Was für den 'normalen Menschen' Neujahr ist, ist für mich als (schwedische) Lehrerin der August - Neustart, eine Möglichkeit neue Rituale, Gewohnheiten und Abläufe zu etablieren, der Zauber eines Anfangs. Der künftige Stundenplan ist noch unbekannt, die ersten beiden Wochen werden vor allem der Planung, Konferenzen, Mitarbeitergespräch, Stundenplanerstellung usw. dienen, Ende August geht es dann auch für die Schüler los. Ausgerüstet mit neuem Material aus Deutschland und frischen Ideen freue ich mich auch schon auf das neue Schuljahr - wäre da nicht noch so vieles andere, was vorher noch bewältigt werden will.
Meine Ferien, in die ich Euch ein paar Einblicke gewährt habe, waren dementsprechend auch sehr davon geprägt, dass ich den Kopf viel zu voll hatte.
Eine Sommergrippe, die ihresgleichen sucht, hat mir zu Anfang gleich noch die restliche Energie entzogen und so war die erste Ferienhälfte eher wieder sehr mühsam. Körperlich bin ich nun wieder einigermaßen fit, aber bis ich meine alltagssportliche Idealform wieder gefunden habe, werden wohl noch ein paar Wochen vergehen. Auch muss ich rückblickend feststellen, dass ich mir einiges zugemutet habe, für das ich vielleicht noch nicht bereit war und das mir teilweise ordentlich schlaflose Nächte bereitet hat.

Nun bin ich also wieder zurück in der Großstadt und in unserer kleinen Wohnung. Das ist jedes Jahr aufs Neue eine Umstellung mit der ich mich sehr schwer tue. Diese Freiheit, die ich bei meinen Eltern und Schwiegereltern im Sommer genieße und die mein Lebensideal wäre, fehlt mir hier sehr. Die ersten Tage laufe ich unruhig in der Wohnung umher und fühle mich eingesperrt. Zudem war es die letzten Wochen hier extrem warm und trocken, so dass sich vor der Haustür kein Grün-, sondern ein Savannenstreifen zeigt. Das frische Grün als Nahrung für Augen und Seele fehlt mir auch.
Nunja, aber nun ist das erste Augustwochenende und die Eingewöhung sollte langsam wieder abgeschlossen sein. Ich erinnere mich an schöne Ferienaugenblicke und schaue nach vorne auf die Vorhaben und Herausforderungen und die Möglichekeiten, die ein (Schuljahres-)Anfang bietet.
Im August werde ich nun
- versuchen, innerlich wieder zur Ruhe zu kommen und Halt suchen (und finden) in einem neuen Alltag, Ritualen und kleinen Verwöhnaugenblicken für mich selbst
- aufräumen! Wenn es in mir unordentlich ist, hilft es mir ungemein, wenn ich um mich herum Ordnung schaffe. Vier Wunschziele wären: Die Badschränke, die Küchenschränke, der Kleiderschrank und die Schulsachen von letztem Jahr ausmisten. Letzteres hat Priorität und eilt etwas...
- von den Vorräten kochen: Ein kombiniertes Ziel mit den Aufräumen der Küchenschränke wäre die Vorräte zu sichten und die gefühlt 15 angefangenen Linsenpackungen und 23 Nudelreste zu verwerten. Vielleicht beginne ich mit Listen, damit dann auch mein Importsystem noch besser (und Geld sparender) funktioniert.
- schnellstens mein Juli-Projekt fertignähen: Ein Dirndl für die Hochzeit meines Bruders Mitte August. Das Mieder ist fast fertig.
- einen Eintrag für das Gästebuch für selbige Hochzeit fertigstellen: Ich möchte ich Anlehnung an alte Spruchtücher ein Zitat auf Leinen sticken.
- zur Monatsmitte eben in die Schweiz reisen um an der Hochzeit und der Taufe meine Nichte teilzunehmen. Meine Chefin muss ich noch mal vorsichtig daran erinnern, dass ich da in der zweiten Arbeitswoche schon freinehmen muss :-/
- eine Woche Strohwitwe sein, denn der Mann fährt schon wieder auf Exkursion. Diesen Frühling, Sommer und Herbst ist er echt viel unterwegs, aber alle Unterrichtszeit an der Uni verlängert auch seinen Vertrag um diese Zeit. Vielleicht ist das auch ein gutes Zeitfenster um meine Aufräumvorhaben umzusetzen.
- kurzen Besuch von unseren Nachbarn bekommen, die Schweden bereisen und einen Wochenendstop in der Hauptstadt machen.
- alles in Angriff nehmen, was den ganzen Juli im Kopf herumgeisterte: Aufenthaltserlaubnis und Migrationswerksbesuch, Examensgesuch einschicken, mit dem Lehrerverband (Gewerkschaft) nochmal meine Lohn- und Arbeitssituation besprechen, usw.
Es wird also viel passieren und ich werde natürlich hier wieder darüber berichten. Die Sommerpause hat gut getan, aber jetzt freue ich mich auch schon wieder auf das regelmäßige Bloggen! :)