Eine Artikelserie in einer schwedischen Tagezeitung über Orthorexie (hier kann man darüber im Internetlexikon nachlesen), die weder in Deutschland noch in Schweden als Krankheitsbild anerkannt ist, gab mir sehr zu denken. In Schweden gibt es inzwischen sehr viele Menschen, die in dieses Krankheitsbild passen, so dass man über eine Anerkennung und Therapiemöglichkeiten nachdenkt. Wir haben eine Bekannte, die sehr fanatisch ihr Essverhalten kontrolliert, andere missionieren will und gegenseitige Einladungen mit Essen sind inzwischen im Sand verlaufen.
Auch in einigen deutschsprachigen Blogs stoße ich immer wieder auf Ernährungsstatements, gerade was die Ernährung von Kindern betrifft, die mir sehr extrem, dogmatisch oder ideologisch vorkommen. Wenn sich jemand damit wohl fühlt, dann will ich damit niemanden zu nahe treten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das Leben dadurch einfacher, schöner oder genussvoller wird.
Wie sehr genieße ich unkomplizierte Einladungen, mit lieben Menschen um unseren Küchentisch sitzen, leckeres Essen essen und ja, auch mal einen gewöhnlichen Kuchen, gekauftes Eis oder ein Schälchen mit Pralinen als Nachspeise. Es wärmt mich, wenn unseren großen und kleinen Gästen mein Essen schmeckt und wenn sie meine Küche mögen und akzeptieren. Ehrlich gesagt, vergeht mir die Freude am Kochen manchmal, wenn ich vorher schon eine SMS mit einer Liste an Zutaten bekomme, die keinesfalls ins Essen dürfen. Und dabei geht es nicht immer um Allergien, sondern darum, was für gesund bzw. ungesund gehalten wird... Eine schwedische Freundin zeigte mir neulich - auch sie völlig erstaunt - dass es inzwischen Einladungskarten zu Kindergeburtstagen mit Vordruck zur gewünschten Kost des Kindes gibt!
| Blåbärpaj für 7 Personen |
Und um Marmelade oder Saft zu machen, will ich einfach Zucker benutzen. Der Zusatz von Zucker soll konservieren, das Produkt veredeln und es soll auch nach Kindheit und daheim schmecken. Dabei importiere ich mir durchaus einen 2:1 Gelierzucker aus Deutschland, hier in Schweden gibt es nur 1:1 oder versuche den Beeren im Dampfentsafter so wenig Zucker wie möglich, aber so viel wie nötig hinzuzugeben, aber dabei habe ich auch das fertige Produkt im Auge. Ein supersaurer Johannisbeerensaft würde hier nicht getrunken werden, es wäre schade um die Arbeit und die Früchte.
Mein Fazit: Ganz zuckerfrei wird es bei mir nicht geben! Ich bin kein Mensch, der Ideologien oder Extreme liebt, ich mag Ausgeglichenheit und Pragmatismus. Ich mag eine gesunde, vorwiegend fleischlose Küche mit vielen Zutaten aus Biolandwirtschaft, aber sie muss immer praktisch sein und Genuss und Lebensfreude vermitteln. Und hoffentlich finde ich bald wieder die Möglichkeit, einige Rezepte mit Euch zu teilen. Höchste Zeit auch, die Herbstsuppen-Reihe wieder zu starten!
Liebe Barbara,
AntwortenLöschendu sprichst mir so aus der Seele :-). Vielen Dank für diesen tollen Beitrag - ich stimme allem, was du schreibst, zu hundert Prozent zu. Bei uns ist Essen auch nicht nur reine Nahrungsaufnahme, sondern vorallem Genuss und Lebensfreude.
Auf deine Suppenreihe freue ich mich sehr, würde mich aber auch über Kuchenrezepte freuen.
Ganz liebe Grüße aus dem kleinen Haus am See (o:
Kann mich nur anschließen! Nur kommen meine Grüße aus dem kleinen Haus am Berg :)
LöschenSchöne Zeit! Edith
Liebe Barbara, diesen Ansatz finde ich absolut prima. Ich finde es ein bisschen bedenklich, wenn man vorgibt, dass das eigene Kind sich NUR vegan oder so ernähren soll. Woher weiß ICH denn, dass diese Ernährungsform das Maß aller Dinge ist. Wie in allen Lebensbereichen ist Extremismus befremdlich. Und auch ich mag keinen "süßen" Kuchen essen, in dem nur Gemüse und ein Hauch Agavensirup oder so drin ist. Denn auch ich habe als Kind normalen Kuchen gegessen und möchte das an meine Kinder weitergeben. Ich bin normalgewichtig und ohne Essstörung, in meiner Kindheit gab es keinen Dogmatismus.
AntwortenLöschenLiebe Grüße,
Kathrin
Ich möchte mich gerne dem kleinen Haus am See anschliessen und Dir Barbara! Hab' vielen Dank für Deinen Beitrag.
AntwortenLöschenAuf die Suppenreihe freue ich mich sehr. Auch über Kuchenrezepte würde ich mich sehr freuen.
Liebes kleines Haus am See, ich vermisse euch. Hoffentlich geht es euch gut.
Liebe Grüße Sabine
Essen muss Spaß machen und ein Genuss sein!
AntwortenLöschenIch unterschreibe Deinen Post also sofort.
Genau: Genuss und Lebensfreude - zwei sehr wichtige Zutaten beim Essen ;-)
AntwortenLöschenHerzliche Grüße
Elena
Ich hätte es für unsere Familie nicht schöner beschreiben können :-)
AntwortenLöschenMir reicht schon völlig die Liste meiner Lebensmittelallergien, mehr Einschränkungen brauche ich nicht. Und im Bereich vegetarisch oder vegan käme ich gar nicht zurecht, denn rohes Obst, rohes Gemüse, Nüsse, Mandeln u.ä. führen allesamt zu Notarzteinsätzen...
Meine Jüngste meinte vorhin sehr genussvoll, der Apfelkuchen nach Uromas Rezept sei einfach der Beste - soviel zu den Klassikern meiner Kindheit.
Liebe Grüße,
Karen
Ganz genauso sehe ich das auch..., und wer im Freundeskreis an Allergien erkrankt ist, weiß und berücksichtigt man, das geht und macht auch Spaß. Auch ich habe Kindheitsdüfte und -leckereien, die ich nicht missen möchte, z. B. mal einen heißen Kakao... Sich gesund und so ernähren, dass es einem dabei gut geht und der Genuss nicht zu kurz kommt: Ja, bitte. Die eigene Ernährungsweise zur Religion erheben und anderen vorschreiben wollen und am liebsten die ganze Mahlzeit darüber diskutieren wollen: Nein, danke. Liebe Grüße, deine Fotos sind zauberhaft! Ghislana
AntwortenLöschenHallo Barbara,
AntwortenLöschenich kann mich meinen "Vorgängerinnen" nur anschliessen. Essen hat etwas mit Seele und Freude zu tun. Ich backe und koche auch sehr gern und habe ebenfalls die Zuckermengen reduziert, aber der Kuchen muss trotzdem noch schmecken!Wenn wir respektvoll mit den Nahrungsmitteln umgehen, darf man auch mal "sündigen". Trockenobst ist meine -Schwachstelle-.
Es freut mich sehr, es dir besser geht! Liebe Grüsse RIKA
Ich hatte mal eine Zeit, da war ich begeistert von der Vollwerternährung, setzte diese auch, ohne erhobenen Zeigefinger!, um. Anfang des Jahres hatte ich nochmal so eine Phase, die ging bis Ende Juni. Mittlerweile gibt es hier die Ernährung, welche auch Du praktizierst, genau so passt es! Danke für Deinen Bericht, er ist wundervoll!
AntwortenLöschenMeine Getreidemühle ist nun in den Keller umgezogen.
Alles Liebe
Du sprichst mir aus der Seele. Für mich gehört Zucker dazu. Ich brauche im Alltag ganz wenig, aber wenn ich Kuchen backe, dann möchte ich da nicht drüber nachdenken. Er soll mir schmecken, ganz einfach. Zucker ist für mich einfach ein Lebensmittel. Gehört dazu, wird in vernünftig eingesetzt, genauso wie Fett und Salz. Geschmacksträger eben.
AntwortenLöschenIch freue mich für dich, dass ihr es so gut angetroffen habt. Deine Haus- und Gartenbilder sind wunderbar.
Auf dass du /ihr noch viele schöne Herbsttage habt, bevor es dunkel und kalt wird. LG Tellerränder ( deren Sohn gerade im Flieger in seine neue und deine alte Heimat Stockholm sitzt)
Hallo Barbara,
AntwortenLöschenich kann deine Gedanken gut nachvollziehen und sehe es im Großen und Ganzen genauso. Nur aus Gesundheitswahn auf etwas zu verzichten, das viel Lebensfreude bringt, kommt für mich nicht in Frage.
Was anderes finde ich allerdings, ist es, wenn man aus ethischen Gründen auf etwas verzichtet. Es geht da nicht um Dogmatismus... ich kann von meinem "vegan"-Vorsatz durchaus auch ab und zu mal abrücken - aber wenn ich davon überzeugt bin, dass ein Produkt absolut unethisch ist, wie z.B. Eier aus Legebatterienhaltung, dann ist das eine Grenze, die respektiert werden sollte ohne dass daraus endlose Diskussionen entstehen. Ich beschwere mich nicht, wenn es dann nichts für mich zu essen gibt, aber ich finde es schon rücksichtsvoll und schätze es sehr, wenn der Gastgeber sich irgendeine Alternative überlegt hat. Ein "Tja, dann musst du dir selbst was mitbringen!" ärgert mich da ehrlich gesagt schon, denn es ist super einfach einen veganen Kuchen zu backen und der schmeckt in der Regel allen.
Viele Grüße,
Heike
Mit deiner Ansicht bin ich zu 100 % einverstanden. Gesunder Menschenverstand, alles mit oder im Mass, dafür ein schöner Kuchen auch mit Lebensfreude geniessen dürfen, so soll es doch sein. Seit ich Stewia selber anpflanze, kann ich damit oft den Zucker, oder einen Teil davon, durch diese pflanzliche Süsse ersetzen. Vom Geschmack her ist es von raffiniertem Zucker nicht zu unterscheiden. Ein paar Blättchen davon in unseren täglichen Teekonsum (3 l) genügt vollkommen, damit ihn auch die "Süssen" gerne trinken mögen. Auch ich möchte dir keine Predigt halten darüber. Stewia ist einfach noch nicht so bekannt und auch ich lernte es so durch einen Tipp von einer Bekannten kennen.
AntwortenLöschenWeiterhin wünsche ich dir viele so zufriedene Gäste und tolle Stunden mit etwas Süssem
Brigitte
Hallo Barbara,
AntwortenLöschenwegen des Gelierzuckers kann ich dir empfehlen: nimm einfach Pektin https://www.glaeserundflaschen.de/Einkoch-Zubehoer/Pektofix-Classic-21-31-ohne-Konservierungsstoffe-250-g.html und vermische es zu Hause mit der Zuckermenge die du verarbeiten möchtest, ich koche immer so Marmelade und Aufstriche. http://www.johannas-aufstriche.de/ Die Verwanden müssen dann nicht so viel Zucker schicken, den gibt es doch in Schweden auch ;-). Und du kannst genauso viel Zucker verwenden, wie du willst. Bei schlecht gelierenden Früchten nimmt man einfach ein wenig mehr Pektin bei gut glierenden kann man sogar unter der empfohlenen Menge bleiben z.B. Aufstriche mit Äpfeln. Das ist bei Gelierzucker nicht so einfach zu reguliern. Gutes Gelingen wünscht dir Frau Boddenliebe!
Hallo Barbara,
AntwortenLöschendas hast du einfach richtig gut ge-und beschrieben und ich kann das nur unterstreichen. Alles andere ist für mich bzw. uns als Familie nicht dauerhaft lebbar. Maß halten ist die Kunst, die es gilt beizubehalten oder zu lernen. :-)
Viele liebe Grüße aus dem Schwabenländle,
Maike
Ich bin ganz bei deinem Bericht und meinen Vorschreiberinnen. Du schreibst mir aus der Seele, liebe Barbara.
AntwortenLöschenLiebe Grüße sendet
Christine
Dein Bericht unterstreiche ich von A-Z! Drum backe ich heute einen Rosenkuchen;)!
AntwortenLöschenEuch ein wunderbares Wochenende!
Herzlich, Rita
Liebe Barbara,
AntwortenLöschenwie alle Vorschreiberinnen stimme ich deiner Beobachtung zu. Nicht`s nervigeres, als Besuch, der bei jedem Produkt fragt, ob es schon vegan sei...wohlwissend, dass alle anderen nicht vegan essen!
Das mit Pektin (Apfelpektin vom Biomarkt) versuche ich auch teilweise. Bin noch am Probieren, finde, es geliert sehr stark. Obst entsafte ich komplett ohne Zucker, da ich die Mengenbestimmung schwierig finde und mir danach der spezifische Geschmack irgendwie fehlt. Ich mische diese rel. sauren Säfte dann mit Apfelsaft und das ergibt dann (für uns) eine gute Natursüße ohne Chemie. Lass es dir weiter schmecken! Ein schönes Wochende wünscht dir Elisabeth
Liebe Barbar,
AntwortenLöschenein toller Artikel und eine wundervolle Einstellung! :)
1000 liebe Grüße aus dem Gemüseregal,
Franzi :)
Danke!!!
AntwortenLöschenIch verstehe auch nicht, warum heutzutage immer gleich alles so ins Extreme gehen muss.Vor allem haben wir völlig verlernt, auf die Signale und Bedürfnisse unseres Körpers zu hören.
Liebe Grüße von Ilsa
Das ist auch meine Devise: Von allem und nicht zu viel. Heute habe ich zum Zvieri Timbits gekauft: definitiv zu süss, aus Weissmehl, frittiert. Aber sooooo lecker. :-) In einem Monat bin ich wieder zu Hause, wo's keine Timbits mehr gibt. Also jetzt geniessen. Liebe Grüsse nach Schweden von mir
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