Ja, nun habe ich mein erstes schwedisches Weihnachtsfest gefeiert. Heute habe ich die Fotos sortiert und so manches Erlebte noch einmal Revue passieren lassen.
Natürlich ist es ganz anders als daheim, so ist das einfach immer, wenn man das Vertraute verlässt und sich auf Neues einlässt. Anders muss deshalb nicht schlechter oder besser sein, einfach anders. Und das war mir vorher schon bewusst. Aber es war nicht nur anders, es war leerer. Ein Fest ohne wesentlichen Inhalt - so habe ich es empfunden. Im Großen und Ganzen ist es nach dem Modell 'Bullerbü' abgelaufen: Eine Fichte im Wald holen, selbstgemachte Karamellbonbons, Weihnachtsessen, Milchreis, Tanz um den Baum und Besuch des Tomte (Weihnachtsmann).
Ich habe bei den Vorbereitungen geholfen und es war ein bisschen festlich den Tisch für das Weihnachtsessen aufzudecken. Aber vieles, was passierte, war irgendwie so hohl. Ich kann es nicht richtig beschreiben. Hohl, ein bisschen lieblos, laut, überdreht.
Ich könnte ja verstehen, wenn man als atheistische Familie nicht das christliche Fest begehen will, aber dann - so würde ich es mir zumindest wünschen - sollte man vielleicht irgendwie den Licht-/Wintersonnwende-Aspekt aufgreifen und nicht eine Sache nach der anderen abhaken, nur um es zu machen, weil man es eben so macht... Ich finde (und das ist eben nur meine persönliche Meinung), dass ein Fest gewissermaßen an Berechtigung verliert, wenn man vergessen hat, warum es eigentlich gefeiert wird. Es liegt sicher auch an der Familie meines Mannes - und meiner Schwiegermutter! - dass das Fest so verlaufen ist, wie es ist. In manch anderer schwedischen Familie würde das Fest sicher auch anders gefeiert werden. Nun war es einfach so und ich hoffe, dass es eines der letzten Weihnachtsfeste (zumindest für mich) unter der Regie meiner Schwiegereltern war. Gleichzeitig war es gut, es einmal gesehen zu haben, so dass ich überlegen kann, war wir für uns weiterführen wollen und können.
Leider habe ich nur Fotos bis zum Weihnachtsessen, dann konnte ich nicht mehr fotografieren, denn schließlich musste ich mit um den Baum tanzen und den Tomte darf man nicht fotografieren. Beim Tanz um den Baum wurden drei Lieder
gegröhlt gesungen, die zu verschiedenen Tanzformen wiederholt wurden, weil man nicht mehr Lieder kennt/kann. Der Tomte trat sehr barsch und offensiv auf, zwickte die Schwiegermutter und blieb aber auch irgendwie leer. Eine Scherzfigur, über den die Kinder hinterher nur lachten und herzogen.
Gestern morgen aber, da standen mein Mann und ich in aller Frühe auf und wir fuhren in die Christmette. Das war echt schön. Es war anders als daheim, aber auch schön. Rund um die Kirche waren Fackeln aufgesteckt und leuchteten den Weg. Die Holzkirche am See war nur mit echten Kerzen beleuchtet und wir sangen Weihnachtslieder wie Stille Nacht und Adeste fidelis, aber auf schwedisch ;). Ein Chor sang auch, es war ein bisschen wie
Wie im Himmel und ich bekam neuen Antrieb, mein Vorhaben wieder im Chor zu singen, vielleicht 2014 in Angriff zu nehmen. Und der Pastor gab gute Impulse, so dass sich für mich das Fest nun doch einigermaßen erfüllt anfühlt.
 |
| Zwei Tage vor dem Fest wird der Hering in verschiedenen Geschmacksrichtungen eingelegt |
 |
| Karamellbonbons werden gekocht |
|
 |
| Am heiligen Abend trommelte der Regen ans Fenster |
 |
| Als zweites Frühstück gibt es Milchreis ("Reisgrütze") mit Zucker und Zimt |
|
 |
| Nachmittags gibt es 1 Stunde Donald Duck für die ganze Familie |
 |
| Das kalte Weihnachtsessen mit Hering, Eier, Krabben, Lachs (gebeizt und geräuchert) und den Schinken - mit Ausnahme des Schinkens gibt es das gleiche an Mittsommer! |
 |
| Die warmen Gerichte: U.a. Prinz-Würstchen, Jansons Versuchung und Fleischklößchen |
Schade, dass sich manche durch meine Schilderung, die einfach nur eine Beschreibung - aus meiner Perspektive - sein soll, persönlich angegriffen fühlen. Da es mein Blog ist, behalte ich es mir auch weiterhin vor, dass ich pampige - und vor allem anonyme und grußlose Kommentare - entferne. Und auch darüber dürft ihr denken, was ihr wollt, es ist eben meine Sichtweise und mein Blog!
Schön, dass du mit dem Besuch im Gottesdienst doch noch ein bisschen dein echtes Weihnachtsgefühl finden konntest. Es ist sicher nicht so einfach, das, was einem wirklich wichtig ist, heraus zu finden und in eine andere Kultur/ Familie zu integrieren.
AntwortenLöschenLG, Micha
Wenn man die Bilder betrachtet, sieht alles ein wenig romantisch aus :)
AntwortenLöschenVielleicht tröstet es dich: die Familie meines Mannes wäre erzkatholisch und trotzdem gibt es da etwas, das ich einfach nicht glauben konnte: die lassen die ganze Zeit den Fernseher nebenher laufen :-(
Alles, alles Liebe. maria
Die Bilder sind sehr schön. Es sind aber "nur" Bilder und das was Du erlebt hast, hat etwas mit deinen Gefühln und Erfahrungen zu tun. Ich kann ganz gut nachvollziehen, was Du erlebt hast. Meine Schwiegerfamilie kommt nicht aus einem anderen Land, sondern bloß aus einem anderen Teil und mir ist bei ihnen auch vieles ungewohnt und fremd.
AntwortenLöschenIch wünsche Dir, dass Du im neuen Jahr weiterhin die Kraft hast nach Deinem/Eurem Weg zu suchen und ihn, wenn vielleicht auch nur stückchenweise zu finden!!!!
Bitte schreibe auf deinem Blog, DEINE Sicht der Dinge, denn deswegen lese ich gern bei Dir.
Liebe Grüsse
SANDRA
Naja, den eigenen Weg und eigene Traditionen für das Weihnachtsfest zu finden ist ein spanndes Unterfangen, auch nicht immer leicht. Aber am Ende kommt etwas eigenes raus. Sicher ein Kompromiss, aber den gibt es immer wieder. Die Bilder wirken schön und idyllisch. Aber aufs Gefühl kommts auch ein wenig an. :-)
AntwortenLöschenAls ich letztes Jahr das Fest nicht in gewohnter Umgebung feierte war das in manchen Momenten komisch. Doch es war auch gut und richtig mit unserem Fest zu beginnen. Dieses Weihnachten fühlte es sich ganz normal an. Ein bisschen Wehmut gehört vielleicht einfach dazu?
Dein Paket ist angekommen und ich freue mich schon auf ruhige Momente mit einer Tasse Tee :-) Danke!
Liebe Grüße Stefanie
Deine Eindrücke und Bilder waren für mich sehr interessant! Es scheint schon nicht einfach zu sein, ein Weihnachten so anders zu erleben. Das habe ich auch mal erlebt und hatte mich so einsam gefühlt. Mein Gefühl von Heimat hatte da echt gefehlt. Es ist nun einige Zeit vergangen und ich habe uns ein eigenes Weihnachten "zusammen gestellt";) Mit Krippenfiguren wie Du, einen eigenen Baum, eigene Feier, mit Essen vom Mann, ect.
AntwortenLöschenLass Dir und Deinem Mann Zeit. Mehr kann nicht dazu raten..;) Geniess vorab mal das gemeinsame ruhige Zusammensein, es war anhand Deiner Beschreibungen wohl schon recht hektisch vor Weihnachten.
Und Deine Krippenfiguren sind einfach allerliebst!! Besonders der Esel hat es mir angetan!
Ich wünsche Dir/Euch alles Liebe, gute Gesundheit, viel Glück und Zuversicht!
Ganz herzlich, Rita