Sprachlos auch, weil ich mich selber gerade aus dem Rahmen gefallen fühle.
Seit zwei Wochen versuchen wir hier einen neuen Alltag zu finden. Mir fällt das ziemlich schwer. Ich habe ausreichend zu tun, von morgens bis abends bin ich auf den Beinen, räume immer noch auf, organisiere mit Handwerkern, versuche mich um meine eigene berufliche Zukunft zu kümmern, versuche hier anzukommen.
Der "Umzugsflow" ist aber vorbei, das tägliche maßlose Werkeln, Funktionieren, Koordinieren ist plötzlich zu Ende - und so fühle ich mich eben plötzlich aus dem Rahmen gefallen.
Den Rahmen Sprachlehrerin-Stockholm-Nach-Haus-und-Garten-Streben, gibt es nicht mehr. Einen neuen habe ich noch nicht gefunden. Dabei bin ich umgeben von Menschen, die ihren Rahmen, ihren Platz, ihre Lebensaufgabe schon gefunden haben. Das das macht es mir noch mehr deutlich, wie rahmenlos ich im Moment bin.
Gleichzeitig habe ich auch Angst vor Erwartungen und Reaktionen in meinem Umfeld. Denn jetzt müsste ich einfach super glücklich und zufrieden sein: Haus, Garten, näher an Deutschland - jetzt hast du doch alles, was du wolltest... Ja, das habe ich auch, ich bin zufrieden und vor allem bin ich ganz bewusst dankbar, wie gut wir es haben. Ich bin dankbar für unser gemütliches Haus, das uns ein Dach über dem Kopf bietet (auch wenn wir schon das erste Mal Wasser im Keller hatten... Sickerung - nächstes Jahr!) und Heimat werden kann. Aber, meinen Wurzeln fällt das Anwachsen in der neuen Erde schwer. Vielleicht weil sie ein bisschen steinig ist, weil sie mit Lehmbrocken durchsetzt ist, es ist keine leichte Erde.
Es beklemmen mich auch die neuen Erwartungen, selbst von guten Freunden und Bekannten, die es sich nicht verkneifen können, ihr "Aber vielleicht klappt es ja jetzt mit dem Nachwuchs!" oder "Jetzt wäre es doch aber ideal für Nachwuchs" uns entgegen zu schmettern.
Manchmal, wenn ich alleine durchs Haus gehe, einen Wäschekorb voll frischer Wäsche, an der Sonne getrocknet, in der eigenen Waschmaschine gewaschen, dann überkommen mich so Gedanken ... ob wir immer alleine, nur zu zweit, hier wohnen werden?
| Der erste Regenbogen am neuen Ort |
Geduld ist nicht meine Stärke, der Garten lehrt es mich jetzt, auch das alte Haus erteilt mir seine Lektionen. Wir sind gerade mal zwei Monate hier, so vieles ist schon geschafft, das andere wird sich zeigen. Schritt für Schritt weiter gehen, alles muss nicht von heute auf morgen sein.
Dabei brauche ich jede Minute für mich, im richtigen Leben. Tagsüber, um mein Tagespensum zu bewältigen, was gemacht werden muss, gemacht werden soll, gemacht werden will. Abends, um zur Ruhe zu kommen, das Haus zu spüren, mich einzuwohnen.
Es ist ruhiger hier am Blog, ich bitte Euch um eure Geduld. Ich fotografiere viel, auch so manches nur für den Blog. Irgendwann werden auch die Wörter wieder fließen wollen, dann kommt eine Eintragsflut, vielleicht.
Vielleicht kommen auch einige Einträge nur mit Bildern, die euch von mir hier erzählen.
Ich weiß es noch nicht.
Geduld, Geduld!



