Reden wir heute mal übers Geld! :-) Nein, nicht über zahlungspflichte Tools, sondern über das Geld der Schweden. Ein Leserin hat mir dazu ein paar Fragen gemailt, die ich nicht unbeantwortet lassen will.
Ja, in Schweden ist das bargeldlose Einkaufen auf dem Siegeszug. An vielen Geschäften findet man an der Eingangstür einen Zettel oder einen Aufkleber "Endast kort" - Nur Kartenbezahlung. Die Argumentation, die dahinter steht, ist, dass man so weniger Raubüberfällen ausgesetzt sein kann. Ähnlich kann man auch in Stockholm schon lange keine Bustickets mehr mit Bargeld beim Bussfahrer kaufen, sondern nur mit Karte bei entsprechenden Automaten an entsprechenden Verkehrsknotenpunkten. Einzelfahrkarten, die man mit Bargeld bezahlen will, können nur in Kiosks erworben werden.
Eine andere Alternative ist das Bezahlen mit dem Handy*. Man kann, wieder als Beispiel im öffentlichen Nahverkehr, eine spezielle App herunterladen und darüber die Tickets kaufen. Ähnliches bieten auch die Bahn oder andere Dienstleister an. Die Kosten werden über den Anbieter verrechnet. Ähnlich kann man sich auch Mini-Kredite via Handy sichern.
Und das sagt nun schon einiges über das Verhältnis der Schweden zum Geld aus. Wie die Leserin richtig folgerte, gibt es viele Schweden, die große (!) finanzielle Probleme haben. Die Tageszeitung Dagens Nyheter bezifferte am Donnerstag die Anzahl der total überschuldeten Schweden mit einer halben Million - bei nur 9 Millionen Einwohnern! Total überschuldet heißt, dass man keine der monatlichen Ausgaben mehr selbst begleichen kann. Abgesehen von den Amerikanern, die ich während meinem Jahr in Indiana getroffen habe, sind nur die Schweden ebenso unbekümmert beim Aufnehmen von Krediten - und die Banken samt niedrige Zinsen machen es möglich. Dabei kann es sich um Kleinkredite handeln, oder um die Finanzierung einer Wohnung, bei der für den Eigenanteil bei einer anderen Bank wieder ein kleinerer Kredit aufgenommen wird.
Auch Studienkredite werden gerne aufgenommen - und viele dann nicht mehr zurück bezahlt. So haben viele junge Schweden schon Kontakt mit dem Gerichtsvollzieher.
Glücklicherweise ist mein Mann sehr solide, denn ich könnte bei so einem Finanzverhalten nicht mehr schlafen!
Aber, es gibt es noch, das Bargeld. Im Herbst werden wir sogar neue Scheine in Schweden bekommen! Auf dem Flohmarkt u.ä. kann man noch mit Bargeld bezahlen, auch wenn es sicher ausgefuchste Flohmarktverkäufer mit Kartenlesegerät gibt.
Ich habe immer ein bisschen Kleingeld im Geldbeutel, aber den Wocheneinkauf bezahle ich z.B. auch immer mit Karte. Viele Tankstellen sind inzwischen nur noch mit Tankautomaten versehen, auch da braucht es eine Karte. Meine Devise ist der goldene Mittelweg und ich kontrolliere wöchentlich meine Ausgaben. Bargeld, wo möglich und sinnvoll, Karte, wo nötig und auch sinnvoll.
Eine Sache, die mich aber nervt, ist, dass bei schwedischen Banken nur noch eine Karte ausgegeben wird, die zugleich EC- und Kredit-Karte ist (z.B. Visa- oder Mastercard). Im Kartenlesegerät des Supermarktes in Schweden wähle ich dann, ob der Betrag vom Konto abgezogen werden soll, oder auf Kredit gehen soll. Diese Karte wird aber in deutschen Geschäften nicht akzeptiert, da sie eine vermeintliche Kreditkarte ist und diese Geschäfte nur eine EC-Karte akzeptieren (hat wohl mit Buchungsgebühren für die Geschäfte zu tun). Für mich hat das zur Folge, dass ich mir genau überlegen muss, was ich alles für ca wie viel Geld in meiner Heimatstadt einkaufen will. Und dass ich gegebenenfalls nochmal (mit Gebühr) Geld nach-abheben muss, denn wir kaufen ja nicht wenig in Bayern ein ;-)
*Ob das aber mit ausländischen Sim-Karten funktioniert. Naja, Service am Kunden ist was anderes...
Nein, leider funktioniert das nur, wenn man einen Vertrag mit einem schwedischen Anbieter hat .. war zumindest unsere Erfahrung in Värmdö ... und weit und breit kein Automat bzw. Kiosk ... dafür gabs dann einen Spaziergang ;-) (und dabei haben wir u.a.die von dir beschriebenen zahlreichen leeren Snusdosen entlang der Straße gesehen)
AntwortenLöschenDa kommen mir diverse Zahlungserinnerungen hoch... Wir waren einmal mit dem Wohnmobil nach Norwegen unterwegs, der Weg hinauf führte uns über Schweden. Da wir keine Kreditkarte mit Code hatten (bzw den PIN nicht wussten) mussten wir immer sehr umsichtig sein und lieber etwas früher den Tank wieder auffüllen.
AntwortenLöschenUnd als ich noch in D lebte, hat mir furchtbar geärgert, dass man mit der EC-Karte nicht bei jedem Bankomat spesenfrei Geld abheben konnte, wie ich es von Ö gewohnt war. So hatte ich zur Sicherheit immer meine österr. Bankkarte mit dabei, denn damit kann ich im Euro-Ausland spesenfrei abheben.
Dass man mit dem bargeldlosen Zahlen total das Verhältnis zum Geld verliert, ist gut vorstellbar. Und wie sollen es die Kinder von den Eltern lernen? Ich sehe ja auch diese Ratenzahlungen sehr kritisch, vorallem bei "Kleinanschaffungen" wie einen Fernseher oä. Wie wäre es mit Sparen? Dann hab ich halt einmal ein paar Monate keinen Fernseher. Naja... ein unendliches Thema. ;-)
Alles Liebe und danke für Deine Schwedeneinblicke, auch den Snus-Artikel hab ich mit großem Interesse gelesen, Martina :-)
Ich nötige die Verkäufer in Deutschland immer, die Karte doch erstmal ins Lesegerät zu stecken. (So Kartenzahlung überhaupt möglich ist, also mit EC-Karte.) Dann sind sie immer ganz erstaunt, was da alles geht und dass es doch keine Kreditkarte ist. "Wie in Amerika!", höre ich dann ganz oft. Pfff!
AntwortenLöschenWir hier können wählen, ob wir die kombinierte Karte wollen oder Bank- und Kreditkarte einzeln. Wenn dich die kombinierte Karte so stört, dann frag doch mal bei deiner Bank!
Ich selbst zahle übrigens sehr, sehr gern mit Karte - und kann trotzdem mit meinem Geld haushalten. ;-) (Und natürlich kann man auch Kinder trotz Kartenzahlung zur Sparsamkeit erziehen. Das Fräulein Maus fragte auch einmal, als ich ihr sagte, wir hätten nicht so viel Geld, dann solle ich doch einfach mit Karte bezahlen. Kindliche Logik, klar. Hab' ich ihr dann eben erklärt, warum auch das Geld von der Karte irgendwann alle ist.)
Und dass man in Schweden überall mit Kreditkarte zahlen kann, finde ich persönlich ja auch sehr praktisch - entfällt das leidige Geldumtauschen für einen Tag Durchreise! :-)
Sehr spannend. Bei der App zog ich die Parallele zum Handygebrauch, der in Schweden schon vor Jahren viel weiter verbreitet war als in Deutschland, einfach auch aus der Notwendigkeit in der Natur (zumindest Nordschweden). Kann es auch da einen Zusammenhang geben? Unkompliziert bezahlen, weil das Handy- und Internetnetz auch auf dem Lande sehr gut funktioniert, statt zum nächsten Geldautomaten zu fahren, der weiter entfernt ist? Und wie gehen ältere Schweden damit um?
AntwortenLöschenAllein die oft lückenhafte Netzabdeckung in Deutschland steht so einer Verbreitung (Handy als Fahrschein) entgegen.