Montag, 31. August 2015

Hier so

Im Moment fühle ich mich ziemlich sprachlos. Sprachlos angesichts dessen, was da Europa gerade passiert.

Sprachlos auch, weil ich mich selber gerade aus dem Rahmen gefallen fühle.
Seit zwei Wochen versuchen wir hier einen neuen Alltag zu finden. Mir fällt das ziemlich schwer. Ich habe ausreichend zu tun, von morgens bis abends bin ich auf den Beinen, räume immer noch auf, organisiere mit Handwerkern, versuche mich um meine eigene berufliche Zukunft zu kümmern, versuche hier anzukommen.
Der "Umzugsflow" ist aber vorbei, das tägliche maßlose Werkeln, Funktionieren, Koordinieren ist plötzlich zu Ende - und so fühle ich mich eben plötzlich aus dem Rahmen gefallen.
Den Rahmen Sprachlehrerin-Stockholm-Nach-Haus-und-Garten-Streben, gibt es nicht mehr. Einen neuen habe ich noch nicht gefunden. Dabei bin ich umgeben von Menschen, die ihren Rahmen, ihren Platz, ihre Lebensaufgabe schon gefunden haben. Das das macht es mir noch mehr deutlich, wie rahmenlos ich im Moment bin.
Gleichzeitig habe ich auch Angst vor Erwartungen und Reaktionen in meinem Umfeld. Denn jetzt müsste ich einfach super glücklich und zufrieden sein: Haus, Garten, näher an Deutschland - jetzt hast du doch alles, was du wolltest... Ja, das habe ich auch, ich bin zufrieden und vor allem bin ich ganz bewusst dankbar, wie gut wir es haben. Ich bin dankbar für unser gemütliches Haus, das uns ein Dach über dem Kopf bietet (auch wenn wir schon das erste Mal Wasser im Keller hatten... Sickerung - nächstes Jahr!) und Heimat werden kann. Aber, meinen Wurzeln fällt das Anwachsen in der neuen Erde schwer. Vielleicht weil sie ein bisschen steinig ist, weil sie mit Lehmbrocken durchsetzt ist, es ist keine leichte Erde.
Es beklemmen mich auch die neuen Erwartungen, selbst von guten Freunden und Bekannten, die es sich nicht verkneifen können, ihr "Aber vielleicht klappt es ja jetzt mit dem Nachwuchs!" oder "Jetzt wäre es doch aber ideal für Nachwuchs" uns entgegen zu schmettern.
Manchmal, wenn ich alleine durchs Haus gehe, einen Wäschekorb voll frischer Wäsche, an der Sonne getrocknet, in der eigenen Waschmaschine gewaschen, dann überkommen mich so Gedanken ... ob wir immer alleine, nur zu zweit, hier wohnen werden?
Der erste Regenbogen am neuen Ort
Geduld, Geduld!
Geduld ist nicht meine Stärke, der Garten lehrt es mich jetzt, auch das alte Haus erteilt mir seine Lektionen. Wir sind gerade mal zwei Monate hier, so vieles ist schon geschafft, das andere wird sich zeigen. Schritt für Schritt weiter gehen, alles muss nicht von heute auf morgen sein.
Dabei brauche ich jede Minute für mich, im richtigen Leben. Tagsüber, um mein Tagespensum zu bewältigen, was gemacht werden muss, gemacht werden soll, gemacht werden will. Abends, um zur Ruhe zu kommen, das Haus zu spüren, mich einzuwohnen.
Es ist ruhiger hier am Blog, ich bitte Euch um eure Geduld. Ich fotografiere viel, auch so manches nur für den Blog. Irgendwann werden auch die Wörter wieder fließen wollen, dann kommt eine Eintragsflut, vielleicht.
Vielleicht kommen auch einige Einträge nur mit Bildern, die euch von mir hier erzählen.
Ich weiß es noch nicht.
Geduld, Geduld!

Sonntag, 30. August 2015

Sonntagsfreude: Brief und Brot

Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine 
Sonntagsfreude sind :)
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die hier weitergeführt wird

Ein lieber Brief einer Brieffreundin, ein Verwandter meines Mannes, der uns Brot vorbei bringt - Begegnungen zur richtigen Zeit, kleine Gesten, große Freude. Sonntagsfreude.


Sonntag, 23. August 2015

Sonntagsfreude: Wasser

Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine 
Sonntagsfreude sind :)
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die hier weitergeführt wird

Gestern Morgen weckte mich mein Mann mit den Worten: "Es kommt kein Tropfen Wasser mehr aus den Leitungen!" Ungläubig blinzelnd wachte ich langsam auf und realisierte langsam, was das bedeutete: Kein morgendlicher Tee! Wie Zähneputzen? Ich wollte doch heute Wäsche waschen! Oh nein, und ich habe gestern Abend die Spülmaschine nicht mehr eingeschaltet! Womit soll ich die Blumen gießen, warum haben wir noch keine Regentonne? Ob wir einen Schaden im Haus haben?
Ein Anruf bei der Gemeinde brachte die Gewissheit: Es hatte in unserem Wohngebiet einen Wasserrohrbruch gegeben, zum Glück nicht bei uns. Es wurde rasch und gewissenhaft gearbeitet, schon am späten Vormittag hatten wir wieder Wasser. Zum Frühstück holten wir uns Mineralwasser aus dem Supermarkt.
Meine Sonntagsfreude ist meine Freude und Dankbarkeit, dass wir Wasser haben, dass wir in einem Land leben, wo sauberes Wasser aus dem Hahn kommt oder einfach und erschwinglich gekauft werden kann. Wasser, das habe ich dieses Wochenende ganz bewusst, dankbar und freudig wahrgenommen - eine Sonntagsfreude. Eine Freude auch, wenn es gelingt, so genannte Selbstverständlichkeiten wieder ganz bewusst wahrnehmen zu können.
Und nächste Woche soll es zum ersten Mal seit zwei Wochen wieder regnen, darauf freue ich mich auch schon ein bisschen ;-)

p.s. Keine Sorge, der Blog wird weiterhin zu 90% auf Deutsch geführt. Seit unserer Rückkehr aus den USA rostet aber mein Englisch immer mehr. Da ich Soulemamas Gartenwochenschau sehr inspirierend finde, schreibe ich nun das einmal pro Woche auf Englisch, zu meinem eigenen Training und Vergnügen.

 

Freitag, 21. August 2015

In the garden, August 21

Oh my,  this week we had sunshine every single day and unusual warm August days. That's why I spent every day in the garden, sometimes only a couple of hours, sometimes as today the whole day.
At the beginning of the week we got a litte harvest of the very early apples. I am thankful for every harvest we get this late summer and fall - as we didn't do anything to it - but those apples are unfortunately not very good. They get damaged by wasps and other insects already on the tree and some rotted before we picked them. Nontheless, a basket full we might bring in and hopefully there'll be enough for one pie at least.
However, the main project of the week was to clear this forsythia jungel. The former owner had not done anything and the bushes were just growing everywhere. Did you know that every branch that touches the ground can develop roots and become a new own bush?! Puh! (Furthermore the forsythia is rather useless for the birds and animals in the garden as the flowers do not produce any pollen and no fruits...).
Most of all I need the space for my new compost!
"Mama, what has happend here?"
This morning, all the "destroying" work was done and I could start to build and to create. Two bushes of forsythia were allowed to stay as they are nice in the spring though, and I'll keep them under my control :-) I startet to build a lower fence with all the thick branches that were left and I plan to plant an ivy to overgrow it a little. In front of this little fence I plan to plant elderberry, juneberry and hazel. And in front of this the future compost will be. Can you see it? ...
My garden highlight today was a squirrel visiting my workspace!
Finally, let's talk garden fashion! When I work in the garden I wear my oldest shorts and my oldest t-shirts. A pair of well-worn trekking shoes and of course gloves and earmuffs make my outfit complete. However, when I meet my neighbours I feel really badly dressed. Everybody here seems to have fancy garden clothes. Hm, I think, I stay with my clothes and try to improve my selfconfidence, but I feel really strange sometimes.
What do you wear when you're working in the garden?
The lovely Amanda, aka SouleMama, gives us a glimpse of her garden once a week. From now I’ll try to join once a week to show you a little of my almost brand new garden until the end of the gardening season.

Donnerstag, 20. August 2015

Alltagsfreude: Reiche Ernte

Ohne mein Zutun konnte ich dieses Jahr schon vier Kilo schwarze Johannisbeeren ernten und zu drei Liter Saft und etwas Marmelade verarbeiten. Ein schönes Gefühl! :-)

Dienstag, 18. August 2015

Vier Wände: Meine Werkstatt

Noch steht sie da, sauber und aufgeräumt, provisorisch und doch wohl für ein kommendes Jahr: Meine Näh- und Kreativwerkstatt!
Es ist kein richtiges Zimmer, sondern der weitläufige Flur im Obergeschoss. Auf Schwedisch nennt man solche Zimmer allrum, ein Raum für alle und alles, vielleicht... Im Moment steht da noch dieser Einbauschrank, groß, mächtig und platzverschwenderisch. In Zukunft soll er kleineren Schränke und luftigeren Regalen weichen, im Moment darf er die Schätze beherbergen.
Auf einem alten Nähmaschinentisch steht jetzt meine Nähmaschine, jederzeit einsatzbereit und doch nicht im Weg. Der große Tisch, der früher im Wohnzimmer stand, soll nämlich frei sein: Damit Ideen entstehen können, Zuschnitte leichter getätigt werden können, Projekte dort auch mal liegen bleiben dürfen. Madame steht nun auch schon bereit und wartet auf ihren Einsatz.
Allerdings wird sie noch ein bisschen warten müssen, die Madame... Ich fühle mich noch sehr rast- und ruhelos, es gibt noch zu viele andere Sachen, die Vorrang haben und zuerst erledigt werden müssen.
Aber manchmal gehe ich vorbei und streiche über die Tischplatte, blättere kurz in einer Zeitschrift, die ich nun wieder gefunden habe, und schaue meine Stoffe, Papiere und Wolle durch. Ich freue mich auf den Herbst und den Winter!
Wenn ich aus einem Fenster schaue, sehe ich die Stadt. Wenn ich aus dem anderen Fenster schaue, sehe ich die Natur.
Noch fehlt eine gute Beleuchtung, Vorhänge wären auch irgendwann noch schön und ich freue mich schon auf die Renovierung dieses Raumes. Aber wer weiß, was ich bis dahin noch für Ideen habe?! Mir fällt sicher noch einiges ein, damit das eine wunderschöne Kreativwerkstatt wird ;-)

Sonntag, 16. August 2015

Sonntagsfreude: Sommererinnerungen

Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine 
Sonntagsfreude sind :)
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die hier weitergeführt wird

Wie schnell ging dieser Sommer vorbei! Eigentlich auch kein Wunder, bei allem war hier so los war. Zeitweise ging es mir dabei gar nicht so gut - wie soll ich in den Herbst starten, ohne Sommerferien, die ich nach dem letzten Schuljahr an so vielen Schulen wirklich dringend gebraucht hätte? Und wie soll ich den Herbst und Winter schaffen, wenn der Juli so kühl war, dass unsere Pelletsheizung sich eingeschaltet hat? Wie soll ich das Haus kennen lernen und erspüren können, wenn wir doch nie alleine und in Ruhe hier waren?
So dachte ich oft, vor allem nachmittags und abends, wenn die Käfte abnahmen, wenn ich hungrig, kalt und müde war. Doch dann schlossen wir eine Baustelle nach der anderen ab, eine Kiste nach der anderen wurde ausgeräumt, Sachen fanden sich wieder, der August wurde wärmer und sonniger und ich fand mehr kleine Fluchten und Päuschen.
Heute ist unser letzter Sommertag, morgen startet das Herbstsemester und mein Mann in seine neue Arbeit. Ich werde mich ab morgen wieder der Arbeitssuche und dem Bewerbungsschreiben widmen sowie versuchen, Ruhe und Kraft zu finden und zu tanken. Ein Gartenprojekt will realisiert werden und den Haushalt auf Vordermann bringen wäre auch nicht schlecht.
Versöhnt und zufrieden schaue ich heute auf diesen ungewöhnlichen Sommer zurück und freue mich über jede Erinnerung.

p.s. Ich weiß, dass liebe Leserinnen mir e-mails geschrieben haben und auf Antwort warten. Unsere Internetsituation ist immer noch unverändert (Hoffentlich aber richtiges Internet und Telefon ab September - hurra!) und ich muss ehrlich sagen, dass mir grad noch die Ruhe fehlt. Habt ein bisschen Geduld...

 

Samstag, 8. August 2015

Sonntagsfreude: Grillen

Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine 
Sonntagsfreude sind :)
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die hier weitergeführt wird

Mit lieben Menschen gemeinsam essen - ein Segen und eine Freude. Hochwertige Produkte kaufen zu können und zu dürfen, mit Kräutern aus dem Garten, anrichten, verfeinern, würzen - ein Fest für die Sinne. Und dann auch noch einen milden Abend in Schweden, mit wenig Wind, angenehmen Temperaturen, zum Draußenessen - eine wahre Sonntagsfreude!


In the garden, August 7

What a lovely sunny week we spent in the garden! The Scandinavian summer finally returned an we could eat several meals outside. I tried to be outside as much as possible, however, one day I stayed inside to unpack a dozen of boxes and now my "atelier" is ready for any creative projects (I promise to show you soon!).
This week started with visitors in our garden: Less than 100 meters behind our garden with have a lovely little forest (with blueberries!) and therefore we have frequent visitors from there. However, our visitors just like the roses as much as I - so I brought the remaining flowers in...
The thistles are just starting flowering and the bees are already flying non-stop.
In my little corner with tomatoes and herbs all things are doing very well: The cress is growing and a few green tomatoes let me hope for a mini-harvest out there. I planted some more herbs in a box just in front of our patio. I felt that I need more mediterranean herbs so two thymes, two basils and one oregano are enjoying the their new sunny spot there. The other kitchen herbs are doing fine and I use them a lot. It is such a blessing and joy to pick a little parsley or basil for dinner. My visiting 9 year-old niece is already an herb-expert and she likes to help me. Her favorite task is to find a nice herb-bouquet to top the sallad with or to decorate a yoghurt-dip with.
Nontheless, the sunny weather could not detract from the fact that it is already late summer in Scandinavia. The bright evenings are over, dew is on the lawn every morning and evening - and our apples are getting red cheeks. I am thinking about more details for the garden year to come because soon I'll start with the fall work to prepare a piece of land for next years gardening. For now, I am enjoying what the garden gives us already, picking raspberries and while I am wandering around, thankful and happy for our existing garden, I blink sometimes and see a garden how it could be soon...
Next week I hopefully can share some sketches with you and some details from my garden plans.
My garden notes are inspired by Amanda who shares very inspiring garden notes with us on Soule Mama.

Montag, 3. August 2015

Verspätete SONNtagsfreude: Ein sonniger Tag

Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine 
Sonntagsfreude sind :)
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die hier weitergeführt wird

Hier läuft in letzter Zeit meist alles anders als geplant und somit kommt unverhofft ziemlich oft. So war es auch gestern, die Jüngste meiner Schwägerin hatte gestern plötzlich hohes Fieber und so blieben Mama und Tochter noch länger bei uns, während der Rest der Familie zur Insel abreiste. Statt dem vorausgesagten Sonnenschein kamen Schauern, noch mehr Gäste trudelten ein und statt einem stillen Leseabend gab es angeregte Diskussionen am Küchentisch. Der Tag war gut, aber eben anders als gedacht...
Und so ist der Montag heute mein Sonn- und Sonnentag und der Tagesverlauf eine wahre Sonnentagsfreude:
- ein morgendlicher Rundgang im Garten mit erfreulichem Erntesegen
- in Ruhe eine Brotzeit auf der Terasse essen
- ja, endlich wieder die Terasse nutzen, bei spätsommerlichen 24° Celsius
- die Sonne genießen, die doch schon wieder ihr Licht verändert und uns erste Herbstsonnenstrahlen schickt, v.a. abends und morgens
- endlich das wiedergefundene Leinengarn wickeln, für ein Projektchen, das jetzt grad so gut passen könnte, zu unruhigen Zeiten, kurzen und doch so notwendigen Pausen, Gesprächen mit großen und kleinen Gästen
- mit dem Mann die Johannisbeeren am Terassentisch abzupfen, manches besprechen, zweisam schweigen
- fünf Minuten den neuen Liegestuhl testen und für gut befinden :-)
Ich hoffe, hier hattet gestern einen schönen Sonn(en)tag und die, die noch Ferien haben, genießen die freien Tage. Ich lade euch ganz herzlich ein, hier die kommenden Tage nicht nur die letzte, sondern auch alle vorherigen Sonntagsfreuden zu verlinken (einfach mehrmals einen Link erstellen), bei denen ich nicht Gastgeberin sein konnte.
Habt eine schöne Woche!