Freitag, 27. Juli 2012

Ich packe meinen Koffer...

... und nehme unglaublich viele Sachen mit (so ein Oktavia ist das reinste Raumwunder...) und dennoch muss ich viele Sachen, die mir lieb sind hier lassen. Ich finde, es macht einen großen Unterschied ob man freiwillig ins Ausland geht oder nur halbfreiwillig: 2007 als Erasmusstudentin nahm ich viele Dinge gar nicht mit, denn ich wollte mir 'richtig schwedische' Sachen kaufen. Nun versuche ich so viel bayerische Heimat wie möglich einzupacken :) Wir werden nun zwei Tage unterwegs sein mit einer Übernachtung in Norddeutschland oder Dänemark. Bis bald!

Mittwoch, 25. Juli 2012

Spätsommergefühle

Nachdem es nun zwei Tage endlich warm und schön war, scheint der 'richtige' Sommer auch schon wieder vorbei zu sein. Seufz. Heute ist es schon wieder kühler mit Dauerregen. Was liegt da näher als langsam die Herbst-Strickprojekte zu planen? Letzte Woche kam hier eine neue Wolllieferung vom Finkhof an, die im Laufe des Winterhalbjahres in ein Oberbekleidungsstück für den Liebsten verstrickt werden soll. Bei diesem Wetter hat man aber durchaus jetzt schon mal den Wunsch, diese herrliche warme Wolle durch die Finger laufen zu lassen. So nutzte ich ein paar freie Minuten und Mamas Haspel um das Garn zu Knäueln zu wickeln. Und nein, auch nach so vielen Knäueln möchte ich keine Maschine (Yarn/ball winder) dazu, denn ich finde, es gibt nichts schöneres als diese runden, altmodischen Knäuel :)

Montag, 23. Juli 2012

So viel Zeit muss sein - für ein Duftkissen

Seit einer Woche bin ich ja nun in meiner alten Heimat. Und die Tage fliegen nur so vorbei! Viel Zeit verbringen wir mit dem Einmachen, Marmeladekochen und der Vorratshaltung von Schätzen aus dem Garten. Wir kochen mit Gemüse frisch aus dem Garten und sitzen gerne länger bei Tisch. Ich versuche endlich alle Dankkarten für unsere Hochzeitsgäste zu schreiben, ganz altmodisch von Hand und mit ein paar individuellen, persönlichen Worten für jeden Gratulanten. Außerdem gilt es zu sortieren, packen, noch Sachen bestellen und einkaufen, die ich in Schweden nicht bekommen kann (gute Kräutertees!). Und doch war letzte Woche dann einmal ein Zeitfenster, zwei Stunden, in denen alle aus dem Haus waren oder mit sich selber beschäftigt waren. Ich holte mir Stoff, Stickgarn und die letzten Lavendelblüten aus dem Garten und legte los. Und die Zeit reichte gerade. Als alle wieder vom Einkaufen/Arbeit usw. zurückkamen, konnte ich das fertige Kissen präsentieren:
Ein Duftkissen für Gesche von Kirschenzeit, das sie bei der Verlosung im Juni gewonnen hatte.
Inzwischen ist es bei ihr eingetroffen, deshalb kann ich es nun auch hier zeigen :)
Der Stoff ist ein Rest von unserem Ringkissen, gefüllt habe ich es mit Schafwolle und von meiner Oma getrockneten Lavendelblüten.
Liebe Gesche, ich freue mich wenn es gefällt!

Sonntag, 22. Juli 2012

Sonntagsfreude: Familienzeit

Endlich mal wieder eine Sonntagsfreude nach einer Idee von Frau Kreativberg.

Meine Sonntagsfreude ist die Erinnerung an unseren Familienausflug, den wir am Freitag in den Oberen Bayerischen Wald machten. Nach einem Besuch beim Köhler und in dem liebevoll gestalteten Museum, durften wir von Logenplätzen aus das fantastische Historienspiel über Trenck den Panduren erleben. So ein Ausflug vom Alltag und (Heimat-)Geschichte so mitreissend erzählt zu bekommen, das tat so gut.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Rosemary, die II.

Ich glaube, kaum eines meiner Strickprojekte ist so weit gereist, wie diese Weste. Begonnen habe ich sie, als wir noch weite Strecken im Mittleren Westen der USA mit dem Auto zurücklegten.
Dann strickte ich immer wieder ein paar Reihen während der turbulenten Hochzeitsvorbereitungen in Bayern. Auch während einer langen Zugfahrt quer durch das Bundesland hatte ich das Strickstück dabei.
In Schweden endlich wurde sie nun fertig. Auf der Insel hatte ich dann plötzlich die Zeit und die Muße, das immer größer werdende Strickstück mit mir herumzutragen und konnte sie dann - auf der Veranda - bei Tischgesprächen - Kartenspielrunden - innerhalb von 4 Tagen vollenden.
Es ist die gleiche Anleitung wie hier, aber die Empfängerin der Weste schlug einige Veränderungen vor, ohne zu wissen, dass ein Modell für sie in Arbeit ist :) Deshalb entstanden sechs Knopflöcher, die auch etwas weiter unten beginnen.
Auch habe ich wieder etwas mehr Abnahmen gestrickt als in der Anleitung vorgesehen, damit der Halsausschnitt etwas enger wurde.
Das Garn ist Full Circle Worsted Yarn von Knitpicks in der Farbe 'Latte'. Verstrickt habe ich fast genau 300 Gramm, die restlichen paar Meter wurden von meinem Neffen freudig für ein Fingerhäkelprojekt verwendet.

Montag, 16. Juli 2012

Wurzeln und Flügel

Wenn die Flügel müde werden, ist es Zeit zu den Wurzeln zurückzukehren.

Zunächst Euch allen vielen herzlichen Dank für die vielen lieben und aufmunternden Kommentare von Euch. Inzwischen ist die erste Frustration vorübergegangen und ich versuche (!) optimistisch zu sein*. Und ich hoffe, dass ich diese Erfahrungen nie vergessen werde, denn sie sind so wichtig, um viele in unserer Gesellschaft zu verstehen: Warum sie sich ausgeschlossen, gedemütigt, als Bürger 2. und 3. Klassen fühlen. Wie es ist, keine Rechte zu haben. Immer zu hoffen, dass nichts passiert, weil es keine Krankenversicherung gibt, die einspringen wird um die Krankenhausrechnung zu bezahlen. Ich wünsche mir, dass es mir gelingt, all diese Erfahrungen irgendwann nutzen zu können als Quelle für Verständnis und Empathie.
Und dabei habe ich, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, immer noch die Möglichkeit in 'mein' Land zurückzukehren, wenn es mir zu viel wird. Das löst sicher nicht die Weiterbildungs- und Versicherungsprobleme, aber ich kann auftanken. Über meine Wurzeln kann ich Nährstoffe aufnehmen, sie etwas mehr in den Boden schieben und mir neuen Stand verschaffen.
Nicht, dass es nun eine plötzliche Abreise gewesen wäre, sondern wir hatten ohnehin geplant meine persönlichen Gegenstände zu holen, wenn wir die Wohnung in einen entsprechenden Zustand gebracht hätten. Und das war nun der Fall: Alles ist geputzt, repariert, gestrichen, mit Vorhängen versehen, die alten und neuen Möbel stehen an ihren Plätzen. Und da passte es so gut, dass wir nun einfach aufbrechen konnten, die Stadt und das Land einfach hinter uns lassen. Heimkommen. Die Hände in die durchfeuchtete Gartenerde stecken. Gemüse ernten, das ich damals gesät habe. Ableger von den Geranien schneiden um sie 'umzugstauglich' zu machen. Gutes Essen am großen Tisch. Eine Familienfeier. Zeit zum Stricken. Bewegende Gespräche. Zur Ruhe kommen.

*Die Einwanderungsbehörde kann und darf sich nicht länger als drei Monate Zeit lassen. Puh, aber bis Mitte September wäre noch ganz schön lange... Und dann nochmal vier bis sechs Wochen beim Skatteverket. Die Personnummer als Weihnachtsgeschenk?! ;)

Freitag, 13. Juli 2012

Sehr geehrte Damen und Herren,...

... mein Name ist Barbara H., ich bin Ende 20, habe ein deutsches Gymnasiallehrerexamen (Notendurchschnitt 1,59), Zusatzqualifikationen in Natur- und Umweltpädagogik (Nationalpark Bayerischer Wald 2004/05) und eine Zusatzausbildung in Multikultureller Erziehung, die ich Anfang 2012 an der Universität Purdue, IN (USA; Platz 50 im weltweiten Universitätsranking), erworben habe. Ich habe einen Ihrer männlichen Mitbürger geheiratet und diese Ehe wurde nach 4 Wochen endlich beim Skatteverket registriert. Ich bin hoch motiviert, meine Kenntnisse und Fähigkeiten zum Wohle des schwedischen Ausbildungssystems und der schwedischen Kinder und Jugendlichen zur Verfügung zu stellen. Außerdem spreche ich fließend Schwedisch, kenne alle wichtigen Politiker und politischen Strukturen, bin mit dem Kulturbetrieb vertraut und verfüge über ein soziales Netzwerk. Außerdem würde ich gerne Mitglied im schwedischen Naturschutzverein werden und einem Kirchenchor beitreten.
Nun wäre ich recht dankbar, wenn Sie auch mir gegenüber etwas wohlwollender wären. Ich bin EU-Mitbürgerin, habe bislang keine Straftaten begangen und bin auch sonst recht umgänglich. Allerdings könnte sich letzteres bald ändern, wenn ich von Ihren Behörden permanent mit falschen Informationen versorgt werde (ob absichtlich oder nicht), meine Gesuche daraufhin abgelehnt werden und diese Beschlüsse dann - trotz kürzlicher Registrierung der Ehe - an meinen Mädchennamen und meine Adresse in Deutschland geschickt werden, wo ich schon lange nicht mehr wohne.
Allerdings ist das vielleicht auch eine Taktik, die ich noch nicht durchschaut habe, eine Möglichkeit, die von vielen so ungeliebten deutschen Touristen, die glauben, das Volksheim (folkhem) langfristig invadieren zu können, doch wieder rauszubekommen: Zuerst versorgt man sie mit falschen Informationen. Dann schickt man die Ablehnung an eine falsche Adresse*. Daraufhin vergehen einige Tage und die Bewerberin verliert noch mehr Zeit, so dass sie schließlich nicht an der Berufsweiterqualifikation teilnehmen kann. Sie wird arbeitslos und/oder mit Niedriglohnjobs versorgt. Sie wird frustriert und depressiv. Letzteres kann aber nicht behandelt werden, weil sie natürlich auch (noch) nicht in der Versicherung ist. Sie ist von ihrem Mann abhängig, hat kein eigenes Konto (dafür braucht man die Personnummer) und sie kann nicht mal einen Autoanhänger für einen evtl. Umzug zurück nach Deutschland mieten (denn auch dafür braucht man eine Personnummer). Sie wird wahnsinnig und springt halbnackt durch die deutschen Touristenmassen vor dem Schloss in Stockholm und schreit "Blödes Schweden". Daraufhin wird sie ausgewiesen und kommt endlich zurück in die geliebte bayerische Heimat, ins Bezirkskrankenhaus Mainkofen.
Noch bin ich aber immer noch gewillt, Ihnen noch 34 Tage zur Bereinigung der Angelegenheit einzuräumen. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie auch mal einen Blick in Ihre Akten von 2007 werfen, da habe ich diesen Zirkus schon einmal durchgemacht. Wie in der Beschwerde von meinem Mann  an Sie formuliert, wären wir aber schon über eine schriftliche Stellungnahme und eine Entschuldigung dankbar.
Mit freundlichen Grüßen,
Barbara H.

* die Adresse und der Name können nur geändert werden, wenn man ins Einwohnerregister aufgenommen ist; die kann nur geschehen, wenn man die Aufenthaltserlaubnis hat; dafür muss man aber eine Adresse in Schweden haben...

Ich hoffe, dass Ihr versteht, dass manche Passagen mit den Stilmitteln der Ironie gewürzt sind und nicht alles wörtlich zu nehmen ist; das meiste ist allerdings leider wahr...