Ich sitze gerade am Schreibtisch und habe vorm Fenster das Reh als Gesellschaft, das Brombeerblätter von abgeschnittenen Ranken zupft. Der Mann ist in die Arbeit geradelt und ich erledige dies und das am Schreibtisch. Vor allem für den Kurs müsste ich dringend was machen, aber diese Woche war einfach ein bisschen komisch bis jetzt und so werde ich mich hier am Blog erstmal ein bisschen
warmschreiben.
Wenn es so einfach ginge mit dem Warmschreiben, das wäre prima. In unserem Haus ist es nämlich ziemlich kühl und Warmwasser ist auch Luxus. Die Geschichte mit dem Pelletsofen ist nämlich eine größere und in Schweden sind die Wartezeiten für die Handwerker immer, ähm, landestypisch (so wie bei der Einwanderungsbehörde oder dem Schulwerk auch). Es begann nämlich alles damit, dass
am Sonntag der Vorbesitzer des Hauses kam, um uns zu zeigen, wie man den Pelletsofen kehrt. Im Winterhalbjahr muss man das jede 100. Brennstunde machen und es ist eigentlich keine große Sache.
Aber, vielleicht war es sehr naiv von uns - so wie im Nachhinein betrachtet viele Angelegenheiten mit den Vorbesitzern - dass wir ihn dazu holten. Es hatte ja seine Gründe, dass sie das Haus verkauften, sie waren die letzten Jahre einfach rundum überfordert damit. Naja, nun kam der gute Mann und zeigte uns das Kehren, wie gesagt, keine große Sache. Aber dann fing er an seinen Spezialthermostaten, Temperaturfühlern etc rumzudrücken, drückte eine Fehlermeldung weg, ohne sie gelesen zu haben, überlud den Ofen mit Pellets (daher die Rauchentwicklung) und und und.

Seit diesem Tag hat sich der Pelletsofen kein einziges Mal mehr eingeschalten und Warmwasser ist bei uns nun 25°C... Gestern war der Pelletsofen-Kundendienst da und konnte zumindest sagen, dass der Ofen keinen Schaden genommen hat. Nun warten wir auf einen Elektriker, der sich dieses Kästchen-Wirrwarr anschaut, hoffentlich entfernt, was nicht nötig ist und die Anlage wieder zum Laufen bringt. Bis dahin können wir einmal am Tag manuell den Ofen starten und löschen und so ein bisschen Warmwasser zumindest zum Duschen wärmen.

Angesichts der Flüchtlingsströme quer durch Europa ist das natürlich ein lächerliches Problem. Auch uns beschäftigt das sehr und wir verfolgen das Geschehen in den schwedischen und deutschen Medien. Als politisch eher links eingestellte Menschen und als Christin (ich) haben wir diskutiert, wie wir uns einbringen können, aber da wir uns selber grade noch nicht so stabil und gefestigt sehen, haben wir uns zu einer Spende ans Rote Kreuz entschlossen. Ich glaube, damit ist allen im Moment am Besten gedient. Ich folge aber auch den deutschen Bloggerinnen für Flüchtlinge und anderen Aktionen und habe großen Respekt vor den Menschen, die sich auch tatkräftig einbringen. Und ich bin ein bisschen stolz auf mein Heimatland, in Schweden ist man voll Bewunderung für das, was dort geschieht.

Morgen beginnt unsere nächste Besucher-Strecke: Neffe und Nichte (9 bzw 11 Jahre) kommen selbst mit dem Zug nach Göteborg und bleiben bis Montag, am nächsten Wochenende ist Buchmesse in Göteborg, da wohnt dann meine Freundin, die Bibliothekarin mit Anhang bei uns, meine Eltern kommen zu einem herbstlichen Arbeitseinsatz, und schließlich gibt es ein kleines Schwiegerfamilientreffen bei uns (ein Wochenende mit 10 Personen im Haus), wenn wir nun schon im Westen wohnen. Es wäre sehr angenehm, wenn bis dahin nicht nur die Heizung wieder funktionieren würde, sondern auch das obere Klo, das auch ein Sorgenkind ist und dem hoffentlich heute geholfen werden kann.
In der Küche habe ich beschädigte Äpfel verarbeitet und zweimal Apfelsaft mit dem Dampfentsafter gekocht. Das ging besser, als ich erwartet hatte, ein echter Erfolg und weitere Vorräte für den Winter.
Wenn es mir im Haus zu kühl wird, gehe ich raus und arbeite im Moment an der Verschönerung unserer Vorderseite. Das wird zwar nächstes Jahr alles aufgegraben, aber ich muss das auch noch ein halbes Jahr anschauen, von daher tut das ganz gut. Wenn ich mich innerlich unordentlich fühle, hilft es mir, mit den Händen irgendwo Ordnung zu machen.
Liebe
Sigrid, ich glaube das Kämmen funktioniert am Besten bei Preiselbeeren, weil die eher fester sind und traubig wachsen. Ich kann mir vorstellen, dass man da bei den Heidelbeeren eine Menge 'Nebenprodukte' mitnimmt, aber nicht so viele Beeren. In Deutschland ist das Kämmen/Rechen aber, glaube ich, nicht erlaubt, oder? Weißt du da mehr dazu?
Nun läutete gerade wieder das Telefon, der Tagesablauf ändert sich schon wieder. Naja, ich mach das Beste draus und morgen gibt es das erste Herbstsuppenrezept!