mich entschlossen, wieder arbeiten zu gehen, hatte Betreuung für meinen Sohn organisiert. Wenn es für mich vorherbestimmt war, nur 1 Kind zu haben, dann sollte es eben so sein.
Ich hatte gerade mal 2 Monate wieder gearbeitet, da war ich schon schwanger.
Heute habe ich 2 tolle Söhne, 31 und 26 Jahre alt.
Ich wollte damit ausdrücken, wie das mit diesen Wünschen so gehen kann. Nicht immer klappt es direkt und auf Anhieb, manchmal eben nur auf Umwegen. Und so ziemlich alles ist im Endeffekt für irgend etwas gut, auch wenn man es nicht sofort erkennen kann.
Ich lese gerne und regelmäßig deinen Blog und wünsche dir, dass sich dein Wunsch nach einem Kind irgendwann auch erfüllt.
LG Susanne
Liebe Susanne,
Löschendanke für deine persönliche Geschichte.
Schön, dass du gerne hier bei mir liest!
Alles Liebe und Gute, herzliche Grüße aus dem Norden,
Barbara
Ihr lieben Leserinnen,
AntwortenLöschenwieder einmal bin ich überrascht, überwältigt und gerührt von den vielen und vielfältigen Kommentaren und e-mails. Herzlichen Dank dafür!
Eure Barbara
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenDein Text hat mich unglaublich berührt. Von Herzen alles Gute für euren Weg, wie auch immer er weitergehen mag. Sina
AntwortenLöschenAuch wenn ich viel zu selten hier kommentiere, lese ich doch jeden deiner Blogeinträge. So kraftvoll waren deine Gedanken wohl noch nie bei diesem sehr schwierigen Thema und ich lese ihn voller Bewunderung. Hab Dank, dass wir dich auf deinem Weg begleiten dürfen!
AntwortenLöschenIch wünsche dir viel Kraft und liebende Menschen, damit du dich mit diesem grossen "Nein" in deinem Leben aussöhnen kannst. Alles Gute! Regula
AntwortenLöschenAuch ich wünsche Dir bzw. Euch viel Kraft und Zusammenhalt. Trauer zulassen verlangt viel Mut, danke, dass Du hier so ehrlich bist und Deine Gedanken und Gefühle teilst.
AntwortenLöschenLiebe Barbara,
AntwortenLöschenich bin immer noch da...ich wusste vom ersten Lesen an, hier habe ich eine Frau gefunden, die zu sehr tiefen Gefühlen fähig ist...und ich denke, Deine anfänglich geäußerten Befürchtungen bei diesem Post, Du könntest mit Deiner Ehrlichkeit, der Schilderung eines Teiles Deiner Gefühle jemanden verletzen (auch das zeigt Deine außerordentliche Sensibilität!!!)kann und darf ich ganz deutlich verneinen. Verstehen wird Dich jede(r), die/der ähnliches durchlebt hat...Dieser Post ist jetzt schon fast 2 Jahre alt und ich hoffe und wünsche aus ganzem Herzen, dass Du/Ihr einen guten Weg gefunden habt...
Fühle Dich einfach einmal gedrückt...
Alles Liebe
Heidi