Montag, 2. Juli 2012

In aller Munde (1): 'Importkvinnor'

Ich möchte hiermit eine Serie einführen, von der ich noch nicht weiß, wie regelmäßig sie erscheinen wird und wie lange ich sie fortführen möchte. Wie der Titel In aller Munde sagt, möchte ich hier gerne über aktuelle gesellschaftliche, politische oder kulturelle Themen schreiben. Über Themen, die nicht nur bei den Schweden in aller Munde sind, sondern die auch mich berühren und betreffen.
Heute soll es um den Begriff der 'Importkvinnor' oder 'Fruimport', also Importfrauen bzw. Frauenimport gehen. Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass von den Frauen, die in Schweden von ihren Männern missbraucht werden, überproportional viele einen ausländischen Hintergrund haben. Und zu viele von ihnen sind sog. Importfrauen.
Schwedische Männer reisen geziehlt in Länder, v.a. in Asien, in denen Frauen auf ein besseres Leben in Europa hoffen. Und dies wird ausgenutzt. Da es im Moment noch die Regel ist, dass die dauerhafte Aufenhaltserlaubnis erst nach zwei Jahren erwirkt werden kann, wird dieser Zeitraum ausgenutzt. Der Mann gewinnt extrem Macht über die Frau, da diese im Fall einer Trennung ihr Aufenthaltsrecht in Schweden verlieren würde. Etwa 500 ausländische Frauen, die Opfer von Missbrauch oder Ausnutzung aller Art wurden, suchen jedes Jahr die Frauenhäuser im ganzen Land auf (schwed. Kvinnojour). Ein anderes Warnsignal ist, dass von den Frauen, die als sog. Angehörige einwandern, 90% vorher noch nie mit den (schwedischen) Männern zusammengewohnt haben. Zum Vergleich, in den 1990er Jahren waren es nur 30%. [alle Angaben nach dem Artikel 'Sabuni vill se hårdare granskning' im Svenska Dagbladet vom 30. Juni 2012; eine ähnliche Fassung gibt es hier].
Jetzt will man das Gesetz ändern. Männer, die Frauen nach Schweden holen, sollen von den Behörden kritischer untersucht werden. Man diskutiert die Aufhebung der 2-Jahres-Regel, so dass die Frauen im Falle einer Trennung nicht um ihr Aufenthaltsrecht bangen müssen.

Mich macht das sehr nachdenklich. Was läuft in einer Gesellschaft verkehrt, wenn eine nicht unbedeutende Gruppe Männer sich moderne Sklavinnen hält/halten will? Was wissen wir eigentlich über den sog. Frauenimport in unseren Heimatländern? Fällt es bei 82 Millionen Menschen weniger auf als bei 9 Millionen? Ist das die Kehrseite eines extremen Gleichberechtigungsversuch? Eine Folge der Sprachlosigkeit, die bei manchen in diesem dunklen nordischen Land herrscht? Ich weiß es nicht. Allerdings weiß ich auch nicht, ob die sicher unbedingt notwendige Änderung des Gesetzes die ultimative Lösung bringt. Zumindest wird das Thema nun diskutiert und ist öffentlich präsent.

2 Kommentare:

  1. Ich habe vor der Brasilienreise (gott ist das lang her, wenn ich zurückrechne) einen Portugiesischkurs gemacht. Brasilianisches Portugiesisch. Da saßen drei Typen drin, Aussehen will ich mal gar nicht beschreiben, die schlicht und einfach sagten, dass sie sich eine Frau dort drüben holen wollten. Das war Sinn und Zweck des Kursbesuchs. Dass ich da richtig rabiat wurde, kannst du dir denken ;)
    Die Männer haben den Kurs übrigens sofort verlassen müssen (Kursleiterin war Brasilianerin).
    Ein heikles Thema. Aber sehr oft unter den Teppich gekehrt. Wie so vieles *seufz*

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  2. Das ist wirklich ein trauriges Thema. Hier in Deutschland gibt es das auch, mindestens genauso häufig würde ich sagen: Afrikanerinnen, Asiatinnen, Russinnen Südamerikanerinnen, alles ist dabei. Und in Deutschland sind es mind. 3 Jahre bis zur Aufenthaltsgenehmigung und keinem kommt es zur Zeit auch nur in den Sinn das in Frage zu stellen :-( Aber es wird auch nicht viel drüber berichtet.
    Du hast Recht, man muss es viel öfter ansprechen!

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