Letzten Sonntag feierte
man in Deutschland, nächsten Sonntag wird in Schweden der Muttertag gefeiert. Es
ist wohl das Natürlichste der Welt, dass Frauen zu Müttern werden, Paare zu
Eltern. Zur Hochzeit bekommt man bei lustigen Spielen bereits eine
Erstausstattung verpasst und nach ein paar Ehemonaten bleiben Fragen nach der
Familienplanung nicht aus.
Es ist aber auch das
Natürlichste der Welt, dass Frauen nicht Mütter werden, dass Paare nicht Eltern
werden. Manche entscheiden sich für so einen Lebensentwurf, andere sind unfreiwillig
kinderlos. Schon die Bibel erzählt von Joachim und Anna, die lange auf ein Kind
warten mussten oder auch die eindrückliche Geschichte von Elisabet und
Zacharias. In Ländern wie Deutschland oder Schweden geht man davon aus, dass
etwa jedes 7. Paar unfreiwillig kinderlos ist.
Wir sind eines davon.
Heute traue ich mich endlich, dass ich euch von einer der natürlichsten Sachen der Welt erzähle, nämlich von meiner unfreiwilligen Kinderlosigkeit. Ich gehe diesen Schritt nun bewusst aus zwei Gründen. Zum einen, weil ich keine Lust mehr habe mich zu verstecken und weil ich endlich den Mut gefunden habe, dieses Tabu-Thema in Worte zu fassen. Zum anderen, weil ich auch für die schreiben möchte, die nicht darüber sprechen wollen oder können.
Sicher ist denen von
euch, die schon länger hier lesen, immer wieder meine große Trauer zwischen den
Zeilen aufgefallen. Ein so großer Weltschmerz begründet sich nicht (nur) auf
Heimweh oder einer unzufrieden stellenden Arbeitssituation, ein solcher
Weltschmerz kommt auf, wenn ein ganzer Lebensentwurf und damit der Lebenssinn
ins Wanken geraten.
Die letzten Jahre waren
mit die schlimmsten meines Lebens. Und das waren sie nicht nur wegen all den
Enttäuschungen oder all den medizinischen Prozeduren, sondern sie waren auch so
schlimm wegen den (unwissenden) Leuten um uns herum.
Ich schreibe hier nun
über das Natürlichste der Welt, weil ich zum Nachdenken anregen möchte,
Sensibilität wecken. Es ist ja an sich schon anstrengend, wenn man von
Nachbarn, Freunden oder Unbekannten angesprochen wird, ob man nicht bald eine
Familie gründet (oder auch, ob nicht bald ein Geschwisterchen oder Nr. 3, 4
oder 5 kommen). In einer unerfüllten Kinderwunschzeit sind diese Konversationen
aber der Horror. Das können Schülereltern sind, die wissen wollen, ob man
eigene Kinder hat, das kann eine andere Immigrantin sein, die einem den ‚Tipp‘
gibt, dass man sich doch wegen Vorteil A
und B bald ein Kind zulegen sollte, es kann aber auch der Schwiegervater meines
Bruders sein, der mich beim Hochzeitsessen vor allen Leuten im Gasthaus fragt,
ob ich denn in meinem Alter nicht langsam an Familienplanung denke.
Fast noch schlimmer sind
aber die, die nicht nur kurz fragen, sondern die einem auch noch „gute
Ratschläge“ mit auf den Weg geben. Die schlimmste Kategorie dabei ist
„Vielleicht will das Kind noch nicht zu euch kommen, weil eure Lebensumstände
grad noch nicht passen!“ – im Idealfall haben die Ratgeber mind. ein Haus und
grad selber ein Kind bekommen. Hierzu möchte ich einmal öffentlich sagen, dass
es das Beschissenste (!) ist, was man zu hören bekommen kann. Es kann nämlich
auch andersrum sein: Dass wir mit einem Hauskauf lange gezögert haben, weil wir
Angst haben, die nächsten Jahre weiterhin allein zu zweit in einem großen,
leeren Haus zu sitzen. Dass ich gerne die Doppelbelastung Beruf – Studium
gewählt habe, weil ich so wenig Zeit wie möglich zum Denken haben möchte. Usw.
Ich bin die letzten Jahre
durch die Hölle gegangen und unser Weg ist noch nicht zu Ende. Auf diesem Weg
sind Freundschaften und Bekanntschaften zerbrochen, ich habe mich
zurückgezogen. Anfangs nur Schmerz, dann mehr und mehr Trauer und schließlich
auch Bitterkeit wurden zu meinen täglichen Begleitern. Bis ich es nicht mehr
ausgehalten habe und ich an einem Scheideweg stand. Ich habe mich für einen Weg
zurück ins Leben entschieden, den ich seit Ostern probeweise gehe. Zu diesem
Weg gehört aber auch dazu, dass ich jetzt offen damit umgehen möchte. Damit die
Wunden nämlich langsam heilen können und damit die Bitterkeit verschwindet,
muss ich darüber reden können und auf Verständnis hoffen. Ich möchte keine
neugierigen Fragen mehr bekommen und schon gar keine gut gemeinten Ratschläge
mehr. Und ich hoffe auch, dass dieser Text zum Nachdenken anregt, so dass auch andere
Frauen in Zukunft sowohl von Fragen oder Ratschlägen verschont bleiben.
Ich werde diesen Blog
hier jetzt nicht zu einem kinderlos-Blog umgestalten, vielleicht bleibt dies
auch mein einziger Beitrag zu diesem Thema. Aber ich wollte heute einfach mal
über die natürlichste Sache der Welt schreiben, nämlich dass man auch
unfreiwillig kinderlos sein kann und dass es aber leider in unserer
Gesellschaft immer noch schwierig ist, darüber zu reden.
p.s.: Ich habe lange überlegt, ob und wie ich
darüber schreiben soll. Ich habe hin und her formuliert. Besser kann ich es auf
die Kürze nicht ausdrücken, obwohl ich noch so viel mehr zu sagen hätte. Ich
stelle hier auf meinem Blog meine Sichtweise dar. Wer sich dadurch brüskiert
fühlt, dem ist es frei, nicht mehr an dieser Stelle weiter zu lesen. Außerdem
behalte ich mir vor, Kommentare zu diesem Thema, die ich für unpassend halte,
zu entfernen.
















