2017 war bestimmt kein Apfeljahr. Wir kamen gerade mal bis Mitte Februar mit unseren eigenen Lageräpfeln. Allerdings hatte der Klarapfelbaum gut getragen und ich habe zahlreiche Marmeladen, Chutneys und Ketchup ausprobiert. Auch Apfelmus und Saft haben wir gemacht, aber mal ehrlich, wie viel Apfelmus wird in einem 2 Personen-Haushalt gegessen?! Saft machten wir mit dem Dampfentsafter oder einem Haushaltsentsafter.
Dabei stellten wir fest, dass Saft das einzige Apfelprodukt ist, das wir - neben roh essen - im großen Stil konsumieren, gerne täglich. Nur kommt man da mit einem kleinen Entsafter nicht weit...
Also haben wir uns dieses Jahr - nachdem wir schon lange darüber gelesen und recherchiert haben - in Deutschland für eine Hydropresse entschieden (bei Intresse einfach Hydropresse googeln). Während ich aus Deutschland viele Anlaufstellen kenne, wo man seine Äpfel hinbringen kann (Gartenbauverein, Bund Naturschutz u.ä.), gibt es hier in Schweden kein solches Netzwerk. In Göteborg gibt es nur eine einzige "Saftmanufaktur" und die haben wir vom Grund- und Literpreis her als recht teuer empfunden. Also haben wir selbst investiert und wir finden jetzt schon (nach 3 Mal pressen) dass es sich lohnt bzw. lohnen wird.
Zum Glück besitzen wir mittlerweile eine Dachbox fürs Auto, denn in den Kofferraum hätte neben selbiger Presse, Kernobstmühle und Saftfass nicht mehr viel reingepasst...
Wegen des Rekordsommers und trotz der Trockenheit lagen bei unserer Rückkehr schon zahlreiche Klaräpfel auf der Wiese, tolles Fallobst und ideal zum Entsaften. Wir haben uns aber den "Luxus" gegönnt, die Äpfel einzeln zu verlesen und auszuschneiden, schließlich lagen einige sicher schon länger rum und manche Würmer hatten sich schon länger gütlich getan. Das war etwas zeitaufwändig, aber das ist für uns auch der
Unterschied - und Zeit hatten wir schließlich auch im Urlaub.
Mindestens so wichtig wie die Presse an sich ist die Kernobstmühle, die im Prinzip wie ein Häcksler funktioniert, aber aus Edelstahl und lebensmittelechtem Kunststoff besteht (und super leicht mit dem Gartenschlauch zu reinigen ist). Die Äpfel werden auf die ideale Größe zerkleinert, bevor man die Maische in die Presse einfüllt.
Die Mühle ist aber so hoch, dass ich einen Hocker bräuchte, bzw. muss mein Mann sie befüllen ;-)
Hier sieht man das Innere der Hydropresse vor dem Befüllen. Der Naturkautschuk-"ballon" wird mit Wasserdruck aufgefüllt (einfach normalen Gartenschlauch anschließen) und drückt damit die Maische gleichmäßig und sorgsam nach außen. Man braucht also keinen Strom für die Saftpresse.
Davon sieht man aber nichts, denn man muss den Deckel fest aufschrauben, der dem Druck stand hält.
Schon während dem Einfüllen der Maische muss man einen Eimer unterstellen, denn allein vom Zerkleinern und dem Eigengewicht beginnt der Saft zu fließen.
Ist der Wasserdruck aber erstmal aufgebaut, strömt der Apfelsaft nur so heraus. Paradiesisch! :-)
Nachdem der Pressvorgang fertig ist (nur ca. 15 Minuaten), lässt man das Wasser ab und füllt die leere Blase/den Ballon wieder mit etwas Luft. Dann kann man die Presse öffnen und den sehr trockenen Trester einfachst herausnehmen. Hier haben wir ihn fürs Foto stehen gelassen, aber normal ziehen wir ihn mit Netz und Korb - eins, zwei, drei - einfach ab und drücken ihn direkt in die Kompostkiste heraus.
Die Presse reinigt man wieder einfachst nur mit dem Gartenschlauch.
Da ja der Wasserverbrauch in diesen trockenen Tagen ein empfindliches Thema ist, haben wir überall Eimer und Gießkannen stehen und benutzen das Pressen- und Waschwasser zum Gießen. Eine winwin-Situation. Erst freuen wir uns über Apfelsaft, dann freuen sich die Tomaten ;-)
Zum Schuss pasteurisieren wir den Apfelsaft: Größere Mengen im Saftfass mit dem Tauchsieder, bis 10 Liter geht's auf dem Herd schneller. Bis jetzt füllen wir noch alles in die vorhandenen Flaschen ab, da wir diese "Portionsgröße" für uns ganz praktisch finden, aber das kann sich ja noch ändern.
Ich hoffe, Ihr glaubt mir, dass ich weder gesponsort bin noch versteckt Werbung machen möchte: Wir sind einfach begeistert und auch erleichtert, dass sich diese Investition nicht als Flop, sondern als noch besser als erhofft rausgestellt hat. Vor allem das einfache Saubermachen macht das Saftpressen leicht. Heute haben wir in 3 1/2 Stunden (inkl. Saubermachen) 17 Kilo Äpfel zu 10 Liter Saft verarbeitet. Das kann man dann auch wirklich mal an einem Vormittag oder nach der Arbeit machen.

Mir wäre es hingegen ein Anliegen, wenn ich euch mit meiner Begeisterung anstecken könnte. In den Gärten liegt oft so viel Obst, dass dann zusammengerecht und zur Kompostieranlage gebracht wird, während die Supermärkte voll von roten und grünen Exemplaren aus Übersee sind. In Schweden wird nur 1 von 20 Äpfeln, die in den Gärten reifen, gegessen/verarbeitet, alles andere geht in den Kompost. Nicht dieses Jahr, aber in einem anderen Jahr biete ich vielleicht den Nachbarn an, dass ich ihre Äpfel abhole. Oder lade zum Schaupressen ein ;-) Unsere "Lieblingsnachbarn" waren schon hier und haben zugeschaut. Die Kinder (1 und 4 Jahre) haben den Saft genossen und er war überhaupt nicht "zu trüb" oder "zu sauer" oder "zu braun". Sie haben wirklich genossen ❤ und das war das beste Kompliment für uns.
Im großen Stil muss ich jetzt auch Etiketten schreiben. Dieses Jahr mit Sortennamen, denn wir werden sowohl
single als auch
blended machen und wir sind gespannt auf die verschiedenen Geschmäcker. Alles wird aber natürlich
extra virgine* gepresst. 2018 ist wieder ein Apfeljahr und mit etwas Glück und Regen wird das ein fantastischer Apfelherbst.
Achja, hier noch ein Link zu einer recht informativen Seite:
Apfelsaft selber machen
*Die Begriffe habe ich mir in einem Apfelbuch angelesen, denn es gibt natürlich auch hier keine Grenzen, wie weit man sich vertiefen kann... ;-D