Ein Thema, das mir im Gartenkurs besonders Freude gemacht hat, war die Fruchtfolge. In Gartenbüchern nicht selten oder nur oberflächlich beschrieben, machte mir die Planung einer Fruchtfolge in meinem Garten doch Kopfzerbrechen. Oft versuchte ich nur einfach nicht zweimal hintereinander das Gleiche anzubauen. Zudem hatte ich eine grobe Auffassung davon, was Stark-, Schwach- und Mittelzehrer sind.
Dabei ist eine ausgeklügelte Fruchtfolge das A und O im Ökogartenbau. Mit der richtigen Fruchtfolge kann man nicht nur den Nährstoffhaushalt begünstigen, sondern auch aktiv Bodenverbesserung und Pflanzenschutz betreiben.
Was ich nämlich bis zum Gartenkurs nicht wusste, ist, dass es Pflanzenfamilien gibt, die die Entwicklung von Mykorrhiza-Pilzen im Boden behindern bzw. fördern. Hat man einen gut versorgten Boden, der regelmäßig mit Mulch und/oder Kompost versorgt wird, dann befinden sich in der Regel ausreichend der hilfreichen Pilze im Boden, die mit den Wurzeln eine Symbiose eingehen. Pflanzen der Kohlfamilie und Fuchsschwanzgewächse (Spinat, Mangold und Rote Beete/Randen) verweigern eine Zusammenarbeit und so nimmt der Mykorrhizaanteil im Boden ab. Gerade Zwiebel, Möhren, Wurzelsellerie und Lauch sind aber von den Pilzhelferlein abhängig und deshalb wäre es sehr unvorteilhaft, wenn man diese nach Kohl oder Mangold auf ein Beet setzt.
Außerdem gibt es ein paar Krankheiten, die - einmal eingeschleppt - mehrere Jahre in der Beeterde überdauern können. Kohlhernie und die Welkekrankheit, die bei Erbsen auftreten kann, sind solche. Um ohne Pflanzenschutzmittel auszukommen, ist dann eine Anbaupause von mehreren Jahren sinnvoll.
Bei der Fruchtfolge sind also zu berücksichtigen:
- Stark-, Mittel-, Schwachzehrer oder nährend
- Mykorrhizareduzierend oder -abhängig
- Pflanzenkrankheiten
In der Regel werden drei- oder vierjährige Fruchtfolgen vorgeschlagen, aber je länger der Abstand, desto "sicherer" ist man.
Ich habe mich für eine achtjährige Fruchtfolge entschieden. Man kann nur ganz kleine Parzellen haben und sie mehrfach unterteilen, denn eine lange Fruchtfolge ist nicht vom Platz abhängig.
Ich werde anhand meiner Planung nun kurz die Prinzipien der Fruchtfolge erläutern.
Beet 1, 1. Jahr: Gründüngung: Die Bepflanzung ist nährend, also reichert den Boden mit Nährstoffen und Humus an. Allerdings darf ich keine Gründüngung aus der Familie der Kreuzblütler verwenden (Rettich, Senf), denn auf das gut vorbereitete Beet sollen dann die Starkzehrer aus der Kohlfamilie (auch Kreuzblütler) und so würden Pflanzenkrankheiten zwei Jahre hintereinander einen Wirt haben. Also säe ich nur Klee und Phazelia sowie Ringelblumen und Sonnenblumen.
Beet 1, 2. Jahr: Nun ist das Beet dank der Gründüngung gut vorbereitet und ich setze die Starkzehrer aus der Kohlfamilie darauf.
Beet 1, 3. Jahr: Der Kohl hat ganz schön viele Nährstoffe aufgebraucht und die Mykorrhiza-Pilze sind reduziert. Also muss ich Pflanzen wählen, die nicht so viel Nährstoffe brauchen, nicht unbedingt von Mykorrhiza abhängig sind und die nicht aus der Familie der Kreuzblütler stammen. Ich habe mich für Mais und Pastinaken entschieden. Pastinaken sind Mittelzehrer und Doldenblütler und nicht von Mykorrhiza abhängig. Mais braucht zwar schon einiges an Nährstoffen, die kann ich aber mit guten Düngergaben (Kompost, "Goldwasser") zuführen, ist aber nicht näher mit anderem Gemüse verwandt, was das Krankheitsrisiko senkt. Außerdem braucht auch er nicht unbedingt Mykorrhiza. Pastinake und Mais ergänzen sich vom Platzangebot her gut, denn die einen wachsen nach unten, die anderen nach oben.
Beet 1, 4. Jahr: Schwachzehrer bzw. nährend sind die Pflanzen der Bohnenfamilie. Deshalb kommen sie dann im vierten Jahr auf das Beet, so dass es sich wieder erholen kann. Wenn man im Herbst die Pflanzen abschneidet und die Wurzeln im Boden lässt, kann man extra Stickstoff einlagern lassen.
Beet 1, 5. Jahr: Nun ist der erholte Boden wieder bereit für Starkzehrer: Wurzelsellerie und Lauch werden angebaut. Die beiden Arten arbeiten gern mit Mykorrhiza-Pilzen zusammen und die dürften im 3. Jahr nach dem Kohl wieder gut vorhanden sein.
Beet 1, 6. Jahr: Auf die Starkzehrer folgen Mittelzehrer aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse: Rote Beete und Mangold. Sie gehen auch mit Mykorrhiza-Pilzen keine Symbiose ein und tragen daher nicht zu deren Erhalt/Entwicklung bei.
Beet 1, 7. Jahr: Erbsen gehören zu den Hülsenfrüchten und sind Schwachzehrer/nährend.
Beet 1, 8. Jahr: Der Boden ist wieder etwas erholt und bereit für Mykorrhiza-abhängige Mittelzehrer: Gelbe Rüben und Zwiebeln.
Dann kommt wieder ein Jahr mit Gründüngung zur Erholung und Bodenverbesserung.
Gartenanstoß Woche 9-10:
In welche Pflanzenfamilien bzw. Kategorien gehören eure geplanten Gemüse und ähnliches? Wie denkt ihr über eine Fruchtfolge?
Habt ihr schon etwas angesät?
Hallo Barbara,
AntwortenLöschenvielen Dank für den Einblick und den Gedankenanstoß!
Tatsächlich habe ich schon einiges in der Voranzucht (Paprika, Auberginen, aber auch Kohl, Sellerie und Zwiebeln, auch ein paar Salate). Draußen sind die dicken Bohnen, Radieschen und Möhren ausgesät. Im letzten Jahr hab ich das auch um die Zeit gemacht und es hat gut funktioniert. Dabei war letztes Jahr um die Zeit Eis und Schnee. Im Moment haben wir tagsüber 16 Grad. Verstörend..
Ich habe nur einen groben Aussaatplan, aber keinen Anbauplan. Ich tue mich total schwer mit der Einschätzung des Platz- und Zeitbedarfs. Deswegen berücksichtige ich auch noch keine Fruchtfolge oder so. Da ich aber mit Hochbeeten gärtner (habs hier im felsigen Waldboden auch ohne Erfolg anders versucht..) wird ja regelmäßig Erde aufgefüllt. Trotzdem möchte ich mit den Jahren einen ausgeklügelten Pflanzplan und eine eigene Erdwirtschaft etablieren.
Was ist denn Goldwasser?
Liebe Grüße und bis bald :-)
Liebe Grüße und bis bald,
AntwortenLöschenGesa
(muss es bei anonymem Kommentar natürlich heißen
Hallo Barbara
AntwortenLöschenbei mir ist, bis auf die Kresse auf der Fensterbank, noch nichts ausgesät.
Dahlien und Begonien hab ich gestern in große Töpfe gegeben, diese werden nun ganz langsam angegossen und verweilen erst mal ein paar Wochen im Heizungskeller.
Direkt an Ort und Stelle im Mai, damit hab ich bei Dahlien keine Erfolg auf Grund der vielen Schnecken. Aber sind die Dahlien groß genug vorgezogen geht es mit
Schneckenkorn doch ganz gut, Begonien werden für den Friedhof vorgezogen.
Ansonsten warte ich noch mit dem Gemüse.
Wenn ich zu früh dran bin, ist es oftmals "verzogen" und wird nichts mehr.
Hab mal eine Frage an dich. Du hast in einem älteren Post geschrieben, dass du
Erbsen auf der Fensterbank ansäst und diese dann zum würzen bzw. als Topping verwendest. Nimmst du hierfür normales Erbsensaatgut?
LG Bärbel aus Bayern