Montag, 17. Dezember 2012

Landskapsrätt: Småländsk jordärtskockssoppa

Ja, es war mal wieder höchste Zeit für ein Landschaftsgericht, wenn wir es schaffen wollen uns durch alle 25 Landschaften Schwedens zu kochen.
Dieses Mal hatten wir uns für das Småland entschieden, die wahrscheinlich bekannteste Landschaft Schwedens, nicht zuletzt weil hier die ganzen Astrid Lindgren-Figuren zu Hause sind (Achtung - Michl heißt in Schweden Emil!).
Die Fakten
Landschaft: Småland
Größe: 29 330 km²
Einwohner (2009): 716 106
Höchster Punkt: 377m über NN (Tomtabacken)
Größte Stadt: Kalmar
Landschaftstier: Otter
Landschaftsblume: Moosglöckchen
Landschaftgericht: Småländsk ostkaka
Das Buch, nach dem wir kochen heißt ja Schwedens neue Landschaftsgerichte und so haben wir uns nicht für den traditionellen (und etwas speziellen) Käsekuchen entschieden, sondern für das neue Landschaftsgericht: Topinambursuppe mit Isterband-Crunch. Topinambur werden hier in Schweden gerne und viel angebaut und sie wachsen gut. Isterband ist eine typische Wurst aus dem Småland, die einen etwas speziellen Geschmack aufgrund der enthaltenen Innereien hat und recht grob ist. Die Suppe ist im wesentlichen wie eine Kartoffelsuppe und der Inhalt der Wurst wird in eine Pfanne gebröselt und gebraten.
Unser Fazit: Es hat uns jetzt nicht vom Hocker gerissen, aber die Suppe ist eindeutig alltagstauglich und der Isterband-Crunch ist eine nette Idee.
Und im neuen Jahr gehts dann ganz in den Norden...

Sonntag, 16. Dezember 2012

Sonntagsfreude: Technik

Für mich ist es eine große Freude und immer noch faszinierend: Mein Internet-Radio. Ich bekam es heuer zum Geburtstag und es ist so toll. Aufs Knöpfchen drücken und direkt und live den Lieblingssender aus der Heimat hören. Was dank der Technik alles möglich ist...
Ähm, beachtet bitte nicht den Staub am unteren Rand ;)

Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Frau Kreativberg. Dort gibt es noch mehr Sonntagsfreuden.

Samstag, 15. Dezember 2012

Schwedische Lieblingsblogs (1): Jonna Jinton

Amberlight hatte mich gefragt, ob ich ihr einen schwedischen Nähblog empfehlen könnte, was mich dazu inspiriert hat, ein paar der schwedischen Blogs vorzustellen, die ich so lese.
Den Anfang mache ich mit der wunderbaren Jonna Jinton, der ich von meinem Vorhaben berichtete und wir daraufhin ganz nett ein paar mails austauschten. Jonna ist 22 Jahre alt und hat vor 1 1/2 Jahren das Großstadtleben in Göteborg hinter sich gelassen und lebt nun in einem kleinen Dorf in Nordschweden.
Screenshot von jonnajinton.se
 Jonna ist nicht nur eine geschickte Schmuckdesignerin, sondern sie macht auch ganz fantastische stimmungsvolle Fotos und Videos. Sie berichtet von ihrem Leben in der Einsamkeit, von netten Begegungen mit Mensch und Natur sowie von den Herausforderungen eines solchen Lebens. Gleichzeitig tritt sie stark gegen die Landflucht ein und lädt zum Umdenken ein.
Screenshot von jonnajinton.se
Jonna hat eine ganz zauberhafte eigene Interpretation des Lucia-Festes in ihrem Dorf gemacht und ein Video erstellt. Leider mussten wir feststellen, dass man dieses Video überall sehen kann/darf, außer in Deutschland :( Jonna will aber versuchen, die Video-Datei direkt auf ihren Blog zu laden, damit auch ihr es sehen könnt. Nett, oder?!
Ich würde mich freuen, wenn viele bei Jonna vorbeischauen und sich von ihren Fotos und Videos faszinieren lassen.

Hej Jonna, tack att din fina blogg finns och jag hoppas att många hittar till dig <3 Kram, Barbara

Wandertagebuch: Annäherung an ein Teiletappenziel

Es ist wieder mal an der Zeit etwas ins Wandertagebuch zu schreiben, nun wo ein Teiletappenziel fast erreicht. Nur noch eine Woche, dann ist der Einführungskurs für die Lehrerweiterbildung abgeschlossen. Endlich. Ich will nicht wieder in die Tiefe gehen, aber dieser Kurs hat mich doch oft verärgert, verbittert und viel Energie gefressen, die anderswo sinnvoller eingesetzt hätte werden können. Sei es das arrogante Verhalten der Dozenten oder einfach immer wieder die eigene Macht- und Hilflosigkeit zu spüren, das ist anstrengend. Nun ist aber die Abschlussarbeit geschrieben. Die hat mich auch viel Überwindung gekostet, denn die Fragen lauteten so ungefähr 'welche deiner früheren Lehrmethoden und Kenntnisse kannst du in Schweden anwenden und welche nicht?' oder 'Beschreibe deine Entwicklung während des Kurses'. Naja, ich habe dann den Aufsatz aber dann doch ernsthaft geschrieben und bin nun ganz zufrieden mit meinem Werk. Nächste Woche ist dann noch eine Diskussionsrunde darüber und dann ist dieser Kurs abgeschlossen. Puh. Dann stehen ja noch weitere 3 Semester an, bis ich die Lehrerzulassung erhalte, aber ich hoffe stark auf eine Verbesserung des Niveaus und der Organisation der Kurse, wenn ich nun an den 'normalen' Lehrstühlen mit 'normalen' Studenten studieren kann. Wir werden sehen.
Ansonsten bin ich heute recht nachdenklich und vielleicht auch etwas (zu) melancholisch. Obwohl die Sonne scheint geschienen hat. Ich schlafe wahnsinnig schlecht und wache nachts etwa alle zwei Stunden auf. Das Wiedereinschlafen fällt schwer, meine Gedanken kreisen um dieses und jenes. Dass mein Mann und meine Familie liebevoll darauf hinweisen, dass ich zu viel denke, ist in diesem Fall nicht besonders hilfreich.
Seit wir in den USA waren und ich viele meiner Fäden in die Heimat gekappt habe, habe ich Zukunfts-/Existenzängste. Wenn ich zum Beispiel täglich in der Zeitung über die aktuelle Debatte bezüglich der Altersarmut von Frauen hier in Schweden lese und dass am häufigsten betroffen Einwanderinnen sind, dann macht mich das nachdenklich. Natürlich bin ich nicht die 'typische' Einwanderin, ich denke ich habe schon viel geschafft. Aber es fehlt mir grad der Optimismus zu sagen, das wird schon. Immerhin hoffe ich, dass ich zumindest zu meinem 30. Geburtstag auf dem Arbeitsmarkt bin und dann endlich auch in die Rentenkasse, Arbeitslosenversicherung, usw. einzahlen kann. Denn im Moment habe ich - außer auf eine Krankenversicherung - ja überhaupt nichts. Im Falle von Arbeitslosigkeit oder längerer Krankheit bekomme ich hier gar nichts, denn man muss um Ansprüche zu haben, immer mind. 2 Jahre gearbeitet haben (was ja auch irgendwie verständlich ist). Ich muss ja wieder ganz von vorne anfangen. Mir ist diese Grundsicherheit und das Grundvertrauen, das ich in Deutschland spürte, abhanden gekommen. Ich fühle mich sehr ausgesetzt, immer wieder merke ich, dass ich zum schwächsten Glied der Gesellschaft gehöre, wenn auch zur "obersten Schicht" im schwächsten Glied... Ich bin so froh, wenn ich mich 2014 dann endlich um die permanente Aufenthaltserlaubnis bewerben kann, im Moment habe ich ja nur eine vorläufige auf zwei Jahre, die an die Auflage "Ehe mit einem Schweden" geknüpft ist.
Ganz kann ich diese Gedanken auch an anderen Tagen nicht beiseite schieben, aber besonders deutlich treten sie vielleicht heute hervor, weil mir die Dunkelheit heute doch recht zusetzt. Als ich hier Austauschstudentin war, fand ich das ganz spannend - mit dem Wissen, dass das eine einmalige Erfahrung sein wird. Haha. Hätte ich damals doch geahnt, dass ich jetzt hier sitze und damit hadere, dass mich das nun jedes Jahr erwarten wird... Aber bei diesem Gedanken muss ich doch nun lächeln! Was hätte ich damals doch alles gegeben um so authentisch schwedisch wie möglich zu leben, die Sprache (fast) akzentfrei zu sprechen usw. - jetzt habe ich das alles und den besten Mann der Welt dazu - und bin doch nicht ganz zufrieden. Wie sagt meine kluge Mama immer: Man möchte wohl immer das, was man gerade nicht haben kann.
Ja, und während hier mal wieder von der Ostsee ein Sturm mit Schnee und Schneeregen ums Haus tobt, hätte ich einfach gerne meine Freunde und Familie hier um zu basteln oder zu backen, gemeinsam zu essen und zu reden. Oder ich würde einfach gerne mal übers Wochenende zu Freunden fahren, die grad eine schwere Zeit durchmachen und sie besuchen. Das geht leider alles nicht. Dass es nun die Möglichkeit von Internet und schneller/einfacher Kontaktaufnahme gibt, ist zwar ein schwacher Trost, aber es kann das andere einfach nicht ersetzen.
 Trotzdem freut es mich immer sehr, wenn ich hier so nette Kommentare und von Herzen kommende Worte finde. Habt vielen Dank dafür!
 Nun will ich auf jeden Fall noch das Beste aus diesem stürmischen Tag machen und fange mit einer Tasse Tee und Kuchen an :) Und wie ich schon mehrmals geschrieben habe - ja, es ist nur noch eine Woche, dann ist sowohl ein Abschnitt der Weiterbildung vorbei als auch die allerdunkelste Zeit!


Donnerstag, 13. Dezember 2012

Lucia

Heute ist der auch im Ausland so bekannte Lucia-Tag. In den Grundschulen ist er mit Eifer vorbereitet worden und in jeder Schule, in (fast) jeder Kirchengemeinde und in den Rathäusern gibt es einen Lucia-Zug. In vielen Kirchen schon früh am Morgen.
Bei uns ist das ein bisschen anders, denn am 13. Dezember hat auch meine Schwägerin Geburtstag. Nach ihrem besonderen Geburtsdatum hat sie auch als zweiten Namen Lucia bekommen. Aber da ist es natürlich klar, dass ihr Geburtstag im Vordergrund steht und wir uns gleich auf den Weg machen. Drückt uns die Daumen, dass die Züge wegen Schnee+Wind -> Verwehungen nicht zu sehr verspätet sind...
Ein Geschenk habe ich ihr (natürlich) auch genäht, sie wünschte sich eine meiner Stofftaschen. Dazu habe ich noch ein kleines Täschchen gemacht.
Als Mitbringsel für die ganze Familie habe ich ein Orangenlicht gemacht - passend zum heutigen Tag an dem so viele Kerzen Licht ins Dunkel bringen sollen. Nur noch eine gute Woche, dann haben wir die dunkelste Zeit geschafft...
Und hier hätte ich noch einen Fernsehtipp - vorausgesetzt es funktioniert auch im Ausland (das kann ich leider nicht ausprobieren, schreibt doch bitte einen Kommentar ob es geht...): Der Lucia-Morgen im Dom zu Uppsala.

Screenshot von svtplay
Ich denke, man sieht hier ganz gut, wie man versucht, die neue Realität einer multikulturellen Gesellschaft in die alten Tradition zu integrieren. Wobei das natürlich von manchen nicht gut geheißen wird. Ich denke, es muss jeder für sich selber entscheiden, wie man es beurteilen will. Ich finde die Bemühungen grundsätzlich aber gut. Und falls sich noch jemand frägt, ja, der Herr am Flügel ist Benny Andersson von ABBA :-)
Ich hoffe wirklich, dass ihr das anschauen könnt. Viel Freude damit!

Wochenendausflug: Weihnachtsmarkt im Skansen

Das Skansen ist einer meiner Lieblingsorte in Sthlm, wenn es nicht gerade von deutschsprachigen Touristen übervölkert wird, von denen so viele leider durch ihre dreiste und distanzlose Haltung sehr negativ auffallen (und die anderen in Verruf bringen...). Auf Platz zwei der nervigen Touristen folgen die reichen Russen, die vor allem mit Videokameras an jeder Ecke auftauchen. Hm.
Aber, wir haben einen gute Lösung gefunden. Wir sind mit dem Fahrrad hingefahren, das war zwar eisig, aber wir mussten uns nicht in überfüllte Straßenbahnen/Busse drängen. Wir hatten unser eigenes Essen dabei und konnten so auch die vollen (und teuren) Restaurants meiden. Und schließlich, waren wir am späten Vormittag und über Mittag dort und haben die "Hauptverkehrsrouten" gemieden (deshalb auch kaum Menschen auf den Fotos ;) ). Dank des weitläufigen Geländes konnten wir doch schöne Eindrücke sammeln, mit den Museumsleuten ins Gespräch kommen und im Adventskonzert in der Kirche ein bisschen Ruhe finden. Besonders ergreifend fand ich als die ganze Kirche und der Chor zum Schluss dieses Weihnachtslied gesungen haben. Ein bisschen wie Adventssingen. Schön!

Hier kommen nun ein paar Eindrücke und für Gesche der Beweis, dass wir noch Schnee haben ;)

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Internationale Weihnachtsgeschichten (2): Österreich trifft Nordosteuropa

Herzlich Willkommen zur internationalen Weihnachtsgeschichte in der zweiten Adventswoche. Heute darf ich Gastgeberin für die wunderbare Frau Kreativberg sein, die mit ihrer kleinen großen Familie auf einem Bergbauernhof in Österreich lebt.

Ich komme selbst aus einer „gemischten“ Familie und habe es als Kind immer sehr vermisst, etwas aus der Kultur meines Vaters (er ist Italiener) hier in Österreich zu leben. Bis auf die Sprache war uns kaum etwas bekannt und auch heute würde ich sagen, dass Italien für mich nie vertraut geworden ist. Das ist etwas, das ich für meine Kinder anders erlebbar machen möchte und es gibt Dinge, die ich ganz bewusst wahrnehme, vor allem, was den Umgang mit den beiden Sprachen und auch die Wertschätzung des einen Landes für das andere betrifft. Mein Vater hat immer schlecht über seine Heimat gesprochen und vielleicht ist es einfach die Geschichte (er ist ein Kriegskind), die da sehr prägt. Durch meinen Mann habe ich gelernt, welche Bereicherung eine zweite Kultur/Sprache sein kann (als Kind hatte ich meine italienischen Wurzeln fast eher als Makel wahrgenommen) – und das ist das, was ich weitergeben möchte an meine Kinder. Bei allem Sinn für Realität ist es für uns wichtig, dass die Kinder sich ihrer Wurzeln bewusst sind. Bei Festen wie Weihnachten zeigt sich das ganz gut, auch wenn jedes Jahr bis jetzt  ein wenig anders ist als das Jahr zuvor. Irgendwie finden wir erst schön langsam heraus, was wir wirklich wollen.
 Wir leben den Advent eher österreichisch. Mir ist wichtig, dass meine Kinder wissen, warum wir etwas tun und dass sie Hintergründe kennen. Ich glaube, dass Traditionen, die man nicht versteht, sehr schnell zur Belastung werden können und so haben wir für uns nur das gewählt, was für uns stimmig ist. Das ist z.B. der Adventkranz, der Barbarazweig und der Nikolaus. Heuer haben wir am ersten Adventsonntag via skype meine Schwiegermutter mit dabei gehabt und ihr das Lied „Wir sagen euch an…“ vorgesungen. Auch einen Adventkalender gibt es bei uns – heuer haben wir z.B. einen Fensterbild-Adventkalender. Die meisten Advent-Traditionen kennt mein Mann überhaupt nicht, aber er lebt sie mit und freut sich daran. Unsere Kekse und das Apfelbrot, das wir im Advent backen, sind mittlerweile auch bei meiner Schwiegerfamilie sehr beliebt J
Foto von Frau Kreativberg

Zum Hl. Abend haben wir begonnen, die Tradition der Familie meines Mannes zu folgen: wir bereiten 12 Speisen zu (dabei zählt z.B. auch Brot als Speise oder der Krug mit Saft). Da gibt es ganz besondere Salate(z.B. mit Reis und Mohn) und Fisch. Wir essen das gemeinsam, lesen die Weihnachtsgeschichte und singen miteinander Lieder in beiden Sprachen. Es ist so schön für mich zu sehen, wie unsere Große da schon richtig mitsingen kann und es wirklich als etwas Besonderes erlebt, dass wir Weihnachten so feiern und sich nicht dafür schämt, dass wir das anders machen als ihre Kindergartenfreundinnen. Auch mein Mann blüht richtig auf, wenn er die Weihnachtslieder anstimmt oder in seiner Sprache die Weihnachtsgeschichte erzählt oder vorliest. Wir bekommen mit der Weihnachtspost auch weihnachtliche Oblaten mitgeschickt, die wir am Hl.Abend miteinander teilen und uns gegenseitig ein schönes Weihnachtsfest wünschen. Es ist ein wenig so dann, als wären die Menschen, die uns die angebrochene Oblate geschickt haben, irgendwie bei uns wären. Danach gibt es dann die Bescherung. Bei einem echten Weihnachtsbaum  - im Gegensatz zum Plastikbaum, den ich bei meiner Schwiegerfamilie immer angetroffen habe…
Auf den Hl. Abend freue ich mich schon jetzt sehr. Seit wir Kinder haben, ist mir das unglaublich wichtig geworden. Vorher haben wir ein Jahr in Österreich und das Jahr darauf in der Heimat meines Mannes gefeiert. Aber mit zunehmender Kinderzahl *haha* und auch durch unsere ganz andere Lebenssituation jetzt hier auf einem Bergbauernhof haben wir das verändert. Wir feiern als kleine große Familie. Und heuer zum ersten Mal zu sechst J