Während das Kind den Nusskorb ausräumt (eine Lieblingsbeschäftigung zur Zeit!), der Regen an die Fenster schlägt, der Brotteig in der Küche geht und es merklich kühler wird, ...
... habe ich plötzlich wieder die Muse, hier ein paar Zeilen zu hinterlassen. Im März gingen mir plötzlich die Worte aus. Ich wusste nicht mehr, worüber ich hier schreiben sollte, konnte und wollte. Alles schien mir zu privat, zu wertvoll, zerbrechlich, wie eine Seifenblase, die zerplatzen könnte, wenn man sie anfasst.
Hatte ich den Blog während all der Kinderwunschjahre mit Gedanken, Rezepten, Handarbeiten gefüllt, erschien er mir dann doch unpassend,überflüssig und aus der Zeit. Zu meiner Zeit, nun endlich als Mama, passte das alte Blogformat nicht mehr. Dachte ich...
Jetzt will ich doch wieder formulieren, ausdrücken, mit Bildern illustrieren. Die Freude am Mitteilen wollen ist zurück. Es wird aber nicht immer regelmäßig klappen, denn jetzt mit Kind wird die Isoliertheit im Ausland noch deutlicher. Hier kommen nicht einmal die Woche, ja nicht einmal einmal im Monat Oma/Mama/Schwiegermama oder Schwester/Tante vorbei. Wir müssen alles so, ohne ein familiäres Netzwerk, hinkriegen. Das geht oft recht gut, wenn auch chaotisch, aber manchmal ist es schwer. Ich mache mir auch viele Gedanken, wie es für unser Kind sein wird, so aufzuwachsen. Anfangs, nach der Geburt, dachte ich: Jetzt bist du hier angekommen, du hast hier ein Kind zur Welt gebracht.
Je älter das Kind wird und ich mit ihm spreche, singe, erzähle, desto mehr wird mir bewusst, wie deutsch/bayerisch ich bin und was für eine Herzensangelegentheit es für mich ist, etwas davon weiter geben zu können.
Im Großen und Ganzen geht es uns aber gut, sehr gut sogar. Wir sind endlich eine Familie. Auch wenn der Weg so lang war, so sind wir jetzt irgendwie angekommen. Es fühlt sich rund an. Wenn auch noch nicht komplett.
Natürlich lassen sich die Gedanken und Sorgen der letzen langen sieben Jahre nicht einfach so abstreifen, gerade wenn ich alleine beim schlafenden Kind im herbstlichen Nebel-Regengrau sitze... aber im Alltag ist dafür kein Platz. Da kämpfe ich mit Wäschebergen, besiege Spülmaschinenmonster, singe, tanze, lese vor, baue Türme aus Bauklötzen, tröste, stricke ein paar Reihen... und backe immer noch, immer wieder unser eigenes Brot!
Posts mit dem Label Aus-/Einwandern werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Aus-/Einwandern werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Freitag, 6. September 2019
Sonntag, 22. Oktober 2017
Erinnerungen
Jetzt sind die Herbsttage gekommen, an denen Stürme über der Nordsee den Wind und den Regen aufs Festland peitschen, an denen man das Haus nicht verlassen mag, an denen man Erinnerungen an helleren und freundlicheren Tagen nachhängt.
Gerade heute musste ich oft an einen Ausflug mit einen Eltern denken. Sie waren hier Ende September zu Besuch und wir haben einen schönen Spaziergang auf einer Insel gemacht. In unseren Rucksäcken hatten meine Mama und ich jeweils einen Stricksocken und wir haben die Rast genutzt, um ein paar Reihen weiter zu stricken. Wie gerne wäre ich öfter kreativ mit ihr!
Leider sind die Besuche oft sehr ausgefüllt, es gibt immer auch anderes zu tun. Und auch wenn wir es nur sehr, sehr selten schaffen, gemeinsam kreativ zu sein, so habe ich doch bei jeder Masche und bei jeder Reihe das Gefühl, dass sie mir ganz nahe ist. Denn der Mensch, der uns das Stricken beigebracht hat, ist uns oft ganz nahe. Ich glaube, jede(r) erinnert sich an diejenigen, die mit uns die ersten Maschen gestrickt haben, geduldig, die schiefen Teile zu einem Teddy zusammengenäht haben und so eine besondere Verbindung hergestellt haben. Masche um Masche entsteht aus einem Faden etwas, Masche um Masche verbindet Handarbeit, schafft etwas Wärmendes, Liebe, Verbindungen, Indentität, ja vielleicht auch ein Stück Heimat in der Fremde.
Wer hat euch das Stricken gelernt? Wie waren die ersten Strickerfahrungen? Habt ihr vielleicht jemandem das Stricken gelernt?
Gemeinsam mit meiner Mama in der Natur kreativ sein, das ist eine Erinnerung, die mir heute Kraft gibt, und ich kann ein Kreuzchen im Herbsthandarbeitsbingo machen... 💚
Gerade heute musste ich oft an einen Ausflug mit einen Eltern denken. Sie waren hier Ende September zu Besuch und wir haben einen schönen Spaziergang auf einer Insel gemacht. In unseren Rucksäcken hatten meine Mama und ich jeweils einen Stricksocken und wir haben die Rast genutzt, um ein paar Reihen weiter zu stricken. Wie gerne wäre ich öfter kreativ mit ihr!
Leider sind die Besuche oft sehr ausgefüllt, es gibt immer auch anderes zu tun. Und auch wenn wir es nur sehr, sehr selten schaffen, gemeinsam kreativ zu sein, so habe ich doch bei jeder Masche und bei jeder Reihe das Gefühl, dass sie mir ganz nahe ist. Denn der Mensch, der uns das Stricken beigebracht hat, ist uns oft ganz nahe. Ich glaube, jede(r) erinnert sich an diejenigen, die mit uns die ersten Maschen gestrickt haben, geduldig, die schiefen Teile zu einem Teddy zusammengenäht haben und so eine besondere Verbindung hergestellt haben. Masche um Masche entsteht aus einem Faden etwas, Masche um Masche verbindet Handarbeit, schafft etwas Wärmendes, Liebe, Verbindungen, Indentität, ja vielleicht auch ein Stück Heimat in der Fremde.
Wer hat euch das Stricken gelernt? Wie waren die ersten Strickerfahrungen? Habt ihr vielleicht jemandem das Stricken gelernt?
Gemeinsam mit meiner Mama in der Natur kreativ sein, das ist eine Erinnerung, die mir heute Kraft gibt, und ich kann ein Kreuzchen im Herbsthandarbeitsbingo machen... 💚
Sonntag, 18. Dezember 2016
Sonntagsfreude 22/2016: Kaum zu glauben...
Am Sonntag
einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die
ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung
schlicht und einfach eine
Sonntagsfreude sind :)
| Bestätigung über die schwedische Staatsbügerschaft |
(und weiterhin deutsche natürlich...)
Ich fühle mich nach wie vor nicht sonderlich schwedisch, wohl eher als Europäerin, aber die Freude über die Erleichterung im Alltag bei allen Dingen, v.a. mit Banken und Behörden, ist enorm!
Donnerstag, 3. November 2016
Ein Brief an J
in einem Kommentar letzte Woche hast du mich gefragt, ob ich die Doku über die Arbeitsbedingungen in Schweden gesehen hätte und was ich darüber dächte. Nun schaue ich ja nicht mehr so viele Berichte über Schweden im deutschen Fernsehen an, aber dein Kommentar hatte mich neugierig gemacht. Also legte ich mich aufs Kanapee und versuchte objektiv meiner Aufgabe als Kritikerin zu walten. Leider bekam ich immer wieder Anfälle von Brechreiz und in meinem Hinterkopf dämmerte es, warum ich mir eigentlich keine Berichte über Schweden mehr im deutschen Fernsehen ansehen wollte. Das einzig legitime Fernsehprogramm, auch für Aus-/Einwanderer, ist meiner Meinung nach Inga Lindström ;-)
Nun aber zu meiner 'Filmkritik':
1. Man erfährt über Frau Van den Boom gleich zu Beginn, dass sie Autorin von Beruf ist und Schweden ihr Lieblingsland ist! Da kann man wohl schon kaum mehr eine objektive Reportage für einen öffentlich-rechtlichen Sender machen.
2. Die Reportage wurde natürlich im Sommer gemacht, vermutlich während der 20 Tage im Juli, an denen ausnahmsweise die Sonne scheint und Frau Van den Boom an Seen stehen bleiben kann und verzückt Handyfotos knipsen kann. Warum war sie nochmal in Schweden unterwegs?!
3. Frau Van den Boom oder auch die Redaktion haben sich ausschließlich Betriebe in der freien Wirtschaft ausgesucht, junge Startups, oft im IT-Bereich. Da frage ich mich schon, was ist mit den Angestellten an Schulen, Krankenhäusern, in den Kommunen und anderen öffentlichen Bereichen? Tanzen auch die Müllmänner, Straßenkehrer und Milchbauern morgens? Wenn man hier so glücklich arbeitet, warum haben gerade über 20 Hebammen und Kinderkrankenschwestern am Krankenhaus in Helsingborg gekündigt? Warum gehören Grundschullehrerinnen mit 45 Stunden/Woche und Aufgaben, die weit über den 'Lehrauftrag' hinausgehen neben Krankenschwestern zur Risikogruppe Nr. 1 für Burnout?
4. Die vorgestellten Betriebe sind alle in der Ballungsregion Südschweden angesiedelt, immer in Großstadtnähe. Was ist mit den Arbeitnehmern im Nordland? Wie glücklich ist man, wenn die Arbeitsplätze aus der Region verschwinden? Wie glücklich ist man, wenn man über eine Stunde einfach in Schnee und Dunkelheit pendeln muss, oder schließlich doch wegziehen muss, was das Land weiter entvölkert?! Warum wird im Moment in den schwedischen Medien diskutiert, ob das Norrland die neue Kolonie Südschwedens ist, das man zur vermeintlich umweltfreundlichen Stromgewinnung ausbeutet, Krankenhäuser, Schulen und anderer Service wird aber abgezogen werden?!
5. Bei ihrer Frage an Schweden gleich zu Beginn, ob sie glücklich seien, antwortet ein älterer Herr: "Wir haben gelernt zu antworten, dass wir glücklich sind. Aber es sind wohl nur wenige." Auf diese eine authentische Antwort wird aber nicht weiter eingegangen, sondern Frau Van den Boom sucht gleich weiter nach glücklichen Arbeitnehmern. Psychische Erkrankungen, Winterdepression und anderes, was in Schweden durchaus sehr häufig ist, durch alle Alters- und Gesellschaftschichten hindurch, wird nicht mit einem Wort erwähnt.
6. "Schweden ist das beste Land um Familie und Arbeitsleben zu vereinbaren". Das stimmt natürlich, wenn man sich dem nationalen Diktat unterwirft, das Kind ab 1 1/2 - 2 Jahren täglich bis zu 8 oder 9 Stunden in eine Krippe zu geben, in der vorallem unausgebildete Kräfte arbeiten (weil Frauenberufe im sozialen Bereich so grottenschlecht bezahlt werden, dass dort vorallem Studenten, Migrantinnen oder Pensionisten arbeiten, die nebenher jobben... Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber die Schweden sind was Schule und Kindergarten angeht ziemlich leicht zufrieden zu stellen, hauptsache, das Kind hat Spaß (auch besonders wichtig in der Schule!) und ist verwahrt und bekommt eine warme Mahlzeit am Tag auf Steuerkosten). Was ist aber mit den Familien, in denen jemand länger zu Hause bleiben möchte? Was ist mit denen, die ihre Kinder gerne selbst erziehen möchten? Da hat der Staat schon einen Riegel vorgeschoben, indem es kein Ehegattensplitting oder Partnerrente gibt, und will man (oft als Frau mit niedrigerem Einkommen) nicht in der Altersarmutsfalle landen, muss man früh wieder arbeiten und in die eigene Versorgung einzahlen.
7. Vielleicht hat der/die normale schwedische Angestellte in einem Betrieb auch tatsächlich weniger Stress, dafür wartet dann aber der Kunde schon mal Wochen/Monate auf sein Produkt oder die Bearbeitung der Anfrage (oder Stunden auf die Bedienung im Geschäft). Schweden ist eine Service-Wüste! Wer in den deutschsprachigen Ländern jammert, sollte mal in Schweden sein Glück versuchen...
usw.
Mein Fazit: Das war die schlechteste, verdrehteste Doku seit Langem und ich hoffe, dass ganz viele, die das gesehen haben, ihren eigenen Kopf benutzen und sich Gedanken machen, ob das wirklich so sein kann. Flacher Journalismus, der nur einmal wieder das Bullerbü-Klischee bedient, und der schwedische Tourismus-Verband lacht sich krank über die doofen Deutschen, die gratis Werbung zur besten Sendezeit machen und weiter Geld in den südschwedischen Tourismus spülen. Ich bin mir sicher, dass man auch unter deutschen Startups so innovative Betriebe findet, vielleicht in Berlin oder München, aber da hätte Frau Van der Boom ja nicht nach Schweden reisen können. Wie sagte eine Freundin von mir?! "Schreib "schwedisch" drauf und du kannst es in Deutschland für den vierfachen Preis verkaufen..." und da ist wohl was dran, auch was Berichterstattung und Information betrifft.
Liebe Jana (und liebe andere Leserinnen), ich hoffe, meine Filmkritik konnte ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und zum Nachdenken anregen. Ich will Schweden nicht schlecht machen, aber ich wünsche mir ein realistischeres Bild von dem Land, das nur ein Land wie alle anderen ist (mit Rüstungsindustrie, Landflucht, immer noch schlechteren Arbeitsbedingungen von Frauen, Rassismus usw.). Schweden hat nur das Glück mit Projektionen und Wunschvorstellungen aufgeladen/überlagert zu sein und profitiert immens von diesem Image. Und für mich ist es extrem anstrengend, immer alles richtig stellen zu müssen...
Diese Filmkritik war aber ein Vergnügen zu schreiben (wenn man vom Brechreiz beim Dokuschauen mal absieht) und war wohl wirklich notwendig. Lies weiterhin gerne Astrid-Lindgren-Bücher oder schau auch gerne Inga Lindström-Filme, da weiß man, dass es erfundene Geschichten vor einer schönen Kulisse sind, aber glaub nicht an die modernen Schweden-Märchen, da ist meistens was faul.
p.s.: Bücher von Frau Van den Boom würde ich mir wirklich nicht kaufen!
Nun aber zu meiner 'Filmkritik':
1. Man erfährt über Frau Van den Boom gleich zu Beginn, dass sie Autorin von Beruf ist und Schweden ihr Lieblingsland ist! Da kann man wohl schon kaum mehr eine objektive Reportage für einen öffentlich-rechtlichen Sender machen.
2. Die Reportage wurde natürlich im Sommer gemacht, vermutlich während der 20 Tage im Juli, an denen ausnahmsweise die Sonne scheint und Frau Van den Boom an Seen stehen bleiben kann und verzückt Handyfotos knipsen kann. Warum war sie nochmal in Schweden unterwegs?!
3. Frau Van den Boom oder auch die Redaktion haben sich ausschließlich Betriebe in der freien Wirtschaft ausgesucht, junge Startups, oft im IT-Bereich. Da frage ich mich schon, was ist mit den Angestellten an Schulen, Krankenhäusern, in den Kommunen und anderen öffentlichen Bereichen? Tanzen auch die Müllmänner, Straßenkehrer und Milchbauern morgens? Wenn man hier so glücklich arbeitet, warum haben gerade über 20 Hebammen und Kinderkrankenschwestern am Krankenhaus in Helsingborg gekündigt? Warum gehören Grundschullehrerinnen mit 45 Stunden/Woche und Aufgaben, die weit über den 'Lehrauftrag' hinausgehen neben Krankenschwestern zur Risikogruppe Nr. 1 für Burnout?
4. Die vorgestellten Betriebe sind alle in der Ballungsregion Südschweden angesiedelt, immer in Großstadtnähe. Was ist mit den Arbeitnehmern im Nordland? Wie glücklich ist man, wenn die Arbeitsplätze aus der Region verschwinden? Wie glücklich ist man, wenn man über eine Stunde einfach in Schnee und Dunkelheit pendeln muss, oder schließlich doch wegziehen muss, was das Land weiter entvölkert?! Warum wird im Moment in den schwedischen Medien diskutiert, ob das Norrland die neue Kolonie Südschwedens ist, das man zur vermeintlich umweltfreundlichen Stromgewinnung ausbeutet, Krankenhäuser, Schulen und anderer Service wird aber abgezogen werden?!
5. Bei ihrer Frage an Schweden gleich zu Beginn, ob sie glücklich seien, antwortet ein älterer Herr: "Wir haben gelernt zu antworten, dass wir glücklich sind. Aber es sind wohl nur wenige." Auf diese eine authentische Antwort wird aber nicht weiter eingegangen, sondern Frau Van den Boom sucht gleich weiter nach glücklichen Arbeitnehmern. Psychische Erkrankungen, Winterdepression und anderes, was in Schweden durchaus sehr häufig ist, durch alle Alters- und Gesellschaftschichten hindurch, wird nicht mit einem Wort erwähnt.
6. "Schweden ist das beste Land um Familie und Arbeitsleben zu vereinbaren". Das stimmt natürlich, wenn man sich dem nationalen Diktat unterwirft, das Kind ab 1 1/2 - 2 Jahren täglich bis zu 8 oder 9 Stunden in eine Krippe zu geben, in der vorallem unausgebildete Kräfte arbeiten (weil Frauenberufe im sozialen Bereich so grottenschlecht bezahlt werden, dass dort vorallem Studenten, Migrantinnen oder Pensionisten arbeiten, die nebenher jobben... Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber die Schweden sind was Schule und Kindergarten angeht ziemlich leicht zufrieden zu stellen, hauptsache, das Kind hat Spaß (auch besonders wichtig in der Schule!) und ist verwahrt und bekommt eine warme Mahlzeit am Tag auf Steuerkosten). Was ist aber mit den Familien, in denen jemand länger zu Hause bleiben möchte? Was ist mit denen, die ihre Kinder gerne selbst erziehen möchten? Da hat der Staat schon einen Riegel vorgeschoben, indem es kein Ehegattensplitting oder Partnerrente gibt, und will man (oft als Frau mit niedrigerem Einkommen) nicht in der Altersarmutsfalle landen, muss man früh wieder arbeiten und in die eigene Versorgung einzahlen.
7. Vielleicht hat der/die normale schwedische Angestellte in einem Betrieb auch tatsächlich weniger Stress, dafür wartet dann aber der Kunde schon mal Wochen/Monate auf sein Produkt oder die Bearbeitung der Anfrage (oder Stunden auf die Bedienung im Geschäft). Schweden ist eine Service-Wüste! Wer in den deutschsprachigen Ländern jammert, sollte mal in Schweden sein Glück versuchen...
usw.
Mein Fazit: Das war die schlechteste, verdrehteste Doku seit Langem und ich hoffe, dass ganz viele, die das gesehen haben, ihren eigenen Kopf benutzen und sich Gedanken machen, ob das wirklich so sein kann. Flacher Journalismus, der nur einmal wieder das Bullerbü-Klischee bedient, und der schwedische Tourismus-Verband lacht sich krank über die doofen Deutschen, die gratis Werbung zur besten Sendezeit machen und weiter Geld in den südschwedischen Tourismus spülen. Ich bin mir sicher, dass man auch unter deutschen Startups so innovative Betriebe findet, vielleicht in Berlin oder München, aber da hätte Frau Van der Boom ja nicht nach Schweden reisen können. Wie sagte eine Freundin von mir?! "Schreib "schwedisch" drauf und du kannst es in Deutschland für den vierfachen Preis verkaufen..." und da ist wohl was dran, auch was Berichterstattung und Information betrifft.
Liebe Jana (und liebe andere Leserinnen), ich hoffe, meine Filmkritik konnte ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und zum Nachdenken anregen. Ich will Schweden nicht schlecht machen, aber ich wünsche mir ein realistischeres Bild von dem Land, das nur ein Land wie alle anderen ist (mit Rüstungsindustrie, Landflucht, immer noch schlechteren Arbeitsbedingungen von Frauen, Rassismus usw.). Schweden hat nur das Glück mit Projektionen und Wunschvorstellungen aufgeladen/überlagert zu sein und profitiert immens von diesem Image. Und für mich ist es extrem anstrengend, immer alles richtig stellen zu müssen...
Diese Filmkritik war aber ein Vergnügen zu schreiben (wenn man vom Brechreiz beim Dokuschauen mal absieht) und war wohl wirklich notwendig. Lies weiterhin gerne Astrid-Lindgren-Bücher oder schau auch gerne Inga Lindström-Filme, da weiß man, dass es erfundene Geschichten vor einer schönen Kulisse sind, aber glaub nicht an die modernen Schweden-Märchen, da ist meistens was faul.
p.s.: Bücher von Frau Van den Boom würde ich mir wirklich nicht kaufen!
Sonntag, 21. Februar 2016
Sonntagsfreude 5/2016: Die Zulassung ist da!
Am Sonntag
einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die
ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung
schlicht und einfach eine
Sonntagsfreude sind :)
Fast 16 Monate und einen Widerspruch samt 1500 Kronen Bearbeitungsgebühr später ist sie einfach so da: Meine Zulassung als schwedische Lehrerin - für alle von mir erworbenen und angestrebten Fächer. Einfach so. Ich kann es immer noch nicht fassen. Alle (beruflichen) Existenzängste scheinen plötzlich unnötig und substanzlos gewesen, doch die lange Zeit, in der ich gebangt, geflucht, gehadert habe, hat ihre Spuren hinterlassen. Es muss erst langsam sitzen und ins Bewusstsein vordringen: Ich bin eine zugelassene, staatlich geprüfte schwedische Grundschullehrerin für die Jahrgangsstufen 1-6 mit den Fächern Deutsch, Schwedisch, Mathe und SO (eine Fächerkombination aus Religion, Geschichte, Erdkunde und Sozialkunde)!!! RIESENSONNTAGSFREUDE!
Montag, 15. Juni 2015
Bunte Grüße - Zum letzten Mal (3)
Zum letzten Mal ein Besuch im Botanischen Garten (Bergianska Trädgården) hier in Stockholm. Wir waren als große Lehrergruppe da, um gemeinsam das Schuljahr zu beschließen. Auf einem Steg sitzend füllten wir verschiedene Fragebögen aus, holten uns teilweise den ersten Sonnenbrand des Jahres und picknickten bevor die Chefin die Ruheständler und mich verabschiedete. Zum letzten Mal mit den Kollegen, zum letzten Mal im Botanischen Garten. Ich bin irgendwie nicht so erleichtert, wie ich dachte, dass ich sein würde, wenn diese stressige Sprachzentrumszeit endlich vorüber ist. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass sich noch nichts Neues ergeben hat, dass vielleicht die Zeit für was Neues noch nicht reif ist, dass ich vielleicht noch mal anders denken muss. Den Botanischen Garten, so schön am Brunnsviken gelegen, werde ich ein bisschen vermissen, aber in Göteborg wartet ja schon das Palmenhaus ;-)
Samstag, 30. Mai 2015
Diese Woche
![]() |
| Mittsommerkleid und Abschiedsbriefe für die Schüle |
- war die vorletzte ganze Schulwoche. Leider ist das Wetter noch "vorsommerlich", das Sommerferiengefühl lässt noch auf sich warten.
- habe ich eine Menge Abschiede vorbereitet, die in den nächsten beiden Wochen anstehen: Briefe für die Schüler, Einladungen zu Abschiedsessen, Abschiedsgeschenke...
- geht es mir mit dem Thema Abschied nicht so richtig gut. Unterbewusst macht sich einiges bemerkbar, v.a. in psychosomatischen Wehwehchen.
- habe ich zudem die ersten Absagen auf Bewerbungen an Schulen in Göteborg bekommen. Dieses Ohnmachtsgefühl, als Einwanderin überqualifiziert und doch nicht gut genug zu sein, kommt wieder hoch. Also schreibe ich weiterhin Bewerbungen, wohl wissend, dass bald die in Schweden heiligen Sommerferien anstehen und dann erstmal wieder nichts mehr passiert. Geduld, Geduld...
- ging es in konkrete Verhandlungen bzgl. des Kredits/der Kredite für das Haus. Obwohl Schweden eines der meist verschuldeten Länder ist (privatökonomisch gesehen, nur mehr japanische Haushalte sind so hoch verschuldet) und wir total absurde Angebote bekamen, konnten wir doch ein eher solides "deutsches" ;-) Modell aufstellen. Da wäre es aber trotzdem gut, wenn ich auch ein Einkommen hätte
- machte ich mir auch konkrete Gedanken über mein Mittsommerkleid - auch kein unwichtiges Thema! :-) Der Stoff ist gekauft und vorgewaschen, der Schnitt ausgesucht: Dieses Jahr wird es bunt und retro...
![]() |
| von oben links: Panierter Fenchel mit Joghurtsoße, Adressänderungskarten, Restesushi mit Sommersalaten, Stempel |
- hatten wir am Montag keinen Feiertag und auch keine Ferien. Da kommt es leider manchmal zu Missverständnissen mit den Lieben in Deutschland, warum wer wann nicht erreichbar ist oder schon
- gab es viel zu oft Pasta, Pesto oder eine Soße aus dem Gefrierfach. Mich nervt das, wenn es nur einseitiges Essen gibt, aber manchmal ist das eben so. Dafür gab es am Montag leckeren panierten Bio-Fenchel und gestern am Freitag gab es 'falsches' Sushi mit Lachsresten und Sommersalaten. Das Rezept für meinen Lieblingssommersalat verrate ich euch nächste Woche :-)
- kamen über 70 Adressänderungskarten an, die ich mit dem Bild des Hauses vorne drauf bestellt hatte. Nun müssen die noch irgendwann verschickt werden...
- ... ist auch noch nicht vorbei: Heute will ich noch einige Sachen abarbeiten, die ich euch hoffentlich nächste Woche zeigen kann! Hier ist heute der Stockholm Marathon und viel Regen ist angekündigt, perfekt um sich mal wieder am Nähtisch zu verkriechen...
Samstag, 11. April 2015
Warum ich so kritisch über Schweden schreibe
Manchmal bekomme ich ziemlich enttäuschte, verwunderte oder auch verärgerte Kommentare und e-mails - warum ich denn immer so kritisch und negativ über Schweden schreibe
Hier eine kurze Antwort: Meiner Meinung nach ist im deutschsprachigen Bereich jede positive Werbung für Schweden mehr als überflüssig.
Ich kenne kein Land außer Schweden, von dem fast jede und jeder eine derart ungeteilte positive Auffassung hat, die aber zu 95% auf Astrid Lindgren, Inga Lindström, Abba und eigenen wunderschönen Urlaubserlebnissen beruht.
Sicherlich überzeichne ich manchmal ein bisschen, aber ich wünsche mir grundsätzlich ein differenzierteres Bild von der Deutschen Traumland Nr 1. Dazu will ich mit meinen kritischen, kuriosen und manchmal auch einfach negativen Berichten beitragen. Denn, das Leben ist kein Bullerbü und gerade vor schönster Kulisse tragen sich bei näherer Betrachtung die absurdesten Gegebenheiten zu.
Ich will niemandem seine Vorstellung von Schweden madig machen, aber ich wünsche mir eine Reflektion, von der Schweden meiner Meinung nach irgendwie ausgeschlossen wird. Man sagt ja oft: Frankreich ist wunderschön, aber die rechten Kräfte dort sind schon bedenklich. Ich reise gerne in die USA, aber dort Leben möchte ich aus verschiedenen Gründen nicht. Italien ist ja wirklich fantastisch, aber dass die so jemanden wie den Berlusconi wählen ist schon erstaunlich...
Mein Eindruck ist, dass man von Schweden auch vieles nicht wissen will, man will an einem Bild aus eigenen Kindertagen aus einem Kinderbuch - unterstützt von Landschaftsbildern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen - festhalten, auch wenn es in dem Land nur halb so idyllisch zu geht.
Wie glücklich oder unglücklich ich hier im Heimatland meines Mannes bin, lässt sich an diesen Berichten kaum messen. Wie alle Menschen, egal wo sie wohnen, bin ich mal glücklicher und mal unglücklicher. Dass ein Neustart in einem fremden Land und eine ungewollte Kinderlosigkeit es manchmal schwerer machen, kann ich nicht verleugnen. Müsste ich aber in Deutschland zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren umziehen und eine neue Arbeitsstelle finden, würde ich mir auch darüber Gedanken und Sorgen machen. Das hat nichts damit zu tun, ob man nun snust, übermäßig Zucker konsumiert oder eine Generation hoch verschuldet ist.
Ich wünsche mir, dass man die beiden Aspekte auseinander halten kann und dass man Schweden die Chance gibt, als richtiges Land betrachtet zu werden und nicht nur als Spielfilmkulisse.
Hier eine kurze Antwort: Meiner Meinung nach ist im deutschsprachigen Bereich jede positive Werbung für Schweden mehr als überflüssig.
Ich kenne kein Land außer Schweden, von dem fast jede und jeder eine derart ungeteilte positive Auffassung hat, die aber zu 95% auf Astrid Lindgren, Inga Lindström, Abba und eigenen wunderschönen Urlaubserlebnissen beruht.
Sicherlich überzeichne ich manchmal ein bisschen, aber ich wünsche mir grundsätzlich ein differenzierteres Bild von der Deutschen Traumland Nr 1. Dazu will ich mit meinen kritischen, kuriosen und manchmal auch einfach negativen Berichten beitragen. Denn, das Leben ist kein Bullerbü und gerade vor schönster Kulisse tragen sich bei näherer Betrachtung die absurdesten Gegebenheiten zu.
Ich will niemandem seine Vorstellung von Schweden madig machen, aber ich wünsche mir eine Reflektion, von der Schweden meiner Meinung nach irgendwie ausgeschlossen wird. Man sagt ja oft: Frankreich ist wunderschön, aber die rechten Kräfte dort sind schon bedenklich. Ich reise gerne in die USA, aber dort Leben möchte ich aus verschiedenen Gründen nicht. Italien ist ja wirklich fantastisch, aber dass die so jemanden wie den Berlusconi wählen ist schon erstaunlich...
Mein Eindruck ist, dass man von Schweden auch vieles nicht wissen will, man will an einem Bild aus eigenen Kindertagen aus einem Kinderbuch - unterstützt von Landschaftsbildern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen - festhalten, auch wenn es in dem Land nur halb so idyllisch zu geht.
Wie glücklich oder unglücklich ich hier im Heimatland meines Mannes bin, lässt sich an diesen Berichten kaum messen. Wie alle Menschen, egal wo sie wohnen, bin ich mal glücklicher und mal unglücklicher. Dass ein Neustart in einem fremden Land und eine ungewollte Kinderlosigkeit es manchmal schwerer machen, kann ich nicht verleugnen. Müsste ich aber in Deutschland zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren umziehen und eine neue Arbeitsstelle finden, würde ich mir auch darüber Gedanken und Sorgen machen. Das hat nichts damit zu tun, ob man nun snust, übermäßig Zucker konsumiert oder eine Generation hoch verschuldet ist.
Ich wünsche mir, dass man die beiden Aspekte auseinander halten kann und dass man Schweden die Chance gibt, als richtiges Land betrachtet zu werden und nicht nur als Spielfilmkulisse.
Freitag, 23. Januar 2015
Der kleine kulturelle Unterschied
Neulich fiel ich aus allen Wolken: Das Schwein (und der Fliegenpilz und der Kaminkehrer sind/) ist kein Glückssymbol in Schweden!!!
Weihnachtliche Marzipan- und Pfefferkuchenschweine vertreten lediglich den Weihnachtsschinken und Schwein ist ein Schimpfwort, aber sonst - nix! Naiv wie ich bin, dachte ich zumindest, dass es doch in Nord- und Zentraleuropa einen Konsens über Glückssymbole geben müsste. Mein Mann hat mich herzlich ausgelacht...
... und jetzt verstehe ich auch die Kicheranfälle meiner SchülerInnen. Wieder was gelernt und in Zukunft gibts nur noch Kleeblätter (und keine süßen Schweinchen mehr, oder gehäkelte Glückspilze... pfff, jeder wie er es verdient...) ;-)
Weihnachtliche Marzipan- und Pfefferkuchenschweine vertreten lediglich den Weihnachtsschinken und Schwein ist ein Schimpfwort, aber sonst - nix! Naiv wie ich bin, dachte ich zumindest, dass es doch in Nord- und Zentraleuropa einen Konsens über Glückssymbole geben müsste. Mein Mann hat mich herzlich ausgelacht...
... und jetzt verstehe ich auch die Kicheranfälle meiner SchülerInnen. Wieder was gelernt und in Zukunft gibts nur noch Kleeblätter (und keine süßen Schweinchen mehr, oder gehäkelte Glückspilze... pfff, jeder wie er es verdient...) ;-)
Montag, 4. August 2014
M wie Montag
... und Migrationsverket
Heute habe ich mal wieder die Einwanderungsbehörde aufgesucht. Nachdem wir schon am ersten zulässigen Tag das Gesuch für eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis eingeschickt haben, bekam ich am Freitag eine e-mail, dass das Gesuch bearbeitet wurde. In der e-mail stand aber nicht, wie die Entscheidung ausgefallen ist (ich gehe mal von positiv aus). Jedenfalls muss man sich dann um einen Termin auf der Behörde bemühen, damit man dort die Fingerabdrücke abgeben kann und fotografiert wird - für die Aufenthaltserlaubniskarte. Ich habe noch das Sommerloch genutzt und kurzfristig einen freien Termin wahrgenommen, bevor dann an Mitte August wieder alles länger dauert.
Die Wartezeit habe ich mit Sticken für den Gästebucheintrag verbracht und dabei interessante Beobachtungen gemacht, die meiner Meinung nach symptomatisch für diese Behörde sind: Ein junger Mann mit kaum Schwedischkenntnissen wollte ein Ausweisdokument abholen und hatte die Gebühr in Bargeld dabei. Auf dem Migrationsverket kann man aber nur mit Karte zahlen - und dazu muss man wissen, dass man in Schweden kein Konto ohne Personennummer eröffnen kann und diese erhält man wiederum erst vom Skatteverket wenn alle Dokumente vom Migrationsverket vollständig sind... Eine Frau, die schneller reagiert hat, half ihm dann mit ihrer Bankkarte aus.
Eine Frau mit ihrer ca. 75-jährigen Mutter kamen nicht an die Reihe, weil die Nummer auf ihrem Nummernzettel einfach übersprungen wurde. Glücklicherweise konnte die Tochter gut schwedisch und machte auf sich aufmerksam, sonst würde die Mutter wohl am späten Nachmittag immer noch da sitzen und auf die 806 warten.
Wer die Sprache aber nicht ausreichend kann und/oder mit dem europäischen Behördenwesen nicht vertraut ist, der ist aufgeschmissen. Das ist keine Behörde, die für, sondern gegen die Menschen da ist*.
Ich bin überzeugt davon, dass es auf den deutschen/österreichischen/schweizer Einwanderungsbehörden auch nicht viel anders zu geht. Nur dort muss man als Einheimische/r in der Regel nicht hin. Der Umgang mit Menschen macht mich einfach betroffen. Ich will mich an diese Erlebnisse immer erinnern und meine Lehren daraus ziehen. Eigentlich, finde ich, dass jeder und jede einmal im Leben auf so ein Amt gehen sollte - denn was ich in letzter Zeit auch aus dem Mund von Gleichaltrigen hören musste ("Ich bin kein Rassist, aber...") macht mir auch Sorgen.
*Auf dem Migrationsverk kann eine Ausweisung schon auch mal mit Torte gefeiert werden, so wie zuletzt in den Medien von 2005.
Ich habe es jetzt jedenfalls zunächst wieder mal geschafft und warte nun auf die Post. Ein Kuriosum ist vielleicht noch, dass ein Online-Gesuch (setzt Zugang zu Computer, gutem Internet, Scanner und entsprechende Fertigkeiten voraus) innerhalb von 5 Tagen bearbeitet wird, für die Papierversion die Bearbeitungszeit bei 17 Monaten liegt. Die permanente Aufenthaltserlaubnis ist übrigens auch nicht permanent, sondern gilt nur für 5 Jahre...
Heute habe ich mal wieder die Einwanderungsbehörde aufgesucht. Nachdem wir schon am ersten zulässigen Tag das Gesuch für eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis eingeschickt haben, bekam ich am Freitag eine e-mail, dass das Gesuch bearbeitet wurde. In der e-mail stand aber nicht, wie die Entscheidung ausgefallen ist (ich gehe mal von positiv aus). Jedenfalls muss man sich dann um einen Termin auf der Behörde bemühen, damit man dort die Fingerabdrücke abgeben kann und fotografiert wird - für die Aufenthaltserlaubniskarte. Ich habe noch das Sommerloch genutzt und kurzfristig einen freien Termin wahrgenommen, bevor dann an Mitte August wieder alles länger dauert.
Die Wartezeit habe ich mit Sticken für den Gästebucheintrag verbracht und dabei interessante Beobachtungen gemacht, die meiner Meinung nach symptomatisch für diese Behörde sind: Ein junger Mann mit kaum Schwedischkenntnissen wollte ein Ausweisdokument abholen und hatte die Gebühr in Bargeld dabei. Auf dem Migrationsverket kann man aber nur mit Karte zahlen - und dazu muss man wissen, dass man in Schweden kein Konto ohne Personennummer eröffnen kann und diese erhält man wiederum erst vom Skatteverket wenn alle Dokumente vom Migrationsverket vollständig sind... Eine Frau, die schneller reagiert hat, half ihm dann mit ihrer Bankkarte aus.
Eine Frau mit ihrer ca. 75-jährigen Mutter kamen nicht an die Reihe, weil die Nummer auf ihrem Nummernzettel einfach übersprungen wurde. Glücklicherweise konnte die Tochter gut schwedisch und machte auf sich aufmerksam, sonst würde die Mutter wohl am späten Nachmittag immer noch da sitzen und auf die 806 warten.
Wer die Sprache aber nicht ausreichend kann und/oder mit dem europäischen Behördenwesen nicht vertraut ist, der ist aufgeschmissen. Das ist keine Behörde, die für, sondern gegen die Menschen da ist*.
Ich bin überzeugt davon, dass es auf den deutschen/österreichischen/schweizer Einwanderungsbehörden auch nicht viel anders zu geht. Nur dort muss man als Einheimische/r in der Regel nicht hin. Der Umgang mit Menschen macht mich einfach betroffen. Ich will mich an diese Erlebnisse immer erinnern und meine Lehren daraus ziehen. Eigentlich, finde ich, dass jeder und jede einmal im Leben auf so ein Amt gehen sollte - denn was ich in letzter Zeit auch aus dem Mund von Gleichaltrigen hören musste ("Ich bin kein Rassist, aber...") macht mir auch Sorgen.
*Auf dem Migrationsverk kann eine Ausweisung schon auch mal mit Torte gefeiert werden, so wie zuletzt in den Medien von 2005.
Ich habe es jetzt jedenfalls zunächst wieder mal geschafft und warte nun auf die Post. Ein Kuriosum ist vielleicht noch, dass ein Online-Gesuch (setzt Zugang zu Computer, gutem Internet, Scanner und entsprechende Fertigkeiten voraus) innerhalb von 5 Tagen bearbeitet wird, für die Papierversion die Bearbeitungszeit bei 17 Monaten liegt. Die permanente Aufenthaltserlaubnis ist übrigens auch nicht permanent, sondern gilt nur für 5 Jahre...
Samstag, 15. März 2014
Der Weg zum (Traum-)Haus Teil 1
Wenn mich vor 10 Jahren jemand gefragt hätte, wie ich mir meine Wohnsituation in der Zukunft vorstelle, wäre vor meinem Inneren Auge zunächst ein altes Waidlerhaus aufgetaucht, dann ein Bio-Holz-Lehmhaus und auf Platz 47 vielleicht ein rotes Bullerbü-Haus mit viel Natur in Schweden. Nun ja, jetzt wohne ich ja schon mal in Schweden und die Varianten 1-46 sind auf die hinteren Plätze gerutscht - immer noch Wunsch, aber deutlich unrealistischer.
Ich habe es ja schon mehrmals anklingen lassen, dass mich unsere Wohnsituation in der Großstadt zunehmend nervt: Sowohl die Lage mit U-Bahn und Stadtautobahn in 'Hörabstand' als auch die Beengtheit unserer Wohnung, in der mein Arbeitszimmer mit Schulsachen usw. in Kistern auf dem Boden steht. Also haben wir uns nun immer intensiver mit dem Gedanken einer Veränderung auseinander gesetzt: Die Finanzen kalkuliert, Wohngegenden 'analysiert' (Pendelmöglichkeiten nach Stockholm, Infrastruktur, Natur, Lärmbelastung usw.) und uns über den Verkauf unserer eigenen Wohnung Gedanken gemacht.
Da es in Stockholm + Großraum eigentlich keinen existierenden Mietmarkt gibt (und der existierende über jahrelange Wartelisten geregelt wird), werden Wohnungen und Häuser ge- und verkauft (mit entsprechenden Krediten/Verschuldungen). Das geschieht wiederum in 95% der Fälle über einen Makler, der in Schweden eine neutrale Zwischenperson ist und das Maklerwesen 3 Jahre an einer Hochschule studiert hat. Zudem muss man wissen, dass es in Schweden auch kaum Festpreise gibt, sondern (fast) alle Immobilienkäufe über ein Bietverfahren abgewickelt werden. Die Preise, die in den Anzeigen gezeigt werden, sind Ausgangspreise bzw. sog. Acceptpreise falls es nur einen Bieter gibt, was in Stockholm aber eigentlich nie vorkommt.
Nun mussten wir uns also einen Makler suchen und so haben wir uns für eine Maklerin einer Versicherungsgesellschaft entschieden. Meine Schwägerin hatte bereits gute Erfahrungen mit diesen Maklern gemacht. Nach einem Sondierungsgespräch vor zwei Wochen haben wir einen Vertrag mit ihr unterschrieben und nun war sie diese Woche zu einem (in Schweden) sehr wichtigen Termin da: Dem Fotografieren des Verkaufsobjekts mit einem professionellen Fotografen.
Mit Putzen allein ist es aber nicht getan, die Wohnung muss nämlich gestylt werden, so dass sie einen hellen, luftigen und großen Eindruck macht. Und das war das Mammutprojekt dieser Woche: In einer 12 Stundenaktion haben wir im Prinzip die halbe Wohnung ausgeräumt, Sachen in Kisten gepackt und in den Keller verfrachtet, Bücher nach Farben und Größe sortiert, die Blumen auf den Balkon gestellt und stattdessen zwei Orchideen hier einziehen lassen. Ein riesen Aufwand für eine halbe Stunde Fotoshooting. Man könnte sogar Sachen, die man für das Styling kauft, wieder von der Steuer absetzen - so gesellschaftlich etabliert ist dieses Stylen+Fotografieren für den Verkauf!
Nun ja, jetzt haben wir es geschafft, aber das Wiederauspacken machen wir langsam und nach Bedarf. Einstweilen wird der Alltag auch so funktionieren und wir wissen ja auch - sobald wir selbst ein Kaufobjekt gefunden haben, werden wir die Wohnung auf den Markt stellen und dann wird es zwei Visningar (Besichtigungen) geben, zu denen die Wohnung wieder "so wie auf den Fotos aussehen" muss...
Naja, ein Bullerbü-Haus wird es nun wohl auch nicht werden, die gibt es gar nicht so oft hier, wie man glaubt. Es wird wohl ein wahrscheinlich unökologisches, gelbes Steinhaus werden; es ist besser sich schon mal an diesen Gedanken zu gewöhnen. Und dann verblüfft es mich doch auch immer wieder, wie viele Kompromisse man im Leben macht, wie viele Wünsche und Träume man 'einfach so' aus pragmatischen Gründen aufgeben muss.
Nun sind wir aber zumindest auf dem Weg aus der Stadt... Ich werde weiter von unseren Abenteuern und meinen soziokulturellen Beobachtungen berichten. Hier lernt man wieder die Schweden von einer ganz anderen Seite kennen!
Ich habe es ja schon mehrmals anklingen lassen, dass mich unsere Wohnsituation in der Großstadt zunehmend nervt: Sowohl die Lage mit U-Bahn und Stadtautobahn in 'Hörabstand' als auch die Beengtheit unserer Wohnung, in der mein Arbeitszimmer mit Schulsachen usw. in Kistern auf dem Boden steht. Also haben wir uns nun immer intensiver mit dem Gedanken einer Veränderung auseinander gesetzt: Die Finanzen kalkuliert, Wohngegenden 'analysiert' (Pendelmöglichkeiten nach Stockholm, Infrastruktur, Natur, Lärmbelastung usw.) und uns über den Verkauf unserer eigenen Wohnung Gedanken gemacht.
| Styling für den Foto-Termin: Tulpen und Wand Ton in Ton |
Nun mussten wir uns also einen Makler suchen und so haben wir uns für eine Maklerin einer Versicherungsgesellschaft entschieden. Meine Schwägerin hatte bereits gute Erfahrungen mit diesen Maklern gemacht. Nach einem Sondierungsgespräch vor zwei Wochen haben wir einen Vertrag mit ihr unterschrieben und nun war sie diese Woche zu einem (in Schweden) sehr wichtigen Termin da: Dem Fotografieren des Verkaufsobjekts mit einem professionellen Fotografen.
| Das Wohnzimmerfenster: "ljust och fräscht" - hell und frisch, das schwedische Einrichtungsmantra |
Nun ja, jetzt haben wir es geschafft, aber das Wiederauspacken machen wir langsam und nach Bedarf. Einstweilen wird der Alltag auch so funktionieren und wir wissen ja auch - sobald wir selbst ein Kaufobjekt gefunden haben, werden wir die Wohnung auf den Markt stellen und dann wird es zwei Visningar (Besichtigungen) geben, zu denen die Wohnung wieder "so wie auf den Fotos aussehen" muss...
| Nachdem das Bad fotografiert war, wurden alle Papiertaschen mit Büchern und wichtigen Dokumenten ins Bad verfrachtet. Daraus haben wir sie aber schon wieder entfernt ;) |
| Das Bücherregal normal und "gestylt" |
| Abends durften die Geranien zurück vom Balkonausflug ins warme Wohnzimmer. Dabei habe ich gesehen, dass es höchste Zeit für eine Frühjahrskur mit Düngergaben ist - nächste Woche dann... |
Freitag, 14. Februar 2014
Eine Liebesgeschichte
Es waren einmal eine junge Frau und ein junger Mann, die verliebten sich ineinander. Wenn sie zusammen waren, hatten sie Schmetterlinge im Bauch, der Himmel war blauer und die Welt bunter. Keiner wollte mehr ohne den anderen sein und nach einiger Zeit fragte der junge Mann die junge Frau, ob sie ihn denn nicht heiraten möchte. Die Frau sagte ja.
So eine Geschichte
kennt wohl jede und jeder von uns. Es ist durchaus nichts Ungewöhnliches. Im
Gegenteil, es passiert ja immer wieder und auch heute am Valentinstag werden
sich viele (junge) Paare ihre Liebe gestehen und den Wunsch nach einer
gemeinsamen Zukunft bestätigen. Die oben begonnene Geschichte ist die meine.
Sie geht nämlich so weiter:
Der junge Mann küsste die Frau erleichtert, nachdem er
ihr ja gehört hatte und überreichte ihr – ein Kochbuch für umweltbewusstes
Kochen.
Ich muss heute
jedes Mal schmunzeln, wenn ich die Widmung im Kochbuch lese, die mir mein Mann
damals hinein geschrieben hat. Ein Ring kam erst ein paar Monate später – mit der
Post. Ja, und hier wird unsere Geschichte noch individueller. Mein Mann konnte
mir den Ring nicht einfach so geben, er musste ihn schicken, wenn er nicht noch
länger hätte warten wollen. 2000 km lagen zwischen unseren Wohnorten, wir kamen
aus zwei verschiedenen Welten und Kulturen. Wir versuchten uns ungefähr alle
sechs Wochen zu sehen und das war nur möglich, weil ich noch studierte und mein
Mann an seiner Doktorarbeit arbeitete. Viel Geld ging für unsere Reisen drauf
und die restliche Zeit überbrückten wir mit Skype. Vermutlich kommen meine sehr
guten Schwedisch-Kenntnisse aus dieser Zeit, denn alles, was ich an Emotionen
nicht unmittelbar zeigen konnte, musste ich mündlich ausdrücken. Nicht wenige
hielten unsere Beziehung für ein ‚Souvenir‘ aus meinem Austauschjahr, nicht
wenige glaubten, dass das nichts auf Dauer wird. Aber die Zeit verging und
wir trennten uns nicht. 2011, nach meinem Staatsexamen, war der Punkt an dem
wir den Schritt wagten: Wir ziehen zusammen. Jedoch nicht in Schweden und nicht
in Deutschland, sondern in den USA. Wir hatten beide dort berufliche
Möglichkeiten, aber meine Zusage war – im Nachhinein betrachtet – mehr als ein
Kompromiss. Ich wollte so gerne mit diesem Mann zusammen wohnen, zumindest doch
einmal eine ‚normale Beziehung‘ auszuprobieren. Also habe ich zugesagt, eine
andere Alternative sahen wir, sah ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Dabei habe ich
so viel von mir und meinem Leben aufgegeben, dass mir heute noch ganz schlecht
dabei wird. Mein Mann hat das nie von mir verlangt, ich muss zugeben, dass ich
die treibende Kraft war: Mich lockte der Gedanke, dass wir beide dort fremd
sind, keiner hat einen kulturellen, sprachlichen Vorteil. Dieses Jahr in den
USA war für mich aber ein Albtraum. Viele meiner Ängste und negativen
Verhaltensänderungen kommen immer noch aus dieser Zeit. Ich hoffe, dass ich sie
mit der Zeit ablegen kann.
Aber es war
natürlich auch ein wichtiges Jahr für uns. Vieles konnten wir entdecken,
ausloten, uns aneinander reiben, näher zusammen wachsen. Beispielsweise wurde
mir/uns mehr als deutlich, dass 3 Kulturen eine zu viel sind. Die Sprache,
soziale Kontakte und andere Kleinigkeiten wurden zu einem grauen Mischmasch und
jeder hatte das Gefühl sich zu verlieren. An Weihnachten sind wir nach Europa
geflogen, bis Zürich gemeinsam, dann er nach Schweden und ich nach Bayern. Nach
dem getrennten Weihnachten war uns klar: So geht es nicht weiter. Wir müssen
einen anderen Kompromiss finden, einen trag- und lebbaren Kompromiss.
Wir schrieben
Listen und wogen ab. Die Waage schlug aus verschiedenen Gründen zugunsten von Schweden
aus. Der Anfang in Schweden war hart. Es war anders als in den USA, aber auch
schwierig. Noch dazu, weil mein Mann immer wieder für mehrere Wochen auch
weiterhin in die USA musste. Ich kam an meine psychische Belastungsgrenze:
Allein einen Neuanfang starten, im Land des Partners, der nicht da ist. Wenn
mein Mann in Stockholm war, haben wir oft bis aufs Messer gestritten. Ich
fühlte mich so unverstanden, so unglücklich, so einsam. Ich gab ihm an vielem
die Schuld. Schließlich war es ja sein Land, seine Landsleute und er, der
Schuft, lies mich allein.
Ich hatte die
psychologische Seite der Zeit unterschätzt: In meinem Auslandsjahr war Schweden
ein tolles Land, ich reiste auch viel in die benachbarten skandinavischen Länder.
Es war toll, weil ich wusste, im August kommen meine Eltern mit dem Auto, wir
packen alles ein und ich fahre wieder nach Hause – heim. Bei meinem Umzug 2012
gab es plötzlich kein Enddatum mehr. Niemand würde kommen und mich wieder
holen. Daheim ist plötzlich 2000 km weit weg, der neue Ort nur ein Zuhause,
aber kein Daheim.
In dieser Zeit
bekam ich liebe Briefe von einer Verwandten. Sie berichtete mir darin, wie sie
von daheim auf den Hof ihres Mannes etwa 30 km weiter weg zog und wieviel
Heimweh sie hatte. Es war tröstlich das zu lesen. Es gab mir Mut, in dieser
zehrenden Phase nicht alles hinzuwerfen. Heimweh, das kann man wohl immer
haben. Und an der Sprache, dem gegenseitigen kulturellen Verständnis, der
Integration, an all dem kann man arbeiten.
Seit einem guten
halben Jahr ist mein Mann nun dauerhaft in Schweden, keine langen Dienstreisen
mehr. Seit einem halben Jahr habe ich hier eine Arbeit. Es wird langsam besser.
Es wäre aber eine Lüge, wenn ich hier schreiben würde, es ist nun alles gut. Meine
Ängste, die viel vom Alleinsein in der Fremde handeln, die sind noch da. Und
manchmal gibt es auch noch den einen oder anderen großen Streit – der groß
wird, weil die Worte fehlen, weil es ein sprachliches oder kulturelles
Missverständnis gibt, das wir nicht gleich durchschauen. Hinterher können wir
zum Glück wieder darüber lachen.
Vor einiger Zeit
hat mich eine Freundin gefragt, ob ich es noch einmal tun würde. Ja und Nein.
Für meinen Mann, ja, für den würde ich es wieder tun. Jeden Tag weiß ich, dass
wir auf dem richtigen Weg gemeinsam unterwegs sind. Und nein, denn zum jetzigen
Zeitpunkt hätte ich nicht noch einmal die Kraft, irgendwo neu anzufangen. Oft
habe ich mit mir gehadert, warum musste es mir ‚passieren‘, warum fand sich
kein passender Mann in meiner Heimatregion?! Aber es ist wohl einfach so. Die
Liebe kann man oft nicht erklären. Warum fand meine Verwandte keinen Mann im
Heimatdorf, sondern erst 30 km weiter weg? Aus dem gleichen Grund. Die Liebe
ist nicht erklärbar, sie geht ihren eigenen Weg.
Unser Weg war vor
allem am Anfang ein Klettersteig mit Abgründen zu beiden Seiten. Jetzt sind wir
immerhin schon ziemlich trittsicher geworden und eine eingeschworene
Seilschaft. Wer aber glaubt, dass es besonders romantisch wäre, für einen
Partner in ein anderes Land zu ziehen, den muss ich hier enttäuschen. Es ist
ein Kompromiss. Nicht mehr und nicht weniger.
Was mir aber oft
sehr weh tut, das sind die Reaktionen von Außenstehenden. Unverständnis, wie
ich denn meine Familie so im Stich lassen kann. Irritation, wenn ich von Schwierigkeiten
berichte. Als ich an Weihnachten hier am Blog von meinem ersten schwedischen
Weihnachtsfest berichtete, schrieb ein anonymer Kommentator: „Geh doch zurück
nach Bayern!“. Würde man jemanden, der von der Andersartigkeit seiner
Schwiegerfamilie innerhalb eines Landes berichtet, auch raten, den Partner zu
verlassen und zu den Eltern zurück zu ziehen?! Das hat mir unheimlich wehgetan.
Es ist eine
Liebesgeschichte, die mich hier nach Schweden gebracht hat. Der Wohnort ist ein
Kompromiss, unsere Liebe aber eindeutig nicht. Und sie ist es wert, dass wir
daran arbeiten, dass der Kompromiss tragbar und lebbar bleibt.
Samstag, 8. Februar 2014
Mein Rücken
Wie ich es hier vor fast zwei Wochen schon angedeutet habe, ist der Rücken im Moment mein Sorgenkind. Die Entzündungen in und um den Mund habe ich mit fleißigem Salbeitee-Gurgeln vertrieben, aber die Rückenschmerzen, bzw. v.a. Schulter und Nacken bleiben. Dabei ist es im Moment kein Wunder, merke ich doch selbst, was mich alles belastet, was alles auf meinen Schultern liegt. Der Dauerstress mit der schlechten Vereinbarkeit des Mathekurses und der Schule, v.a. wenn es dann noch Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr gibt. Ich merke wie ich immer dünnhäutiger werde. Der andauernde Baulärm und die allfreitäglichen Partys bei unseren (neuen) Nachbarn erzeugen Ohrenrauschen und Unwohlsein. Die Schultern sind die ganze Nacht angezogen, morgens wache ich mit steifem Nacken auf. Die viele freiwillige (Bloggerland, e-mails) und unfreiwillige (Schule, Uni) Computerzeit trägt sein übriges dazu bei.
Da wir keine Badewanne haben (man muss schon froh sein, wenn man in unseren unbeheizten 2,5 m² nicht in der Dusche festfriert), ist die einzige Wärme-Entspannungsquelle eine Wärmflasche in den Nacken gelegt. Und ansonsten, ja, ansonsten versuche ich mich morgens mit ein paar Yogaübungen wieder einigermaßen in Form zu bringen. Allerdings, alles ohne rechten Erfolg. Ich habe irgendwie das Gefühl oder das Bedürfnis, dass ich noch mehr machen müsste.
Aber das ist hier in Schweden so schwierig, dass es mich manchmal so wütend macht, dass ich gleich die Schultern wieder nach oben ziehe. Eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen gibt es nämlich so gut wie gar nicht. Verspannungen usw. sind ein individuelles Problem, dazu bekommt man keine Überweisung zu einem Krankengymnasten o.ä. In dem viel gepriesenen schwedischen Gesundheitswesen hat man nämlich als Patient (im Vergleich zum Schulwesen!) kaum oder gar keine Wahlfreiheit. Während ich in Deutschland vielleicht eben mir noch eine zweite Meinung einholen würde oder könnte, gibt es diese Möglichkeit hier nicht. Wennmein Hausarzt der Meinung ist, dass ich nur verspannt bin und mich doch endlich einfach (!) entspannen solle, dann ist das Thema abgeschlossen, der Vermerk in der Online-Patientenkartei, macht es unmöglich einen anderen Arzt wegen dem gleichen Ding noch einmal zu konsultieren. Was also in Deutschland Auswüchse in eine ganz andere Richtung treibt, entwickelt sich hier in eine ganz andere Richtung.
Wenn mir meine Mama von ihrem Osteopaten vorschwärmt oder meine Schwester sich Unterstützung bei unserer Haus- und Hofheilpraktikerin holt, dann bekomme ich einen Klumpen im Hals (und die Schultern wandern noch höher nach oben). Ich stimme meinem Hausarzt natürlich voll und ganz zu, dass ich nicht krank bin und auch kein orthopädisches Probelm habe. Aber meinem Körper geht es ja nicht ganz gut, zumindest nicht so gut, dass ich meinen Alltag uneingeschränkt ausführen kann.
Unterstützung, Prophylaxe, Ganzheitlichkeit, das ist den (Hauptstadt-)Schweden suspekt. Hokuspokus und Geldmacherei eben.
Nun ja, dann werde ich mal versuchen, mit Hilfe von Restenergie meine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Und es vermeiden, über das schwedische Gesundheitswesen nachzudenken*. Vielleicht sollte ich dieses Wochenende auch einfach mal entspannen?!
*Meine Hypothese ist, dass man in zehn Jahren dort ist, wo man in Deutschland heute ist. Nämlich bei der Einsicht, dass Schul- und Alternativemedizin gut mit einander funktionieren können. Und dann kann ich ein bisschen herablassend tun und sagen, dass wir das schon immer wussten ;) (So wie die Schweden jetzt herablassend und ein bisschen verächtlich das deutsche Praxis betrachten)
Da wir keine Badewanne haben (man muss schon froh sein, wenn man in unseren unbeheizten 2,5 m² nicht in der Dusche festfriert), ist die einzige Wärme-Entspannungsquelle eine Wärmflasche in den Nacken gelegt. Und ansonsten, ja, ansonsten versuche ich mich morgens mit ein paar Yogaübungen wieder einigermaßen in Form zu bringen. Allerdings, alles ohne rechten Erfolg. Ich habe irgendwie das Gefühl oder das Bedürfnis, dass ich noch mehr machen müsste.
Aber das ist hier in Schweden so schwierig, dass es mich manchmal so wütend macht, dass ich gleich die Schultern wieder nach oben ziehe. Eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen gibt es nämlich so gut wie gar nicht. Verspannungen usw. sind ein individuelles Problem, dazu bekommt man keine Überweisung zu einem Krankengymnasten o.ä. In dem viel gepriesenen schwedischen Gesundheitswesen hat man nämlich als Patient (im Vergleich zum Schulwesen!) kaum oder gar keine Wahlfreiheit. Während ich in Deutschland vielleicht eben mir noch eine zweite Meinung einholen würde oder könnte, gibt es diese Möglichkeit hier nicht. Wenn
Wenn mir meine Mama von ihrem Osteopaten vorschwärmt oder meine Schwester sich Unterstützung bei unserer Haus- und Hofheilpraktikerin holt, dann bekomme ich einen Klumpen im Hals (und die Schultern wandern noch höher nach oben). Ich stimme meinem Hausarzt natürlich voll und ganz zu, dass ich nicht krank bin und auch kein orthopädisches Probelm habe. Aber meinem Körper geht es ja nicht ganz gut, zumindest nicht so gut, dass ich meinen Alltag uneingeschränkt ausführen kann.
Unterstützung, Prophylaxe, Ganzheitlichkeit, das ist den (Hauptstadt-)Schweden suspekt. Hokuspokus und Geldmacherei eben.
Nun ja, dann werde ich mal versuchen, mit Hilfe von Restenergie meine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Und es vermeiden, über das schwedische Gesundheitswesen nachzudenken*. Vielleicht sollte ich dieses Wochenende auch einfach mal entspannen?!
*Meine Hypothese ist, dass man in zehn Jahren dort ist, wo man in Deutschland heute ist. Nämlich bei der Einsicht, dass Schul- und Alternativemedizin gut mit einander funktionieren können. Und dann kann ich ein bisschen herablassend tun und sagen, dass wir das schon immer wussten ;) (So wie die Schweden jetzt herablassend und ein bisschen verächtlich das deutsche Praxis betrachten)
Montag, 20. Januar 2014
JanuarLichtblick 6: Ein Gespräch
Ich habe diese Lichtblick-Kategorie hier für mich eingeführt, weil ich ganz bewusst Lichtblicke suchen und wahrnehmen möchte. Aufgrund der vielen Entscheidungen und Unsicherheiten, die uns dieses Jahr erwarten, macht der Januar seinem Namensgeber alle Ehre. Wir schauen zurück und würden uns doch so gerne trauen, auch nach vorne zu sehen. Wir sind zwiegespalten. Ich hatte mir von der Rückkehr nach Europa nach unserem USA-Aufenthalt mehr Beständigkeit erhofft, ich bin kein Mensch, der gerne 'unbehaust' ist. Aber jetzt steht quasi wieder alles auf Null, zu viele Entscheidungen müssen wieder getroffen werden. Und es ist unser aktiver Einsatz gefragt (sprich: u.a. Bewerbungen schreiben, mit der Bank Kontakt aufnehmen), so dass Abwarten und Teetrinken dieses Mal nicht die beste Strategie ist. Wir gehen lange Spaziergänge, sprechen, diskutieren, ja streiten auch manchmal. Beratschlagen uns aber auch mit unserer Großfamilie. Letztendlich sind es aber dann doch unsere eigenen Entschlüsse.
Dabei hatte ich aber in letzter Zeit öfter das Gefühl, dass gerade meine Schwiegermutter unsere Gedanken nicht so gut nachvollziehen kann. Und ehrlich gesagt, stößt ihre Sichtweise bei mir auch manchmal auf Unverständnis. Sie ist die absolute Matriachatin der Großfamilie, aber auch ich habe meinen Kopf. Beide sind wir im Sternzeichen Stier geboren ;) - ein Zusammenrumpeln (mit den Hörnen...) nicht ausgeschlossen. Gerade in Diskussionen mit meiner Schwiegermutter habe ich das Gefühl, dass ich an meine sprachlichen und kulturellen Grenzen stoße. Gleichzeitig ist sie mir aber auch wichtig und ich mag sie von Herzen, also ist es mir auch nicht ganz egal, was sie denkt.
Nun haben mein Mann und ich Anfang des Monats eine Entscheidung getroffen, die für uns wichtig und richtig war (glaube ich, hinterher ist man natürlich immer klüger, aber jetzt passt es). Es war aber eine Entscheidung gegen etwas, das nicht nur in der schwedischen Gesellschaft, sondern auch von meiner Schwiegermutter persönlich immer als die einfache, schnelle Lösung für ein spezifisches Problem propagiert wurde. Das musste ich dann meiner Schwiegermutter mitteilen. Danach war Funkstille und ich habe mir schon schlimmste Szenarien ausgemalt. Bis ein paar Tage später das Telefon klingelte. Meine Schwiegermutter war dran. Wir haben zuerst Belangloses ausgetauscht, dann über die Situation des 93-jährigen Großvaters gesprochen. Und dann, ganz plötzlich, kam von ihr ein Angebot - etwas ganz anderes als erwartet, aber so wichtig für uns - und im vielleicht entscheidenden Augenblick.
Ich habe mich so über dieses Gespräch und natürlich über dieses Angebot gefreut. Ich habe richtig gemerkt, dass ein Stein von meinem Herzen gefallen ist. Dieser Anruf hat so viel für mich bedeutet und ich hoffe, dass ich ihr das auch mal sagen kann
![]() |
| Selbstporträt meiner Schwiegermutter |
![]() |
| Porträt meines Mannes mit 4 Jahren, Aquarell |
Ich habe mich so über dieses Gespräch und natürlich über dieses Angebot gefreut. Ich habe richtig gemerkt, dass ein Stein von meinem Herzen gefallen ist. Dieser Anruf hat so viel für mich bedeutet und ich hoffe, dass ich ihr das auch mal sagen kann
Sonntag, 19. Januar 2014
Sonntagsfreude: Geschafft!
Mehr Sonntagsfreudensammler gibt es auch in diesem Jahr wieder auf dem Kreativberg.
Ja, es ist geschafft und vollbracht! Die Hausarbeit ist eingereicht und das Semester abgeschlossen.
Morgen beginnt aber gleich das Frühlingssemester, es ist in Schweden immer nur ein Wochenende dazwischen. Gerne hätte ich ein bisschen länger Pause gehabt, aber so ist es nun mal. Dann ist es auch schneller vorbei. Das ist im Moment aber auch ein bisschen schwierig, denn was kommt dann?! Die Weiterbildung ist dann zwar erstmal fertig, aber zum Ende des Schuljahres läuft aber auch mein Vertrag als Muttersprachlehrerin aus. Dann muss ich mich bewerben, aber das Problem ist, dass wir im Moment ein bisschen ziellos sind. Denn auch die Projektgelder die Arbeit meines Mannes laufen aus, und für ihn ist es wesentlich schwieriger, dass sich etwas Passendes finden wird. Auch wenn erst Januar ist, so vergeht die Zeit hinsichtlich solcher Sachen immer viel zu schnell. Diese Gedanken begleiten uns und machen uns manchmal sehr bedrückt, manchmal stacheln sie uns an, dass wir doch etwas 'Verrücktes' wagen sollen. Aber wir können nicht aus unserer Haut. Ich sehne mich nach Beständigkeit im Privatem, mein Mann nach Kontinuität im Job. Sollen wir im Raum Stockholm bleiben und hoffen, dass die Arbeit dann auch kommt, wenn auch nicht gleich? Sollen wir umziehen, aber wenn ja, wohin? Es wird ein spannendes Jahr. Nun beginnt aber erstmal ein neues Semester, auf das ich mich freue, weil es das letzte ist und vor dem mir graut, weil es das letzte ist. Aber am meisten freue ich mich zumindest jetzt im Moment, dass ich wieder etwas abschließen konnte - und dabei gut mit dem Stricken voran kam ;)
Donnerstag, 26. Dezember 2013
Jul
Ja, nun habe ich mein erstes schwedisches Weihnachtsfest gefeiert. Heute habe ich die Fotos sortiert und so manches Erlebte noch einmal Revue passieren lassen.
Natürlich ist es ganz anders als daheim, so ist das einfach immer, wenn man das Vertraute verlässt und sich auf Neues einlässt. Anders muss deshalb nicht schlechter oder besser sein, einfach anders. Und das war mir vorher schon bewusst. Aber es war nicht nur anders, es war leerer. Ein Fest ohne wesentlichen Inhalt - so habe ich es empfunden. Im Großen und Ganzen ist es nach dem Modell 'Bullerbü' abgelaufen: Eine Fichte im Wald holen, selbstgemachte Karamellbonbons, Weihnachtsessen, Milchreis, Tanz um den Baum und Besuch des Tomte (Weihnachtsmann).
Ich habe bei den Vorbereitungen geholfen und es war ein bisschen festlich den Tisch für das Weihnachtsessen aufzudecken. Aber vieles, was passierte, war irgendwie so hohl. Ich kann es nicht richtig beschreiben. Hohl, ein bisschen lieblos, laut, überdreht.
Ich könnte ja verstehen, wenn man als atheistische Familie nicht das christliche Fest begehen will, aber dann - so würde ich es mir zumindest wünschen - sollte man vielleicht irgendwie den Licht-/Wintersonnwende-Aspekt aufgreifen und nicht eine Sache nach der anderen abhaken, nur um es zu machen, weil man es eben so macht... Ich finde (und das ist eben nur meine persönliche Meinung), dass ein Fest gewissermaßen an Berechtigung verliert, wenn man vergessen hat, warum es eigentlich gefeiert wird. Es liegt sicher auch an der Familie meines Mannes - und meiner Schwiegermutter! - dass das Fest so verlaufen ist, wie es ist. In manch anderer schwedischen Familie würde das Fest sicher auch anders gefeiert werden. Nun war es einfach so und ich hoffe, dass es eines der letzten Weihnachtsfeste (zumindest für mich) unter der Regie meiner Schwiegereltern war. Gleichzeitig war es gut, es einmal gesehen zu haben, so dass ich überlegen kann, war wir für uns weiterführen wollen und können.
Leider habe ich nur Fotos bis zum Weihnachtsessen, dann konnte ich nicht mehr fotografieren, denn schließlich musste ich mit um den Baum tanzen und den Tomte darf man nicht fotografieren. Beim Tanz um den Baum wurden drei Liedergegröhlt gesungen, die zu verschiedenen Tanzformen wiederholt wurden, weil man nicht mehr Lieder kennt/kann. Der Tomte trat sehr barsch und offensiv auf, zwickte die Schwiegermutter und blieb aber auch irgendwie leer. Eine Scherzfigur, über den die Kinder hinterher nur lachten und herzogen.
Gestern morgen aber, da standen mein Mann und ich in aller Frühe auf und wir fuhren in die Christmette. Das war echt schön. Es war anders als daheim, aber auch schön. Rund um die Kirche waren Fackeln aufgesteckt und leuchteten den Weg. Die Holzkirche am See war nur mit echten Kerzen beleuchtet und wir sangen Weihnachtslieder wie Stille Nacht und Adeste fidelis, aber auf schwedisch ;). Ein Chor sang auch, es war ein bisschen wie Wie im Himmel und ich bekam neuen Antrieb, mein Vorhaben wieder im Chor zu singen, vielleicht 2014 in Angriff zu nehmen. Und der Pastor gab gute Impulse, so dass sich für mich das Fest nun doch einigermaßen erfüllt anfühlt.
Schade, dass sich manche durch meine Schilderung, die einfach nur eine Beschreibung - aus meiner Perspektive - sein soll, persönlich angegriffen fühlen. Da es mein Blog ist, behalte ich es mir auch weiterhin vor, dass ich pampige - und vor allem anonyme und grußlose Kommentare - entferne. Und auch darüber dürft ihr denken, was ihr wollt, es ist eben meine Sichtweise und mein Blog!
Natürlich ist es ganz anders als daheim, so ist das einfach immer, wenn man das Vertraute verlässt und sich auf Neues einlässt. Anders muss deshalb nicht schlechter oder besser sein, einfach anders. Und das war mir vorher schon bewusst. Aber es war nicht nur anders, es war leerer. Ein Fest ohne wesentlichen Inhalt - so habe ich es empfunden. Im Großen und Ganzen ist es nach dem Modell 'Bullerbü' abgelaufen: Eine Fichte im Wald holen, selbstgemachte Karamellbonbons, Weihnachtsessen, Milchreis, Tanz um den Baum und Besuch des Tomte (Weihnachtsmann).
Ich habe bei den Vorbereitungen geholfen und es war ein bisschen festlich den Tisch für das Weihnachtsessen aufzudecken. Aber vieles, was passierte, war irgendwie so hohl. Ich kann es nicht richtig beschreiben. Hohl, ein bisschen lieblos, laut, überdreht.
Ich könnte ja verstehen, wenn man als atheistische Familie nicht das christliche Fest begehen will, aber dann - so würde ich es mir zumindest wünschen - sollte man vielleicht irgendwie den Licht-/Wintersonnwende-Aspekt aufgreifen und nicht eine Sache nach der anderen abhaken, nur um es zu machen, weil man es eben so macht... Ich finde (und das ist eben nur meine persönliche Meinung), dass ein Fest gewissermaßen an Berechtigung verliert, wenn man vergessen hat, warum es eigentlich gefeiert wird. Es liegt sicher auch an der Familie meines Mannes - und meiner Schwiegermutter! - dass das Fest so verlaufen ist, wie es ist. In manch anderer schwedischen Familie würde das Fest sicher auch anders gefeiert werden. Nun war es einfach so und ich hoffe, dass es eines der letzten Weihnachtsfeste (zumindest für mich) unter der Regie meiner Schwiegereltern war. Gleichzeitig war es gut, es einmal gesehen zu haben, so dass ich überlegen kann, war wir für uns weiterführen wollen und können.
Leider habe ich nur Fotos bis zum Weihnachtsessen, dann konnte ich nicht mehr fotografieren, denn schließlich musste ich mit um den Baum tanzen und den Tomte darf man nicht fotografieren. Beim Tanz um den Baum wurden drei Lieder
Gestern morgen aber, da standen mein Mann und ich in aller Frühe auf und wir fuhren in die Christmette. Das war echt schön. Es war anders als daheim, aber auch schön. Rund um die Kirche waren Fackeln aufgesteckt und leuchteten den Weg. Die Holzkirche am See war nur mit echten Kerzen beleuchtet und wir sangen Weihnachtslieder wie Stille Nacht und Adeste fidelis, aber auf schwedisch ;). Ein Chor sang auch, es war ein bisschen wie Wie im Himmel und ich bekam neuen Antrieb, mein Vorhaben wieder im Chor zu singen, vielleicht 2014 in Angriff zu nehmen. Und der Pastor gab gute Impulse, so dass sich für mich das Fest nun doch einigermaßen erfüllt anfühlt.
| Zwei Tage vor dem Fest wird der Hering in verschiedenen Geschmacksrichtungen eingelegt |
| Karamellbonbons werden gekocht |
| Am heiligen Abend trommelte der Regen ans Fenster |
| Als zweites Frühstück gibt es Milchreis ("Reisgrütze") mit Zucker und Zimt |
| Nachmittags gibt es 1 Stunde Donald Duck für die ganze Familie |
| Das kalte Weihnachtsessen mit Hering, Eier, Krabben, Lachs (gebeizt und geräuchert) und den Schinken - mit Ausnahme des Schinkens gibt es das gleiche an Mittsommer! |
| Die warmen Gerichte: U.a. Prinz-Würstchen, Jansons Versuchung und Fleischklößchen |
Abonnieren
Posts (Atom)







