Samstag, 17. Mai 2014

Das Natürlichste der Welt


Letzten Sonntag feierte man in Deutschland, nächsten Sonntag wird in Schweden der Muttertag gefeiert. Es ist wohl das Natürlichste der Welt, dass Frauen zu Müttern werden, Paare zu Eltern. Zur Hochzeit bekommt man bei lustigen Spielen bereits eine Erstausstattung verpasst und nach ein paar Ehemonaten bleiben Fragen nach der Familienplanung nicht aus.
Es ist aber auch das Natürlichste der Welt, dass Frauen nicht Mütter werden, dass Paare nicht Eltern werden. Manche entscheiden sich für so einen Lebensentwurf, andere sind unfreiwillig kinderlos. Schon die Bibel erzählt von Joachim und Anna, die lange auf ein Kind warten mussten oder auch die eindrückliche Geschichte von Elisabet und Zacharias. In Ländern wie Deutschland oder Schweden geht man davon aus, dass etwa jedes 7. Paar unfreiwillig kinderlos ist. 
Wir sind eines davon.


Heute traue ich mich endlich, dass ich euch von einer der natürlichsten Sachen der Welt erzähle, nämlich von meiner unfreiwilligen Kinderlosigkeit. Ich gehe diesen Schritt nun bewusst aus zwei Gründen. Zum einen, weil ich keine Lust mehr habe mich zu verstecken und weil ich endlich den Mut gefunden habe, dieses Tabu-Thema in Worte zu fassen. Zum anderen, weil ich auch für die schreiben möchte, die nicht darüber sprechen wollen oder können.
Sicher ist denen von euch, die schon länger hier lesen, immer wieder meine große Trauer zwischen den Zeilen aufgefallen. Ein so großer Weltschmerz begründet sich nicht (nur) auf Heimweh oder einer unzufrieden stellenden Arbeitssituation, ein solcher Weltschmerz kommt auf, wenn ein ganzer Lebensentwurf und damit der Lebenssinn ins Wanken geraten.
Die letzten Jahre waren mit die schlimmsten meines Lebens. Und das waren sie nicht nur wegen all den Enttäuschungen oder all den medizinischen Prozeduren, sondern sie waren auch so schlimm wegen den (unwissenden) Leuten um uns herum.

Ich schreibe hier nun über das Natürlichste der Welt, weil ich zum Nachdenken anregen möchte, Sensibilität wecken. Es ist ja an sich schon anstrengend, wenn man von Nachbarn, Freunden oder Unbekannten angesprochen wird, ob man nicht bald eine Familie gründet (oder auch, ob nicht bald ein Geschwisterchen oder Nr. 3, 4 oder 5 kommen). In einer unerfüllten Kinderwunschzeit sind diese Konversationen aber der Horror. Das können Schülereltern sind, die wissen wollen, ob man eigene Kinder hat, das kann eine andere Immigrantin sein, die einem den ‚Tipp‘ gibt, dass man sich doch wegen Vorteil A und B bald ein Kind zulegen sollte, es kann aber auch der Schwiegervater meines Bruders sein, der mich beim Hochzeitsessen vor allen Leuten im Gasthaus fragt, ob ich denn in meinem Alter nicht langsam an Familienplanung denke.



Fast noch schlimmer sind aber die, die nicht nur kurz fragen, sondern die einem auch noch „gute Ratschläge“ mit auf den Weg geben. Die schlimmste Kategorie dabei ist „Vielleicht will das Kind noch nicht zu euch kommen, weil eure Lebensumstände grad noch nicht passen!“ – im Idealfall haben die Ratgeber mind. ein Haus und grad selber ein Kind bekommen. Hierzu möchte ich einmal öffentlich sagen, dass es das Beschissenste (!) ist, was man zu hören bekommen kann. Es kann nämlich auch andersrum sein: Dass wir mit einem Hauskauf lange gezögert haben, weil wir Angst haben, die nächsten Jahre weiterhin allein zu zweit in einem großen, leeren Haus zu sitzen. Dass ich gerne die Doppelbelastung Beruf – Studium gewählt habe, weil ich so wenig Zeit wie möglich zum Denken haben möchte. Usw.



Ich bin die letzten Jahre durch die Hölle gegangen und unser Weg ist noch nicht zu Ende. Auf diesem Weg sind Freundschaften und Bekanntschaften zerbrochen, ich habe mich zurückgezogen. Anfangs nur Schmerz, dann mehr und mehr Trauer und schließlich auch Bitterkeit wurden zu meinen täglichen Begleitern. Bis ich es nicht mehr ausgehalten habe und ich an einem Scheideweg stand. Ich habe mich für einen Weg zurück ins Leben entschieden, den ich seit Ostern probeweise gehe. Zu diesem Weg gehört aber auch dazu, dass ich jetzt offen damit umgehen möchte. Damit die Wunden nämlich langsam heilen können und damit die Bitterkeit verschwindet, muss ich darüber reden können und auf Verständnis hoffen. Ich möchte keine neugierigen Fragen mehr bekommen und schon gar keine gut gemeinten Ratschläge mehr. Und ich hoffe auch, dass dieser Text zum Nachdenken anregt, so dass auch andere Frauen in Zukunft sowohl von Fragen oder Ratschlägen verschont bleiben.



Ich werde diesen Blog hier jetzt nicht zu einem kinderlos-Blog umgestalten, vielleicht bleibt dies auch mein einziger Beitrag zu diesem Thema. Aber ich wollte heute einfach mal über die natürlichste Sache der Welt schreiben, nämlich dass man auch unfreiwillig kinderlos sein kann und dass es aber leider in unserer Gesellschaft immer noch schwierig ist, darüber zu reden.



p.s.: Ich habe lange überlegt, ob und wie ich darüber schreiben soll. Ich habe hin und her formuliert. Besser kann ich es auf die Kürze nicht ausdrücken, obwohl ich noch so viel mehr zu sagen hätte. Ich stelle hier auf meinem Blog meine Sichtweise dar. Wer sich dadurch brüskiert fühlt, dem ist es frei, nicht mehr an dieser Stelle weiter zu lesen. Außerdem behalte ich mir vor, Kommentare zu diesem Thema, die ich für unpassend halte, zu entfernen.

Freitag, 16. Mai 2014

Frühlingsgefühle

Oh, hier tut sich endlich was. Das Thermometer klettert endlich über 10°C und die Sonne scheint ganze 17 Stunden für uns - mit je einer Stunde "blaue Stunde" ist es nur noch 5 Stunden dunkel. Deshalb durfte nun die Hausgeranie wieder den Platz vor der Haustüre einnehmen...
Die stattlichen Eichen fangen auch endlich an ein bisschen grün zu werden...
Ich trage meine neuen Sandalen ohne Strümpfe auf frisch gemähtem Rasen, während ich auf dem Weg bin um -
- die Wäsche (Bettwäsche, neue Stoffe) draußen aufzuhängen, damit sie in der Sonne und im Frühlingswind trocken kann :)
Auf dem Rückweg zum Haus muss ich schon "Schlange laufen", denn viele Nachbarn haben nun ihre Grills auf der Grünfläche aufgestellt. Passenderweise titelte gestern (ernstgemeint!) eine Tageszeitung: "Holt euren Grill raus, am Wochenende gibt es bis zu 19°C!" Ich musste ginsen und stellte mir vor, eine ähnliche Überschrift in einer deutschen Zeitung zu lesen... Beim Hindernisparcours auf der Grünfläche kam ich aber am Flieder vorbei und erfreute mich an den dicken Knospen.
Schließlich freue ich mich sehr über meine zweite Apfelblüte für dieses Jahr, die erste habe ich ja schon vor vier Wochen in Bayern erleben dürfen :)
Nach einer vollen Woche gehen die heutigen Aufgaben bei diesem Wetter gleich noch leichter von der Hand und dann freue ich mich mal wieder sehr, sehr auf ein (hoffentlich) entspanntes oder ruhigeres Wochenende. Damit mach ich mich jetzt mal wieder an die (Haus-)Arbeit bevor ich heute Nachmittag an der Schule nr 5 meinen vorletzten Unterricht für dieses Schuljahr halte :) :)
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

Mittwoch, 14. Mai 2014

Rösta, vettja!

Wie eng wir heutzutage miteinander vernetzt sind merkt man nicht zuletzt, wenn man sich durch unsere kleine, feine Blogwelt liest: Österreich, Deutschland, Schweiz, aber auch in Frankreich, Finnland und Großbritannien schaue ich gerne regelmäßig vorbei. Genau so eng verknüpft sind viele unserer Lebensbereiche miteinander, nicht zuletzt weil wir alle Bewohner der EU sind. Die Anerkennung von Studienabschlüssen oder die Saatgutpolitik betreffen nicht nur die ausgewanderte Lehrerin oder die österreichische Bergbäuerin, sondern uns alle - irgendwie, direkt oder auf Umwegen. Deshalb möchte ich Euch heute hier auch noch mal ermuntern - geht doch am 25. Mai wählen! Rösta, vettja!
Ich war heute schon in der Unibibliothek vorab wählen und durfte schon mal das schwedische Wahlsystem testen: Statt riesigen Din A2- oder A1-Bögen erhält man für jede Partei einen kleinen Din A5 Zettel. Aus diesen Zetteln sucht man sich (s)einen raus und steckt diesen entweder gleich in ein kleines Kuvert oder macht zuerst noch ein Kreuzchen falls man eine Personenwahl machen möchte. Wie allerdings ältere Menschen ohne Lupe diese Listen lesen können sollen, ist mir etwas rätselhaft...
Die Parteien schicken in Postwurfsendungen übrigens auch diese kleinen Zettel an alle/viele Haushalte. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass man dann seine eigenen Zettel zur Wahl mitbringt?!
Nun kann ich auf jeden Fall wieder ein weiteres "Zum ersten Mal" abhaken: "Zum ersten Mal - in Schweden gewählt!" :)

Montag, 12. Mai 2014

Alles neu macht der Mai!

Erinnert ihr euch noch an die Papiertaschen, die wir im Rahmen unseres Wohnungsstylings mit Büchern etc gefüllt hatten?
Einige konnte ich gleich wieder auspacken und einräumen, aber vier, fünf große Taschen blieben in genau dieser Ecke des Wohnzimmers stehen und sahen mich seit mehr als zwei Monaten vorwurfsvoll an. Anfangs hoffte ich ja noch, dass wir ja eh bald umziehen werden, aber das Zieldatum Mittsommer ist inzwischen unrealistisch, wir fassen nun Weihnachten ins Auge... Zunehmend nervig wurde das Papiertaschendasein auch, weil immer genau die Bücher, die ich für den Unterricht aus irgendeinem Grund "schnell" gebraucht hätte, sich zu unterst in der 4. Tasche befanden. Außerdem standen die Taschen in meiner Nähecke. Aber es grauste mir auch davor, alle Bücher wieder in die Regale zurück zu sortieren, wo die restlichen Bücher ja immer noch nach Größe und Farbe geordnet standen.
Wie gelegen kam da der Elternbesuch :) Zu zweit und dritt geht manches bekanntlich leichter, zumal wenn die Helfer maßgeschreinerte Regale (Papa) und unermüdlichen Arbeitseifer (Mama) mitbringen.
Die Nähecke hat ein eigenes, feines Regal bekommen mit Platz für Näh- und Bastelsachen sowie die schönen Buchstabenkästen, die auch mein Papa gebaut hat. In der Schublade verwahre ich nun meine CD-Sammlung und Spiele.
Der Schreibtisch bekam einen kleinen Aufsatz, so dass er nun mein "Sekretär" ist. Hier gibt es Platz für Lese- und Sprachbücher, aktuelle Studienmaterialien und alles, was so griffbereit sein soll.
Und das Bücherregal ist wieder eingeräumt!!! In faszinierender Geschwindigkeit hat meine Mama das Regal aus- und dann mit mir wieder eingeräumt. Jetzt kann ich wieder alle Buchtitel sehen, die Ordnung ist wieder nach Themen und Sprachen - viel besser ;) In der Dschungelbuch-Kiste seht ihr noch meine Arbeitsmappen für den Muttersprachunterricht - jede Schule/Gruppe hat eine Farbe und eine Mappe.
Um das frische Erscheinungsbild zu vervollständigen, habe ich neue Kissenbezüge für die Sofakissen genäht.
Wie sehr genieße ich die neugewonnene Freiheit ohne Papiertaschen! Nun fühle ich mich wirklich wieder wohl in unserem Wohn-/Arbeitszimmer, in dem ich nun die kommenden Wochen zum Endspurt noch einige lange Tage und Abende verbringen werde. Und ich fühle mich bzgl. Haussuche nicht mehr so gehetzt. Es ist ok so, wie es ist, im Moment. Kommt ein Häuschen und wir haben Glück, wäre das super! - dauert es aber noch ein bisschen, kann ich es gut hier aushalten...

Sonntag, 11. Mai 2014

Sonntagsfreude: Abendspaziergänge

Seit der Sonnenuntergang nach 21 Uhr ist, haben mein Mann und ich begonnen, späte Abendspaziergänge zu gehen - bei jedem Wetter. Manchmal schaffen wir größere Runden, so wie gerade eben, oder unter der Woche nur ein ausgedehnter Gang um den Block. Seit einer Woche ist es ja wieder dauergrau mit Regen, aber mit der richtigen Kleidung kann man auch lange gehen: Ereignisse besprechen, Notwendiges planen, vom Sommer träumen, Weinbergschnecken zählen, Vögel beobachten, Quatsch reden...
Diese Abendspaziergänge tun uns sehr gut und ich freue mich, dass wir bis jetzt so gut durchgehalten haben. Wenn das Wetter dann doch noch irgendwann besser wird, ist es wahrscheinlich noch angenehmer (und heller).
Mehr Sonntagsfreudensammler gibt es auch in diesem Jahr wieder auf dem Kreativberg.

Freitag, 9. Mai 2014

Endlich Freitag!

Es ist wieder mal Freitagnachmittag und ich sitze total geplättet am Küchentisch. Mein Unterricht, bzw. die Kinder, waren heute sehr anstrengend. Gerade habe ich noch das letzte Organisatorische im Schulintranet erledigt und eine heiße Schokolade getrunken. Jetzt habe ich das Diensthandy ausgeschaltet und es ist endlich Wochenende. Ich weiß noch nicht, was ich von dieser Woche halten soll.
Was mich definitiv sehr runter gezogen hat, waren die beruflichen "Neuigkeiten"... Dass ich davon ausgegangen bin, das Examen am Ende des Semesters zu erhalten, war vielleicht naiv, das ist vielleicht nur in Deutschland oder gar nur in Bayern so?! Eigentlich müsste ich es ja langsam wissen, dass man in Schweden von unter 3 Monaten gar nicht von Wartezeit spricht.
Ein anderer Hammer war das Ausfüllen des Kompetenzerfassungsbogens (Foto oben): Mit einem ausländischen Lehrerexamen und einer fast fertigen Weiterbildung sowie anderen Sprachqualifikationen erfülle ich gerade mal 5% des Anforderungsprofils für Lehrer?!?!
Mein Mann sagt, dass das ja nur eine Formalie wäre, ich soll mich nicht aufregen. Aber erstens frage ich mich, was er in einer ähnlichen Sitaution machen würde und zweitens bin ich schon erstaunt, was man wohl alles können muss, um zumindest auf 50% zu kommen... Auf den Händen laufend jonglieren und die schwedische Nationalhymne singen?!
Ich hatte jedenfalls schon ein paar mehrere Augenblicke, in denen ich gerne alles hingeschmissen hätte. Vor allem weil ich die letzten beiden Weiterbildungsjahre und insbesondere das letzte mit der Doppelbelastung nur so gut durchgestanden habe, weil ich das Ziel vor Augen hatte. Wie sehr habe ich mich auf ein Ende gefreut, aber der Schlauch scheint noch - richtig gerechnet, Kathrin, mindestens ein Jahr weiter zu gehen. Ein eigenes Klassenzimmer, eine eigene Klasse, Ruhe, Routine, Alltag *plopp* - Seifenblase zerplatzt. Die Dame für das Weiterbildungsprojekt meinte, dass falls ich trotzdem schon eine Arbeit suchen wollte, solle ich es doch mit der Teilnahmebestätigung versuchen. Wie trotzdem? Bleiben schwedische Lehramtsstudenten dann erstmal ein Jahr zu Hause und warten auf die Dokumente?!
Heute habe ich jedenfalls meine Bewerbung für nächstes Schuljahr wieder beim Sprachzentrum eingereicht und ich hoffe, dass sich niemand mit Lehrerzulassung bewirbt. Für den Muttersprachunterricht reicht zum Glück vorerst noch mein deutsches Examen. Aber glücklich bin ich damit nicht gerade...
Hier habe ich ja auch angedeutet, dass ich bald meine Aufenthaltserlaubnis verlängern lassen muss. Ratet mal, wie lange da die Wartezeit ist?!
Aber, es muss ja auch irgendwie weitergehen und so habe ich diese Woche mit Freude und Elan an einer Präsentation für die Weiterbildung gebastelt. Manchmal frage ich mich ernsthaft, woher ich diese Energie noch nehme, habe ich bald ein großes Loch irgendwo?!
Etwas Energie ziehe ich jedenfalls aus kleinen Alltagsfreuden. Heute habe ich mich zum Beispiel gefreut, dass das Radeln im Regen nicht mehr so kalt ist wie noch vor ein paar Wochen... Und ich freue mich über meine Handschuhe, die immer noch in Gebrauch sind.
Ich freue mich über die erste Weinbergschnecke des Jahres und...
... über den Anblick der Kaffeetasse auf dem Parkautomaten. Ich frage mich schon die ganze Woche, wer die da wohl hingestellt und vergessen hat?!
Ich habe mir wider des Wetterberichts Sandalen gekauft und trage sie halt jetzt erst mal mit Strumpfhose im Klassenzimmer ;)

Und ich habe gut gekocht und gegessen. Hier ein neuer Favorit: Buchweizenrisotto mit Bärlauch und gebackenem Käse (selber paniert mit Senfkruste!) - mmh :)
Ein paar kühle, aber sonnige Augenblicke gab es auch.

Habt ein schönes Wochenende!