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Sonntag, 22. Oktober 2017

Erinnerungen

Jetzt sind die Herbsttage gekommen, an denen Stürme über der Nordsee den Wind und den Regen aufs Festland peitschen, an denen man das Haus nicht verlassen mag, an denen man Erinnerungen an helleren und freundlicheren Tagen nachhängt.

Gerade heute musste ich oft an einen Ausflug mit einen Eltern denken. Sie waren hier Ende September zu Besuch und wir haben einen schönen Spaziergang auf einer Insel gemacht. In unseren Rucksäcken hatten meine Mama und ich jeweils einen Stricksocken und wir haben die Rast genutzt, um ein paar Reihen weiter zu stricken. Wie gerne wäre ich öfter kreativ mit ihr!
Leider sind die Besuche oft sehr ausgefüllt, es gibt immer auch anderes zu tun. Und auch wenn wir es nur sehr, sehr selten schaffen, gemeinsam kreativ zu sein, so habe ich doch bei jeder Masche und bei jeder Reihe das Gefühl, dass sie mir ganz nahe ist. Denn der Mensch, der uns das Stricken beigebracht hat, ist uns oft ganz nahe. Ich glaube, jede(r) erinnert sich an diejenigen, die mit uns die ersten Maschen gestrickt haben, geduldig, die schiefen Teile zu einem Teddy zusammengenäht haben und so eine besondere Verbindung hergestellt haben. Masche um Masche entsteht aus einem Faden etwas, Masche um Masche verbindet Handarbeit, schafft etwas Wärmendes, Liebe, Verbindungen, Indentität, ja vielleicht auch ein Stück Heimat in der Fremde.
Wer hat euch das Stricken gelernt? Wie waren die ersten Strickerfahrungen? Habt ihr vielleicht jemandem das Stricken gelernt?
Gemeinsam mit meiner Mama in der Natur kreativ sein, das ist eine Erinnerung, die mir heute Kraft gibt, und ich kann ein Kreuzchen im Herbsthandarbeitsbingo machen... 💚

Samstag, 8. Juli 2017

Symester 1 - Ferien an der Nähmaschine

In Schweden heißen die Ferien semester, z.B. im Satz "Wir fahren in die Ferien.". Nähen heißt auf Schwedisch sy (sprich "sü"). Was macht man, wenn man mit der Nähmaschine in die Ferien fährt? Natürlich symester 😊!
Nähen im Garten!
Mehr symester gibt es hier (evtl. mit Google übersetzen) und hier ;-)

Dienstag, 27. Juni 2017

Die Ferien feiern

Heute vor einer Woche hatte ich meinen letzten Schultag. Er scheint unendlich weit weg zu sein, auch wenn ich über das eine oder andere noch nachdenke und schon wieder plane. Diesmal freue ich mich schon richtig auf das neue Schuljahr, aber trotzdem sind die Ferien mehr als notwendig, zum Auftanken und als Zäsur.
Dabei ist mir die erste Ferienwoche gar nicht leicht gefallen. Ich fühlte mich rastlos und gestresst, hatte keine Ruhe mal etwas länger an einer Sache dran zu bleiben. Im Haus und Garten war wahnsinnig viel zu tun, gleichzeitig fühlte ich nur Leere.
Jetzt sind wir am Zielort für die erste Ferienhälfte angekommen und langsam komme auch ich an. Mit dem Kopf und mit der Seele. Der Körper ziert sich noch etwas und signaliert deutlich, dass Erholung und Entschleunigung angesagt sind.
Hier, in meiner Heimat, scheint die warme, warme Sonne. Wir genießen die Wärme und das Licht, das überreiche Grün und den blauweißen Himmel. Auch die lauen, dunklen Nächte sind - im Vergleich zu den nordischen hellen und kühlen - wunderbar. Langsam komme ich in den Ferien an und ich genieße sie mehr und mehr - und feiere sie :-)
Die Torte habe ich für ein Mädchen in Göteborg gebacken, das erfolgreich sein erstes Schuljahr abgeschlossen hat. Die kleine Schwester war nicht minder begeistert und wollte vor allem den Schmetterling ;-)

Samstag, 11. Februar 2017

Apfelliebe: Apfelkrapfen

Ich war nie der große Faschingsfan, ich ging höchstens mal auf den Schulfasching oder auf den Fasching vom Kirchenchor, aber ich mochte den Fasching sehr als Bestandteil im Jahreskreis. Das Farbenfrohe, das Verrückte, Unbeschwerte, das humoristische Ausschelten der Obrigkeit und das dazugehörige Essen. In den letzten Jahren musste ich in Schweden feststellen, dass mir das sehr fehlt.
Mit eigener Küche und gutem Abzug gab es keinen Aufschub mehr: Schmalzgebackenes musste her :-) Apfelkrapfen gibt es in meiner Familie traditionsgemäß eher zum Kirta im Herbst, wenn es noch Äpfel im Überfluss gibt, aber bei der letztjährigen Apfelernte haben wir noch immer genug jetzt im Februar.
Einen Hefeteig von 500 g Mehl, verfeinert mit 60 g Butter und 60 g Zucker sowie Zitronenschale und zwei Eiern, rechteckig ausrollen, mit Äpfeln und Rosinen belegen und aufrollen. Mit einem scharfen Messer in ca. 2 cm breite Scheiben schneiden und nochmal gehen lassen.
Die Krapfen von beiden Seiten goldgelb in Butterschmalz herausbacken und auf Küchenpapier abtropfen lassen.
Am Besten schmecken sie natürlich frisch, aber ich liebe auch schon etwas 'zähe', altbackene Krapfen zum Frühstück in heiße Schokolade getaucht. Mmmh!
Das restliche Schmalz habe ich durch ein Sieb, mit Küchenpapier ausgelegt, abgegossen und dann gleich wieder in den (ebenfalls mit Küchenpapier) ausgetrockneten Topf zurückgegossen, so dass ich es beim nächsten Mal wieder erwärmen und wieder verwenden kann. Dann will ich nämlich 'richtige' Faschingkrapfen backen.

Sonntag, 29. Januar 2017

Sonntagsfreude 2/2017: Unser tägliches Brot

Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine 
Sonntagsfreude sind :)
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die bei Rita weitergeführt wird

Auf Weihnachten haben wir diesen wunderschönen Zirbenholz-Brotkasten vom bayerischen Christkindl bekommen. Damit ist für mich ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen. Nun habe ich ihn auch endlich "eingeweiht", gut vier Wochen später, mit selbstgebackenem Brot.
Es ist eine Freude, diesen Kasten zu besitzen und damit die Möglichkeit haben, das selbst gebackene Brot gut aufbewahren zu können, ohne Plastik... Eine Form der Wertschätzung auch, für das eigene Handwerk, das eigene Essen.
 Freude bereitet mir auch dieses schöne, von Hand bestickte Tuch, das meine Mama noch in die Brotdose hineingelegt hat. Unser tägliches Brot gib uns heute... Eine Erinnerung und eine Mahnung und auch ein Ausdruck der Dankbarkeit, was mir in diesen Tagen immer wieder bewusst wird - es ist in diesen Tagen nicht selbstverständlich, dass wir in Frieden und Freiheit leben können und dass wir immer täglich Brot und anderes in Fülle auf dem Tisch haben.

Samstag, 24. September 2016

Apfelliebe: Apfelrosen

Letzte Woche kam ein dicker Brief meiner Mama mit der neuesten Servus an und ich wusste sofort, dass ich diese Apfelrosen aus unseren feinen Rosenäpfeln backen muss :-)
Für den Quarkmürbteig braucht man 200g Mehl, 1 Prise Salz, 200g kalte Butter, 100g Marzipan und ca 250g Quark. Ich habe weniger Quark verwendet, weil der schwedische Quark feuchter ist. Vielleicht bekommt ihr ja noch ein Heft, es sind auch noch andere tolle Apfel-Mohn-Rezepte drin ;-)
Die Teigstreifen werden mit Aprikosenmarmelade bestrichen, die kurz blanchierten Apfelspalten werden aufgelegt, der Teig wird übergeschlagen und alles wird aufgerollt.
Die Rosen setzt man in Muffinsförmchen in ein Muffinsblech. Das ist sehr gut, denn so halten die Rollen besser zusammen und es gibt kein Apfelsaftgeklebe im Backofen!
Seehr lecker, doch relativ schnell und einfach und macht was her, auch für Gäste. Echte Apfelliebe :-)

Freitag, 23. September 2016

Mehr Schwesternliebe

Ein paar Fotos, die bereits im Juli gemacht wurden, habe ich euch bis jetzt vorenthalten, aber jetzt möchte ich sie gerne noch hier zeigen. Das mit den Kochjacken ist nämlich ein bisschen das Schwesternliebe-Thema dieses Jahr. Letztes Jahr war ja umzugsbedingt leider etwas Pause, aber ich will eigentlich jedes Jahr versuchen, etwas für meine Schwester zu nähen. (2013-2014 hier)
A links, B rechts :-)
Als Vorlage diente eine gut passende Kochjacke, die aber nur grau ist. Der Wunsch nach ein bisschen pfiffigeren Kochjacken und v.a. auch dünneren (in A's Backstube wird es oft seehr warm) ließ mich auf Stoffsuche gehen und ich wurde bei einem großen, deutschen Bastelversand fündig, die schöne Baumwollstoffe anbieten, die auch bei 60°C noch waschbar sind.
Besonders stolz bin ich auf die Rundungen am Kragen und an den Ärmeln, die mir schön gelungen sind, wie ich finde.
Nun habe ich noch einen Muffinsstoff, der darauf wartet, eine Kochjacke zu werden, aber auf etwas Schönes kann man gar nicht lange genug warten, gell, A?! Und wie gesagt, es gäbe auch noch eine weiße Jacke zum Besticken ;-)

Montag, 8. Februar 2016

Verspätete Sonntagsfreude 4/2016: Fülle

Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine 
Sonntagsfreude sind :)
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die bei Rita weitergeführt wird

Es geht ganz gut, mich mit den Händen zu beschäftigen. Es geht ganz gut, darüber zu schreiben und Fotos zu zeigen. Mir geht es jedoch immer noch nicht ganz gut und die Situation ist zu komplex, als dass ich sie hier beschreiben möchte. Deshalb tu ich mich grad auch mit den Sonntagsfreuden so schwer. Wenn vieles auf Autopilot und rein funktional-vernünftig abläuft, ist es in der Regel ein reines Funktionieren und eher weniger mit Freude verbunden.
Eine Sache macht mir doch immer große Freude, mit allen Sinnen, mit Herz und Verstand: Der Einkauf im Bioladen ist meine wöchentliche Freude! Es ist ein kleiner Genossenschaftsladen, in dem ich alles bekomme, was ich brauche. Äußerst selten muss ich noch in den normalen Supermarkt, um den Wocheneinkauf zu ergänzen. Die meisten Dinge gibt es offen und unverpackt, Geflügel und Eier kommen aus der Region, viele "Trockenprodukte" kommen aus Deutschland oder Österreich, z.B. von Rapunzel, Lebensbaum, Sonnentor. Dieser Laden ist für mich wie ein angelehntes Fenster, wo man nach Deutschland reinschauen kann. Es gibt immer einen netten Ratsch an der Kasse und ich fühle mich mit dieser Einkaufsmöglichkeit hier angekommen. Denn so etwas gab es in Stockholm wirklich nicht...
Vielleicht ist es lächerlich, dem, was auf den Tisch kommt, so viel Bedeutung bei zu messen. Für mich ist es jedoch eine Freude, der Einkauf an sich, und dann das Auspacken zu Hause. Ich lege alles schön auf der Arbeitsplatte aus. Rieche, schmecke, fühle und freue mich und bin dankbar über diese Fülle, dass ich mir diese Fülle leisten kann mag und dass es dieses Angebot hier gibt. Ich lege Obst und Gemüse in schöne Schalen, arrangiere sie zu Stilleben und koche mich von Tag zu Tag durch den Speiseplan und die Obst- und Gemüseteller. Dieses wichtige Stück Lebensqualität und Lebens-/Sonntagsfreude sind mein bunter Faden durch diese tristen Tage.

Sonntag, 10. Januar 2016

Sonntagsfreude 2/2016: Das Futterhäuschen

Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine 
Sonntagsfreude sind :)
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die bei Rita weitergeführt wird

Es war mein großer Wunsch: Wenn wir einen Garten haben, dann möchte ich auch ein Futterhäuschen aufstellen. So wie daheim. So ein Futterhäuschen wie daheim. Gebaut von meinem Papa.
Als Ende November ein großes Paket ankam, dachte ich ja zunächst, dass das endlich die Zweige für den Adventskranz sein würden. Statt dessen befand sich ein Vogelhäuschen darin, mit Liebe gebaut und einer gut durchdachten Vorrichtung zum Anbringen auf dem alten Kirschbaum, der vorm Küchenfenster steht. Wir haben die dürren Äste im Herbst gekappt, mit dem Gedanken, dass uns bei den Stürmen nichts um die Ohren fliegt und dass wir dort einen Vogelfutterplatz einrichten können. Den ganzen Dezember stand das Futterhäuschen im Flur, ein bisschen beleidigt und vorwurfsvoll. Aber ich kam einfach nicht dazu: Entweder ertranken wir in den stürmischen Spätherbstregengüssen oder es war dunkel.
In den Weihnachtsferien hatte ich nun die Zeit es anzubringen, auch wenn es nicht ganz so funktioniert hat, da nun alles eisig durchgefroren war, auch der Baumstumpf. Trotzdem steht es jetzt da und erfreut uns und unsere tierischen Gäste...
Bei trockenen minus 12 Grad besuchten uns drei Rehe...
... während sich nun bei Schnee die Vögel verwöhnen lassen.
Vorallem Singvögel, aber auch der eitle Herr Rabe und die Damen Elstern schauen gelegentlich vorbei, allerdings wollen sie sich nicht fotografieren lassen.
Abgesehen davon, dass wir gar keinen Fernseher haben - ganz bewusst - , ist das hier viiel besser, lustiger, spannender und unterhaltsamer. Und ich sitze in der ersten Reihe, auf der Küchenbank :-)
Jeden Tag ist das eine große Freude, aber heute auch meine besondere Sonntagsfreude: Das Futterhäuschen, wie daheim, von daheim, von meinem Papa mit Liebe gebaut, und seine tierischen Gäste.
Ich wünsche Euch einen schönen Wintersonntag!

Sonntag, 29. November 2015

Sonntagsfreude: Die Küchenbank

Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine 
Sonntagsfreude sind :)
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die bei Rita weitergeführt wird


In unserer großen Küche, die immer zu klein ist, steht ein süddeutscher, alpenländischer Küchenschrank, ein Buffet. Es ist groß, hell, geräumig und freundlich. Es steht als ein Stück Heimat in der Küche.
Und vorm Fenster steht eine Küchenbank. Eine schwedische Küchenbank.
Es ist eine sehr alte Bank, die durch die Generationen meiner Schwiegerfamilie gewandert ist. Es ist eine Bank, wie sie Astrid Lindgren in vielen ihrer Bücher beschreibt. Auf Lönneberga schläft beispielsweise die Magd Lina auf so einer Bank. Auch unsere könnte man in eine Schlafgelegenheit verwandeln.
Es war nicht leicht für mich, meinen Mann zu überzeugen, dass wir diese alte Bank in  unserer Küche haben sollten. Aber ich habe mich durchgesetzt :-) Es war sehr wichtig für mich, dass wir Gegenstände vereinen, die die Herkunft eines jeden von uns symbolisieren. Inzwischen steht die Bank einfach so in der Küche, vielleicht ein bisschen so, als wäre sie schon immer hier gewesen. Vielleicht stand auch in dieser Küche, die schon mehr als 80 Jahre alt ist, vor langer Zeit genau so eine Bank, vielleicht sogar als Schlafplatz.
Die Bank macht mir große Freude. Heute ist sie meine Sonntagsfreude. Auf ihr kann ich liegen, sitzen, aus dem Fenster schauen, träumen, traurig sein, lachen, lesen, handarbeiten.
Und jeder Besucher und Gast, der unsere Küche betritt, geht automatisch zur Bank, streicht über die weiche, abgegriffene Armlehne, rückt den Tisch zur Seite, rutscht auf die Bank, lehnt sich zurück und sagt: Ihr habt so eine gemütliche Küche!
Auch das macht mir Freude! Sonntagsfreude!


Samstag, 28. November 2015

Der andere Adventskranz

Dieses Jahr fällt mir der Advent nicht leicht. Außerdem bin ich so erschöpft und dünnhäutig, wie man nach einer schwierigen Schulwoche nur sein kann. Als ich gestern Abend auf der Post das Paket aus Bayern abholen will, bin ich müde, aber froher Erwartung. Jedes Jahr schickt mir meine Mama zwei Kilo Tannenzweige - aus der Waldheimat. Jedes Jahr sind sie pünktlich gekommen und es ist so heimelig und schön, heimatliche Zweige zu einem Adventskranz zu verarbeiten.

Zuhause öffne ich das Paket - und es ist das "Falsche"! Nikolaus- und Namenstagsgeschenke statt grüner Zweige. Durch einen Tränenschleier hindurch nehme ich das liebevoll selbstgebastelte Vogelhäuschen wahr, aber ich kann mich nicht darüber freuen. Zum ersten Mal seit ich in der Fremde Ferne wohne, habe ich keine Zweige für einen Adventskranz. Der Mann versucht zu trösten so gut es geht, ebenso die Mama am Telefon. Aber es hilft nichts, der erste Advent wird doof werden.

Heute Morgen erwache ich vom starken Regen und Sturm, der ums Haus tobt. Es ist noch dunkel, denn es ist noch vor acht Uhr. Ich flüstere dem Mann ins Ohr, dass ich schon aufstehe und schleiche über die knarrende Holztreppe nach unten. Ich ziehe mir Wollsocken über die nackten Füße, streife die Regenhose über die Schlafanzughose. Eine Strickjacke, Regenjacke, Mütze und Gummistiefel verpacken mich außerdem wetterfest und ich trete hinaus in den Herbststurm. Aus dem Schupfen hole ich alte Plastiktüten und eine Baumschere und gehe gegen den Wind an hinauf in den Wald.
Niemand ist unterwegs, nur der Rundweg ist gelblich von der winterlichen Nachtbeleuchtung erleuchtet. Meine Stiefel lassen den nassen Boden seufzen, ich setze vorsichtig meine Schritte, um nicht auf nassen Wurzeln oder Steinen auszurutschen. Dann verlasse ich den Rundweg. Unter den Bäumen hört sich der Regen noch stärker an, es prasselt, tropft und ein überbreiter Wasserstrom bahnt sich den Weg über meine Gummistiefel hangabwärts. Im Halbdunkel entdecke ich eine Fichte, deren Zweige bis zum Boden hängen. Behutsam schneide ich einige ab und lege sie in meine Tüte. Ich rieche den harzigen Geruch, ich spüre die Nadeln, ich ahne das Grün. Auf dem Rückweg nehme ich noch ein paar andere Waldschätze mit und eine umgedrückte Kiefer bietet mir einige Äste an. Im Morgengrauen schleiche ich ins Haus zurück. Nass, schmutzig und ein bisschen ruhiger.
Als ich in den Vorraum eintrete, höre ich den Mann schon in der Küche hantieren und als ich aus der warmen Dusche komme, steht das Frühstück auf dem Tisch. Danach bin ich warm und satt, ich lege Zeitungen im Vorraum aus und breite die grünen Zweige auf ihnen zum Abtrocknen aus. Ein paar Nordmanntannenzweige konnte ich noch in der Gärtnerei erstehen. Am frühen Nachmittag nehme ich die ersten Fichtenzweige zur Hand, schneide sie auf die passende Länge zurecht und beginne, einen Kranz zu binden.
In meinem Kopf entwickelt sich eine Idee, während meine Hände mit den piksigen und etwas widerspenstigen Zutaten beschäftigt sind. Dieser Kranz kann natürlich nicht den mit den Waldheimatzweigen ersetzen. Aber er kann der andere Adventskranz sein. Wenn das Zweigepaket angekommen ist, binde ich einfach nochmal einen Adventskranz. Den einen, richtigen Adventskranz. 
Den anderen Adventskranz hänge ich dann als Türkranz an die Haustüre, wo er hängen bleiben darf, bis die Weihnachtszeit vorüber ist. Wo er mich täglich begrüßen kann und mich erinnern kann, an diesen Advent, der anders ist, der aber genauso seine Berechtigung hat.
Ich bin zufrieden mit diesem anderen Adventskranz, als ich ihn auf den Holzteller für den Adventskranz lege. Er passt genau, obwohl er ein bisschen wilder, ein bisschen widerspenstiger ist. Er duftet gut, er riecht nach dem Wald hinter unserem Häuschen, er riecht nach diesem neuen Ort, an dem wir jetzt Jahr für Jahr den Advent verbringen werden. Ich stecke die Bienenwachskerzen auf, die ich wie jedes Jahr in meiner Heimatstadt gekauft habe. Vielleicht eine gute Mischung. Etwas Neues, etwas aus der Heimat.
Ich bin versöhnt mit dem anderen Adventskranz. Im Moment gefällt er mir, genau so wie er gerade ist. Und ich freue mich darauf, heute Abend "Wir sagen Euch an..." zu singen, die erste Kerze zu entzünden und den ersten Advent im Häuschen zu feiern.