Dienstag, 6. Mai 2014

Wandertagebuch: Schritt für Schritt

Mit großen Schritten gehen wir dem Vorsommer und Mittsommer entgegen. Das merkt man deutlich an der Tageslichtlänge, die mir sehr, sehr gut tut. Allerdings setzen mir die Kälte und der eisige Wind durchaus zu, was ich nie von mir gedacht hätte. In meinen Augen war ich immer ein 'nordischer Typ', der mit Schnee und Kälte besser zurecht kommt als mit Hitze. Aber nach zwei psychisch belastenden Wintern im Norden ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich die Anzeigen für Sommer-Sonne-Strand-Reisen in der Tageszeitung interessiert studiere. Außerdem habe ich angefangen, sowohl Dinkel- als auch richtigen Kaffee zu trinken, etwa eine Tasse am Tag. Ernstzunehmende und beunruhigende Anzeichen einer zunehmenden Schwedifizierung?! ;)
Im Privaten versuche ich Schritt für Schritt den Weg, den ich diesen Frühling begonnen habe, weiterzugehen und meine Sichtweise zu verändern. Letzte Woche ist mir das recht gut gelungen, an manchen Tagen habe ich aber Durchhänger. Aber auch das will ich lernen: Geduldiger mit mir selber sein, diese Durchhänger zulassen. Nach mehr als zwei Jahren 'abwärts' kann man es nicht von einen Tag auf den anderen ändern. Die Helferlein der Heilpraktikerin tun mir gut und ich habe auch wieder einen Kräutertee hervorgeholt, den mir eine liebe Freundin empfohlen hatte. Lange stand er im Schrank und ich hatte nicht mal die Energie, ihn mir aufzubrühen.
Allerdings beängstigt mich manchmal die Schrittgeschwindigkeit der Zeit: In sechs Wochen ist die Weiterbildung vorbei (!!!), es beginnen die Sommerferien und es ist schon Mittsommer - danach werden die Tage wieder stetig kürzer. Dabei habe ich immer noch keine Arbeitsperspektive für das neue Schuljahr und ein Häuschen haben wir auch noch nicht. In zweieinhalb Monaten muss ich schon wieder (!) zur Einwanderungsbehörde und meine Aufenthaltserlaubnis verlängern lassen. Ein ganzes Schuljahr als Muttersprachlehrerin ist fast zu Ende, wie vorbeigeflogen.
Nun versuche ich mich darin, auch nicht zu weit nach vorne zu schauen, sondern besonnen Schritt für Schritt weiterzugehen. Ich übe mich in Lebensfreude, ändere das, was ich ändern kann und mache das Beste aus dem Rest ;)


3 Kommentare:

  1. Liebe Barbara,
    ich verstehe, dass du einer Schwedifizierung entgehen willst, da deine Heimatwurzeln so stark ausgeprägt sind (meine beispielsweise sind bei weitem nicht so stark). Vielleicht fällt es dir aber leichter in Schweden zu leben, wenn du der Schwedifizierung ein wenig nachgibst und nicht dagegen ankämpfst. Vielleicht fällt einem das Leben im Norden mit so viel Kaffee einfach leichter. Dinkel- und Malzkaffee sind ja auch sehr lecker und nicht ungesund. Du wirst deine Heimat nie vergessen und wenn du dort bist, sofort in deine alten Muster zurückfallen (denke ich), aber wenn du in Schweden wohnst und lebst, dann fällt es dir mit Schwedifizierung eventuell ein wenig leichter?
    Mich würde interessieren, welchen Kräutertee du trinkst.
    Liebe Grüße und auf ein bisschen mehr Wärme!
    Kathrin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Kathrin, danke für deine lieben Worte und dass du dir Gedanken machst. Ich habe aber ganz bewusst einen Zwinker-Smiley hinter die Worte gesetzt, da ich das Ganze selber mit einem Augenzwinkern betrachte. Ich habe nicht so viel Angst vor der Schwedifizierung, ein Stück weit bin ich es wohl schon und es fällt mir zunehmend schwerer manche Auffassungen vom 'Kontinent' nachzuvollziehen. Und das ist, wie du es auch schreibst, wichtig und richtig.
      Allerdings gehören der schwedische Kaffee (schmeckt immer angebrannt) und Pauschalreisen mit 100 anderen Schweden nicht zu den von mir angestrebten Dingen. Herzliche Grüße,
      Barbara

      Löschen
    2. hehe, das stimmt. Das klingt nicht nach den schönsten Dingen des Lebens :-)
      Kathrin

      Löschen