... mein Name ist Barbara H., ich bin Ende 20, habe ein deutsches Gymnasiallehrerexamen (Notendurchschnitt 1,59), Zusatzqualifikationen in Natur- und Umweltpädagogik (Nationalpark Bayerischer Wald 2004/05) und eine Zusatzausbildung in Multikultureller Erziehung, die ich Anfang 2012 an der Universität Purdue, IN (USA; Platz 50 im weltweiten Universitätsranking), erworben habe. Ich habe einen Ihrer männlichen Mitbürger geheiratet und diese Ehe wurde nach 4 Wochen endlich beim Skatteverket registriert. Ich bin hoch motiviert, meine Kenntnisse und Fähigkeiten zum Wohle des schwedischen Ausbildungssystems und der schwedischen Kinder und Jugendlichen zur Verfügung zu stellen. Außerdem spreche ich fließend Schwedisch, kenne alle wichtigen Politiker und politischen Strukturen, bin mit dem Kulturbetrieb vertraut und verfüge über ein soziales Netzwerk. Außerdem würde ich gerne Mitglied im schwedischen Naturschutzverein werden und einem Kirchenchor beitreten.
Nun wäre ich recht dankbar, wenn Sie auch mir gegenüber etwas wohlwollender wären. Ich bin EU-Mitbürgerin, habe bislang keine Straftaten begangen und bin auch sonst recht umgänglich. Allerdings könnte sich letzteres bald ändern, wenn ich von Ihren Behörden permanent mit falschen Informationen versorgt werde (ob absichtlich oder nicht), meine Gesuche daraufhin abgelehnt werden und diese Beschlüsse dann - trotz kürzlicher Registrierung der Ehe - an meinen Mädchennamen und meine Adresse in Deutschland geschickt werden, wo ich schon lange nicht mehr wohne.
Allerdings ist das vielleicht auch eine Taktik, die ich noch nicht durchschaut habe, eine Möglichkeit, die von vielen so ungeliebten deutschen Touristen, die glauben, das Volksheim (folkhem) langfristig invadieren zu können, doch wieder rauszubekommen: Zuerst versorgt man sie mit falschen Informationen. Dann schickt man die Ablehnung an eine falsche Adresse*. Daraufhin vergehen einige Tage und die Bewerberin verliert noch mehr Zeit, so dass sie schließlich nicht an der Berufsweiterqualifikation teilnehmen kann. Sie wird arbeitslos und/oder mit Niedriglohnjobs versorgt. Sie wird frustriert und depressiv. Letzteres kann aber nicht behandelt werden, weil sie natürlich auch (noch) nicht in der Versicherung ist. Sie ist von ihrem Mann abhängig, hat kein eigenes Konto (dafür braucht man die Personnummer) und sie kann nicht mal einen Autoanhänger für einen evtl. Umzug zurück nach Deutschland mieten (denn auch dafür braucht man eine Personnummer). Sie wird wahnsinnig und springt halbnackt durch die deutschen Touristenmassen vor dem Schloss in Stockholm und schreit "Blödes Schweden". Daraufhin wird sie ausgewiesen und kommt endlich zurück in die geliebte bayerische Heimat, ins Bezirkskrankenhaus Mainkofen.
Noch bin ich aber immer noch gewillt, Ihnen noch 34 Tage zur Bereinigung der Angelegenheit einzuräumen. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie auch mal einen Blick in Ihre Akten von 2007 werfen, da habe ich diesen Zirkus schon einmal durchgemacht. Wie in der Beschwerde von meinem Mann an Sie formuliert, wären wir aber schon über eine schriftliche Stellungnahme und eine Entschuldigung dankbar.
Mit freundlichen Grüßen,
Barbara H.
* die Adresse und der Name können nur geändert werden, wenn man ins Einwohnerregister aufgenommen ist; die kann nur geschehen, wenn man die Aufenthaltserlaubnis hat; dafür muss man aber eine Adresse in Schweden haben...
Ich hoffe, dass Ihr versteht, dass manche Passagen mit den Stilmitteln der Ironie gewürzt sind und nicht alles wörtlich zu nehmen ist; das meiste ist allerdings leider wahr...
Liebe Barbara! Uiui, das klingt ja alles ziemlich ärgerlich. Hoffentlich ist das "alles" bald durchgestanden für Dich. Ansonsten kannst Du Dir überlegen, ein Handbuch "Schweden - ich hab schon mehr gelacht beim Einreisen" herauszugeben? ;-) (übrigens: auch wenn ich Dich erst seit kurzem und nur aus dem Blog kenne, die Ironie springt förmlich aus Deinem Brief, herrlich! :-) )
AntwortenLöschenAlles Liebe und viel Durchhaltevermögen mit baldigstem (!!!) Erfolg,
Martina :-)
Oh Martina, vielen Dank für deinen Kommentar - das ist Balsam für die Seele :) Schreib mir doch mal deine Adresse über die Kontakt-email, ich würde dir gerne ein kleines Dankeschön zukommen lassen. Herzliche Grüße, Barbara
LöschenBow, das ist ja echt zum Mäuse melken! Da muss man allerdings wirklich zu einer sehr ruhigen Sorte Mensch gehören, um nicht verrückt zu werden. Gut, wenn du deinen Frust in einem so wunderbaren Brief abarbeiten kannst. Das hat sicher gut getan. Und es war wirklich gut zu lesen!
AntwortenLöschenHalte durch!!!
Ach Gesche, leider bin ich nicht so ruhig und gelassen, wie ich gerne wäre :) Ein paar Leute, die mir auf dem Heimweg 'zu nahe' kamen mussten schon ein paar bayerische Kraftausdrücke einstecken, obwohl die gar nichts dafür konnten (v.a. mein Mann, der Schwede!). Danke für deine aufmunternden Worte!
Löschenp.s. Am Sonntag geht dein Duftkissen in Arbeit :)
Was muss ich grinsen... eigentlich sogar lauthals lachen (beim halbnackten Tanzen in den Touristenmassen). Ach du... ich wünsch dir, dass es bald mal aufwärts geht da im Land der blau-gelben :)
AntwortenLöschenAlles, alles Liebe. maria
Danke auch für deine lieben Wünsche und ich freue mich, wenn ich deinen Humor getroffen habe :) Ja, irgendwann geht es wohl aufwärts! Herzlichst, Barbara
LöschenAls Touristin in Schweden, erfahre ich darüber nun von dir eine ganz andere Seite. Mein Reiseziel war 850 km nördlich von Stockholm, in so einer völligen Abgeschiedenheit. Was ich da an Umweltsünden rund um die Häuser oder an einsamen Seen mit eigenen Augen sehen musste, konnte ich kaum fassen. Die sollten dir unbedingt ein Angebot machen.....
AntwortenLöschenLiebe Grüsse
Brigitte
DAS KANN DOCH ALLES NICHT WAHR SEIN...!!!
AntwortenLöschenMeine Liebe, ich drück dir ganz feste die Daumen, dass dieser Wahnsinn bald ein Ende nimmt! Das kann doch nicht deren Ernst sein... Du bist eigentlich viel zu schade für dieses Land, das dich scheinbar gar nicht will! Bei mir wär immer ein Plätzchen für dich frei...;)
Liebe Barbara,
AntwortenLöschenja der Wahnsinn, da dachte ich schon die deutsche Bürokratie wäre furchtbar. Bewundernswert mit wieviel Ironie und Witz du diese Geschichte "verarbeitest". Aber es wird echt langsam Zeit für dich, dass alles zu einem wirklich guten Ende kommt und in den richtigen Bahnen läuft beruflich und "bürokratisch"..... ich wünsche dir gute Nerven zum Durchhalten und Kopf hoch! Die haben dich wohl gar nicht verdient die Schweden ;-)
Alles Liebe und viel Kraft und Energie in den hohen Norden,
Karin
Liebe Barbara,
AntwortenLöschenich wünsche weiterhin gutes Durchhalten beim Durchdringen des schwedischen Bürokratiedschungels. Vermutlich ist es momentan auch nicht förderlich, dass gerade Sommerzeit ist und alle Schweden in Ferien sind. (Das haben zumindest meine Freunde berichtet, als sie in Stockholm lebten. In der Sommerzeit steht wohl alles still..) Aber aufbauend ist das bestimmt auch nicht...
Könntest du Kontakt zu schwedischen Umweltorganisationen aufnehmen? Ich war früher sehr jugendumweltbewegt und damals gab es in Schweden recht aktive Mitglieder...
Gutes Durchhalten wünscht Kathrin
P.S. Ich war vor über 25 Jahren zum Schüleraustausch in Indiana und viele Absolventen der Highschool gingen dann nach Purdue ;-)
Übrigens habe ich inzwischen mehreren afrikanischen Migranten hier in Köln von deinen Erlebnissen erzählt. Es hat sie tatsächlich ein bisschen getröstet!
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