Es ist Freitag vorm ersten Advent. Der milde, stürmische Wind von der Nordsee her hat den Winterzauber schon wieder verschwinden lassen und auch so stellt sich das Adventsgefühl noch nicht richtig ein. Und doch werden wir morgen Abend einen Adventskranz binden, (die Zweige sind dieses Jahr schon eingetroffen,
nicht so wie letztes Jahr...) zumindest die Küche putzen und aufräumen und einen Leuchtstern aufhängen, der dann abends
Licht ins Dunkel bringen wird.
Vielleicht liegt es daran, dass ich immer noch nicht ganz gesund bin und die Genesungsphase länger dauern wird als sonst. Vielleicht liegt es auch daran, dass das Wohnzimmer, der Flur, das Treppenhaus, das Gartenzimmer (oder auch Salon genannt ;-) ) und der obere Flur voll mit Tapeten, Tapeziertisch, Leitern, Türen, Beschlägen, Balken zum Treppengerüst bauen usw. sind. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mir einen Zeitplan in den Kopf gesetzt habe, der nicht realistisch ist, nicht unter den jetzigen Umständen.
Ich atme tief durch und nehme mein Lieblingswinterbackbuch aus dem Regal und blättere darin. Ein einfaches Rezept, für das ich alles zu Hause habe und das ich auch mit begrenzten Kräften schaffe: Safranschnitten. Kurze Zeit später zieht schon der Duft nach Safrangebäck durchs Haus und der Mann staunt nicht schlecht, dass ich zum 3-Uhr-Kaffee (eine schwedische Seniorentradition...) gedeckt habe. Während die Schnitten magisch schnell verschwinden, merke ich, dass sich meine Gedankengänge ändern: Der Advent ist erst der Anfang, der Weg hin zu Weihnachten. Eine Zeit des Vorbereitens. Der Höhepunkt soll das Weihnachtsfest sein und nicht schon der Advent selbst. Ich bemühe mich um Gelassenheit und versuche meine Ansprüche und Ziele zu ändern.
Es ist gut genug, wenn wir bis Weihnachten mit dem Treppenhaus fertig werden. Es ist gut genug, wenn ich nach und nach die Zimmer putze und dekoriere. Es ist auch gut genug, wenn ich einfaches Gebäck backe und mir auch Gedanken über die Adventszeit als Fastenzeit mache. Es ist gut so wie es ist.
Rezept für ca 30-40 Safranschnitten:
1/2 Gramm Safran mit 1 EL Zucker und 1 EL Milch oder Sahne gut verrühren/auflösen.
60 g Zucker und 100 g Butter gut verrühren.
180 g Mehl und die Safranmilch unterkneten. Den Teil kühl ein paar Stunden ruhen lassen.
Den Ofen auf 200°C vorheizen. Ein Blech mit Backpapier belegen.
Den Teig zu zwei dickeren Rollen in der Länge des Bleches (ca 30-35 cm) formen und plattdrücken. In der Mitte mit einem Kochlöffelstiel oder Essstäbchen eine Vertiefung gut eindrücken.
10-12 Minuten backen. Abkühlen lassen.
Ca. 100 g Schokolade (im Original ist Zartbitter vorgeschlagen, ich hatte noch Milchschokoladenreste) im Wasserbad schmelzen und in die Vertiefung gießen. Etwas festwerden lassen. Die platten Rollen dann in Schnitten schneiden, ca. 1,5 cm breit.
Die Schnitten lassen sich in einer Blechdose gut ein paar Wochen aufheben.
Ich wünsche Euch ein schönes erstes Adventswochenende!