Ich habe das Gefühl, dass ich schon lange nichts mehr über meinen schwedischen Alltag geschrieben habe, deshalb heute eine kurze Berichterstattung - auch wenn heute durchaus kein normaler Tag in Schweden war :)
Heute war in Stockholm der Nobeltag und die Feierlichkeiten im Rathaus sind immer noch in vollem Gange. Unser Tag fing hingegen wenig nobel an, um 7 Uhr kamen wie angekündigt die Handwerker um neue Kabel zu verlegen. Dann radelte ich in die Uni, wo ich eine inspirierende Vorlesung zum Thema Les- und Schreibentwicklung hatte, mich aber durchaus etwas an der schwedischen Kuschelpädagogik störte (aber das wäre - zusammen mit dem PISA-Ergebnis - mal einen eigenen Eintrag wert).
Nach der Uni ging es heute nicht weiter in die Schule, sondern direkt zu einem Restaurant, wo alle Sprachlehrer heute ihr Julbord hatten, also ihren Weihnachtstisch (wörtlich übersetzt). Das entspricht so in etwa den deutschen betrieblichen Weihnachtsfeiern, wobei die ja eher abends sind. Wir waren zum Mittagessen eingeladen und serviert wurden schon die traditionellen Weihnachtsgerichte: viel Hering, verschiedene Weihnachtswurst und süßes Brot. Etwa 300 Sprachlehrer aus über 50 Nationen standen brav in der Schlange zum Buffet an um sich ihr Essen zu holen. Ich finde dieses Konzept etwas ungewohnt, denn bei uns gibt es das Weihnachtsessen halt nur an Weihnachten, aber naja. Auch den Gedanken, dass bei dieser Veranstaltung - außer dem Servicepersonal - keine Schweden anwesend waren, aber schwedisches Weihnachtsessen verspeist wurde, fand ich interessant ;)
Auf dem Heimweg vom Mittagessen war es schon dunkel und die Straße, die ich nehmen wollte, war abgesperrt. Da fiel mir wieder ein, dass heute ja auch Nobeltag ist. Glücklicherweise durfte ich mit dem Fahrrad passieren und konnte so direkt am Konzerthaus vorbeifahren, als gerade die Ehrengäste ankamen. Auch wenn man als 'Normalbürger' weniger davon berührt wird, spürt man die besondere Stimmung in der Stadt, von der ich auch letztes Jahr schon berichtet habe. Ich konnte es nicht bleiben lassen, auch dort noch ein paar Fotos vom festlich beleuchteten Konzerthaus zu machen.
Zu Hause wartete eine wenig noble Putz- und Aufräumaktion um die 'Bauarbeiten' wieder abzuschließen. Jetzt am Abend habe ich auch noch die Benotungsaktion abschließen können und nach einem Großkampftag morgen habe ich dann hoffentlich wieder mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens. Nicht, dass ihr meint, ich mag meinen Beruf nicht - ich liebe das Lehrersein, aber manchmal ist es ein bisschen viel. Mein Mann meinte neulich schon: Ist Lehrersein jetzt dein Lebensstil?!
Ein bisschen so ist es wohl, es ist eindeutig auch ein bisschen Berufung und v.a. Leidenschaft, aber im Moment ist es so viel, dass ich wirklich das Gefühl habe, dass mein Privatleben ein bisschen zu kurz kommt. Allerdings will ich auch hier mich in Gelassenheit versuchen - meine Lieben freuen sich sicher auch über 'Neujahrsgeschenke' ;)
So, das war jetzt so ein bisschen schwedischer Einwandereralltag, der sich wohl nicht so viel von dem Alltag der Ureinwohner unterscheidet, wenn die sich nicht mit der Sprache und so leichter täten... Es gäbe auch noch (neue) nervige Einzelheiten zu meiner Weiterbildung und anderen Dingen, aber die sind so unweihnachtlich, die lasse ich außen vor. Ab jetzt dann nur noch Vorweihnachtliches ;)




Schön, dass du an der Konzerthalle vorbeigekommen bist! Ich war 2006 auch um diese Zeit in Stockholm und fand es unglaublich spannend, dass jetzt alle Nobelpreisträger da waren. Toll waren auch die Vorlesungen an der Uni der Nobelpreisträger.
AntwortenLöschenEin paar Worte zur schwedischen Kuschelpädagogik, wie du es schreibst, und die PISA-Studie würde mich auch sehr interessieren.
Ich wünsche dir einen schönen Tag ohne neue nervige Einzelheiten deiner Weiterbildung.
Liebe Grüße,
Kathrin