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Montag, 16. Februar 2015

In aller Munde: Pegida auch in Schweden

Letzten Montag gab es erstmal die erste Kundgebung des schwedischen Ablegers von Pegida. In Malmö versammelten sich die Anhänger dieser unsäglichen Gruppierung, ihnen gegenüber standen 4000 Gegendemonstranten, die Lärm machten. Das muss ganz schön frustrierend gewesen sein, denn ratet mal, wie viele schwedische Europäer kamen?!  Etwa 50 Leute!!!
Ich musste erleichtert lächeln, als ich mir die Situation vorstellte: Ein großes Polizeiaufgebot, engagierte Gegendemonstranten und dann diese kleine Gruppe, die sich kein Gehör verschaffen konnte und nach 45 Minuten wieder abzog. Die Realität hatte glücklicherweise wenig mit den von den Medien aufgemalten Szenarios zu tun.
Leider muss man solche Tendenzen ja trotzdem erstnehmen und beobachten, gerade auch nach den Ereignissen in Kopenhagen vom Wochenende hat man das Gefühl, dass die Entwicklungen in Zentraleuropa auch nach Skandinavien kommen.
Hier ist der Bericht des schwedischen Radios auf Deutsch.

Apropos Satire: Ich lese gerade wieder Erich Kästners Satire "Fabian" - an manchen Stellen mit erschreckender Aktualität und zugleich zeitlos. Aber es darf eben geschmunzelt werden. Eine Empfehlung!

Donnerstag, 7. August 2014

In aller Munde: Der große Waldbrand

In den schwedischen Medien hört man seit Tagen nichts mehr anderes als Nachrichten über den großen Waldbrand: Etwa 100 km nordwestlich von Stockholm brennen seit einer Woche fast 200 km² Wald, der - so wie alles nach diesem Sommer - extrem trocken war. Was den Brand ausgelöst hat, darüber kann man im Moment nur spekulieren. Über die Lage im Waldbrandgebiet kann man auch bei der Sueddeutschen lesen. Ich glaube, noch nie hat man sich in Schweden sehnlicher ein anhaltendes Regenwetter gewünscht! Ich denke viel an die Betroffenen und die Rettungskräfte, verwundere mich aber auch ein bisschen über das schwedische Krisenmanagement (welches inzwischen aber auch in Schweden kritisiert wird).
Hier in Stockholm hat es heute morgen heftig geregnet und es gab ein kräftiges Gewitter. Nun wollte ich die Fenster öffnen, um die frische, kühlere Luft einzulassen - aber der Wind hatte sich gedreht. Nun kann man den beissenden Rauchgeruch aus der Waldbrandzone hier in Stockholm riechen* und so bleiben die Fenster erstmal zu.
*Ich brachte den Rauchgeruch zuerst nicht mit dem Waldbrand in Verbindung, denn ich dachte nicht, dass das möglich wäre. So habe ich zuerst unruhig die Wohnung, das Haus und die nähere Umgebung inspiziert, bis die Nachrichten die Auflösung brachten: Wegen NW-Wind riecht man den Rauch heute in Uppsala und Stockholm...

Mittwoch, 26. März 2014

In aller Munde: Der ALMA-Preis

Am 25. März wurde in Schweden nicht nur der Waffeltag gefeiert, sondern es wurde auch die diesjährige Gewinnerin des ALMA-Preises verkündet. Der ALMA-Preis ist der Astrid Lindgren Memorial Award und wird seit 11 Jahren an herausragende Persönlichkeiten und/oder Autoren der internationalen Kinder- und Jugendliteratur verliehen. Der ALMA-Preis gilt auch als Nobelpreis für Kinderbuchautoren und ist mit einem hohen Preisgeld dotiert (woher auch u.a. seine Bedeutsamkeit und Sprengkraft kommt). Die erste Gewinnerin im Jahr 2003 war übrigens Christine Nöstlinger!
Dieses Jahr ging der Preis an die Schwedin Barbro Lindgren, was ihre Landsleute natürlich besonders freut. Barbro Lindgren gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Kinderbuchautoren, allerdings hat sie auch einige Bücher für Erwachsene geschrieben, u.a. zu den großen Philosophen. Ein Thema, das sich immer wieder in allen ihren Büchern findet, ist der Tod. Nicht zuletzt deshalb waren manche ihrer Bücher (v.a. in Schweden) nicht unumstritten. Auch ist sie wohl deshalb nicht übermäßig berühmt, denn bei vielen Büchern für die Kleinsten, steht die u.a. die Illustratorin Eva Eriksson an erster Stelle, während Barbro Lindgren für ihre kurzen Texte in Kleinkinder-Sprache eher in den Hintergrund gestellt wurde. Manche dieser Kleinkinder-Sprach-Texte gelten in vielen Ländern sogar als unübersetzbar.
Als Barbro Lindgren in den 60er Jahren zu publizieren begann, war es sogar Astrid Lindgren selbst, die ihr damals hilfreiche Kritik und Tipps zukommen ließ. Denn letztere war damals als Lektorin eines großen Buchverlags tätig und beurteilte neue Manuskripte. Diesen Brief kann man auf deutsch hier nachlesen. Dass die beiden Autorinnen auch den gleichen Nachnamen tragen ist eher Zufall, Lindgren ist in Schweden kein ungewöhnlicher Name. Mehr über den diesjährigen ALMA-Preis kann man auch hier beim Deutschlandfunk nachlesen.
Wenn man bei den Bücherriesen nach Barbro Lindgren sucht, ist die deutschsprachige Ausbeute noch eher bescheiden, v.a. die Bücher vom kleinen Max sind zu finden, aber auch die Geschichte vom kleinen Onkel. Auch das Schweinchen Benny hat es nach Deutschland geschafft. Vielleicht werden wir aber in nächster Zeit noch mehr Bücher von Barbro Lindgren auf dem deutschen Buchmarkt finden.
Meine Informationen habe ich heute sozusagen aus erster Hand von meiner sehr freudig aufgeregten Kinderliteratur-Professorin erhalten, die spontan unser Seminar Barbro Lindgren gewidmet hat. Das meiste findet sich in ähnlichen Zügen aber auch in den von mir verlinkten Texten wieder.

Mittwoch, 4. September 2013

In aller Munde: Barack Obama in Stockholm

... und entsprechend ist die ganze Innenstadt abgesperrt, die U-Bahnen überfüllt und verspätet, Buslinien eingestellt, mit dem Fahrrad ist es schwierig - und ich bin genervt. Aber es ist immerhin mal der Besuch eines amtierenden, amerikanischen Präsidenten im sonst politisch eher unbedeutenden, kleinen Schweden.
Die Haltestelle "wird wegen Presidentenbesuch nicht angefahren

Eine schwedische Tageszeitung befragte Amerikaner, was sie mit Schweden verbinden... "Lederhosen?"

Montag, 10. Dezember 2012

In aller Munde: Nobelfestlichkeiten

Schon eine ganze Woche stand Stockholm im Zeichen der Nobelpreisverleihung, die heute stattfindet. Am Wochenende hielten die Preisträger ihre Vorlesungen an der Uni Stockholm und nahmen an verschiedenen Aktivitäten teil. Die Preisverleihung heute wird der Höhepunkt sein, viele warten aber auch schon sehr gespannt auf das Bankett im Blauen Saal des Rathauses: Was es heute Abend zu essen geben wird ist das am besten gehütete Geheimnis der Nation. Natürlich frägt man sich auch, was denn die royalen Damen tragen werden. Ein riesen Ereignis also und man spürt die Schwingungen überall in der Stadt. Auch in der Grundschule war das heute ein großes Thema in der 4. Klasse. Die Kinder, viele mit Migrationshintergrund, fanden es besonders beeindruckend, dass so ein armer Bauernjunge wie Mo Yan ein Preisträger werden konnte. In der Erwachsenenwelt ist er ja hingegen nicht unumstritten, vor allem Herta Müller hat starke Kritik an ihm in den schwedischen Medien geäußert. Auch die Verleihung des Friedenspreises an die EU hat in den schwedischen Medien für viel Zündstoff gesorgt.
Und heute? Ist vieles zunächst beiseite geschoben und in Schweden ist der Nobeltag vor allem ein Feiertag. Die Flaggen werden gehisst, auch die Busse fahren heute beflaggt...
Als ich heute von der Schule heimfuhr, konnte ich es nicht bleiben lassen, einen Zwischenstopp in der Stadt auszusteigen und ein bisschen die Stimmung für Euch einzufangen. Auf dem Hötorget, wo normalerweise geschäftiges Markttreiben herrscht, war es heute mittag schon leer gefegt. Die Polizei ist schon überall bereit und die letzten Meter roter Teppich werden verlegt.
Gerade wird der Friedenspreis an die EU in Oslo verliehen, gegen 14 Uhr wird es dann auch in Stockholm ernst. Nach der Preisverleihung im blauen Konzerthaus werden dann die Festgäste zum Rathaus gefahren, wo dann das Bankett ist. Das Foto habe ich schon vor einer Woche gemacht, heute ist es, wie ihr seht, etwas bewölkt und wir erwarten noch mehr Schnee!
Und ich? Naja, wir haben eh keinen Fernseher und die Internet-Mediathek muss heute ausbleiben, weil ich noch meinen Abschlussaufsatz für den Einführungskurs der Weiterbildung fertig schreiben muss. Vielleicht beflügelt mich ja der Geist all der schlauen Leute, die heute in der Stadt sind ;)
Habt einen schönen Nobeltag!

Donnerstag, 6. Dezember 2012

In aller Munde: Schneechaos

Gestern und auch heute noch in aller Munde: Das Schneechaos, das gestern ganz Östra Svealand inklusive Stockholm und Arlanda lahmgelegt hat. "Lahmgelegte Stadt" ist auch der Titel auf der ersten Seite der heutigen Tageszeitung, mehrere Seiten und Bilder illustrieren das gestrige Chaos, von dem ich so wenig mitbekommen habe. Der Flugplatz Arlanda war geschlossen, am Zentralbahnhof ging nichts mehr und auch der öffentliche Nahverkehr stand still, weil die Bahnen entgleisten und die Ziehharmonikabusse wegen des Sturms nicht fahren durften. Man beachte auch das abgedruckte Maßband, das anschaulich die zunehmende Schneehöhe illustrieren soll :)
Wie gesagt, wir haben eher wenig davon mitbekommen - zum Glück! Mein Mann landete schon vorgestern wohlbehalten in Arlanda und kam ohne Probleme nach Hause. In der Nacht wachte ich zwar schon ein paar mal vom Sturm auf, der von der Ostsee her weiße Schneeböhen ums Haus blies. Am Morgen entschlossen wir uns zu Fuß zur Uni zu gehen stapfen und so kamen wir relativ pünktlich und gut durchgelüftet am Arbeits-/Studienplatz an. Ebenso kamen wir wieder nach Hause und waren gleichzeitig zweimal eine Stunde spazieren :) Die Haustüre zeigte deutliche Spuren von einem stürmischen und winterlichen Tag.
Heute morgen war es aber schon wieder relativ ruhig und ich freue mich richtig über die weiße Pracht.
Nun drücke ich die Daumen, dass bald die polare Kaltluft kommt, die das Winterwunderland konserviert.

Montag, 2. Juli 2012

In aller Munde (1): 'Importkvinnor'

Ich möchte hiermit eine Serie einführen, von der ich noch nicht weiß, wie regelmäßig sie erscheinen wird und wie lange ich sie fortführen möchte. Wie der Titel In aller Munde sagt, möchte ich hier gerne über aktuelle gesellschaftliche, politische oder kulturelle Themen schreiben. Über Themen, die nicht nur bei den Schweden in aller Munde sind, sondern die auch mich berühren und betreffen.
Heute soll es um den Begriff der 'Importkvinnor' oder 'Fruimport', also Importfrauen bzw. Frauenimport gehen. Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass von den Frauen, die in Schweden von ihren Männern missbraucht werden, überproportional viele einen ausländischen Hintergrund haben. Und zu viele von ihnen sind sog. Importfrauen.
Schwedische Männer reisen geziehlt in Länder, v.a. in Asien, in denen Frauen auf ein besseres Leben in Europa hoffen. Und dies wird ausgenutzt. Da es im Moment noch die Regel ist, dass die dauerhafte Aufenhaltserlaubnis erst nach zwei Jahren erwirkt werden kann, wird dieser Zeitraum ausgenutzt. Der Mann gewinnt extrem Macht über die Frau, da diese im Fall einer Trennung ihr Aufenthaltsrecht in Schweden verlieren würde. Etwa 500 ausländische Frauen, die Opfer von Missbrauch oder Ausnutzung aller Art wurden, suchen jedes Jahr die Frauenhäuser im ganzen Land auf (schwed. Kvinnojour). Ein anderes Warnsignal ist, dass von den Frauen, die als sog. Angehörige einwandern, 90% vorher noch nie mit den (schwedischen) Männern zusammengewohnt haben. Zum Vergleich, in den 1990er Jahren waren es nur 30%. [alle Angaben nach dem Artikel 'Sabuni vill se hårdare granskning' im Svenska Dagbladet vom 30. Juni 2012; eine ähnliche Fassung gibt es hier].
Jetzt will man das Gesetz ändern. Männer, die Frauen nach Schweden holen, sollen von den Behörden kritischer untersucht werden. Man diskutiert die Aufhebung der 2-Jahres-Regel, so dass die Frauen im Falle einer Trennung nicht um ihr Aufenthaltsrecht bangen müssen.

Mich macht das sehr nachdenklich. Was läuft in einer Gesellschaft verkehrt, wenn eine nicht unbedeutende Gruppe Männer sich moderne Sklavinnen hält/halten will? Was wissen wir eigentlich über den sog. Frauenimport in unseren Heimatländern? Fällt es bei 82 Millionen Menschen weniger auf als bei 9 Millionen? Ist das die Kehrseite eines extremen Gleichberechtigungsversuch? Eine Folge der Sprachlosigkeit, die bei manchen in diesem dunklen nordischen Land herrscht? Ich weiß es nicht. Allerdings weiß ich auch nicht, ob die sicher unbedingt notwendige Änderung des Gesetzes die ultimative Lösung bringt. Zumindest wird das Thema nun diskutiert und ist öffentlich präsent.