Gleich vorne weg, mein Mann und ich haben noch nie zusammen Weihnachten gefeiert, werden es aber dieses Jahr zum ersten Mal gemeinsam in meiner Heimat tun. Warum wir in Bayern feiern? Nun, weil ich natürlich meine Familie treffen möchte - UND weil ich mir (noch) nicht vorstellen kann, ein schwedisches Weihnachtsfest nach den Regeln der Familie meines Mannes zu feiern.
Fangen wir aber mit dem Advent an. In Schweden gibt es keinen Adventskranz. Man stellt vier Kerzen in einer Reihe auf oder in einen Kerzenständer für vier Kerzen. Gerne nummeriert man die Kerzen auch durch mit Zahlen aus Wachs oder mit Zahlenanhängern. Hier bin ich nicht kompromissbereit. Ein Adventskranz muss sein, grün mit roten Kerzen. Zum Glück ist ja so ein Adventskranz nicht so viel anders als die vier Kerzen in einer Reihe, so dass mein Mann sich gerne darauf einlässt...
Während der Adventszeit ist der Höhepunkt hier in Schweden Lucia (13. Dezember). Alle Grundschulen veranstalten einen eigenen Zug und die Kinder fiebern dem entgegen. In vielen Kirchen und Rathäusern gibt es Luciakonzerte. Weil es jedes Jahr in jeder Schule/Kindergarten/Gemeinde nur eine Lucia geben kann, werden die anderen Kinder entweder tärnor ("Dienerinnen") oder stjärngossar ("Sternenjungen"). Auch tomte/Wichtel können dabei sein. Vom religiösen Ursprung ist hier wenig zu spüren, es geht vor allem um das Licht, Stimmung, Weihnachtsmusik und Safrangebäck -> siehe weiter unten unter Weihnachtsgebäck.
In meiner Heimat sind wichtige Feste auf dem Weg zu Weihnachten hin der Barbara-Tag. Nicht nur weil es mein Namenstag ist, sondern das Schneiden der Barbarazweige ist eine schöne Tradition. Auch der Besuch von St. Nikolaus mit Krampus ist wichtig. Da wir noch keine Kinder haben, ist St. Nikolaus jetzt zwar schon ein besonderer Tag für mich, aber ein Besuch des Bischofs ist noch nicht erforderlich. Wie ich das in Schweden lösen werde, weiß ich noch nicht, aber mir fällt bestimmt eine kreative Lösung ein. Alle drei Heiligenfeste werden also mehr oder weniger gefeiert.
Dann kommen wir auch schon zu einem weiteren wichtigen Element der Vorweihnachtszeit: Das Gebäck.
Seit Wochen höre ich aus meiner Heimat Berichte von ambitionierten Bäckerinnen, die schon 8 - 10 - 12+ Sorten Leckerl/Kekse/Plätzerl gebacken haben. Ja, nur eine Sorte Weihnachtsgebäck könnte ich mir auch nicht vorstellen. Da wir aber nur zu zweit sind und Weihnachten verreisen, werde ich ein paar der Klassiker backen; begonnen habe ich noch nicht. Ein Projekt für die kommenden Tage (Therapiebacken am Ende des Semesters).
Auch hier ist man in Schweden eher etwas einfallslos. Man beschränkt sich auf Safrangebäck (Lussekatter/Lussebullar), das eigentlich v.a. an Lucia gebacken und verspeist werden sollte, aber ab Ende November überall angeboten und gegessen wird. Außerdem bäckt man Pepparkakor, also Pfefferkuchen.
Ja, und schließlich der Heilige Abend. Dieser steht bei mir zu Hause doch eher noch im Zeichen der Vorbereitung und des Fastens, bis am Abend der Baum entzündet wird und wir zur Christmette gehen. Schweden ist ein sehr säkularisiertes Land und nur wenige gehen an diesem Tag in die Kirche. In den meisten Familien, so auch bei meinem Mann, trägt man schon mittags das Julbord - das Weihnachtsessen - mit Schinken, Fleischbällchen, Weihnachtswürsten*, Jansons Versuchung usw. auf. Am Nachmittag sitzt dann halb Schweden vor dem Fernseher und schaut Donald Duck (schwed. Kalle Anka) an. Am frühen Abend kommt zu den Kindern der Tomte (Weihnachtsmann), meist der Papa oder Opa, oft schlecht und lieblos verkleidet. Es werden die Geschenke verteilt und man tanzt um den Baum. Man geht wieder ans Julbord und isst weiter und für die Erwachsenen gibt es Glögg. Was ich - neben Kalle Anka - am komischsten finde, ist, dass man um den Weihnachtsbaum die gleichen Lieder singt/tanzt wie um die Mittsommerstange. Mein Mann versicherte mir zwar dass die "kleinen Frösche" bei ihnen zumindest nicht gesungen und getanzt werden, aber man findet sie trotzdem auf fast jeder Weihnachts-CD. Befremdlich...
Für dieses Jahr umschiffen wir dieses Problematik ja noch und wie wir es nächstes Jahr lösen, wird sich zeigen.
Schließlich noch der Weihnachts-/Christbaumvergleich: Mein Herz schlägt für die gerade Tanne, die ästhetisch geschmückt wurde und mit echten Kerzen bestückt ist.
In Schweden wählt die Majorität eine (Krüppel-)Fichte, weil der Baum ja eh kurz nach Weihnachten aus dem Haus geworfen wird. Man wirft den Baum allerdings nicht aus dem Haus um Platz für neue Möbel zu machen und man wirft ihn auch nicht aus dem 3. Stock! Als Baumschmuck dienen Knallbonbons und andere bunte Bastelarbeiten. Ich finde, stillvoll ist etwas anderes...Auch hier ist eine Lösung noch offen, wobei ich glaube (hoffe), dass ich mich langfristig durchsetze...
Und als ob das schwedische Weihnachtsfest nicht schon "unchristlich" genug wäre, trifft man in der Weihnachtszeit auch an vielen Stellen den Julbock an, der seinen Ursprung in der germanischen Mythologie hat. Hier kann man recht Interessantes darüber weiterlesen. Meine Julböcke habe ich 2007 im Skansen fotografiert. Gerade Menschen, die sich als Julbock verkleiden, erinnern mich ein bisschen an die Habergeiß, die bei uns manchmal die Kramperl begleitet (oder die Perchten in anderen Regionen).
Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Einblick in die schwedischen Weihnachtsbräuche geben und wie ich versuche, meine Traditionen einzuweben und aufrechtzuerhalten.
*In einigen Familien gibt es eine Tradition die Weihnachtswürste selber zu machen. Das habe ich dieses Jahr versucht und, was soll ich sagen, ähm, ich werde es zunächst nicht wiederholen und es wird sicher keine Tradition werden...
Das ist ja interessant - mein Bruder berichtet ganz ähnliches aus Dänemark. Er ist überhaupt nicht "religiös" sozusagen, aber seit der in DK wohnt, sagt er ganz oft, wie seltsam das ist, wenn man nur noch Saufen und Essen im Kopf hat (sorry, die Ausdrucksweise...) und über den Hintergrund der Feste gar nichts mehr weiß. Gerade Weihnachten und den Advent im Ausland zu feiern, wenn dort der Glaube gar nichts mehr zählt, ist sehr schwer. Aber umso wichtiger ist es, daran zu bleiben, sodass man in den eigenen Kindern sozusagen den "Samen" legen kann, sodass wieder etwas Hintergrund in die Zukunft mit"wächst".
AntwortenLöschenAlles Liebe. Und schönes Feiern in Bayern!!!! maria
Ich finde es spannend, von anderen Kulturen und Bräuchen zu hören. Das gute ist doch, dass du dir mit deinem Mann eure gemeinsamen Traditionen suchen kannst und ihr könnt aus zwei Kulturen schöpfen. Vielleicht hinterfragt man mehr, wenn man im Ausland ist. Vermutlich lernt man auch die eigenen Traditionen schätzen, bzw. sieht manches nicht als selbstverständlich. Auch wir feier das erste Mal gemeinsam den Heilig Abend. Es ist schön zu überlegen, wie wir ihn begehen wollen. Und wir bringen nur zwei Familien"traditionen" mit. Da finden sich ganz gut Kompromisse oder gar neue Wege :-) Ich wünsche euch einen schönen Urlaub in Bayern und ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest! Viele Grüße
AntwortenLöschenStefanie