Mittwoch, 18. April 2012

Abschied Teil 1

Wenn man etwas Neues beginnen will, muss man von etwas Altem Abschied nehmen. Das ist oft gar nicht so einfach, manchmal gehen schwere Entscheidungen und schlaflose Nächte voraus. In diesem Fall ist es mir am Anfang sehr schwer gefallen, einfach zu sagen 'ich höre auf, ich beende das'. Ich musste mir erst klar werden, was ICH eigentlich wirklich will. Es gibt in unserer Gesellschaft so viele Ansprüche und Normen, die man glaubt erfüllen zu müssen. Und ich muss zugeben, dass ich auch in solchen Pfaden gefangen war: Ich dachte, das ist die Chance, so viele möchten das auch machen, angemessenes Gehalt, und vor allem 'Karriere machen' - noch dazu alles im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Aber es ging mir nicht gut dabei; anfangs dachte ich, dass ich etwas ändern muss, an mir, meiner Einstellung usw. Irgendwann bin ich aber darauf gekommen, dass ich das ja gar nicht machen muss - es muss auch anders gehen. Als ich mich dann entschieden habe, dass ich aufhöre (aufgebe?!), kamen natürlich Stimmen, die sagten, dass mir der Ehrgeiz fehle, dass mir der Pioniergeist abgeht usw. Aber es waren auch viele Menschen, die mir einfach gratulierten, es mutig fanden, dass ich den Schritt gegen den Strom wage. Das tat gut!
Natürlich denke ich auch oft nach, wie es weitergehen wird. Dazu habe ich erst vor ein paar Tagen bei der Wunderbaren Clara ein paar Gedanken zum 'downshiftig' gelesen: Weniger ist oft mehr! Gerade in einer Zeit, in der Erfolg und Karriere oft auch am materiellen Zuwachs gemessen werden, ist es vielleicht wirklich sehr provokant, einfach zu sagen: 'Ich verzichte auf die (sogenannte) Karriere, habe dafür vielleicht weniger, aber mehr Zeit mit meiner Familie, für kreatives Tun, zum Nachdenken.' Dabei muss weniger ja nicht wirklich weniger sein, aber vielleicht einfach nicht das Auto der Marke XY sondern ein praktischer Kleinwagen, nicht fünfzehn Pullover im Schrank, sondern 'nur' sieben, usw.

Nun ist es hier eben Zeit Abschied zu nehmen. Es gab einige nette Menschen, die mich begleitet haben und auch dazu beigetragen haben, dass alles nun ein versöhnliches Ende nimmt. So, zum Beispiel, meine Mentorin, die die geniale Idee hatte, mich für die Weiterbildung 'Multicultural Education' einzuschreiben. Als Abschiedsgeschenk habe ich ihr aus Stoffresten ein Federmäppchen genäht. Innen gefüttert, aber sonst ganz simpel und vor allem praktisch.




3 Kommentare:

  1. Liebe Barbara, ich finde deine Entscheidung wirklich mutig, und vor allem ermutigend. Und ich wünsche dir für die nächsten Schritte ganz viel Kraft und Glück. Kennst du das Gedicht "Stufen" von Hesse? Ich finde es passt immer wieder sehr gut und gibt, mir zumindest viel Kraft:

    Stufen

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

    Vielen Dank für deine liebe Email, ich bin total gespannt wie es bei dir weiter geht. Ich arbeite ja momentan in der Behindertenhilfe, habe aber ursprünglich Sozialarbeit mit interkulturellem Schwerpunkt studiert. Deinen Abstrakt werde ich noch in Ruhe lesen und dir dann schreiben!

    Ganz liebe Grüße,
    Gesche

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    1. Trotz Germanistikstudium ist mir das Gedicht noch nie untergekommen; schade eigentlich, denn es ist wunderschön, ermutigend und soo passend. Danke, dass du es mir zukommen ließest :) Liebe Grüße

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    2. Da ist es ja wirklich geradezu unglaublich, dass du es noch nicht kanntest. Aber um so schöner, dass ich dir jetzt schreiben konnte :-)

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