Als mir kurz vor Ende der Strohwitwenzeit die Decke auf den Kopf fiel, beschloss ich zu den Schwiegereltern zu fahren und das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Wir haben dort nämlich immer noch Sachen zwischengelagert und langsam wollen wir unseren Hausstand komplett wissen. Außerdem wollte ich noch ein paar Kilo Preiselbeeren ernten. Aus den paar Kilo wurden letztendlich 13 Kilo und ich habe den ganzen Samstag entsaftet und Marmelade gekocht. Rotes Gold!
Allerdings musste ich mir die Preiselbeeren auch hart verdienen. Da ich in der Spätsommerwärme schwitzte, wurde ich extrem heftig von "Elchfliegen" sowie von Mücken aller Art gestochen/gebissen. Einige verheilen mühsam, aber was nimmt man nicht alles in Kauf... Außerdem bin ich froh, dass ich nur dort gegangen bin, wo es mir mein Schwiegervater am Abend vorher gezeigt hatte. Schwedische Kahlschlagflächen sind unwegsam, nicht ungefährlich und endlos...
Mittwoch, 16. September 2015
Dienstag, 15. September 2015
Verspätete Sonntagsfreude
Am Sonntag
einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die
ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung
schlicht und einfach eine
Sonntagsfreude sind :)
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die hier weitergeführt wird
Es gibt so Tage, da bestimmt man selber nicht so viel mit. Da sind es
| Küchentischchaos gibts auch bei uns... |
Donnerstag, 10. September 2015
Zuckerfrei süß (2) - nicht wirklich was für mich
Im Juni habe ich darüber geschrieben, dass sich so manche süße Sünde und Nervennahrung ein bisschen angelegt hatten und dass ich meinen Zucker-/Süßigkeitenkonsum überdenken wollte (zum Nachlesen hier und hier). Ein anstrengender Umzug, viel körperlicher Gartenarbeit und tägliche Erledigungen mit dem Rad (oft mehr als 12 km) haben dazu beigetragen, dass ich mich wieder wohl in meiner Haut fühle. Ich habe einiges nachgelesen und so manches überdacht.
Eine Artikelserie in einer schwedischen Tagezeitung über Orthorexie (hier kann man darüber im Internetlexikon nachlesen), die weder in Deutschland noch in Schweden als Krankheitsbild anerkannt ist, gab mir sehr zu denken. In Schweden gibt es inzwischen sehr viele Menschen, die in dieses Krankheitsbild passen, so dass man über eine Anerkennung und Therapiemöglichkeiten nachdenkt. Wir haben eine Bekannte, die sehr fanatisch ihr Essverhalten kontrolliert, andere missionieren will und gegenseitige Einladungen mit Essen sind inzwischen im Sand verlaufen.
Auch in einigen deutschsprachigen Blogs stoße ich immer wieder auf Ernährungsstatements, gerade was die Ernährung von Kindern betrifft, die mir sehr extrem, dogmatisch oder ideologisch vorkommen. Wenn sich jemand damit wohl fühlt, dann will ich damit niemanden zu nahe treten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das Leben dadurch einfacher, schöner oder genussvoller wird.
Wie sehr genieße ich unkomplizierte Einladungen, mit lieben Menschen um unseren Küchentisch sitzen, leckeres Essen essen und ja, auch mal einen gewöhnlichen Kuchen, gekauftes Eis oder ein Schälchen mit Pralinen als Nachspeise. Es wärmt mich, wenn unseren großen und kleinen Gästen mein Essen schmeckt und wenn sie meine Küche mögen und akzeptieren. Ehrlich gesagt, vergeht mir die Freude am Kochen manchmal, wenn ich vorher schon eine SMS mit einer Liste an Zutaten bekomme, die keinesfalls ins Essen dürfen. Und dabei geht es nicht immer um Allergien, sondern darum, was für gesund bzw. ungesund gehalten wird... Eine schwedische Freundin zeigte mir neulich - auch sie völlig erstaunt - dass es inzwischen Einladungskarten zu Kindergeburtstagen mit Vordruck zur gewünschten Kost des Kindes gibt!
Seit wir unseren Garten haben, fühle ich mich auch in der Küche relativ ausgeglichen. Vor allem wollte ich ja von meinem Trost-Schoki-Komsum wegkommen. Da haben mir einige Tipps von lieben Blogleserinnen sehr geholfen. Da gibt es jetzt zwischendurch öfter mal ein kleines Stück edler Zartbitterschokolade (fair-traide und bio), eine Hand voll Beeren und natürlich ganz viele Äpfel. Aber auch ein Marmeladenbrot tut mir gut, oft als zweites Frühstück.
Und um Marmelade oder Saft zu machen, will ich einfach Zucker benutzen. Der Zusatz von Zucker soll konservieren, das Produkt veredeln und es soll auch nach Kindheit und daheim schmecken. Dabei importiere ich mir durchaus einen 2:1 Gelierzucker aus Deutschland, hier in Schweden gibt es nur 1:1 oder versuche den Beeren im Dampfentsafter so wenig Zucker wie möglich, aber so viel wie nötig hinzuzugeben, aber dabei habe ich auch das fertige Produkt im Auge. Ein supersaurer Johannisbeerensaft würde hier nicht getrunken werden, es wäre schade um die Arbeit und die Früchte.
Ohne die Kuchenklassiker meiner Kindheit und meiner Region will ich ebenfalls nicht sein. Ein fruchtiger Sonntagskuchen (Torten sind nicht meins!) ist für mich Genuss, Freude und Familie, den ich gerne mit etwas weniger Zucker als angegeben oder mit Rohrzucker backe, aber er muss vor allem schmecken!
Mein Fazit: Ganz zuckerfrei wird es bei mir nicht geben! Ich bin kein Mensch, der Ideologien oder Extreme liebt, ich mag Ausgeglichenheit und Pragmatismus. Ich mag eine gesunde, vorwiegend fleischlose Küche mit vielen Zutaten aus Biolandwirtschaft, aber sie muss immer praktisch sein und Genuss und Lebensfreude vermitteln. Und hoffentlich finde ich bald wieder die Möglichkeit, einige Rezepte mit Euch zu teilen. Höchste Zeit auch, die Herbstsuppen-Reihe wieder zu starten!
Eine Artikelserie in einer schwedischen Tagezeitung über Orthorexie (hier kann man darüber im Internetlexikon nachlesen), die weder in Deutschland noch in Schweden als Krankheitsbild anerkannt ist, gab mir sehr zu denken. In Schweden gibt es inzwischen sehr viele Menschen, die in dieses Krankheitsbild passen, so dass man über eine Anerkennung und Therapiemöglichkeiten nachdenkt. Wir haben eine Bekannte, die sehr fanatisch ihr Essverhalten kontrolliert, andere missionieren will und gegenseitige Einladungen mit Essen sind inzwischen im Sand verlaufen.
Auch in einigen deutschsprachigen Blogs stoße ich immer wieder auf Ernährungsstatements, gerade was die Ernährung von Kindern betrifft, die mir sehr extrem, dogmatisch oder ideologisch vorkommen. Wenn sich jemand damit wohl fühlt, dann will ich damit niemanden zu nahe treten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das Leben dadurch einfacher, schöner oder genussvoller wird.
Wie sehr genieße ich unkomplizierte Einladungen, mit lieben Menschen um unseren Küchentisch sitzen, leckeres Essen essen und ja, auch mal einen gewöhnlichen Kuchen, gekauftes Eis oder ein Schälchen mit Pralinen als Nachspeise. Es wärmt mich, wenn unseren großen und kleinen Gästen mein Essen schmeckt und wenn sie meine Küche mögen und akzeptieren. Ehrlich gesagt, vergeht mir die Freude am Kochen manchmal, wenn ich vorher schon eine SMS mit einer Liste an Zutaten bekomme, die keinesfalls ins Essen dürfen. Und dabei geht es nicht immer um Allergien, sondern darum, was für gesund bzw. ungesund gehalten wird... Eine schwedische Freundin zeigte mir neulich - auch sie völlig erstaunt - dass es inzwischen Einladungskarten zu Kindergeburtstagen mit Vordruck zur gewünschten Kost des Kindes gibt!
| Blåbärpaj für 7 Personen |
Und um Marmelade oder Saft zu machen, will ich einfach Zucker benutzen. Der Zusatz von Zucker soll konservieren, das Produkt veredeln und es soll auch nach Kindheit und daheim schmecken. Dabei importiere ich mir durchaus einen 2:1 Gelierzucker aus Deutschland, hier in Schweden gibt es nur 1:1 oder versuche den Beeren im Dampfentsafter so wenig Zucker wie möglich, aber so viel wie nötig hinzuzugeben, aber dabei habe ich auch das fertige Produkt im Auge. Ein supersaurer Johannisbeerensaft würde hier nicht getrunken werden, es wäre schade um die Arbeit und die Früchte.
Mein Fazit: Ganz zuckerfrei wird es bei mir nicht geben! Ich bin kein Mensch, der Ideologien oder Extreme liebt, ich mag Ausgeglichenheit und Pragmatismus. Ich mag eine gesunde, vorwiegend fleischlose Küche mit vielen Zutaten aus Biolandwirtschaft, aber sie muss immer praktisch sein und Genuss und Lebensfreude vermitteln. Und hoffentlich finde ich bald wieder die Möglichkeit, einige Rezepte mit Euch zu teilen. Höchste Zeit auch, die Herbstsuppen-Reihe wieder zu starten!
Dienstag, 8. September 2015
Mit einem Mal...
Ich hole den dampfenden, duftenden, warmen Apfelstudel aus dem Ofen. Was für eine Freude, nun einen E-Herd zu haben, bei dem das Gas nicht ausgehen kann und nichts von unten her anbrennt. Ich stelle ihn zum Abkühlen auf den Tisch. Dabei fällt mir auf, wie dunkel die Wolken sich am Himmel zusammenziehen. Es dauert nicht lange und die ersten schweren Tropfen klatschen ans Fenster.
Ich koche mir eine Tasse Tee und freue mich an meiner Souveniertasse, die aus den Untiefen der Kartons aus Bayern wieder aufgetaucht ist. Eine Tasse, die mich an Schweden als Urlaubsland erinnert. Es tut gut, manchmal an die Wahlheimat aus einem anderen Blickwinkel zu denken.
Während der Tee zieht, gehe ich schon mal nach oben, in die Werkstatt und schalte die Lampe ein, die mir mein Mann vor seiner Abreise in die schwedische Arktis noch aufgehängt hat.
Entschlossen hebe ich auch endlich den Nähmaschinentisch von seiner Müllsackunterlage und schiebe einen Teppich drunter. Das schaut doch gleich anders aus, sage ich zu mir selbst und muss lachen, weil ich nun schon mit mir selbst rede, nach nur einer Woche allein im Haus ;-)
Mein Blick fällt auf die leere Pinnwand und ich hole Postkarten, Lieblingsstoffstreifen und eine Anleitung, die ich bald umsetzen will, und hänge alles auf. Es schaut gleich bunter und bewohnter aus.
Inzwischen ist der Tee fertig, ich hole ihn nach oben. Dabei fällt mir ein, dass ich ja auch noch einen Stuhl brauche. Die Wahl fällt mir nicht leicht, ich versuche es mal mit einem Holzstuhl und Kissen. Ich setze mich zur Probe hin, es ist weich und genau die richtige Höhe.
Schon will ich loslegen, alle Vorbereitungen sind getroffen, da fällt mir ein - Musik, Radio, Podcasts! Nähen im stillen Kämmerlein, das geht mal eine Stunde für mich. Nähen allein im großen Haus, nur mit guter Unterhaltung. Die alten Lautsprecher des Mannes aus Studienzeiten, mein alter Discman (die späten 90er grüßen!) und ein Kabel fürs Handy, jetzt kann es wirklich losgehen...
Ich lege eine CD in den Discman. Es ist Musik, die ich in dem Sommer hörte, der mein letzter als Austauschstudentin in Schweden war. Ich war soo verliebt in diesen jungen Forscher, ein Schwede, der mir Herzklopfen verursachte, wie kein anderer, ich hatte so viel Herzschmerz, reiste doch ich auf Exkursion in die schwedische Arktis und danach würde ich ihn nie wieder sehen.
Sieben Jahre später wohne ich jetzt mit diesem Schweden in einem blauen Holzhäuschen, ich bin immer noch soo verliebt und ich bekomme Herzklopfen, wenn ich daran denke, dass er endlich, endlich am Ende der Woche nach langen 14 Tagen wieder nach Hause kommt. Ich habe Herzschmerz, weil ich denke, dass wir während unserer Beziehung zwischen Ländern und Kontinenten viel zu viel Zeit getrennt waren und es manchmal noch sind. Jetzt haben wir aber nun unser Haus, wo wir beiden nun gemeinsam wohnen. Hätte ich das damals gewusste, hätte ich nicht frierend in einer Holzbaracke mit dem Discman und Kopfhörern im Ohr in Endlosschleife Lied Nummer 7 hören müssen ;-)
Sorgsam breite ich den weichen Cordstoff auf dem großen Tisch aus, streiche ihn glatt. Langsam und sorgfältig stecke ich die Jeanshosenteile auf und schneide zu. Bei Lied Nummer 7 setze ich mich an die Nähmaschine. Ich spule den Faden auf die Unterspule und muss tatsächlich im Handbuch nachlesen, wie man die Zwillingsnadel einfädelt. So lange habe ich schon nicht mehr genäht!
Und mit einem Mal sitze ich nun in meiner Werkstatt, ruhig und entspannt. Draußen trommelt der Regen ans Fenster, die Musik macht mir gute Laune und ich beginne zu nähen. Ich nähe eine weitere Hose für den Mann. Mit einem Mal fühlt sich stimmig an, hier in der Werkstatt zu sitzen. Stimmig auch, als erstes Stück eine Hose für den schwedischen Forscher mit den eisblauen Augen zu nähen, der meine Handarbeit so schätzt. Bis er dann nach Hause kommt, wird die Hose wohl fertig sein.
Ich koche mir eine Tasse Tee und freue mich an meiner Souveniertasse, die aus den Untiefen der Kartons aus Bayern wieder aufgetaucht ist. Eine Tasse, die mich an Schweden als Urlaubsland erinnert. Es tut gut, manchmal an die Wahlheimat aus einem anderen Blickwinkel zu denken.
Während der Tee zieht, gehe ich schon mal nach oben, in die Werkstatt und schalte die Lampe ein, die mir mein Mann vor seiner Abreise in die schwedische Arktis noch aufgehängt hat.
Entschlossen hebe ich auch endlich den Nähmaschinentisch von seiner Müllsackunterlage und schiebe einen Teppich drunter. Das schaut doch gleich anders aus, sage ich zu mir selbst und muss lachen, weil ich nun schon mit mir selbst rede, nach nur einer Woche allein im Haus ;-)
Mein Blick fällt auf die leere Pinnwand und ich hole Postkarten, Lieblingsstoffstreifen und eine Anleitung, die ich bald umsetzen will, und hänge alles auf. Es schaut gleich bunter und bewohnter aus.
Inzwischen ist der Tee fertig, ich hole ihn nach oben. Dabei fällt mir ein, dass ich ja auch noch einen Stuhl brauche. Die Wahl fällt mir nicht leicht, ich versuche es mal mit einem Holzstuhl und Kissen. Ich setze mich zur Probe hin, es ist weich und genau die richtige Höhe.
Schon will ich loslegen, alle Vorbereitungen sind getroffen, da fällt mir ein - Musik, Radio, Podcasts! Nähen im stillen Kämmerlein, das geht mal eine Stunde für mich. Nähen allein im großen Haus, nur mit guter Unterhaltung. Die alten Lautsprecher des Mannes aus Studienzeiten, mein alter Discman (die späten 90er grüßen!) und ein Kabel fürs Handy, jetzt kann es wirklich losgehen...
Ich lege eine CD in den Discman. Es ist Musik, die ich in dem Sommer hörte, der mein letzter als Austauschstudentin in Schweden war. Ich war soo verliebt in diesen jungen Forscher, ein Schwede, der mir Herzklopfen verursachte, wie kein anderer, ich hatte so viel Herzschmerz, reiste doch ich auf Exkursion in die schwedische Arktis und danach würde ich ihn nie wieder sehen.
Sieben Jahre später wohne ich jetzt mit diesem Schweden in einem blauen Holzhäuschen, ich bin immer noch soo verliebt und ich bekomme Herzklopfen, wenn ich daran denke, dass er endlich, endlich am Ende der Woche nach langen 14 Tagen wieder nach Hause kommt. Ich habe Herzschmerz, weil ich denke, dass wir während unserer Beziehung zwischen Ländern und Kontinenten viel zu viel Zeit getrennt waren und es manchmal noch sind. Jetzt haben wir aber nun unser Haus, wo wir beiden nun gemeinsam wohnen. Hätte ich das damals gewusste, hätte ich nicht frierend in einer Holzbaracke mit dem Discman und Kopfhörern im Ohr in Endlosschleife Lied Nummer 7 hören müssen ;-)
Sorgsam breite ich den weichen Cordstoff auf dem großen Tisch aus, streiche ihn glatt. Langsam und sorgfältig stecke ich die Jeanshosenteile auf und schneide zu. Bei Lied Nummer 7 setze ich mich an die Nähmaschine. Ich spule den Faden auf die Unterspule und muss tatsächlich im Handbuch nachlesen, wie man die Zwillingsnadel einfädelt. So lange habe ich schon nicht mehr genäht!
Und mit einem Mal sitze ich nun in meiner Werkstatt, ruhig und entspannt. Draußen trommelt der Regen ans Fenster, die Musik macht mir gute Laune und ich beginne zu nähen. Ich nähe eine weitere Hose für den Mann. Mit einem Mal fühlt sich stimmig an, hier in der Werkstatt zu sitzen. Stimmig auch, als erstes Stück eine Hose für den schwedischen Forscher mit den eisblauen Augen zu nähen, der meine Handarbeit so schätzt. Bis er dann nach Hause kommt, wird die Hose wohl fertig sein.
Sonntag, 6. September 2015
Sonntagsfreude: Apfelmus
Am Sonntag
einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die
ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung
schlicht und einfach eine
Sonntagsfreude sind :)
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die hier weitergeführt wird
Endlich Sturm- und Regenpause! Ich gehe mit meinen neuen roten Gummistiefeln und durch den Garten. Hier sind nicht nur zwei, nein, hier wären sogar drei Paar Gummistiefel gerechtfertigt. Vermutlich die einzige Art Schuhe, die man von September bis März tragen kann. Ich werde darüber nachdenken ;-) Das Gras seufzt, alles tropft und ist feucht. Unter dem Apfelbaum liegen viele rotbackige Äpfel, die im Sturm heruntergeweht wurden.
Ich hole mir zwei Eimer und hebe die Äpfel auf. Die schon offensichtlich fauligen, beschädigten Exemplare wandern in den einen Eimer, die noch guten in den anderen. Schließlich habe ich zwei Zehnlitereimer voll! Den einen schütte ich zur Freude der Rehe auf den Kompost, den anderen bringe ich ins Haus.
Platsch, platsch, platsch - hüpfen die Äpfel ins Wasserbad. Was für eine Fülle! Das Spülbecken ist fast zu klein. Dann beginne ich auszuschneiden. Nach einer halben Stunde sind gefühlt immer noch so viele Äpfel im Spülbecken und statt In (m)einem kleinen Apfel zu summen oder zu singen, schalte ich nun das Radio mit schwungvoller Musik ein. Die frechsten Würmer versuchen aus den Äpfeln zu kriechen, bevor ich mit meinem scharfen Messer zum Schnitt ansetze.
Nach einer guten Stunde ist es geschafft, der Topf ist voll, der Zehnlitereimer leer und eine Schale habe ich mit den schönsten Äpfeln zum Rohessen aussortiert. Ich gebe Wasser zu und setze den Topf auf.
Endlich kann ich mir was zum Abendessen richten, mein Magen knurrt schon, draußen legt sich die Dunkelheit ums Haus und der Birnbaum klopft mit seinen Zweigen ans Fenster. Nach dem Essen befülle ich die Spülmaschine und hole sechs Gläser aus dem Keller. Na, da sind wir mal wieder optimistisch, denke ich. Vier, fünf Gläser werden es vielleicht, aber mehr nicht.
Ich gieße den Apfelbrei ins Sieb und streiche ihn sorgsam durch. Was für eine herrliche rosa Farbe! Ich schließe die Augen und atme den Duft ein, auch die Wärme und der Dampf, die von den Töpfen ausgehen tun gut an diesen ersten kühlen Herbsttagen. Ich erwärme das Mus noch einmal und probiere - mmh!
Ich fülle das Mus in die vorbereiteten Gläser, eins - zwei - drei - vier - fünf - und sechs!!! Sechs volle Gläser rosa-schimmerndes Apfelmus von unseren Äpfeln und ein Schälchen bleibt auch noch über, das esse ich gleich warm.
Ich fühle mich so erfüllt, warm, ein bisschen stolz, zufrieden und dankbar. Ja, dieses erste Apfelmus von unseren Äpfeln ist eine Freude, eine Sonntagsfreude!
Das war am Mittwoch, inzwischen hat es zwei weitere Tage gestürmt und heute am Sonntag wurde ich erstmals wieder von der Sonne geweckt, während die Wolken am Himmel rasen und die Bäume mit dem Wind tanzen. Wisst ihr, was ich jetzt tue? ... Ich werde meine roten Gummistiefel anziehen, zwei Eimer mitnehmen und die Äpfel aufsammeln. Eine zweite Runde Apfelmus, vielleicht auch einen Apfelstrudel backen, zum Einfrieren, den ich später im Herbst einfach auftauen kann... Auch Sonntagsfreude!
Samstag, 5. September 2015
Freitag, 4. September 2015
Alltagsfreude: Kursbeginn
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