Dienstag, 14. April 2015

Kinderwunschgedanken

Nachfolgend stehen meine Gedanken, meine Gefühle, meine Ansichten. Bei diesem emotionalen Thema kann es sein, dass sich leicht jemand verletzt oder provoziert fühlt. Das ist nicht meine Absicht und wenn es passiert, tut es mir leid. Gleichzeitig bitte ich um Rücksichtnahme und Verständnis für meine Darstellung meiner Situation.
Ich schreibe hier darüber vor allem für mich, aber auch um andere zum Nachdenken anzuregen und vielleicht zu ermutigen. Und vieles ist viel komplizierter und komplexer als ich es hier formulieren kann - es ist ein Auszug aus meinen Gedanken.
Danke! 

Wieder ist ein Jahr vergangen, ohne, dass sich etwas verändert hat. Wir sind immer noch unfreiwillig kinderlos.
Wieder ist ein Jahr vergangen, und doch haben Dinge sich verändert. Davon möchte ich heute berichten, wie es mir gerade damit geht, wie es uns gerade damit geht und wie es weitergehen könnte.
Ich glaube nun rückblickend, dass das zweite und das dritte Jahr die schlimmsten waren, auch diese liegen jetzt schon eine Weile hinter mir. Das erste Jahr war ich voller Hoffnung, dann kamen die Zweifel, dann die Wut und Bitterkeit. Und nun beschäftige ich mich schon fast ein Jahr mit Trauerarbeit.
Wahnsinnig geholfen hat es mir, darüber zu sprechen und noch immer verspüre ich oft den Drang, dass ich darüber sprechen möchte. Allerdings tue ich das nicht mehr so oft, denn ich habe gemerkt, dass es ein ermüdendes Thema ist, zumal es keine absoluten Antworten und keine endgültigen Lösungen gibt. Ich halte aber Zwiesprache mit mir selber und das funktioniert immer besser. 
Als ich einsah, dass ich trauern wollte, ja trauern musste, war ich zunächst selbst überrascht. Denn man kann ja nicht um nichts trauern. Manchmal ertappte ich mich sogar bei dem Gedanken, dass ich gerne ein Kind verloren hätte, denn dann könnte ich ganz legitim trauern. Aber in meinem Körper war noch nie ein Leben entstanden, kein Leben hatte sich verabschiedet. Worum also trauern?
Mit meiner besten Freundin, die in unserem Hoffnungsjahr tatsächlich ein Kind verloren hatte, führte ich ein Gespräch darüber, dass ich mich nicht zu trauern traute, weil man ja nicht um nichts und niemanden trauern konnte. Sie ermutigte mich auf eine wunderbare Weise dennoch zu trauern, mit der Trauerarbeit zu beginnen - und jetzt befinde ich mich mittendrin. Und es tut mir gut.
Stück für Stück nehme ich Abschied von Wünschen, Ideen, Hoffnungen und Lebensbildern. Damit schaffe ich auch Raum für neue Bilder, neue Wünsche, neue Ideen. Immer öfter sage ich es auch laut: Jetzt ist es gut, so wie es ist.
Und ein neues Selbstbewusstsein bahnt sich seinen Weg. Auf die Frage, ob ich eigene Kinder hätte, antworte ich - statt früher schamhaft - ein bestimmtes und deutliches Nein, das weitere Nachfragen auch direkt unterbindet. Genauso bin ich mir selbst bewusst geworden, für was ich meinen Körper aussetzten möchte, und für was nicht.
Ich ärgere mich manchmal sehr, wie mit der Verzweiflung von jungen Paaren ein gutes Geschäft gemacht wird. In den Beratungsgesprächen in unserer Kinderwunschklinik wurde kein einziges Mal auf mögliche Nebenwirkungen oder Risiken für die Frau hingewiesen. Wir bekamen lediglich eine Hochglanzbroschüre in die Hand gedrückt, in dessen Zentrum der Bericht von Elin und Lars stand, die beim dritten Versuch ihr Wunschkind bekamen. Dabei ist die echte Erfolgsrate bei Weitem niedriger! Es ist ein gesellschaftliches Tabu-Thema wie viele schließlich doch ohne Kind, aber mit zig tausend Euro Schulden nach viel mehr als drei mitfinanzierten Versuchen (oft im In- und Ausland) dastehen.
Diese selbstbewusste Entscheidung tut mir gut. In Gesprächen mit meinem Umfeld fühle ich mich weniger angreifbar. Und unser Umfeld scheint auch langsam zu begreifen: Die beiden bekommen vielleicht keine Kinder, aber es scheint, sie haben einen guten alternativen Lebensplan.
Allerdings ist es wesentlich einfacher, das der Familie zu vermitteln, als Umstehenden in einer der kinderfreundlichsten Gesellschaften der Welt. Auch in Schweden kann man ohne Kinder leben :-)
Allerdings muss ich natürlich zugeben, dass es nicht immer so geradeaus und aufwärts geht. Wie eben vor zwei Wochen, springt mich manchmal der Schmerz von hinten an, die Wunde klafft weit auf, Tränen bahnen sich den Weg. Und manchmal werde ich auch noch wütend, fuchsteufelswild. Aber dann - und das ist der große Unterschied - erlaube ich mir, dass es so ist. Dass ich diese Gefühlsstücke zulassen muss, damit ich verarbeiten und verabschieden kann. Und dann geht es mir besser. Stückchenweise immer besser.
Erstmals seit langem fühle ich mich wieder eins mit mir, stimmig, als Ganzes mit Körper, Geist und Seele. Und ich habe Lust aufs Leben, auf mein Leben, ein Leben mit meinem Mann und alles, was uns da so erwartet.
Ich hoffe, dass ich diesen Weg so kraftvoll weitergehen kann. Und ich wünsche allen, die einen ähnlichen Weg gehen müssen, dass sie den langen, schmerzvollen Weg durchhalten. Denn irgendwann wird es tatsächlich wieder besser, wieder leichter, wieder anders. Das alte Sprichwort "Die Zeit heilt alle viele Wunden" hat doch einen wahren Kern.
Und wohin so ein Weg dann schließlich doch noch führen kann, bleibt offen und spannend...

Montag, 13. April 2015

Alltagsfreude: Malen

Seit letzten September habe ich das Malen wieder aufgenommen. Die Aquarellfarben hatte ich schon irgendwann als Jugendliche geschenkt bekommen, habe ich doch immer wieder gezeichnet und gemalt. Als junge Erwachsene habe ich dann aufgehört, warum weiß ich eigentlich nicht mehr. Ein Hindernis in den letzten Jahren war sicherlich aber u.a. die Tatsache, dass meine Schwiegermutter Künstlerin von Beruf und damit sehr erfolgreich ist. Und dann stand ich mir selbst im Weg, mit Ansprüchen nach Perfektion und wie etwas auszusehen hat.
Dabei ist es mit dem Malen wie mit vielen anderen Dingen: Übung macht die Meisterin. Man muss es üben, feine Striche zu ziehen. Man muss ausprobieren, wie man den Pinsel aufsetzt. Man muss die Augen, die Hand und das Gehirn trainieren - zu beobachten und abzubilden. Ich glaube, dass wir Erwachsene (und vielleicht auch insbesondere wir Frauen?!) es uns oft selbst schwerer machen als es ist, weil man eben die Vorstellung hat, wie ein Bild von einem Erwachsenen auszusehen hat. Weil man glaubt, dass man Talent besitzen müsste und man sich selbst für talentfrei hält.
Im Moment trainiere ich zu malen, etwa einmal im Monat für einen Abend nehme ich mir die Zeit. Es ist eine Alltagsfreude. Ich höre nebenbei Musik oder habe es leise, sitze beim Mann am Küchentisch oder allein am Schreibtisch und tauche ganz in meine eigene Welt ein. Meine Augen ruhen auf meiner Vorlage, sie beobachten, messen, entdecken, sehen ganz genau, alle Details. Meine Hand führt den Bleistift, ich höre das leise Kratzen auf dem Papier. Dann greife ich ganz vertieft zur Farbe - die sich leuchtend ins Papier saugt und mein Bild zum Bild macht. Und schließlich trete ich einen Schritt zurück und betrachte mein Bild mit anderen Augen.

Samstag, 11. April 2015

Sonntagsfreude: Abendessen bei Tageslicht

Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine 
Sonntagsfreude sind :)

Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die hier weitergeführt wird
Für mich ist es etwas ganz Besonderes, eine große Sonntagsfreude, wenn wir die ersten Male im Frühling wieder nur mit Tageslicht als Beleuchtung zu Abend essen können. Bis noch vor einer Woche war es trotz Sommerzeit schon dämmrig und dunkel, der Tag war damit abgeschlossen. Doch nun schaffen wir es sogar den Tisch wieder abzuräumen, bevor die Amseln ihr Abendlied in der blauen Stunde singen. Der Tag wird länger, die Sonne kräftiger, die dunklen Stunden werden weniger. Das ist nicht nur diese Woche eine große Freude, sondern auch dann den ganzen Sommer lang :-)

Und noch eine Freude: Es tut sich endlich was auf dem Immobilienmarkt in Göteborg. Bisher kamen kaum zwei, drei Objekte pro Woche auf den Markt, so kommen nun zwei, drei täglich. Drückt uns die Daumen, dass sich bald was findet und wir bei diesen umständlichen Versteigerungen Glück haben. 
 

Warum ich so kritisch über Schweden schreibe

Manchmal bekomme ich ziemlich enttäuschte, verwunderte oder auch verärgerte Kommentare und e-mails - warum ich denn immer so kritisch und negativ über Schweden schreibe
Hier eine kurze Antwort: Meiner Meinung nach ist im deutschsprachigen Bereich jede positive Werbung für Schweden mehr als überflüssig.

Ich kenne kein Land außer Schweden, von dem fast jede und jeder eine derart ungeteilte positive Auffassung hat, die aber zu 95% auf Astrid Lindgren, Inga Lindström, Abba und eigenen wunderschönen Urlaubserlebnissen beruht.
Sicherlich überzeichne ich manchmal ein bisschen, aber ich wünsche mir grundsätzlich ein differenzierteres Bild von der Deutschen Traumland Nr 1. Dazu will ich mit meinen kritischen, kuriosen und manchmal auch einfach negativen Berichten beitragen. Denn, das Leben ist kein Bullerbü und gerade vor schönster Kulisse tragen sich bei näherer Betrachtung die absurdesten Gegebenheiten zu.
Ich will niemandem seine Vorstellung von Schweden madig machen, aber ich wünsche mir eine Reflektion, von der Schweden meiner Meinung nach irgendwie ausgeschlossen wird. Man sagt ja oft: Frankreich ist wunderschön, aber die rechten Kräfte dort sind schon bedenklich. Ich reise gerne in die USA, aber dort Leben möchte ich aus verschiedenen Gründen nicht. Italien ist ja wirklich fantastisch, aber dass die so jemanden wie den Berlusconi wählen ist schon erstaunlich...
Mein Eindruck ist, dass man von Schweden auch vieles nicht wissen will, man will an einem Bild aus eigenen Kindertagen aus einem Kinderbuch - unterstützt von Landschaftsbildern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen - festhalten, auch wenn es in dem Land nur halb so idyllisch zu geht.

Wie glücklich oder unglücklich ich hier im Heimatland meines Mannes bin, lässt sich an diesen Berichten kaum messen. Wie alle Menschen, egal wo sie wohnen, bin ich mal glücklicher und mal unglücklicher. Dass ein Neustart in einem fremden Land und eine ungewollte Kinderlosigkeit es manchmal schwerer machen, kann ich nicht verleugnen. Müsste ich aber in Deutschland zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren umziehen und eine neue Arbeitsstelle finden, würde ich mir auch darüber Gedanken und Sorgen machen. Das hat nichts damit zu tun, ob man nun snust, übermäßig Zucker konsumiert oder eine Generation hoch verschuldet ist.
Ich wünsche mir, dass man die beiden Aspekte auseinander halten kann und dass man Schweden die Chance gibt, als richtiges Land betrachtet zu werden und nicht nur als Spielfilmkulisse.

Freitag, 10. April 2015

Hier so :-)

Nun kann man es nicht mehr leugnen, auch hier ist der Frühling auf dem Vormarsch: Kraniche, Seidenschwänze und Gänse sind auf dem Weg nach Norden, die letzten Eisreste in den Seen und Buchten geben auf und die Sonne begleitet uns nun schon fast 14 Stunden durch den Tag! Hurra! :-)
Letzte Woche war ich ziemlich erschöpft und ausgelaugt, die Osterferien waren dringend notwendig. Ich danke Euch von Herzen für die netten Kommentare, die mich sehr gefreut haben. Eigentlich war wirklich nichts Besonderes los, nur zu viel von allem: viel zu wenig Schlaf, viel zu schlechtes, kaltes Wetter, viel zu viel Arbeit, zu viele Kinderwunschgedanken usw.
Seit wir von den Schwiegereltern zurück sind, habe ich eine Erkältung. Die macht mich schlapp und verhilft mir zu täglich mehr als 10 Stunden Schlaf - und ich genieße es :-) Mit gutem Gewissen verschiebe ich auch Dinge, befinde Angelegenheiten für weniger wichtig und verbringe statt dessen viel Zeit mit Stricken, Mediathek schauen, Podcast hören und Rumsandeln.
Trotzdem habe ich gestern auch mit dem Schreiben von Bewerbungen für Schulen in Göteborg begonnen. Das kostet gerade ziemlich viel gedankliche Energie, aber es tut auch gut, mit diesem Schritt begonnen zu haben.
Nächste Woche ist der Mann auf Konferenz im Herzen Europas, da finde ich vermutlich wieder mehr Zeit und Muße um hier zu schreiben. Manchmal brauche ich einfach auch eine Schreibpause, dann sprudelt es wieder mehr. Ich habe eine Alltagsfreude, die ersten Blumenvasenbilder wollen gezeigt, Kinderwunschgedanken wollen mal wieder formuliert, Bücher vorgestellt und Handarbeitsfortschritte dokumentiert werden. Ich freue mich darauf!
Jetzt genieße ich meinen letzten Ferientag, mache klar Schiff in der Küche und einen Sonnenspaziergang! Auf ganz bald, Barbara

p.s.: Ich habe noch einen Bloggtipp für Euch: Auf Probiermalregional versucht sich Sebastian Müller von regional-markt einen Monat lang nur regional zu ernähren. Wie das geht, davon erzählt er auf seinem Blog. Ziemlich interessant

Samstag, 4. April 2015

Sonntagsfreude: Naturfarben

Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine 
Sonntagsfreude sind :)
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die hier weitergeführt wird
 Am Karfreitag vormittags, in Ruhe und in Stille, Ei um Ei mit natürlicher Schönheit verzieren, behutsam in die Farben der Natur einlegen, köcheln, herausnehmen - und sich einfach freuen: Einmalige Formen, harmonische Farben, ein Korb voll mit Ostergrüßen.
Eine Ostersonntagsfreude auch, das Erstaunen und die Begeisterung bei den Beschenkten, wie man denn solche Eier machen kann. In Schweden färbt man keine Eier. Und "Ostern" wurde heute schon gefeiert, ähnlich dem Heiligen Abend, schon am Vortag - beginnend mit einem überladenen Osterbuffet und dann mit einer Süßigkeitenorgie. Ich habe aber einen guten Weg für mich gefunden, von dem ich demnächst erzählen werde...
Jetzt aber verbringe ich erstmal zwei Ostertage mit 20 Personen unter einem Dach - ich will ganz dabei sein, aber auch Augenblicke zum Zurückziehen nützen. Ich wünsche Euch von Herzen ein schönes, gesegnetes Osterfest!

Mittwoch, 1. April 2015

In diesen Tagen

In diesen Tagen peitscht mir der Wind kalte Hagelkörner ins Gesicht, 
obwohl ich mir doch Wärme wünsche.
In diesen Tagen rinnt der Schweiß in Strömen,
obwohl es mir innerlich eiskalt ist.
 
In diesen Tagen, laufe, springe, renne ich,
obwohl ich ruhig Schritt um Schritt machen möchte.
In diesen Tagen quäle ich mich durch die Nachtstunden,
obwohl ich einfach nur schlafen möchte.
 In diesen Tagen muss ich streitbar bleiben,
obwohl ich nur versöhnlich sein möchte.
In diesen Tagen stehe ich selbstbewusst im Zentrum,
obwohl ich mich doch nur verkriechen möchte.
 
In diesen Tagen rede ich mich um Kopf und Kragen,
obwohl ich nur schweigen möchte.
In diesen Tagen komme ich Menschen näher,
obwohl ich bald so weit weg sein werde.
In diesen Tagen sind wir uns so fern,
obwohl wir doch so beengt wohnen.
In diesen Tagen trage ich mein Stachelkleid,
obwohl ich doch nur eine Umarmung möchte.
In diesen Tagen möchte ich festhalten,
obwohl ich doch loslassen muss.