Dienstag, 27. Mai 2014

Die Du-Reform

Als ich neulich mit einer befreundeten Lehrerin in Deutschland telefonierte, meinte diese: "Also, ich könnte es mir wirklich nicht vorstellen, dass mich meine Schüler und die Schülereltern duzen und mit Vornamen anreden!"
 In Schweden ist das ja Realität, aber es war auch nicht immer so. Erst Ende der 60-Jahre setzte sich das allgemeine Du + Vorname durch, nicht zuletzt seit Medizinalrat Bror Rexed beschloss, dass sich alle auf dem Gesundheitsamt duzen sollten. Das sorgte für Schlagzeilen in den Medien und galt als die Stunde der Du-Reform. Doch schon ein Jahr später berichten die Zeitungen über die Ängste der Lehrer vor Autoritätsverlust und noch im Jahr 1973 zeigten Radiohörer einen Radiosender beim Justizombudsmann an, da sie die Ansprache Du im Radio für zu intim erachteten.
Der große Unterschied zum englischen 'you' ist wohl, dass in Schweden immer der Vorname mit dem Du benutzt wird, während man in den englischsprachigen Ländern durchaus noch mrs, mr oder Sir bzw. Madame (das war an der Uni in den USA sehr wichtig!) plus Nachnamen verwendet. In Schweden wird das so kurios, dass man beispielsweise bei den Behörden nur den Vornamen des Sachbearbeiters erfährt - und rufe dann mal beim Finanzamt an und frage nach deiner Sachbearbeiterin Lotta! ...
Eine interessante Trendwende ist aber bei der Generation 20+ zu beobachten, v.a. bei denen, die im Servicebereich arbeiten. Da wird man durchaus öfter mit "ni" ("ihr" - sollte wohl dem deutschen Sie entsprechen) angesprochen: "Vill ni prova på flera plagg?" Möchtet ihr noch mehr Kleidungsstücke anprobieren?
Ein bisschen komisch war auch die Situation mit meinen deutschen Schülereltern am Anfang. Da aber alle älter sind als ich, duze ich mich mit denjenigen, die mir das Du angeboten haben. Mit einigen bin ich per Sie und Vornamen und zwei Elternpaare fühlen sich scheinbar mit dem deutschen Sie am wohlsten und dann ist das auch für mich so in Ordnung.
Für meinen Mann ist das natürlich auch ein schwieriger Aspekt der deutschen Sprache, der ihm manchmal Kopfzerbrechen macht. Aber er hofft einfach auch auf eine Du-Reform im deutschsprachigen Raum ;)

3 Kommentare:

  1. Ja ja, die Du-Sie-Autoritätsfrage habe ich im Kitabereich immer wieder mal diskutiert. Spannend, was da alles so mit rein spielt. Kindern ist das meiner Erfahrung nach egal, das Sie trägt nicht zwingend zur Autorität bei. Das jm. ernst genommen wird kommt doch durch die Art und Weise wie man auftritt.
    Liebe Grüße Stefanie

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  2. Bei uns sind alle per du. Wirklich alle. Wenn man da mit "Sie" kommt, merken die Leute, dass du nicht von "hier" bist. Ich habe mich integriert sozusagen und bin jetzt auch mit allen per "Du", nachdem die ja auch mit mir automatisch per "du" sind ;-)

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  3. Das "Du" finde ich ungewohnt... und ziemlich persönlich. Ich möchte - ehrlich gesagt - nicht mit allen per "DU" sein, ein bisschen "Sie-"Distanz ist manchmal schon ganz gut (auf beruflicher Ebene, vorallem wenn man "kritisieren" muss ;-)). Gerade als Lehrerin... von Kindern lasse ich mich gerne duzen. Bei Eltern habe ich tatsächlich Schwierigkeiten. Aber wer weiß, vielleicht gewöhnt man sich da schnell daran?
    Obwohl ich insgeheim der Meinung bin, dass man auch mit einem netten "Sie" einen herzlichen, wertschätzenden und guten Umgang pflegen kann - beruflich gesehen. Privat tendiere ich auch schneller zum "Du".

    Liebe Grüße aus dem kleinen Haus am See (o:

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