Freitag, 28. Februar 2014

Im Februar gelesen

Nachdem wir diesen Monat auch einige optimistische Augenblicke hatten, hat es uns vor allem die letzten Tage wieder den Boden unter den Füßen weggezogen. Das beste Mittel um sich nicht an den eigenen Gedanken aufzuhängen, sich nicht in Hadern zu verstricken und nicht vom Dauergrau verschluckt zu werden?! Die Flucht in die Bücherwelt - entsprechend hoch ist der Stapel...
  • Grimms Märchen - unbekannte Schätze neben Altbekanntem mit wunderschönen Illustrationen von Daniela Drescher
  • Natürlich Wolle! Nichts gänzlich Neues für Wollbegeisterte, aber interessante Ergänzungen. Hat mich vor allem zu Träumereien über Pflanzenfärbungen und mehr Spinnereien inspiriert
  • Hur många prickar har en gepard? - Wie viele Flecken hat ein Gepard? Für die Uni gelesen. Ein tolles Mathebuch - solchen Unterricht hätte ich auch gerne gehabt...
  • Stora boken om Sandvargen - Das große Buch vom Sandwolf/Sammelband (auf deutsch gibt es dieses Buch hier davon). Ein fantastisches Kinderbuch für 6-9 Jährige, das sich vielen philosophischen Fragen auf sehr sympatische und besondere Weise annimmt.
  • Die ersten beiden Bände der Mumin-Geschichten (Band 1 und Band 2). Ich lese sie im Original auf schwedisch. Denn obwohl Tove Jansson Finnin war, so gehörte sie den Schwedisch sprechenden Finnlandschweden an und hat entsprechend auf schwedisch geschrieben. Schwedisch ist auch heute noch zweite Amtssprache in Finnland. Vor ein paar Tagen habe ich mit dem 3. Band begonnen.
  • Hundarna i Riga (Hunde von Riga - Wallanders 2. Fall): Dieses alte Taschenbuch (Originalausgabe?!) stand auf dem Bücherbrett in der Waschküche, wo man alte Bücher hinterlassen oder mitnehmen kann. Als ich auf die Wäsche warten musste, habe ich mich festgelesen und das Buch innerhalb von 48 Stunden ausgelesen. Also, ich habe dann schon die Waschküche verlassen und das Buch zu Hause fertig gelesen ;)
  • Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben. Dieses Buch habe ich Anfang Februar gelesen und ich war sehr traurig, als ich fertig war. Ich mag Marcel Reich-Ranickis Erzählstil und war sowohl von der Schilderung der Greueltaten im Ghetto als auch von Berichten aus dem Literaturleben der jungen BRD sehr gefesselt. Ich habe bei diesem Buch auch geweint. Ich fand es ein sehr, sehr gutes Buch.

Dienstag, 25. Februar 2014

Ein Glas Deo, bitte!

Ich mache mir viele Gedanken darüber, wie wir leben, d.h. welche Kleidung wir tragen, welche Möbel bei uns stehen, was wir essen, was wir an unsere Haut lassen. Das Leben in Schweden ist in dieser Hinsicht eine Herausforderung. Zum einen fehlt mir oft die Information, Branchen-Hefte wie Schrot&Korn gibt es hier (noch) nicht. Anderes fällt hier in die Kategorie 'Hokuspokus'. Also besorgen wir vieles in Deutschland, denn da weiß ich, wo ich was mit gutem Gewissen kaufen kann und es ist zudem etwas günstiger. Nur der Transport ist oft das Problem (und mit dem Flugzeug wohl so gar nicht nachhaltig...). Bei der Kleidung haben wir viele Kleidungsstücke, die wir wortwörtlich 'auftragen', Zweite-Hand-Stücke von unseren Familien und das, was ich inzwischen selber aus (immer öfter Bio-)Stoff nähe. Auch bei den Möbeln versuchen wir uns möglichst mit Erbstücken, sind wir uns doch der Herstellungsbedingungen und Umweltgifte (z.B. in Sofapolstern) bewusst. Aber, oft setzt der Geldbeutel und eben der Transport die Begrenzungen - auch hier machen wir Kompromisse und haben so eine Schlafcouch vom Möbelschweden hier stehen. Beim Essen kaufe ich überwiegend Bio, auch wenn es nicht immer regional und plastikfrei geht. Aber ich habe ein besseres Gefühl. Gewürze, Tees, Getreide u.ä. kaufe ich in Bayern im Bioladen. Bleibt noch die Körperpflege. Auch hier bin ich etwas extrig, konventionelle Produkte stoßen mich oft schon durch ihren starken Geruch ab. Also tätige ich auch hier oft einen Großeinkauf im heimatlichen Bioladen: Familienshampoo und -duschgel im 1 Liter - Pumpspender, Schafmilchseifen und auch Hygieneprodukte. Gesichtscreme(n) kommen von Alverde. Besonders viel ist das ohnehin nicht, was da täglich aufgetragen wird ;)
In letzter Zeit bemühe ich mich aber doch, dass ich auch hier vor Ort Alternativen finde, denn so eine 'Lieferung' aus Bayern ist nicht immer möglich. Besonders beschäftigt habe ich mich deshalb mit dem 'Deoproblem'. Ich würde sagen, dass 90% des Marktangebots ohnehin nicht für mich in Frage kommt. Aber auch die vermeintlich einfachen, unparfümierten Deoroller enthalten immer noch einige umstrittene Stoffe.
Ohne Deo kann ich mir meinen im wahrsten Sinne des Wortes oft schweißtreibenden Alltag aber nicht vorstellen. Natürlich gibt es einige Alternativen, v.a. im Internet wird man fündig, aber entweder hier nicht erhältlich oder zu Preisen, die ich nicht mehr für angemessen halte. Über Umwege wurde ich dann aber bei schwedischen Bloggerinnen fündig, die ihr eigenes Deo machen und ich habe es ausprobiert. Bis jetzt hat es den Praxistest ausgezeichnet bestanden!
Alles, was man dafür braucht, habe ich im Supermarkt bekommen: Kokosöl in Bioqualität, Maisstärke und Bikarbonat.
1 EL (in Schweden eine Maßeinheit mit 15 ml) Bikarbonat und 1 EL Maisstärke abmessen. 1 EL Kokosöl im Wasserbad schmelzen.
Die Maisstärke-Bikarbonatmischung mit einem kleinen Teesieb in das Öl sieben und gut unterrühren, so dass eine sahnige Konsitenz enststeht. In ein kleines Schraubglas füllen und abkühlen lassen.

Wer möchte, könnte auch noch ein paar Tropfen ätherisches Öl einrühren. Das Deo duftet leicht nach Kokos, aber nicht aufdringlich. Mit dem Finger einfach 'eincremen'. Es ist das Bikarbonat, das den Schweiß neutralisiert und die Maisstärke sorgt für ein pudriges Gefühl.

Tack till sagogrynet för ett fantastisk recept som nu förhoppningsvis sprids även utanför Sveriges gränser!

Sonntag, 23. Februar 2014

Sonntagsfreude: Frühlingsboten

Den Fotoapparat im richtigen (Sonnen-)Augenblick mit dabei gehabt, noch bevor der Schnee kam, der jetzt aber auch schon weitestgehend wieder weg ist. Es wird doch heller und Frühling, auch in diesem ungewöhnlich grauen Spätwinter.

Mehr Sonntagsfreudensammler gibt es auch in diesem Jahr wieder auf dem Kreativberg.

Samstag, 22. Februar 2014

Samstags-Schnipsel

  • Der Winter hat sich diese Woche wieder kurzfristig zurückgemeldet - um dann nahtlos in Dauergrau, Regen und Matsch überzugehen
  • Ich habe eine zweite Dose mit Cookies gebacken - dunkle Schokolade und Kokosraspeln. Auch hier sieht man bereits wieder den Boden der Dose und ich habe weitere 'Füllvarianten' im Kopf - ideal um die Reste der Backschublabe zu verwerten. 
  • Freitagnacht bekam Schweden eine neue Mini-Prinzessin, geboren in New York. Auch wenn man der Monarchie durchaus kritisch gegenüber steht, ist es zumindest hier in der Hauptstadt schwer, sich der Faszination eines solchen Ereignisses ganz zu entziehen. Beflaggung, Salutschüsse und Einberufung eines Reichsrats Anfang nächster Woche, bei der auch der Name bekannt gegeben wird...
  • Meine freiwillige Beschränkung von PC-Aktivitäten tut mir ganz gut - und auch dem Strickkorb. Ich habe entdeckt, dass ich in unserem Wohnzimmersessel (einem Erbstück, ähnlich diesem hier) recht gut stricken kann. Den unteren Rücken unterstütze ich mit einem kleinen Kissen. Nun habe ich zwei Farbfolgen beim Leftie gestrickt, also insgesamt 16 Blätter. Allerdings habe ich nun nur noch knapp 25 Gramm der naturfarbenen Wolle. Ich muss mal in meinen Vorräten suchen (lassen - auch daheim), denn mindestens eine Farbfolge braucht es noch, damit er groß genung wird.
  • Schließlich einen FILMTIPP, eigentlich ein Film-Muss ;) "Wo die Kälte klirrt - eine Winterreise durch Schweden" Erinnert ihr euch noch an Jonna, deren Blog ich hier vorgestellt habe?! Sie ist auch im Film dabei. Zuerst war ich ja durchaus kritisch, dachte ich am Anfang des Films doch, dass das wieder so ein Bullerbü-/Inga Lindström-Verschnitt wird, aber ich wurde zunehmend überzeugt: Wichtige Themen wie Landflucht, die Dunkelheit im Winter usw. wurden durchaus thematisiert. Besonders kurios fand ich den Kuhstall als Strandoase und die koreanischen (?) Testfahrer. Also, anschauen, bitte!

Schönes Wochenende!

Donnerstag, 20. Februar 2014

Therapeutisches Backen

Jede(r) kennt wohl solche Tage: Immer noch dauergraues Wetter, das Geschirr stapelt sich in der Spüle und um halb vier gibt es aufgewärmtes Risotto und einen 'Energiedrink' gegen akute Unterzuckerung. Man wäre selbst an diesem Tag wohl am besten im Bett geblieben, die Kollegen und Schüler vermutlich auch. Dann ist es Zeit für das Krümelmonster...
"125 g weiche Butter, 175 g Zucker, Salz, 1 Pck Vanillezucker, 1 Ei, 200 g Mehl, 1 TL Backpulver" :)
Ich habe mich dieses Mal an dem Grundrezept einer alten LECKERBackery orientiert und weiße Schokolade, getrocknete Aprikosen und eine Hand voll Müsli zugegeben.
Während die Kekse im Ofen waren (zwei Bleche) habe ich dann abgespült, mich an der sich ausbreitenden Wärme des Gasofens erfreut, den Lieblingsradiosender eingeschaltet - und schon war alles besser. Tag gerettet!

Dienstag, 18. Februar 2014

TisdagsTutorial: Kinderschürze

Ach, es ist wirklich schon lange her, dass es hier ein Tutorial gab. Nein, meinen neuen Vorsatz verletze ich nicht, ich habe diesen Eintrag schon eine Weile vorbereitet und er sollte aber natürlich an einem Tisdag - Dienstag erscheinen.

Ich brauchte ein schnelles Geschenk zum 2. Geburtstag eines überaus begeisterten Küchenhelfers. Die 'Zutaten' fanden sich alle in meiner Nähkommode: Ein Stoffrest (35 x 45 cm), 2 m Schrägband, Nähseide, Schere, Stecknadeln, Lineal/Maßband, Bleistift, Sticknadel und Stickgarn.
Im oberen Drittel des Rechtecks habe ich die Ecken frei Hand abgeschrägt und dann den ganzen Stoff gezackelt. Schließlich muss die Schürze auch extrem haltbar sein. Dann habe ich mit Hilfe von Lineal und Bügeleisen die Seitennähte zweimal je 1 cm umgeschlagen und gebügelt. Mit dem kontrastfarbenem Faden habe ich das abgesteppt.
Mit dem Saum und dem oberen Ende bin ich ebenso verfahren, diese habe ich aber nur einmal abgenäht. Anschließend habe ich die Enden des Schägbands (2x je ein Meter) umgebügelt, die Enden angeschrägt und dann das Schrägband zur Hälfte gefaltet und gebügelt.
Die Mitte des Schrägbandes habe ich am unteren Eck der Abschrägung angelegt und dann das Schrägband an der Schräge entlang festgesteckt. Anschließend habe ich am äußersten Ende des Bandes zu nähen begonnen, über das Schürzenteil drüber genäht, bis zum anderen Ende. So werden Halsband, Einfassung und Bindeband in einem Schwupps genäht.
Mit Bleistift habe ich den Schriftzug 'Chefkoch' vorgeschrieben und ihn mit Stielstich nachgestickt.
Bitte beachtet, dass alle Anleitungen - soweit nicht anders angegeben - mein geistiges Eigentum sind. Alle Anleitungen sind ausschließlich für den privaten und nicht kommerziellen Gebrauch bestimmt; auch Gegenstände, die nach den Anleitungen gefertigt werden, dürfen nicht verkauft werden.

Montag, 17. Februar 2014

Mir zuliebe

Das Wetter schlägt mir aufs Gemüt, die Arbeit wächst zu wirklich 'greifbaren' Bergen auf dem Schreibtisch und mein Rücken bessert sich nur bedingt. Mir und meinem Rücken zuliebe will ich deshalb in den kommenden Wochen deshalb hier am Blog ein bisschen kürzer treten, auch wenn es mir schwer fällt. Ich bin gerade so einem 'Fluss', ständig habe ich Ideen für neue Einträge und Geschichten. Aber es hilft nichts. Indem ich es hier auch ankündige, setze ich mich selber ein bisschen unter Druck: Weg vom PC, jeder zweiter Tag ist das Maximum. Stattdessen Spaziergänge bei jedem Wetter (eigentlich haben wir ja nur ein Wetter seit Wochen: dauergraue Bewölkung mit Schauern), Fußbäder, Wärmflasche, ein gutes Buch. Denn nur wenn der Rücken (und ich!) wieder stabil ist, kann ich auch meine Kreativität wieder genießen. Im Moment ist nämlich weder das Nähen an der Nähmaschine noch das Stricken ein Hit.

Sonntag, 16. Februar 2014

Sonntagsfreude: Erbstücke

Zu unseren Nachbarn hinter dem Haus meiner Eltern hatten wir schon immer ein intensives Verhältnis. Also, schon zu deren Eltern. Es gab nie einen Zaun zwischen den Grundstücken, man kann immer einfach hinüber oder herüber gehen. Gemüse, Obst, Zeitungen und anderes werden fleißig ausgetauscht. Inzwischen wohnt eine der 'Töchter' dort, auch sie ist schon weit über siebzig. Sie ist so ein feiner und lieber Mensch. Ich besuche sie immer gerne, wenn ich daheim bin und trinke einen ihrer Kräutertees (obwohl die allesamt sehr schweißtreibend - und sicher gesund - sind). Bei meinem letzten Besuch hat sie ein wenig herumgedrückt und schließlich ist sie mit der Sprache herausgerückt: Sie wüsste ja, dass ich viel handarbeite und dass ich solche Arbeiten schätze. Sie hätte da etwas, das ihr nicht mehr passt, aber das sie all die Jahre aufgehoben hat. Allerdings hätte sie Hemmungen, ob man so etwas Altes hergeben dürfe.
Und ob sie das durfte! Für mich war es eine riesen Ehre und Freude, Sonntagsfreude. Es sind nämlich wirklich ganz besondere Kleidungsstücke mit Geschichte und wenn ich sie trage, denke ich immer an diese liebe alte Dame.
Die Strickjacke ist handgestrickt aus Norwegen. Sie war damals Anfang der siebziger Jahre mit einem Kameraden unterwegs zum Nordkap in Norwegen. Und es fror sie so erbärmlich, so dass diese Jacke spontan gekauft wurde. Es gab wohl noch passende Fäustlinge und eine Mütze dazu, aber die wurden wohl 'aufgetragen'. Die Wolle ist wunderschön, die Farben finde ich sehr ansprechend und sie passt wie angegossen. Nach einer Runde im Wollwaschgang ist sie wieder wie neu und total formstabil. Im Inneren sind lediglich einige lose Fäden vom Farbmuster, die ich wohl noch vernähen werde, damit ich nicht mit den Fingern beim Anziehen hängen bleibe.
Der Rock hat auch eine eigene Geschichte: Ebenfalls vor mindestens 30 Jahren war sie auf Reisen in der Schweiz. In Graubünden, in einer Handweberei, verliebte sie sich in den Stoff und ließ sich daraus von einer Nahderin (bayr. für Schneiderin) in meinem Heimatort einen Rock daraus nähen. Obwohl auch dieser viel getragen wurde, ist er in sehr gutem Zustand. Leider ist die Form/der Schnitt wirklich etwas zu viel 'Retro' für mich. Deshalb werde ich ihn demnächst auftrennen und mir einen etwas kürzeren und schlichteren (ohne Falten) Rock daraus nähen. Ende März wird mein Bruder seine Bündnerin heiraten - und was würde da besser passen als ein Bündner Rock?!
Ich war sehr berührt, dass ich diese Kleidungsstücke bekommen habe. Die Jacke ist schon viel im Einsatz und den Rock kann ich hoffentlich bald in Angriff nehmen. Allerdings habe ich natürlich ein bisschen Bedenken, schließlich bin ich keine Nahderin! Ich bewundere immer wieder die Handwerkskunst, die feinen Stiche von Hand, der extra Stoff innen zum Herauslassen. Wirklich ein Kleidungsstück für lange.

Mehr Sonntagsfreudensammler gibt es auch in diesem Jahr wieder auf dem Kreativberg.

Samstag, 15. Februar 2014

Es ist Februar!

Wer aus irgendeinem Grund gerade nicht weiß, welcher Monat ist, der muss in Schweden nur ins Fernsehprogramm schauen und in die Auslagen der Konditoreien: Es ist wieder Melodifestivalen und es ist Zeit für Semlor. Und ich werde mich jetzt auf das Kanapee setzten, den dritten Vorentscheid anschauen und meine Semla essen. Mein Mann isst übrigens eine sog. hetvägg, d.h. die semla in warmer Milch.

Freitag, 14. Februar 2014

Eine Liebesgeschichte


Es waren einmal eine junge Frau und ein junger Mann, die verliebten sich ineinander. Wenn sie zusammen waren, hatten sie Schmetterlinge im Bauch, der Himmel war blauer und die Welt bunter. Keiner wollte mehr ohne den anderen sein und nach einiger Zeit fragte der junge Mann die junge Frau, ob sie ihn denn nicht heiraten möchte. Die Frau sagte ja.

So eine Geschichte kennt wohl jede und jeder von uns. Es ist durchaus nichts Ungewöhnliches. Im Gegenteil, es passiert ja immer wieder und auch heute am Valentinstag werden sich viele (junge) Paare ihre Liebe gestehen und den Wunsch nach einer gemeinsamen Zukunft bestätigen. Die oben begonnene Geschichte ist die meine. Sie geht nämlich so weiter:

Der junge Mann küsste die Frau erleichtert, nachdem er ihr ja gehört hatte und überreichte ihr – ein Kochbuch für umweltbewusstes Kochen.

Ich muss heute jedes Mal schmunzeln, wenn ich die Widmung im Kochbuch lese, die mir mein Mann damals hinein geschrieben hat. Ein Ring kam erst ein paar Monate später – mit der Post. Ja, und hier wird unsere Geschichte noch individueller. Mein Mann konnte mir den Ring nicht einfach so geben, er musste ihn schicken, wenn er nicht noch länger hätte warten wollen. 2000 km lagen zwischen unseren Wohnorten, wir kamen aus zwei verschiedenen Welten und Kulturen. Wir versuchten uns ungefähr alle sechs Wochen zu sehen und das war nur möglich, weil ich noch studierte und mein Mann an seiner Doktorarbeit arbeitete. Viel Geld ging für unsere Reisen drauf und die restliche Zeit überbrückten wir mit Skype. Vermutlich kommen meine sehr guten Schwedisch-Kenntnisse aus dieser Zeit, denn alles, was ich an Emotionen nicht unmittelbar zeigen konnte, musste ich mündlich ausdrücken. Nicht wenige hielten unsere Beziehung für ein ‚Souvenir‘ aus meinem Austauschjahr, nicht wenige glaubten, dass das nichts auf Dauer wird. Aber die Zeit verging und wir trennten uns nicht. 2011, nach meinem Staatsexamen, war der Punkt an dem wir den Schritt wagten: Wir ziehen zusammen. Jedoch nicht in Schweden und nicht in Deutschland, sondern in den USA. Wir hatten beide dort berufliche Möglichkeiten, aber meine Zusage war – im Nachhinein betrachtet – mehr als ein Kompromiss. Ich wollte so gerne mit diesem Mann zusammen wohnen, zumindest doch einmal eine ‚normale Beziehung‘ auszuprobieren. Also habe ich zugesagt, eine andere Alternative sahen wir, sah ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Dabei habe ich so viel von mir und meinem Leben aufgegeben, dass mir heute noch ganz schlecht dabei wird. Mein Mann hat das nie von mir verlangt, ich muss zugeben, dass ich die treibende Kraft war: Mich lockte der Gedanke, dass wir beide dort fremd sind, keiner hat einen kulturellen, sprachlichen Vorteil. Dieses Jahr in den USA war für mich aber ein Albtraum. Viele meiner Ängste und negativen Verhaltensänderungen kommen immer noch aus dieser Zeit. Ich hoffe, dass ich sie mit der Zeit ablegen kann.
Aber es war natürlich auch ein wichtiges Jahr für uns. Vieles konnten wir entdecken, ausloten, uns aneinander reiben, näher zusammen wachsen. Beispielsweise wurde mir/uns mehr als deutlich, dass 3 Kulturen eine zu viel sind. Die Sprache, soziale Kontakte und andere Kleinigkeiten wurden zu einem grauen Mischmasch und jeder hatte das Gefühl sich zu verlieren. An Weihnachten sind wir nach Europa geflogen, bis Zürich gemeinsam, dann er nach Schweden und ich nach Bayern. Nach dem getrennten Weihnachten war uns klar: So geht es nicht weiter. Wir müssen einen anderen Kompromiss finden, einen trag- und lebbaren Kompromiss.
Wir schrieben Listen und wogen ab. Die Waage schlug aus verschiedenen Gründen zugunsten von Schweden aus. Der Anfang in Schweden war hart. Es war anders als in den USA, aber auch schwierig. Noch dazu, weil mein Mann immer wieder für mehrere Wochen auch weiterhin in die USA musste. Ich kam an meine psychische Belastungsgrenze: Allein einen Neuanfang starten, im Land des Partners, der nicht da ist. Wenn mein Mann in Stockholm war, haben wir oft bis aufs Messer gestritten. Ich fühlte mich so unverstanden, so unglücklich, so einsam. Ich gab ihm an vielem die Schuld. Schließlich war es ja sein Land, seine Landsleute und er, der Schuft, lies mich allein.
Ich hatte die psychologische Seite der Zeit unterschätzt: In meinem Auslandsjahr war Schweden ein tolles Land, ich reiste auch viel in die benachbarten skandinavischen Länder. Es war toll, weil ich wusste, im August kommen meine Eltern mit dem Auto, wir packen alles ein und ich fahre wieder nach Hause – heim. Bei meinem Umzug 2012 gab es plötzlich kein Enddatum mehr. Niemand würde kommen und mich wieder holen. Daheim ist plötzlich 2000 km weit weg, der neue Ort nur ein Zuhause, aber kein Daheim.
In dieser Zeit bekam ich liebe Briefe von einer Verwandten. Sie berichtete mir darin, wie sie von daheim auf den Hof ihres Mannes etwa 30 km weiter weg zog und wieviel Heimweh sie hatte. Es war tröstlich das zu lesen. Es gab mir Mut, in dieser zehrenden Phase nicht alles hinzuwerfen. Heimweh, das kann man wohl immer haben. Und an der Sprache, dem gegenseitigen kulturellen Verständnis, der Integration, an all dem kann man arbeiten.
Seit einem guten halben Jahr ist mein Mann nun dauerhaft in Schweden, keine langen Dienstreisen mehr. Seit einem halben Jahr habe ich hier eine Arbeit. Es wird langsam besser. Es wäre aber eine Lüge, wenn ich hier schreiben würde, es ist nun alles gut. Meine Ängste, die viel vom Alleinsein in der Fremde handeln, die sind noch da. Und manchmal gibt es auch noch den einen oder anderen großen Streit – der groß wird, weil die Worte fehlen, weil es ein sprachliches oder kulturelles Missverständnis gibt, das wir nicht gleich durchschauen. Hinterher können wir zum Glück wieder darüber lachen.
Vor einiger Zeit hat mich eine Freundin gefragt, ob ich es noch einmal tun würde. Ja und Nein. Für meinen Mann, ja, für den würde ich es wieder tun. Jeden Tag weiß ich, dass wir auf dem richtigen Weg gemeinsam unterwegs sind. Und nein, denn zum jetzigen Zeitpunkt hätte ich nicht noch einmal die Kraft, irgendwo neu anzufangen. Oft habe ich mit mir gehadert, warum musste es mir ‚passieren‘, warum fand sich kein passender Mann in meiner Heimatregion?! Aber es ist wohl einfach so. Die Liebe kann man oft nicht erklären. Warum fand meine Verwandte keinen Mann im Heimatdorf, sondern erst 30 km weiter weg? Aus dem gleichen Grund. Die Liebe ist nicht erklärbar, sie geht ihren eigenen Weg.
Unser Weg war vor allem am Anfang ein Klettersteig mit Abgründen zu beiden Seiten. Jetzt sind wir immerhin schon ziemlich trittsicher geworden und eine eingeschworene Seilschaft. Wer aber glaubt, dass es besonders romantisch wäre, für einen Partner in ein anderes Land zu ziehen, den muss ich hier enttäuschen. Es ist ein Kompromiss. Nicht mehr und nicht weniger.
Was mir aber oft sehr weh tut, das sind die Reaktionen von Außenstehenden. Unverständnis, wie ich denn meine Familie so im Stich lassen kann. Irritation, wenn ich von Schwierigkeiten berichte. Als ich an Weihnachten hier am Blog von meinem ersten schwedischen Weihnachtsfest berichtete, schrieb ein anonymer Kommentator: „Geh doch zurück nach Bayern!“. Würde man jemanden, der von der Andersartigkeit seiner Schwiegerfamilie innerhalb eines Landes berichtet, auch raten, den Partner zu verlassen und zu den Eltern zurück zu ziehen?! Das hat mir unheimlich wehgetan.

Es ist eine Liebesgeschichte, die mich hier nach Schweden gebracht hat. Der Wohnort ist ein Kompromiss, unsere Liebe aber eindeutig nicht. Und sie ist es wert, dass wir daran arbeiten, dass der Kompromiss tragbar und lebbar bleibt.

Donnerstag, 13. Februar 2014

genäht: Ein Mathebeutel

Ich bin ja nicht die Mathe-Enthusiastin schlechthin, also muss ich mir die Welt der Zahlen ein bisschen bunter machen. So geschehen mit selbst bedrucktem Baumwollstoff und dessen Verwandlung in einen Beutel für Zirkel, Geodreieck, Taschenrechner und Co.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Pisa-Schock in Schweden Teil 4: Meine Meinung

Zum Nachlesen:
Teil 1: Das Schulsystem
Teil 2: Ein Schultag
Teil 3: Die Krise
"Die Schule ist die absolut wichtigste Wahlfrage"
So lautete die Schlagzeile vor ein paar Tagen auf der ersten Seite der Dagens Nyheter. Nachdem ich versucht habe, das Schulsystem mit seinen Eckpunkten ein bisschen näher darzustellen und auch die kritischen Aspekte der Schulkrise zu beleuchten, so möchte ich heute noch meine persönliche Meinung hier zum Ausdruck bringen. Natürlich bin ich kein absoluter Schulexperte, da gibt es sicher die, die noch besser eingelesen/eingearbeitet sind. Ich bin einfach eine 'normale' Lehrerin, die sowohl mit dem bayerischen Schulwesen vertraut ist, als auch nun mit dem schwedischen.
Als ich 2008 als Austauschstudentin für eine Woche ein Praktikum an einer Stockholmer Grundschule machen durfte, hat mich vieles sehr stark begeistert. Die betreuenden Lehrer waren auch sehr geschickt darin, alles als ungeheuer gut und fortschrittlich darzustellen. Manches finde ich immer noch gut, aber vieles hat dem 'Praxistest' leider nicht standgehalten.
Was ich am schwedischen Schulsystem sehr gut finde, ist die gemeinsame neunjährige Grundschulzeit. Auch dass bis zur sechsten Klasse keine Noten vergeben werden, entspannt den Schulalltag doch deutlich. An das Schulessen und die Ganztagsform (die i.d.R. für die jüngeren Kinder eh nur bis 14 Uhr geht) kann man sich auch ohne Probleme gewöhnen.
Wenn man dann aber ein bisschen in die Tiefe geht, dann kratzt man meiner Meinung nach schon an einigen Problemen, davon sicher nicht wenige hausgemacht. Für absolut indiskutabel halte ich natürlich den Einsatz von 'Lehrkräften' ohne pedagogische Ausbildung. Ebenso finde ich das gewinnorientierte Wirtschaften im Schulbereich sehr verwerflich.
Natürlich kann man immer mit dem Gedanken spielen, wie wäre es beispielsweise mit dem deutschen Schulwesen weiter gegangen, hätte es nicht den Pisa-Schock 2001 gegeben. In Schweden hat man sich sicherlich von guten Testergebnissen und den Lobeshymnen ausländischer Bildungsbeamter einlullen lassen und lange nicht gemerkt/nicht merken wollen, dass hier etwas schief läuft.
Im schwedischen Schulwesen kämpft man wie in den anderen Industrieländern sicher auch mit der 'digitalen Demenz', was sicher nicht positiv zum Leseverhalten und der Schreibsicherheit beträgt. Ich habe es aber auch an nicht wenigen Schulen, u.a. auch mit vielen Schülern mit Migrationshintergrund, erlebt, dass bei Schwierigkeiten die Lösung oft ein ipad o.ä. war. Das Kind mit unzureichenden Sprachkenntnissen oder anderem Förderbedarf saß dann die ganze Stunde allein und ohne Lehrerbetreuung und hat Mathespiele auf dem Computer gespielt. Deshalb ist meine Meinung, dass die zunehmende Digitalisierung ohne kritisches Infragestellen sicher ein Problem des schwedischen Schulwesens ist. Natürlich schaut es sehr fortschrittlich aus, wenn alle Schüler einer Klasse am eigenen ipad sitzen und der Lehrer am smartboard steht, aber im Moment zumindest empfinde ich die Arbeit damit als zu einseitig positiv und unkritisch betrachtet, mit den daraus resultierenden Nachteilen.
Ähnlich wie eben bei der 'Hyperdigitalisierung' ist man im schwedischen Schulwesen im Moment überraschend anfällig für pädagogische Trends. Da holt man sich eine Leselernsystem aus Neuseeland (eigentlich für die englische Sprache entwickelt und somit nur bedingt ins Schwedische übertragbar), ein anderes Erstschreibsystem aus Norwegen usw. Es geht so von Null auf Hundert und dann wieder zurück. Und hier komme ich zu einem weiteren Kritikpunkt, der eng an diesen 'Trendimport' anknüpft: Die meisten der schwedischen Lehrer arbeiten unheimlich eng an ein Lehrmittel/Lehrbuch geknüpft. Entscheidet sich die Schule beispielsweise mit dem neuseeländischem Kiwi-System zu arbeiten, dann wird für tausende Kronen beim Lehrmittelverlag das komplette Set bestellt und mit diesem dann auch ausschließlich gearbeitet, von A-Z. Ebenso im Matheunterricht: Sind im Mathebuch nur drei Übungen zu diesem Thema präsentiert, dann erscheint das als ausreichend und wird nur in seltenen Fällen mit Zusatzmaterial vertieft und wiederholt. Ich vermisse die Gründlichkeit, für die durchaus Zeit wäre, meiner Meinung nach.

Natürlich kann ich manches nur anreissen und skizzenhaft darstellen, in Details könnte ich mich abendfüllend verlieren, ist aber wohl auch nur bedingt interessant ;) Es liegt eindeutig einiges im Argen, aber nichts, was man nicht mit frischem Mut und ein paar kleineren Korrekturen ändern könnte. Das größere Übel ist eigentlich, dass diese Schulkrise im Moment wirklich so von den Medien und Politikern zu dem Wahlkampfthema schlechthin gemacht wird, so dass im Moment weder Eltern, Schüler noch Lehrer zur Ruhe kommen können. Und das wäre zum jetzigen Zeitpunkt wohl das wichtigste: Zur Ruhe kommen, eine objektive (nicht von Parteien in Auftrag gegebene) Bestandsaufnahme machen und dann gemeinsam mit kompetenten Lehrern gradweise den Kurs ändern und den Dampfer zurück in die Fahrrinne bringen.

Noch ein Kuriosum am Rande: Ich hatte ja letzte Woche berichtet, dass sich sehr viele Lehrer überlastet und ausgelaugt fühlen. Gestern kam ein "Wink mit dem Zaunpfahl", ohne Beischreiben oder ähnliches in meinen Postkasten. In einem Kuvert, auf dem ich glücklicherweise immerhin meinen Arbeitgeber als Absender lesen konnte, lag dieses Buch: "Schlau und faul. Die besten Tipps vom Stressdoktor für alle die sich wahnsinnig stressen". Da sage noch mal einer, die Kommune würde sich nicht um ihre Lehrer kümmern ;)

Dienstag, 11. Februar 2014

Wetterbericht

Im Moment weiß man hier gar nicht so recht, wie man das Wetter eigentlich benennen soll. Mal scheint es wechselhaft wie im April, dann wieder Dauergrau wie im November. Gerade aber hat sich eine dicke, dicke Nebeldecke vom Meer her kommend über unseren Stadtteil gelegt. In den Abendstunden kann man es zur Zeit richtig gehend beobachten, wie sich die Suppe wabernd vom Hafen an Land bewegt und alles einhüllt. Auf dem Foto kann man es leider nicht so gut erkennen. Ich finde diesen Meeresnebel aber sehr beeindruckend, so kenne ich das gar nicht von daheim.
Vor ein paar Tagen kam auch der Regen und hat den Schnee weggewaschen. Nach einigen Wochen ohne Regen ist das Klopfen der Tropfen gegen die Fenster wieder ein ganz ungewohntes Geräusch. Irgendwie finde ich es sogar schön.
Der Schnee ist nun fast komplett verschwunden. Seit zwei Tagen haben wir auch schöne Phänomen, dass sich die Nebel-Wolkendecke einmal am Tag etwas lichtet und die Sonne hindurch scheint. Wie kräftig und wärmend muss sie erst sein, wenn sie nicht durch ein Nebeltuch hindurch scheinen muss.
An der westlichen Hauswand beantworten zarte Geschöpfe die Frage vom Anfang jedoch ganz eindeutig:
Es ist Frühlingswetter! Wir sind seine Boten und strecken schon mal die Köpfchen heraus! Sicher kommt noch das eine oder andere Mal Schnee, aber wir sind das sichere Anzeichen, dass es heller und wärmer werden wird!

Montag, 10. Februar 2014

Alltagsfreude: Speiseplan

Ich versuche immer, nur einmal in der Woche einkaufen zu gehen. Das erspart viel Zeit und wenn es gut geplant ist, funktioniert es ganz wunderbar. Dazu schreibe ich mir immer einen Wochenspeiseplan - bis jetzt auf Schmierpapier. Bei Frau Weh habe ich von ihrem laminierten Speiseplan gelesen und der Gedanke ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ein Laminiergerät habe ich hier zwar nicht, aber selbstklebende Buchfolie...
Also habe ich einen Dauer-Speiseplan gestaltet und mit der Buchfolie überzogen. Nun hängt er am Kühlschrank und macht mir - und meinem Mann ;) - viel Freude.
Wenn ich den Speiseplan anschaue, dann freue ich mich auch darüber, dass es mir doch gelingt, immer wieder etwas Kreatives in meinem Alltag zu verwirklichen. Oft bin ich angesichts der Stoffstapel, Wollberge und Ideenhaufen im Kopf  - in Kombination mit Zeit-/Schlafmangel und schlechtem Gewissen - ein bisschen frustriert, aber eigentlich gibt es wohl keinen Grund dazu. Natürlich könnte man immer noch mehr, noch schneller - und verliert dabei den Blick für das, was man eigentlich eh - und trotzdem - schafft.

P.s.: Vielen herzlichen Dank für euren lieben Kommentare vom Wochenende! Leider haben auch andere fleißig kommentiert und mich mit Spam 'zugemüllt'. Deshalb habe ich nun wieder die Sicherheitsabfrage aktiviert. Ich hoffe, dass es sich nun wieder beruhigt, dann mache ich sie wieder raus. Schade, dass es offensichtlich nicht anders geht.

Sonntag, 9. Februar 2014

Sonntagsfreude: Heimat auf dem Teller

Semmelknödel sind eine meiner Leibspeisen, es gibt sie hier aber nur ganz selten - weil es kein Knödelbrot zum Kaufen gibt und ich oft keine Zeit verwenden kann/mag, um es selber zu schneiden.
Am Wochenende kann man sich aber die Zeit nehmen und die 'Mini-Baguettes' in Knödelbrot verwandeln. (Diese Mini-Baguettes sind übrigens an sich gut geeignet, erinnern aber an die Konsistenz von Styropor... Mein Traum also: Eine alte Knödelbrotschneidemaschine oder zumindest eine Brotschneidemaschine und eigene Semmeln in Knödelbrot verwandeln...)
Rucola-Semmelknödel mit Rahmschwammerl - meine Sonntagsfreude :)

Mehr Sonntagsfreudensammler gibt es auch in diesem Jahr wieder auf dem Kreativberg.

Samstag, 8. Februar 2014

Mein Rücken

Wie ich es hier vor fast zwei Wochen schon angedeutet habe, ist der Rücken im Moment mein Sorgenkind. Die Entzündungen in und um den Mund habe ich mit fleißigem Salbeitee-Gurgeln vertrieben, aber die Rückenschmerzen, bzw. v.a. Schulter und Nacken bleiben. Dabei ist es im Moment kein Wunder, merke ich doch selbst, was mich alles belastet, was alles auf meinen Schultern liegt. Der Dauerstress mit der schlechten Vereinbarkeit des Mathekurses und der Schule, v.a. wenn es dann noch Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr gibt. Ich merke wie ich immer dünnhäutiger werde. Der andauernde Baulärm und die allfreitäglichen Partys bei unseren (neuen) Nachbarn erzeugen Ohrenrauschen und Unwohlsein. Die Schultern sind die ganze Nacht angezogen, morgens wache ich mit steifem Nacken auf. Die viele freiwillige (Bloggerland, e-mails) und unfreiwillige (Schule, Uni) Computerzeit trägt sein übriges dazu bei.
Da wir keine Badewanne haben (man muss schon froh sein, wenn man in unseren unbeheizten 2,5 m² nicht in der Dusche festfriert), ist die einzige Wärme-Entspannungsquelle eine Wärmflasche in den Nacken gelegt. Und ansonsten, ja, ansonsten versuche ich mich morgens mit ein paar Yogaübungen wieder einigermaßen in Form zu bringen. Allerdings, alles ohne rechten Erfolg. Ich habe irgendwie das Gefühl oder das Bedürfnis, dass ich noch mehr machen müsste.
Aber das ist hier in Schweden so schwierig, dass es mich manchmal so wütend macht, dass ich gleich die Schultern wieder nach oben ziehe. Eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen gibt es nämlich so gut wie gar nicht. Verspannungen usw. sind ein individuelles Problem, dazu bekommt man keine Überweisung zu einem Krankengymnasten o.ä. In dem viel gepriesenen schwedischen Gesundheitswesen hat man nämlich als Patient (im Vergleich zum Schulwesen!) kaum oder gar keine Wahlfreiheit. Während ich in Deutschland vielleicht eben mir noch eine zweite Meinung einholen würde oder könnte, gibt es diese Möglichkeit hier nicht. Wenn mein Hausarzt der Meinung ist, dass ich nur verspannt bin und mich doch endlich einfach (!) entspannen solle, dann ist das Thema abgeschlossen, der Vermerk in der Online-Patientenkartei, macht es unmöglich einen anderen Arzt wegen dem gleichen Ding noch einmal zu konsultieren. Was also in Deutschland Auswüchse in eine ganz andere Richtung treibt, entwickelt sich hier in eine ganz andere Richtung.
Wenn mir meine Mama von ihrem Osteopaten vorschwärmt oder meine Schwester sich Unterstützung bei unserer Haus- und Hofheilpraktikerin holt, dann bekomme ich einen Klumpen im Hals (und die Schultern wandern noch höher nach oben). Ich stimme meinem Hausarzt natürlich voll und ganz zu, dass ich nicht krank bin und auch kein orthopädisches Probelm habe. Aber meinem Körper geht es ja nicht ganz gut, zumindest nicht so gut, dass ich meinen Alltag uneingeschränkt ausführen kann.
Unterstützung, Prophylaxe, Ganzheitlichkeit, das ist den (Hauptstadt-)Schweden suspekt. Hokuspokus und Geldmacherei eben.
Nun ja, dann werde ich mal versuchen, mit Hilfe von Restenergie meine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Und es vermeiden, über das schwedische Gesundheitswesen nachzudenken*. Vielleicht sollte ich dieses Wochenende auch einfach mal entspannen?!

*Meine Hypothese ist, dass man in zehn Jahren dort ist, wo man in Deutschland heute ist. Nämlich bei der Einsicht, dass Schul- und Alternativemedizin gut mit einander funktionieren können. Und dann kann ich ein bisschen herablassend tun und sagen, dass wir das schon immer wussten ;) (So wie die Schweden jetzt herablassend und ein bisschen verächtlich das deutsche Praxis betrachten)

Freitag, 7. Februar 2014

Im Winter am Meer

Die Fotos sind schon bei einem Spaziergang vor ein paar Wochen entstanden, seit dem hatten wir keinen einzigen Tag mehr mit Sonne. So könnte der Winter hier aber mit den tollen Eisformationen aussehen...

Donnerstag, 6. Februar 2014

genäht: Für mehr Ordnung in der Schultasche

In kleinen Schritten und kurzen Augenblicken sind Naht für Naht diese Helferlein für mehr Ordnung in der Schultasche entstanden. Da ich ja eine 'Wanderlehrerin' mit fünf Einsatzschulen bin, muss ich meine mobile Klassenzimmerausrüstung immer dabei haben. Denn nicht jeder Raum, der uns für den Deutschunterricht zur Verfügung steht, ist entsprechend ausgerüstet. So habe ich meine eigenen Whiteboard-Marker oder 30 Magnete immer dabei. Bis jetzt fiel alles immer lose im Rucksack herum und das Gekruschel hat mich schon mehr als ein Schulhalbjahr schrecklich genervt. Mein Vorsatz fürs neue Jahr war also - mehr Ordnung in der Schultasche! Man hat ja schließlich Vorbildfunktion...
 Für die Magnete entstand so ein Beutel mit doppeltem Kordelzug, innen mit schwarzem Uni-Stoff gefüttert. Das Mäppchen für die Stifte ist einfach ein Stoffquadrat (Oberstoff - Vlies - Futterstoff) mit Gummibändern an den entsprechenden Stellen und Überschlag, damit nichts rausrutscht. Von den kleinen Kulturbeuteln gibt es zwei, aber nur einer hat es aufs Foto geschafft. Der mit dem roten Reißverschluss ist mein 'privater' mit Handcreme, Desinfektionsmittel, Brillenputztüchern usw. Der mit dem schwarzen Reißverschluss soll zukünftig Lernspiele und Zubehör (Karten, Würfel etc.) beherbergen.

Das einzige, was meine Freude an diesem Set noch ein bisschen trübt, ist der Blick auf meinen linken Zeigefinger: Ich habe mir - weil es ja schnell-schnell gehen muss - in den Finger genäht! Das ist mir noch nie passiert und war ziemlich unangenehm. Noch unschöner war allerdings die ausgefranste Wunde, vielleicht hätte ich doch einen Zickzack-Stich verwenden sollen ;) In Zukunft werde ich jedenfalls vorsichtiger sein und schauen, wo der/die Finger ist/sind, wenn ich Vollgas aufs Pedal trete. Wieder was gelernt...

Dienstag, 4. Februar 2014

Pisa-Schock in Schweden Teil 3: Die Krise



Ja, es lässt sich kaum leugnen, das schwedische Schulwesen steckt in der Krise und wird im Superwahljahr zum Politikum. Alle haben eine Meinung und scheuen sich nicht, diese in diversen Debatten in der Tagespresse kund zu tun.
Mit meiner deutschen Lehrerausbildung im Gepäck besuche ich gerade eine Weiterbildung um nach diesem vierten und letzten Semester das schwedische Lehrerexamen zu erhalten. Gleichzeitig arbeite ich als Muttersprach-/Deutschlehrerin und komme an vielen verschiedenen Schulen herum. Ehrlich gesagt, finde ich die Stimmung im Moment ziemlich bedrückend und wenig aufmunternd. Dass in Deutschland immer noch Kompendien wie „Macht Knäckebrot schwedische Kinder klüger?“ (einfach googlen, dann kommt man zum pdf; ich konnte den Link hier irgendwie nicht einbetten) kursieren, lässt meinen Blutdruck steigen. Was dort geschildert wird, passt nicht mit meinem Gesamteindruck des schwedischen Schulwesens zusammen. Über meine persönliche Meinung will ich aber erst im nächsten Beitrag schreiben, heute soll es um die Kernpunkte der Schulkrise gehen.

Den ersten Teil über den Aufbau des Schulsystems und den zweiten Teil über schwedischen Schulalltag gibt es hier (Schulsystem) und hier (Alltag) zum Nachlesen.


Zunächst ist so eine Krise natürlich auch ein Konstrukt der Medien, der Gesellschaft und der Politik. Im Moment hat man aber das Gefühl, es ist eine unaufhaltsame Spirale abwärts, eine „self-fulfilling prophecy“, ein Fass ohne Boden. Täglich kommen neue Schreckensmeldungen ans Licht. Ich versuche die kritischen Punkte ein bisschen aufgegliedert darzustellen.

Die Schüler:
Die sinkenden Schülerresultate in allen Fächern haben erst dazu geführt, dass man wieder mehr den Blick auf die Schulen gelenkt hat. Im Moment gibt es dazu folgende ‚Problempunkte‘:
-       allgemeiner Leistungsabfall: In allen Bereichen liegt Schweden unter dem OECD-Durchschnitt bei der PISA-Studie; auch andere internationale Studien verstärken diesen Eindruck
-       Schwedisch und Leseverständnis: Im Durchschnitt verlässt jeder fünfte schwedische Schüler (Jungen; bei Mädchen sieht es etwas besser aus) ohne die notwendige Lesekompetenz, einen einfachen Zeitungsartikel zu verstehen.
-       Mathematik: Weniger als 50% der Studienanfänger bestehen einen Mathe-Eignungstest der Technischen Universität (im Vergleich zu gut 70% in den 70er Jahren)
-       Mehr und mehr Schüler klagen über schlechte Arbeitsbedingungen, zuletzt von den Gesundheitsbehörden aufgegriffen: Nur die wenigsten haben das Gefühl, dass sie die notwenige Arbeitsruhe im Klassenzimmer vorfinden.

Ich habe diese Punkte ausgewählt, weil sie – natürlich etwas punktuell darstellen – ein gutes Gesamtbild vermitteln: Es hakt an allen Ecken und Enden.

Die Lehrer:
Sind vermutlich ein Teil des Problems selbst, aber leiden auch extrem unter der Situation.
-       Schweden war eines der wenigen Länder, in der man auch ohne formale Lehrerausbildung als Lehrer arbeiten konnte/teilweise immer noch kann. Grafiker unterrichten Kunst, deutsche Ökonomen geben Deutschunterricht usw. Pädagogische oder didaktische Grundkenntnisse – nicht erforderlich.
-       Ein Schwall an Pflichtweiterbildungen und Reformen überschüttet jetzt die Lehrer – Stress!
-       Wenig Kompetenz und Profession drücken allgemein die Löhne. Seit Jahren kämpfen die Lehrer nun, dass sie endlich angemessene Löhne bekommen.
-       81% der Lehrer empfindet die Arbeitsbelastung an der Schule als unzulässig.
-       75% der schwedischen Lehrer geben äußern gegenüber dem schwedischen Lehrerreichsverband*, dass sie an Schlafstörungen leiden.
-       90% der Lehrer sehen die Ursache für die größere Arbeitsbelastung in den jüngsten Reformen.
-       65% der Lehrer hat nicht genügend Zeit für die Unterrichtsvor- und nachbereitung.
-       70% der Lehrer empfinden, dass ihr Beruf ihre Freizeit negativ beeinflusst

(alle Zahlen: Lärarnas Riksförbund)
Die Politik:
Die Politiker befinden sich im Wahlkampf und die Schule ist nun ein gefundenes Fressen:

-       Schwedens Bildungsminister ist ein ehemaliger Major, der gerne mehr Ordnung in die schwedische Schule bringen will.
-       Die politischen Parteien zerfleischen sich zwischen „Wahlfreiheit für Schüler und Eltern“ und „keine finanziellen Gewinne im Schulbereich“.
-       Die aktuelle Regierung, die auch die vorherige war, versuchen die Schule ‚gesund zu reformieren‘. Die Reformen der letzten Jahre: Ein neuer Lehrplan, Noten ab der 6. Klasse (statt bisher 8.), verpflichtende Lehreraus-/weiterbildung und eine Lehrerzulassung, mehr Dokumentation, mehr Verwaltung.

Die Gesellschaft:
Die Gesellschaft ist natürlich empört und es muss schmerzhaft sein, einem der Flaggschiffe des Landes beim Sinken zuzusehen. Zudem gibt es eine berechtigte Unruhe, wie es mit qualifizierten Arbeitskräften aus dem eigenen Land weitergehen wird. Und jeder hat eine Meinung, natürlich, schließlich ging ja jeder selbst zur Schule. Ein Professor für Führungsqualität (ledarskap) äußert sich über eine ganze Seite in der Sonntagsausgabe der Dagens Nyheter, warum man in Schweden jetzt das französische Schulsystem als Vorbild nehmen soll. Schüler schreiben Leserbriefe, dass sie die Lehrer als zu schlapp und laissez faire empfinden.

 *Reichsverbund deshalb - Schweden ist keine Republik, sondern hat einen König als Staatsoberhaupt  - daher Königreich