Ich bin mal wieder die letzte, die um 17:30 Uhr am Freitag die Schule verlässt. Die U-Bahn ist so voll, dass man sicher nicht mehr umfallen kann. Der Menschenstrom spült mich zur Umsteigestation und endlich komme ich in die richtige Bahn, die mich nach Hause bringt. Als ich mich endlich auf einen Sitzplatz fallen lasse, kommt eine Ahnung von Kopfweh und Hunger auf. Um mich herum haben viele Leute schicke Taschen, gefüllt mit Sushi, Frühlingsrollen (die lecker duften!), Nudeln oder Pizzakartons. Nachdem ich mich die Treppe hochgeschleppt, den Rucksack abgestellt und die Jacke samt verschwitzten Pulli ausgezogen habe, ist mir zum Heulen zumute: Warum können wir nicht mal Essen holen? Oder Essen kommen lassen?
Ich fülle erstmal den Wasserkessel und mache Tee. Ich nehme ein paar Schlucke, lege mir das Rezept bereit und hole die Zutaten aus dem Kühlschrank, aus dem
Netz, aus dem Kasten. Langsam beginne ich zu schälen, zu waschen, zu hacken, zu reiben.
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| Man braucht: 2 Gelbe Rüben, eine Stange Lauch, 4 Knoblauchzehen, 1 rote Zwiebel, 1 Stück frischen Ingwer |
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| Das Gemüse klein schneiden oder reiben. |
Ich fühle, wie mir der Zwiebelsaft in den Augen brennt, ich schmecke die Süße der letzten Gelbe Rüben-Stückchen, der Saft des Ingwers tropft über meine Finger. Behutsam stelle ich meinen Lieblingstopf auf die Platte, höre das Fauchen des entzündetens Gases, gebe goldgelbes Rapsöl hinein.
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| Das Gemüse in 1 EL Rapsöl andünsten, 1 dl rote Linse zugeben und anschwitzen. |
Während sich in der Küche eine schöne Wärme ausbreitet, hole ich die Gewürze vom Regal. Den Fenchel gebe ich in den Mörser und zerdrücke behutsam die Körner. Das ist eine schöne Bewegung, der Fenchelgeruch steigt mir in die Nase.
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| 2 EL gemahlenen Koriander, 1 EL Fenchel (zerstoßen/gemahlen), 1 Chili oder Chilipulver zugeben. |
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Zischend und blubbernd füllt sich der Topf nun mit den Flüssigkeiten - Kokosmilch und Gemüsebrühe. Ich freue mich über die schöne gelbe Farbe, lege den Deckel auf und lasse alles köcheln. Ich fülle meine Teetasse nach.
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| Mit einer Dose (Bio-)Kokosmilch und Gemüsebrühe aufgießen. Den Saft einer Zitrone oder Limette zugeben, mit Salz abschmecken. |
Wir sitzen am Tisch. Ich fülle die warme, cremige und leichte Suppe in den Suppenteller. Behutsam nehme ich einen Löffel: Die Linsen, Koriander und Chili wärmen, der Ingwer und die Zitrone erfrischen, der Fenchel beruhigt, das Gemüse gibt Kraft.
Jetzt weiß ich wieder, warum ich kein fertiges Essen holen will...
Ach, war das schön zum Lesen! In Deinen Zeilen ist die Ruhe zu spüren, die mehr und mehr in Dir einkehrt nach einer anstrengenden Woche. ...und von den U-Bahnmenschen wären sicher gleich einige mitgekommen, hätten sie von dieser Suppe gewusst. ;-)
AntwortenLöschenAlles Liebe und ein schönes WE, Martina :-)
Was für eine schöne Geschichte, und man riecht und schmeckt förmlich, was sich da im Topf zusammenfügt.
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Andrea
Das hast du wunderschön geschrieben und auch ich kann deinen letzten Satz so nachvollziehen... Bin null Fan von Fertigessen, aber es bedeutet eben auch "Arbeit ".
AntwortenLöschenLG Maike
Rote Linsensuppe mit Ingwer, Kokosmilch und Möhren - so heißen die gelben Rüben bei uns in Sachsen :) - könnte ich im Winter jeden Abend essen. Fenchel hab ich noch nie dafür benutzt - die nächste Suppe wird definitiv nach deinem Rezept gekocht - das klingt echt lecker. Wenn ich abends nach Hause komme und an den Imbiss-Ständen und Bäckerläden vorbeikomme, denke ich auch oft, wie einfach es jetzt wäre, da auf die Schnelle was Fertiges zu kaufen. Aber wenn ich dann an meinem Herd stehe und die Aromen so langsam meine Familie in die Küche locken und sich alle freuen und ungeduldig warten, bis die Linsen endlich weich sind (diese Viertelstunde scheint für einen hungrigen Ehemann wahrlich endlos zu sein), dann ist die Welt für mich wieder in allerschönster Ordnung. Und der erste Löffel ist sowieso immer der leckerste ;))
AntwortenLöschenLiebe Grüße, Heike
So eine liebevoll erzählte Geschichte des Alltags - sie liest sich wunderbar, kommt sie mir doch sehr bekannt vor :-) Alles Gute, viele Grüße, Karin
AntwortenLöschenLiebe Barbara,
AntwortenLöschenals ich Deinen Bericht angefangen habe zu lesen, habe ich Dich so bedauert. Aber zum Schluss habe ich Dich einfach nur beneidet. Du hast so wunderschön erzählt. Ich hatte direkt ein Kopfkino und hab Dir beim Kochen zugesehen. Ich konnte die Gewürze förmlich riechen. Es tut doch einfach nur gut liebevoll und achtsam mit sich um zu gehen und da gehört die Zubereitung des Essens mit auf die forderen Plätze.
Ich wünsche Dir und Deinem Mann ein schönes achtsames Wochenende.
Petra
Das tut gut, wie Du Deine Sinneserfahrungen beim Kochen beschreibst. Und Gemüse mit Kokosmilch, Linsen...lecker! Vielleicht hätte ich mich heute beim Einkaufen doch gegen die Gemüsequiche und für so ein ähnliches Gericht entscheiden sollen (wie ich es ursprünglich vorhatte)...?
AntwortenLöschenEin schönes gemütliches Wochenende,
Helga
Ich möchte mich den Vorschreiberinnen anschließen: dieser Bericht war wunderschön zu lesen!
AntwortenLöschenWeiters hoffe ich, nach dem Essen & Genießen waren sowohl der Hunger als auch die (beginnenden) Kopfschmerzen weg.
Und ich denke, ich werde diese Suppe demnächst nachkochen..
Viele Grüße
Elena
Ich habe deinen Bericht verschlungen und sitze nun ganz traurig da, dass ich das mit deiner Suppe nicht auch machen kann. Mmmmmmh!!!
AntwortenLöschenWenn ich müde am Herd stehe, oft nachts, da ich an 4 Tagen vorkochen muss, frage ich mich manchmal "Warum tu ich mir das an?!"
Du hast recht ... genau darum!
lg Petra
Ha, den Topf kenne ich! ...und auch das Gefühl drumherum...schöne Grüße aus der Quarantäne Station, mit Essen kochen ist für den kleinen meiner Jungs grade nichts zu machen, der Magen lässt nur trocken-Brot drin...
AntwortenLöschendiese Glückshose schaut übrigens so toll genäht aus, der würde man sogar Pech verzeihen - aber anscheinend hat sie auch noch gewirkt!
Alles Liebe, Frieda
Ach, das hast du aber schön geschrieben. Wie schön, dass du noch die Kraft hattest euch diese leckere Suppe zu kochen. Ich mag Fenchel so gern, habe es aber noch nie als Gewürz verwendet. Ich denke, die Suppe koche ich mal nach. Vielen lieben Dank für das Rezept.
AntwortenLöschenViel Kraft und liebe Grüße,
Kathrin
Wenn ich einen Lieblingsblogeintrag auswählen müsste, dann wäre es wohl dieser!
AntwortenLöschenLiebe Barbara,
AntwortenLöschenheute Abend gab es bei uns deine Suppe zu essen. So köstlich! Leider hatte ich keine Zitrone da, aber auch so war die Suppe ein wahrer Genuss. Und du hast Recht, das Kochen dieser Suppe ist sehr sinnlich! Noch sinnlicher wurde es bei mir, weil ich keinen Fenchel da habe und deswegen den Fenchel aus dem Anis-Fenchel-Kümmel-Tee sortiert habe. Ich war gedanklich ganz schnell ganz weit weg von der Arbeit. ;-)
Zwei Fragen habe ich noch: ich habe jetzt einfach den Messbecher bis zur 100 ml Markierung mit Linsen gefüllt, das müsste dann doch den schwedischen Maßen entsprechen oder? Und wieviel Gemüsebrühe tust du dazu? Ich hab die Kokosmilchdose einfach mit Gemüsebrühe gefüllt, aber deine Suppe sieht etwas suppiger aus.. Nimmst du mehr Brühe?
Die Suppe gibts bei uns jetzt öfter!
Ganz lieben Dank!
Liebe Grüße,
Gesa
Liebe Gesa,
Löschenhier nur eine kurze Antwort, weil es bei uns auch gleich Essen gibt :-)
Genau, 100 ml im Messbecher sind 1 dl Linsen. Die Schweden messen nur so - sehr verrückt!
Hm, Brühe/Wasser gebe ich immer nach Gefühl zu: Wenn es noch zu dick ist, dann gieße ich pi mal Daumen nochmal nach...
Schön, dass es geschmeckt hat!
Herzliche Grüße,
Barbara