Donnerstag, 8. Mai 2014

Schwedische Bürokratie, Teil 678

In sechs Wochen ist die Weiterbildung zu Ende. Zwei Jahre Studium an der Uni, davon eines mit Teilzeitjob als Mutterprachlehrerin. Nun, so dachte ich, kann ich mir bald meine schwedische Lehrerzulassung abholen.
Aber von der Uni erhalte ich zunächst nur eine Art Teilnahmebestätigung oder eine Art Zeugnis, aber kein Examen. Dieses muss an einer anderen Stelle der Uni mit dem Teilnahmezeugnis beantragt werden. Die Bearbeitungszeit beträgt etwa 4 bis 5 Monate. Erst mit dem Examen kann man denn beim Schulamt die Lehrerzulassung beantragen, die ja ab dem nächsten Schuljahr zunehmend verpflichtend wird. (Nur wenn es keinen verfügbaren Lehrer mit Zulassung gibt, dürfen noch Lehrer ohne Zulassung angestellt werden). Die Bearbeitungszeit beim Schulamt beträgt zwischen 4 und 7 Monaten und die Bearbeitungsgebühr 1500 SEK, etwa 170 Euro. Und das für einen Computerausdruck, der für alle verpflichtend ist...

Mittwoch, 7. Mai 2014

gestrickt: Das Leftie-Tuch ist fertig!

Mein Ziel war ja Ostern, letztendlich wurde es nun Anfang Mai. Aber es ist eh noch kühl hier und die nächste kalte Jahreszeit kommt bestimmt (bald)... Die Fotos habe ich noch schnell gestern geknipst, bevor uns heute Nacht die kühle Regenfront überrollt hat.
Die Fakten:
Muster: "Leftie" von Martina Behm
Wolle: Finkhof Merino dünn, Verbrauch 165 Gramm

Dienstag, 6. Mai 2014

Wandertagebuch: Schritt für Schritt

Mit großen Schritten gehen wir dem Vorsommer und Mittsommer entgegen. Das merkt man deutlich an der Tageslichtlänge, die mir sehr, sehr gut tut. Allerdings setzen mir die Kälte und der eisige Wind durchaus zu, was ich nie von mir gedacht hätte. In meinen Augen war ich immer ein 'nordischer Typ', der mit Schnee und Kälte besser zurecht kommt als mit Hitze. Aber nach zwei psychisch belastenden Wintern im Norden ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich die Anzeigen für Sommer-Sonne-Strand-Reisen in der Tageszeitung interessiert studiere. Außerdem habe ich angefangen, sowohl Dinkel- als auch richtigen Kaffee zu trinken, etwa eine Tasse am Tag. Ernstzunehmende und beunruhigende Anzeichen einer zunehmenden Schwedifizierung?! ;)
Im Privaten versuche ich Schritt für Schritt den Weg, den ich diesen Frühling begonnen habe, weiterzugehen und meine Sichtweise zu verändern. Letzte Woche ist mir das recht gut gelungen, an manchen Tagen habe ich aber Durchhänger. Aber auch das will ich lernen: Geduldiger mit mir selber sein, diese Durchhänger zulassen. Nach mehr als zwei Jahren 'abwärts' kann man es nicht von einen Tag auf den anderen ändern. Die Helferlein der Heilpraktikerin tun mir gut und ich habe auch wieder einen Kräutertee hervorgeholt, den mir eine liebe Freundin empfohlen hatte. Lange stand er im Schrank und ich hatte nicht mal die Energie, ihn mir aufzubrühen.
Allerdings beängstigt mich manchmal die Schrittgeschwindigkeit der Zeit: In sechs Wochen ist die Weiterbildung vorbei (!!!), es beginnen die Sommerferien und es ist schon Mittsommer - danach werden die Tage wieder stetig kürzer. Dabei habe ich immer noch keine Arbeitsperspektive für das neue Schuljahr und ein Häuschen haben wir auch noch nicht. In zweieinhalb Monaten muss ich schon wieder (!) zur Einwanderungsbehörde und meine Aufenthaltserlaubnis verlängern lassen. Ein ganzes Schuljahr als Muttersprachlehrerin ist fast zu Ende, wie vorbeigeflogen.
Nun versuche ich mich darin, auch nicht zu weit nach vorne zu schauen, sondern besonnen Schritt für Schritt weiterzugehen. Ich übe mich in Lebensfreude, ändere das, was ich ändern kann und mache das Beste aus dem Rest ;)


Montag, 5. Mai 2014

Landskapsrätt: Jämtländsk Tiramisu

Oje, das war ja schon eine ganze Weile her, dass ich ein Landschaftsgericht präsentiert habe... Letzten Sonntag hatte ich aber Eltern und Schwiegereltern zu Gast und, um ein festliches Abendessen mit Elchbiffar in Morchelsoße abzurunden, musste eine feine Nachspeise her. Ich entschied mich für ein jämtländisches Tiramisu.
Im Originalrezept wäre Zuckerkuchen verwendet worden, ich fand aber italienischen Löffelbisquit als unsüßere Variante im Supermarkt. Diese Stücke kamen ganz nach unten und wurden wie in einem gewöhnlichen Tiramisu mit kaltem Kaffee getränkt. Für die Creme verwendete ich nur Quark, Sahne und Vanillezucker, da ich mich nicht auf rohe Eier etc. einlassen wollte.
Der Clou im Tiramisu sind aber die Moltebeeren. Aus tiefgefrorenen Beeren habe ich mit etwas Zucker und Quittenlikör (hatte ich gerade in der Küche und harmonierte gut mit der Herbe der Moltebeeren) ein Kompott gekocht.
Das Jämtland ist eine der 9 Landschaften, aus denen sich das Nordland zusammensetzt. Die Provinz kam erst im 17. Jahrhundert zu Schweden und zeichnet sich durch starken Lokalpatriotismus aus. Im jämtländischen Pilgrimsstad liegt die kleinste Brauerei Schwedens. Im fünfgrößten See Schwedens, dem Storsjön, an dem auch die Stadt Östersund liegt, gibt es angeblich ein Seeungeheuer, das Nessie nicht unähnlich sein soll...
Die Fakten
Landschaft: Jämtland
Größe: 34 009 km²
Einwohner (2009): 112 750
Höchster Punkt: 1743 m über NN (Storsylen)
Größte Stadt: Östersund
Landschaftstier: Elch
Landschaftsblume/-pflanze: Kohlröschen
Landschaftgericht: Elchbraten mit Morchelsoße
Ein hervorragendes Dessert, das ich sicher noch öfter für Gäste machen werde!

Sonntag, 4. Mai 2014

1. Mai-Ausflug im Schnee

Auch wenn der Schnee nicht durchgehend liegen blieb, in Senken und an Nordhängen begleitete uns der Mai-Schnee den ganzen Tag. Inzwischen ist der Schnee doch hoffentlich wieder überall verschwunden, der kalte Wind erinnert uns aber noch daran, dass es 'erst' Anfang Mai ist...

Sonntagsfreude: Besuch

Diese Woche war gefüllt mit intensiven, wunderschönen Besuchstagen, bereichernden Gesprächen und Ausflügen, die mir auch mal wieder eine Perspektive auf Schweden fernab meiner Alltagswege ermöglichten.
Mehr Sonntagsfreudensammler gibt es auch in diesem Jahr wieder auf dem Kreativberg.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Gefeiert: Valborg

Schwedischer ging es wohl kaum, so wie wir* gestern Valborg/Walpurgis begangen haben.
Zunächst wurden wir vom Polizeiaufgebot rund um das Schloss angelockt und standen dann eher unverhofft mitten in den Geburtstagsfeierlichkeiten für den schwedischen König. Kinder hatten Blumen dabei und durften, nach einem beeindruckenden Zeremoniell mit drei Musikgruppen und berittener Leibgarde, diese überreichen. Vom Fenster des Schlosses aus sah der Rest der königlichen Familie zu.
Ehrlich gesagt, kann ich der Staatsform Monarchie an sich wenig abgewinnen, aber diese ganzen Zeremonien und auch Kulturgüter, wie die Schlösser usw., sind schon beeindruckend. Wenn man diese historischen Militärmusikkapellen und Traditionen mit Wurzeln bis zurück in 17. Jahrhundert einfach abschaffen würde, wäre die schwedische Kultur schon um einiges ärmer. Ich werde den Königsgeburtstag aber nicht in die jährliche Traditionenliste aufnehmen ;)
Gegen Nachmittag übernahmen dann die Studenten und prägten das Stadtbild mit ihren weißen Studentenmützen, die jeder schwedische Abiturient von seinen Eltern geschenkt bekommt. Der Walpurgistag ist von jeher der Tag der Studentenfeste, auch mit den ersten Picknicks, entsprechend viel Alkohol und anderen Aktivitäten. In Uppsala, der Studentenstadt, haben die Schulkinder sogar schulfrei, weil wenn die Studentenschaft an Valborg die Stadt übernimmt, dann läuft nichts mehr...
Das alles konnte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass der eisige Ostwind im Laufe des Spätnachmittags und des Abends immer mehr zunahm. Zum Maifeuer, das wir am Abend wieder in Ulriksdal besuchten, haben wir wieder lange Unterhosen und Winterjacken hervorgeholt.
Jetzt, am Morgen des 1. Mai, während ich hier am Küchentisch diese Zeilen tippe, faucht der Ostwind ums Haus und peitscht Regen und Schneeflocken (!) bei 0°C gegen die Fenster! Wie meinte meine Mama: "Wir sind halt jetzt hier im Norden..." Wie wahr, wie wahr ;)
Hoffentlich ist das nur ein letztes Aufgebähren des Winters, dann kann der Frühling in all seiner Pracht einziehen!
Ich wünsche Euch einen schönen Maifeiertag und einen richtigen Wonnemonat!

*Ich habe meine Eltern zu Besuch, da der Mann wieder auf einer längeren Dienstreise ist. Wie ich schon früher mal an dieser Stelle erwähnt habe, verursachen mir lange Einsamzeiten im Heimatland des Mannes immer noch Unbehagen. Nun hatten meine Eltern Zeit und Lust, mich emotional und praktisch (zeige ich hoffentlich bald) zu unterstützen und ich genieße diese Woche, eine kurze Arbeitswoche für mich, mit ihnen. Und dann ist es gar nicht mehr so lang bis zur Rückkehr des Mannes...