Donnerstag, 8. November 2012

Licht im Dunkeln: Der Brunnsviken in Flammen

November, Dezember, Januar und Februar sind die dunkelsten Monate hier, wobei es im Februar ja schon wieder aufwärts geht. Wenn man bis 15 Uhr arbeitet oder studiert (o.ä.), dann bekommt man zur Zeit schon kaum mehr Tageslicht ab. Um nicht ganz zum Stubenhocker zu werden und den Winterdepressionen keinen Raum zu geben, ist die beste Methode: (trotzdem) raus und bewegen. Schön, wenn es dazu auch noch stimmungsvolle Angebote gibt. Am Sonntag stand der Brunnsviken ('Brunnenbucht') in Flammen...

Dienstag, 6. November 2012

TisdagsTutorial: Martinsbrot

Am kommenden Sonntag ist ja St. Martin und das hat mich an eine schöne Tradition aus meinem Heimatort erinnert. Nach dem St. Martinsumzug und der Andacht/dem Kindergottesdienst wird auf dem Marktplatz von einer als St. Martin verkleideten Reiterin Brot verteilt. Jede Familie bekommt aber nur einen kleinen Laib und so wird dann zu Hause bei wärmender Suppe und Tee das Thema des Teilens noch einmal aufgegriffen, wenn man das Brot miteinander teilt.
Das Brot ist [natürlich] gutes, bayerisches Sauerteigbrot und so beginnt man zunächst mit einem Sauerteigansatz. Es ist wirklich nicht schwer, nur Mut also! Wenn das Brot am Samstag gebacken werden soll, empfehle ich Euch den Sauerteig spätestens am Donnerstag, besser am Mittwochabend anzusetzen.
Man braucht dafür Roggenmehl, Wasser und ein Marmeladeglas (oder anderes Glas mit Schraubverschluss; es sollte aber nicht riechen, z.B. nach Blaukraut oder Essiggurken, weil der Teig den Geschmack leicht annimmt).
Tag 1: 3 EL Roggenmehl mit 4 EL Wasser verrühren und 24 h stehen lassen; dazwischen evtl. mal umrühren. Das Glas steht in der Küche zugluftgeschützt in der Nähe des Ofens.
Tag 2: 3 EL Roggenmehl mit 4 EL Wasser zugeben und verrühren; nun reichen in der Regel 12-14 Stunden
Tag 3: Nun wirft der Teig schon Bläschen und riecht angenehm säuerlich; noch einmal 3 EL Mehl und 4 EL Wasser zugeben; verrühren; 12-14 Stunden stehen lassen.

Am Backtag
stellt man sich folgende Zutaten bereit:
Roggenmehl, Weizenvollkornmehl, Salz, Brotgewürz, ca. 10g Hefe, 300 bis 400 ml Wasser, Sauerteig.
In eine Schüssel wiegt man zunächst die trockenen Zutaten ab:
250 g Roggenmehl
250 g Weizenvollkornmehl
1 1/2 TL Salz
1 1/2 EL Brotgewürz
In die Mitte macht man nun eine Grube, bröselt die Hefe hinein und füllt 150 g des Sauerteigs hinein. Nun bleibt ein Rest Sauerteig übrig. Den kann man einige Tage im Kühlschrank aufheben oder einfrieren.
Nun mit dem Wasser verkneten.
Auch wenn der Teig dann relativ kompakt wird, ist er noch weich und feucht. Ich befeuchte die Oberfläche auch noch einmal mit Wasser bevor er mit einem Tuch bedeckt an einem warmen Ort 2 Stunden gehen darf.
Nach zwei Stunden hat der Teig sein Volumen in etwa verdoppelt und duftet angenehm säuerlich.
Daraus formt man nun mit mehligen Händen zwei mittelgroße oder vier kleinere Laibe. Diese gehen unter dem Tuch noch einmal 30 min während man den Ofen schon auf 220°C vorheizt. Es ist wichtig, dass der Ofen richtig heiß ist.
Wer mag, kann das Brot, bevor es in den Ofen wandert, gleich einschneiden, so dass es dann einfacher zu teilen ist und es ergibt eine schöne Oberfläche.
Nun wird das Brot etwa 40 bis 50 Minuten gebacken. Nach 10 Minuten die Hitze auf 190 bis 200°C reduzieren.
Das Brot ist fertig, wenn man auf die Unterseite klopft und es hohl klingt.
Anschließend die Kruste mit Wasser bestreichen.
Dann auskühlen lassen, TEILEN und mit lieben Menschen am Tisch genießen. Schmeckt sehr gut zu Gemüsesuppen aller Art, aber auch so und zu anderen Anlässen.
Bitte beachtet, dass alle Anleitungen - soweit nicht anders angegeben - mein geistiges Eigentum sind. Alle Anleitungen sind ausschließlich für den privaten und nicht kommerziellen Gebrauch bestimmt; auch Gegenstände, die nach den Anleitungen gefertigt werden, dürfen nicht verkauft werden.

Montag, 5. November 2012

Landskapsrätt: Öländska kroppkakor

Schweden besteht aus 25 sog. Landschaften (landskap), die aber heute keine politische/abministrative Funktion mehr erfüllen. Umso wichtiger ist ihre Rolle als regionale Identifikationspunkte. Die Småländer möchten sicher nicht mit den Schonen in einen Topf geworfen werden!
Von meiner Schwiegermutter bekam ich vor ein paar Jahren ein Kochbuch, das sich mit den typischen Gerichten der Landschaften auseinandersetzt.
Meine Freundin (die Bibliothekarin) und ich hatten nun die Idee, uns durch alle Landschaften zu kochen.
Der Startschuss fiel am 1. November mit Öland.
Die Fakten
Landschaft: Öland
Größe: 1 342 km²
Einwohner (2009): 24 541
Höchster Punkt: 55m über NN (Högsrum)
Größte Stadt: Färjestaden
Landschaftstier: Nachtigall
Landschaftsblume: Gemeines Sonnenröschen
Landschaftgericht: Kroppkakor
Kroppkakor sind wie rohe Kartoffelknödel, die etwas flacher geformt und mit Speck gefüllt werden.
Dazu gibt es (natürlich) Preiselbeermarmelade und Salat. Über die Kroppkakor kann man gebräunte Butter träufeln.
Meine Theorie: Die schwedischen Soldaten lernten während des Dreißigjährigen Krieges die Kartoffelknödel in Bayern kennen und brachten das Rezept mit nach Schweden. Das Kochbuch sagt, dass die Kroppkakor zum ersten Mal 1775 erwähnt werden, würde also zeitlich passen, um das bayr. Rezept als schwedisches zu etablieren ;)

Sonntag, 4. November 2012

Sonntagsfreude: Licht

Wenn die Sonne nun schon immer am Nachmittag untergeht, freue ich mich einfach über die Stunden, in denen warmes, echtes Kerzenlicht kleine Leuchtpunkte in die dunkle Ecken der Wohnung zaubert.
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Frau Kreativberg. Dort gibt es noch mehr Sonntagsfreuden.

Samstag, 3. November 2012

Geschenk: Theatertasche

Ihr erinnert Euch an meine Liste von damals? Geburtstagsgeschenke, Namenstagsgeschenke und Weisert sind endlich abgearbeitet. Von den vielen Kleinigkeiten, die ich zwischendurch noch gemacht und verschenkt habe, ganz zu schweigen. Gestern konnte ich endlich das letzte Geburtstagsgeschenk überreichen. An meine Freundin, die Bibliothekarin ist.
Was lag da näher als das literarische Thema aufzugreifen?! Also habe ich mit einem Stoffstift Szenen aus ihrem Lieblingsdrama der schwedischen Autorin Sara Stridsberg auf den Stoff geschrieben. Ich hatte so eine Angst, dass ich mich verschreibe!
Vollständig wurde das Geschenk mit einem Notizbuch made in germany.
Und ab jetzt nur noch Weihnachtsgeschenke - und vielleicht mal was für mich?!

Freitag, 2. November 2012

Wandertagebuch: Lagom Svensk

Gestern habe ich mit meinem Schwiegervater telefoniert. Wir haben alles mögliche besprochen, u.a. auch dass ich nun wieder alleine bin, weil mein Mann beruflich für 5 Wochen wieder unterwegs ist - auf anderen Kontinenten und anderen Zeitzonen. Ich meinte, dass es nicht ganz so schlimm ist, weil ich ja nun eine Personennummer, Versicherung und Konto habe. Da meinte mein Schwiegervater: Du bist nun also schon genau richtig schwedisch (=lagom svensk), dass du hier zurecht kommst.

"Lagom" ist ein komisches Wort. Es bedeutet so viel wie 'genau richtig'. Wenn man fragt 'Wie viel Kartoffelbrei magst du?' kommt die Antowrt 'Lagom!' oder man bekommt zu hören: 'Heute ist es 'lagom' warm.' Für mich bedeutet das Wort mehr lau, lauwarm. Man mag sich nicht entscheiden und keine Stellung beziehen. Und das stößt mir gerade sehr auf.
Denn die Dozenten der Weiterbildung sind auch 'lagom'. Sie sind nicht schlecht, aber auch nicht gut. Die schwedische Höflichkeit macht es unmöglich Klartext zu reden oder über Floskeln hinauszukommen. Wenn mir zum 25. Mal am Tag ein Dozent mit den Worten 'Wie gut dein Schwedisch ist!' oder 'Wie klug du bist' ausweicht, dann steigt bei mir der Blutdruck. Ich weiß, dass mein Schwedisch sehr gut ist (so gut, dass ich unterrichten kann!) und dass ich klug bin muss mir auch niemand sagen. Da kommt aber die berühmte schwedische Arroganz zum Ausdruck, die man erst kennenlernt, wenn man lange genug im Land gelebt hat. Man hält sich und sein Land für das beste der Welt. Leider bekommen sie es ja auch oft genug von außen zu hören.
Woher all diese Wut und der Frust kommt? Naja, wir haben letzte Woche die 'individuellen' Studienpläne bekommen, die gar nicht individuell sind. Wie sich gestern im Gespräch mit anderen Projektteilnehmern herausgestellt hat, muss jeder - egal wie die vorherige Ausbildung war - 2 Jahre machen. Eine Frechheit, wenn man bedenkt, was am Anfang des Projekts angekündigt wurde: Schnelle (!) Eingliederung in den Arbeitsmarkt, nur so viel Weiterbildung wie nötig, maximal zwei Jahre. Und mein Studienplan ist beispielsweise unvollständig, ein Unterrichtsfach ist noch gar nicht bewertet worden. Und da soll ich unterschreiben!
Im Hinblick darauf, dass die Weiterbildung auch für Leute ist, die schon Lehrer sind, ist es außerdem reichlich dreist, uns in einer weiterbildenden Maßnahme mit Grundkursinhalten wie Piaget, Skinner, Pavlov und Vygotskji zu konfrontieren. Als wir den Dozenten daraufhin ansprachen, war er ehrlich betroffen, dass auch in Ländern wie Lettland, Ägypten und Deutschland diese Pädagogen bekannt sind. Ebenso lautet eine Frage im mündlichen Examen: 'Welche Disziplinarmaßnahmen aus deinem Heimatland darfst du in der schwedischen Schule nicht anwenden?' - 'die Prügelstrafe'. Was glauben diese Leute, wen sie vor sich haben?! Und wie glauben schwedische Pädagogen, dass die Schulen außerhalb Schwedens aussehen?!
[Mir ist durchaus bewusst, dass es in einigen Ecken der Welt noch Schulen gibt, die nicht nach den Lerntheorien und demokratischen Maßstäben geführt werden, aber Lehrer von dort sind sicher nicht im Projekt, denn sie erfüllen die Anforderungen nicht. Versteht Ihr, was ich meine?] Diese Projektleiter und Dozenten haben ein Bild von DEM ausländischen Lehrer, den sie weiterbilden müssen, damit er die schwedischen Anforderungen erfüllt. Dieses Bild stimmt aber nicht mit dem der Realität überein.
Dieses Mal bin ich aber nicht allein, sondern wir schreiben (mal wieder) gemeinsam Widersprüche, lesen Prüfungsordnungen und versuchen, dass wir Recht bekommen - und noch wichtiger, endlich ernst genommen werden!

Ich habe also das Gefühl, dass ich mich auf der Stelle bewege. Ich hänge irgendwo zwischen dem ersten Basislager und dem zweiten fest. Allerdings befindet sich um mich herum eine Gruppe von Weggefährten, die zumindest in beruflicher Hinsicht, das gleiche Ziel haben.
Das schwierige an dem momentanen Wegstück ist auch, dass man nicht richtig sieht, wohin es gehen wird. Und am Abend, wenn ich zurück im ersten Basislager bin, dass bin ich halt allein. Aber auch diese Zeit geht vorbei und es wird vorwärts gehen, denn tiefer als ins erste Basislager kann ich ja nicht mehr absteigen :)

Und schließlich bin ich froh, dass ich so "schwedisch" bin, dass es eben für Konto, Versicherung und Personennummer reicht. Ansonsten bin ich schon erleichtert, dass ich nicht diese laue Lagom-Haltung einnehmen muss, sondern dank meines kulturellen Hintergrunds auch mal deutlich werden kann und die Schweden mit meinen Ausführungen erschüttern kann.

Dienstag, 30. Oktober 2012

TisdagsTutorial: Zugluftstopper

Hier tosen grad die Herbststürme ums Haus und da macht es sich bemerkbar, dass wir in einem Altbau wohnen.
Gerade an meinem Nähplatz spüre ich ständig den kalten Luftzug des Winds im Schulter- und Nackenbereich. Da muss Abhilfe geschaffen werden!
Für schnelle Zugluftstopper braucht man: Stoff(reste), passende Nähseide, Schere, Lineal, Maßband, Bleistift, Stecknadeln, eine Nähnadel und Füllmaterial. Ich habe mich für kbT-Schafwolle von hier entschieden. Beim Stoff handelt es sich einfach um neutralen Baumwollstoff, denn ich will die Zugluftstopper ja von Herbst über Weihnachten bis Frühling am Fenster liegen lassen.
Als erstes vermisst man die Fensternische, in die der Zugluftstopper soll.
Meine Fensternische ist also 53 cm breit, 6 cm tief und bis zum Glas sind es 5 cm. Folgendermaßen habe ich den Zuschnitt berechnet: 53 cm + 2x3 cm (für Kanten/Abnäher) + 2x1,5 cm (Nahtzugabe): 62 cm Länge;
Breite = 2x6 cm (Tiefe) + 2x5 cm (Höhe) + 2x1,5 cm (Nahtzugabe) = 25 cm
Nun den Stoff entsprechend der eigenen Maße zuschneiden und im Zickzackstich versäubern. Dann den Stoff rechts auf rechts legen und, wie die rot markierten Linien zeigen, absteppen. In der Mitte eine etwa 10-12 cm lange Öffnung frei lassen.
Wenn das erfolgt ist, mit der Hand in die Öffnung greifen und den Stoff so richten/verschieben, dass der Stoffbruch und die Naht aufeinander liegen. An den Enden ergeben sich so zwei Spitzen. Bügeln.
Jetzt gilt es die spitzen Enden so abzunähen, dass daraus die gewünschte Tiefe entsteht. Mein Maß war 6 cm und so habe ich das abgemessen, angezeichnet und abgesteppt.
Für jeden Zugluftstopper steppt man insgesamt vier Spitzen ab. Damit es dann beim Füllen innen kein 'Gewurschtel' gibt, habe ich die jeweils zusammengehörigen Spitzen mit ein zwei Stichen von Hand zusammengehängt.
Jetzt den Schlauch wenden und mit dem Füllmaterial gut ausstopfen.
Die Öffnung dann von Hand schließen.
Und so wünsche ich auch Euch immer ein warmes Plätzchen zum Nähen, Stricken, Basteln, Lesen oder Tee trinken und dass Euch die Herbststürme nicht verwehen!

Bitte beachtet, dass alle Anleitungen - soweit nicht anders angegeben - mein geistiges Eigentum sind. Alle Anleitungen sind ausschließlich für den privaten und nicht kommerziellen Gebrauch bestimmt; auch Gegenstände, die nach den Anleitungen gefertigt werden, dürfen nicht verkauft werden.