Dienstag, 28. August 2012

Unser tägliches Brot: Morotspanini

Als ich neulich an der Kasse warten musste, stach mir die Zeitschrift 'Baka' ins Auge (Ausgabe 3/2012). Denn darin wurde unter anderem von Jan Hedh berichtet, einem schwedischen Bäcker, der "richtiges Brot" bäckt. Seit ich sein Brotbuch bei meiner Schwiegermutter von A bis Z gelesen habe, bin ich von ihm und seiner Philosophie fasziniert. Kein Wunder, hat er seine Brotkenntnisse doch überwiegend auf dem Kontinent (sprich Zentraleuropa) gesammlt...

Diese Zeitschrift enthielt aber noch viel mehr leckere Brotrezepte, als nur die von Jan.
Die Morotspanini, Panini mit geraspelten Gelbe Rüben, haben sich zum Dauerbrenner entwickelt. Sie sind sehr saftig und eignen sich hervorragend für belegte Brötchen deluxe (auch Rezepte aus Baka 3/2012).
Hier einmal gefüllt/belegt mit Ziegenkäse, Brie, Babyspinat, Granatapfelkernen und Walnüssen
Und dann einmal mit selbst gemachten Hummus und im Ofen gebackenem, mediterranem Gemüse.
Die Paninis sind recht schnell gemacht, denn es ist ein normaler Brotvollkornhefeteig und es werden ca. zwei bis drei fein geriebene Gelbe Rüben hinzugefügt.
Allerdings brauchen diese Füllungen/Beläge schon ihre Zeit... Da die Paninis auch gerne so zum Frühstück mit Marmelade oder zwischendrin mit Käse und Gurken gegessen werden, ist das nicht weiter schlimm :)

Montag, 27. August 2012

Hoffentlich werden wir bald Freundinnen...

Sie ist Schweizerin. Natürlich habe ich sie abgeholt, so dass sie nicht alleine in der Stockholmer Innenstadt U-Bahn fahren musste.
Nachdem sie es sich in der Wohnung bequem gemacht hatte, packte sie aus. Ich muss sagen, sie hat ganz schön viel Gepäck dabei!
Sie ist sehr elegant und bevorzugt schwarz und weiß, so dass sich alle anderen Farben und Qualitäten gut damit kombinieren lassen.
Obwohl sie recht schlank ist, bringt sie [gefühlt] doch einiges auf die Waage.
Seit ein paar Tagen lernen wir uns nun endlich näher kennen, obwohl sie schon gut 20 Tage hier ist. Das ist nicht ganz unkompliziert und anfangs wusste ich nicht recht, wie ich mich dieser Luxusdame nähern sollte. War ich doch zuvor jahrelang mit einer recht einfachen, aber ausdauernden und unverwüstlichen Dame aus dem Kaffeehaus Tsch. fest verbandelt...  
Generell ist sie sehr ruhig. Man kann nebenbei nun sogar noch deutsches (Internet-)Radio hören oder angenehm eine dritte Person ins Gespräch mit einbeziehen. Was mich noch herausfordert ist ihre Art zu denken und sich bis zu 30 Sachen zu merken. Man merkt auch, dass sie mit beiden Beinen im Leben steht und man kann sich gut [auf ihrer extra großen Arbeitsfläche] anlehnen und aufstützen.
Ein Projekt haben wir bereits gemeinsam erfolgreich abgeschlossen. Wenn es* bei der Empfängerin angekommen ist, werde ich es hier zeigen. Und bis dahin führen die vornehme Dame und ich weiterhin anregende zwischenmenschliche Gespräche :)
*ein Geschenk

Sonntag, 26. August 2012

Aus aktuellem Anlass: Studentenwohnungen in Sthlm

Immer wieder bekomme ich Anfragen, ob ich Insidertipps für Reisende geben kann, oder bei der Wohnungssuche helfen kann. Die Antwort ist: NEIN. Ich kann das nicht, habe auch nicht die Zeit dazu und will das auch nicht. Wenn ich irgendwelche Ausflugsziele empfehlen möchte, werde ich das hier im Blogg machen. Und Hotels etc. kann jeder selber im Internet finden und auch dazugehörige Rezensionen lesen.
 
Aus aktuellem Anlass, dem Semesterbeginn hier in Schweden, häuften sich nun aber die (mehr oder weniger verzweifelten) Anfragen nach Hilfe bei der Wohnungssuche. Deshalb hier etwas allgemeine Info, die aber nur auf meiner Erfahrung begründet ist und ich übernehme keine Verantwortung für irgendwas.
 
Falls man bis jetzt (Ende August) noch keine Bleibe hat, kann ich aus meiner Erfahrung heraus nur bedingt Mut machen. Die Wohnungssituation ist katastrophal und allein für die schwedischen Studenten fehlen diesen Herbst 4000 Wohnungen.  Als ich 2007 in Stockholm studiert habe, waren ich und eine andere Studentin sog. Inneboende, d.h. ich habe zur Untermiete bei einem älteren Herrn gewohnt, der wegen der hohen Wohnungspreise die beiden Schlafzimmer seiner Wohnung untervermietet hat. Er selbst hat hinter einem Vorhang im Wohnzimmer gewohnt. Es war die einzige Lösung. Sehr komisch und teilweise auch etwas unangenehm...
 
Gefunden hatte ich dieses Zimmer über das schwarze Brett im Internet der Universität Stockholm wo es verschiedene Kategorien (Wohnen, Bücher etc.) gibt:
Dann gibt es auch noch ganz viel Wohnungen auf http://www.blocket.se/
Das Zwischenvermieten oder Untervermieten heißt andrahand bzw. andrahandslägenhet auf schwedisch.
Es zahlt sich auch aus, auf den Internetseiten oder 'richtigen' Schwarzen Brettern der verschiedenen Hochschulen zu suchen, nicht nur bei seiner eigenen.
Die offizielle Organisation in Stockholm, die Studentenwohnungen vermietet, ist SSSB: http://www.sssb.se/ Dort herrscht ein System mit Anzahl der Wartetagen, manchmal werde aber auch sog. Last minute-Zimmer frei.
Hilfe bekommt man auch bei Studentenorganisationen, z.B. dem Stockholms Universitets Studentkår
http://www.sus.su.se/
 
Viele Studenten suchen auch weiter weg nach Wohnungen und pendeln dann. Im Süden ist Södertälje eine gute Möglichkeit, dort gibt es einen Pendelzug direkt zum Zentralbahnhof (ca. 30 min). Nach Norden gehen viele gleich bis nach Uppsala und von dort geht auch drei bis vier mal pro Stunde ein Direktzug nach Stockholm Central (40 min). 
 
Als Warnung möchte ich jedoch noch mitgeben, dass durch die extreme Wohnungnot auch viele schwarze Schafe unterwegs sind. So stellen z.B. Betrüger die Wohnungen anderer auf Blocket, ohne dass der Eigentümer davon erfährt. Die googlen z.B. unsere Adresse und schreiben dann dass Barbara ihre Wohnung in Stockholm für 6000 SEK zwischenvermietet. Damit man den Zuschlag bekommt, wollen sie, dass man die erste Miete und eine Kaution auf ein ominöses, natürlich auch falsches Konto überweist.
Und als Miete sollte man - momentan - im Innenstadtbereich keinesfalls mehr als 4000/4500 SEK für ein Zimmer (ca. 15 m²) und nicht mehr als 5000/6000 SEK für ein kleines Apartment bezahlen.
 
Ich hoffe, dass diese Infos weiterhelfen und dass von ähnlichen Anfragen in Zukunft Abstand genommen wird. Natürlich darf man mich auch weiterhin kontaktieren, dann bitte ich aber darum, dass die Grundformen der Höflichkeit gewahrt werden. 'Bitte' und 'Danke' sind dabei für mich selbstverständlich, ebenso wie dass 'He' keine passende Anrede ist. DANKE!

Freitag, 17. August 2012

Gedankenkarusell

Eigentlich habe ich noch ein paar selbstgemachte Sachen in der Hinterhand, die ich Euch gerne zeigen würde. Oder Leckereien, die ich gebacken und gekocht habe. Schöne Landschaftsbilder.

Aber irgendwie komme ich nicht dazu, denn meine Energie für solche schönen Sachen wird zunehmend vom Sorgenmonster aufgefressen. Gleichzeitig merke ich, dass ich immer gleichgültiger werde. Das ist eigentlich schlimm, denn ich denke, dass man nie gleichgültig werden sollte. Aber ich habe keine Kraft mehr wütend - traurig - verärgert zu sein.
Heute war der Tag, an dem die letzte offizielle Möglichkeit zum Vervollständigen der Bewerbungsunterlagen für die Weiterbildung gegeben war. Deshalb habe ich gestern (mal wieder) beim Migrationsverket angerufen. Nachdem ich über eine Stunde in der Telefonwarteschlange war, kam ich endlich durch. Nein, mein Gesuch wurde noch nicht bearbeitet. Es wurde noch nicht mal einem Sachbearbeiter zugeteilt. Im Moment ist die Wartezeit 7 bis 10 Monate. Ausnahme: Man ist schwanger oder chronisch krank. Letzteres bin ich zum Glück nicht und ersteres scheint auch grad nicht so passend (und schwierig mit einem Mann in Zentralasien ;-) ...). Soll ich nun fast ein Jahr ohne Krankenversicherung sein?! Noch dazu sitzt mir immer noch der Schreck in den Knochen nachdem mich letzte Woche eine (zu) alte Autofahrerin in der Stadt fast überfahren hatte. Ich habe bei der AOK angerufen und mich nach der deutschen Gesetzeslage erkundigt. Ich kann mich nur in Deutschland versichern, wenn ich dort einer versicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehe oder arbeitslos gemeldet bin. Und wie sollte das bitte gehen?!
Ich habe wieder Briefe geschrieben. Mir läuft die Zeit davon. Immer wieder bekomme ich Informationen zu spät. Es zermürbt mich.
Und ich kann meinen Mann nicht erreichen. Seit mehr als 5 Tagen ist sein Handy tot. (Nicht unerwartet, sie haben dort fern der Zivilisation ein Satellitentelefon dabei und ich mache mir nicht deshalb Sorgen). Ich werde nur zunehmend wütend auf ihn. Warum lässt er mich gerade jetzt allein?! (Ja, ich weiß, dass das sein Job ist - trotzdem!) Und ich habe heute wieder gemerkt, dass ich in Schweden überhaupt kein vollwertiger Mensch (mehr) bin.
Heute wurde nämlich das Internet abgeschaltet. Ich bin fast ausgeflippt!!! Meine Verbindung zur Außenwelt, zur Heimat, überhaupt. Ich habe dann dort angerufen. Angeblich hätte mein Mann das erst ab dem 1.9. wieder bestellt und unser Zwischenmieter hätte gekündigt (ja, aber zum 31.8.!). Dass ich die Personennummer meines Mannes wusste half nicht. Möglichkeit 1 - er würde persönlich anrufen und das ändern (Hallo, der ist grad irgendwo im Nirgendwo!). Über seine Frau liegen nämlich im nationalen Register keine Angaben vor. Nein, wie unerwartet... Irgendwann machte der fünfte Mitarbeiter, zu dem ich verbunden wurde, einen Fehler und ich habe ihn nicht aufgeklärt und deshalb ist das Internet nun wieder freigeschaltet. Meine Schwägerin, mit der ich dann telefoniert habe, hat sich krank gelacht, als ich ihr erzählte, dass mich der Servicemann für unseren französischen Zwischenmieter gehalten hat :)
Und irgendwie bin ich ein bisschen stolz auf mich, dass ich alles immer wieder irgendiwie löse. Schlupflöcher finde. Ausdauer habe. Nicht aufgebe. Aber soll ich Euch was sagen?! Ich habe absolut keine Lust mehr.
Ich mag nicht mehr tapfer, mutig und abenteuerlustig sein. Ich will, dass mein Mann heim kommt. Sofort. Ich möchte mir die Decke über den Kopf ziehen und drei Tage nicht mehr aufstehen. Ich möchte schreien: "Ja, ich habe verstanden, wie es für Asylbewerber - Flüchtlinge - Gastarbeiter ist. Ich weiß jetzt zur Genüge, wie ihr euch fühlt. Ich will ja eine gute Lehrerin sein, die Rücksicht auf interkulturelle Hintergründe nimmt. Ok, und vielleicht ist das eine Art Strafe, wenn man vom 08/15-Lebensmodell abweicht. Aber hört jetzt bitte einfach auf! Gebt mir eine Krankenversicherung. Gebt mir die Möglichkeit, ein Konto zu eröffnen und selbstständig zu agieren. Gebt mir meine Würde zurück. Ich habe verstanden, dass ich als Ausländerin in diesem Land unerwünscht bin und ich werde mich still und demütig verhalten. Aber bitte, bitte lasst diesen Non-Stop-Alptraum aufhören!"
Morgen kommt meine Freundin A. aus Deutschland und wird mich zumindest emotional ein paar Tage unterstützen.
Ach, irgendwie habe ich mir den Inhalt dieses Blog irgendwie anders vorgestellt. Na klar, ein paar Anekdoten vom Skatteverket wären schon vorgekommen. Aber so... Seufz

Samstag, 11. August 2012

Endlich mal wieder - Sonntagsfreude

Eine Erinnerung an den letzten Abend mit meinem Mann vor seiner Abreise. 'A gscheids Essn' bevor er nach Asien muss. Und für mich so viel mehr... Geschmack, Erinnerung, Wärme, Stärkung, Zufriedenheit, ein Bissen Heimat.
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Frau Kreativberg.

Freitag, 10. August 2012

Der 10. August...

... wäre der Tag gewesen, bis zu dem ich die Aufenthaltserlaubnis gebraucht hätte, um regulär in der Lehrerweiterbildung beginnen zu können. Die Post war heute schon da, aber leider war kein Brief von der Einwanderungsbehörde dabei.

Allerdings fühle ich mich heute relativ gelassen. Alle euren lieben Kommentare haben mir viel Mut gemacht. Habt einen herzlichen Dank dafür!
In der Wohnung hängen zwar immer noch kaum Bilder, einige konnten wir aber vor der Abreise meines Mannes noch anbringen. Und das meiste ist so weit fertig, dass ich mich hier wohlfühlen kann. Meine Geranienableger und der Blumenstock, den ich von meiner Großtante zur Hochzeit bekam und hier auf dem Schoß habe, fühlen sich hier scheinbar wohl. Unser Zwischenmieter hat nun endlich auch angefangen seine Sachen hier abzuholen. Ich finde Zeit zum Stricken, Sticken und Nähen. Leider alles (noch) heimliche Projekte, die aber alle noch im August fertig werden sollen.

Und ich habe Besuch bekommen. Sehr kurzfristig und spontan kam ein Freund vorbei, der damals mit mir nach dem Abitur im Nationalpark gearbeitet hat. Er war Zivi, ich FÖJlerin. Über all die Jahre und alle Entfernungen hat der Kontakt gehalten, zuletzt haben wir uns vor 6 Jahren gesehen! Aber wir haben immer e-mails und Briefe/Postkarten geschrieben. Nun will er von hier aus eine Fahrradtour durch Schweden starten. Und er scheint mich (immer noch) sehr gut zu kennen. Denn ratet, was er mir als Gastgeschenk mitbrachte?!
Handgesponnene und pflanzengefärbte Wolle von Wollkunst !!!
Ich habe mich so sehr darüber gefreut! Ich weiß noch kein konkretes Projekt dafür, nur dass es etwas Besonderes werden muss, das ist klar!
Und bis mir was einfällt, werde ich jeden Tag die schönen Knäuel bewundern, befühlen und mich daran erfreuen...

Mittwoch, 1. August 2012

Sprachlos

Mir fehlen im Moment die Worte. Es geht mir nicht so gut. Von den Behörden ist immer noch nichts gekommen. Zerissen zwischen dem Einschmelzen wollen und dem Sich Selbst-Bleiben. Möchte um keinen Preis als Ausländerin enttarnt werden, passe meine Kleidung an. Möchte aber auch am liebsten zweimal täglich Spätzle mit Schwammerlsoße essen. Oder Semmelknödel. Eine kühle Radler trinken. Meine Sprache sprechen. Nichts ist so anstrengend wie das ständige Wechseln zwischen zwei Sprachen. Ich bin noch nicht angekommen. Die Wohnung ist trotz einer Autoladung voll meiner Sachen immer noch (zu) sehr die meines Mannes. Dieser muss in 7 Tagen für über einen Monat auf Dienstreise nach Asien und dann bin ich alleine hier. Werde ich alle Herausforderungen des Alltags ohne Konto, Personennummer, Versicherung meistern? Kann das Telefon ab Mitte August endlich freigeschaltet werden?
Versteht mich bitte nicht falsch, denn ich liebe meinen Mann wirklich wirklich sehr. Aber nach so vielen Hindernissen und nach dem eher missglückten USA-Aufenthalt frage ich mich manchmal, ob ich schon wieder bereit für ein fremdes Land bin. Ist es das wert, alle Freunde, die ganze Familie, eine relativ sichere Arbeitsstelle hinter sich zu lassen?

Hier ein paar Eindrücke von der langen, langen Reise (punktgenau 2000 km!). Wenn ich wieder mehr erzählen kann/will, gibt es demnächst wieder mehr.