Mittwoch, 16. Mai 2012

Zerissen II

Mein Freund zieht mich manchmal damit auf, dass angeblich nur Leute bloggen, denen es schlecht geht und die sich auf diese Weise positive Bestätigung und Aufmunterung holen wollen. Als mein Post 'Zerissen' auf wundersame Weise in den Weiten des www verschwand, dachte ich, das ist ein Zeichen, auf diesem Blog in Zukunft doch nur noch ausschließlich über schöne Erlebnisse zu berichten. Denn schlecht geht es mir wirklich nicht, im Gegenteil, mir geht es eigentlich sehr gut und ich bin eigentlich seeehr glücklich...
Ja, aber da gibt es dieses eigentlich. Denn ganz uneingeschränkt kann ich mich im Moment nicht freuen. Ich werde nämlich nun mehr oder weniger endgültig mein Heimatland verlassen. Der Liebe wegen. Ich habe die letzten Wochen viel darüber nachgedacht, wie und warum ich bloggen will. Natürlich will ich den zu Hause gebliebenen ein bisschen darüber berichten, was so 2000 km entfernt alles los ist. Ich möchte das Land vorstellen, so, wie es wirklich ist, wenn man dort lebt. Aber natürlich soll es auch noch Platz für meine Hobbies und Leidenschaften, Austausch über Kreatives auf diesem Blog geben.
Als ich die Bilder für den Header ausgewählt habe, habe ich sehr idyllische, ästhetische genommen. Nicht die Hauptstadt im Regen oder Novembergrau, keine sozialen Wohnungsbauprojekte, keine abgeholzten Wälder. Sondern Bilder, die wahrscheinlich auch jeder von uns in sich trägt, wenn man an Astrid Lindrens Heimat denkt: rote Häuschen, Seen, Preiselbeerblüte, unberührte Natur. Das ist natürlich eine Seite und genau diese Seite lockt jedes Jahr tausende von (v.a. deutschen) Urlaubern in dieses Land.
Aber die andere Seite ist, dass ich eben nicht als Urlauberin in dieses Land gehen werde, sondern ich werde versuchen, dort zu leben. Und das Leben ist eben kein Bullerbü!
Deshalb werdet ihr auf diesem Blog, in dem es eben auch ums Auswandern, Integration oder Inklusion, Bürokratie und viele (Neu-)Anfänge geht, auch von Zweifeln, Niedergeschlagenheit, Heimweh und Ärger mit den Behörden lesen. Denn alles andere wäre meiner Meinung nach nicht ehrlich. Ich kann nicht einfach das alles weglassen und ein idyllisches Bild zeichnen, das nicht realistisch ist und das dann den einen oder anderen vielleicht sogar motivieren könnte, über Auswanderpläne nachzudenken. Ich habe schon für mehr als ein Jahr in dem Land gelebt und ich weiß mehr oder weniger worauf ich mich nun einlasse. Mit einem Einheimischen an meiner Seite wird manches vielleicht unkomplizierter als es damals war, als ich ganz auf mich allein gestellt war. Aber grundsätzlich habe ich kaum noch Illusionen, die ich vor 5 Jahren hatte. Ich stelle dennoch immer wieder in persönlichen Gesprächen fest, dass viele andere, mit mir diese Illusionen teilen, von denen ich auf schmerzhafte Weise erfahren musste, dass sie nicht eintreten/zutreffen werden.
Deshalb nehmt es mir bitte nicht übel, wenn es auf diesem Blog manchmal (hoffentlich aber sehr selten!) auch eher Unerfreuliches oder Unangenehmes zu lesen gibt. Das hat nichts damit zu tun, dass ich ein Jammerlappen oder eine Heulsuse wäre, aber ich habe keine Lust, ein Bild von einem Land zu zeichnen, das nur wenig mit der von mir erlebten Realität zu tun hat. Wer also sein Bullerbü-Bild bewahren will, sollte diesen Blog vielleicht in Zukunft nicht mehr lesen. Wer aber an bürokratischem Wahnsinn vor atemberaubenden Sonnenuntergängen und zauberhafter Natur, skandinavisch-bayerischer Einrichtung und Handarbeiten interessiert ist, der sei hier herzlich willkommen! :)
In nur weniger als einem Monat sind wir schon wieder auf 60° Nord. Hui, wie jetzt die Zeit dahin rennt. Und eigentlich freue ich mich doch schon sehr...

5 Kommentare:

  1. Oh, die Meinung von deinem Freund hab ich auch mal gehabt. Jetzt seh ich es als "kreativen Raum", das Bloggen. Und ich mag deinen Blog schon jetzt (und bin v.a. total happy, dass du "endlich" einen hast!!) - ich glaub, es ist immer schwierig, in einem fremden Land zu wohnen. Ich sehe das bei meinem Mann - es gibt einfach Dinge, die man als "Nicht-Inländer" ganz schwer nachvollziehen kann (egal, ob sie nun gut oder schlecht sind). Ich wünsch dir auf alle Fälle, dass eure Liebe dich über Krisenzeiten hinwegträgt! Alles Liebe. maria

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    1. Liebe Maria, danke für deine aufmunternden Worte. Es tut gut zu wissen, dass es Paare/Familien mit der gleichen Herausforderung (zwei Nationen, zwei Sprachen, neue Heimat) gibt, die sie gut meistern - und die wirklich wissen, wovon sie sprechen... Ich frag dich sicher noch nach dem ein oder anderen Rat. Alles Liebe für dich, deinen Mann und die Kinder! Barbara

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  2. Erst vor ein paar Wochen bin ich auf Deinen Blog gestoßen und ich bin schon sehr gespannt, was Du vom Hohen Norden berichten wirst. Ich finde es immer wieder interessant, wenn von anderen Ländern nicht nur aus Touristen-Sicht berichtet wird, sondern einfach aus dem Alltag. Und gute und schlechte Seiten gibts auch ohne Auswandern. Ich wünsche Dir alles Gute, viel Geduld, liebe, offene Menschen, wunderschöne Sonnenuntergänge und nicht zu viel Ärger mit der Bürokratie ;-) !! Alles Liebe, Martina :-)

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    1. Danke, liebe Martina, für deine netten Worte. Du hast recht, Probleme oder schöne Erfahrungen gibt es hier und da. Es fällt einem aber vielleicht schwerer die Probleme zu lösen, wenn alles neu und in einer fremden Sprache ist... Ich freue mich, wenn ich bald "live aus dem Norden" berichten kann - und auf Kommentare von dir! :) Alles Gute und Liebe, Barbara

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  3. Mist , jetzt hatte ich gerade ganz viel geschrieben, jetzt ist alles weg :-( Ich wollte sagen, dass ich deine Gedanken gut nachvollziehen kann. Kennst du den Blog "Ink and Chai?" Da finde ich den wöchentlichen Post "To keep it real" sehr nett und ich versuche den Gedanken ab und zu in meine Posts einzubauen denn bei Kreativblogs hat man ja oft eher das Gefühl in so einer über-heilen Welt zu leben, das macht mich manchmal auch regelrecht deprimiert weil ich mich leider zu oft vergleiche und dann immer den kürzeren ziehe und denke andere haben es so viel besser als ich, total blöd. Der Link zu dem Blog ist:
    http://ink-and-chai.blogspot.de/2012/05/keeping-it-real_11.html

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