Im Allgemeinen ist es so, dass der Spätwinter wohl die ohnehin ruhigere Zeit im ländlichen Jahreslauf ist und da hat man Zeit, sich der Beschneidungsarbeit zu widmen. Im Spätwinter kann man auch Bäume beschneiden, wenn man mehr Wachstum erzielen will (was aber auch in vielen Wassertrieben ausarten kann). Die ambitionierte Apfelbaumbesitzerin will aber luftige Kronen und viel Fruchtholz und setzt deshalb auf den Sommerschnitt, der während der Monate Juli-September (kurz: JAS) durchgeführt werden kann.
Während der mittleren beiden Augustwochen war nun der Sommerschnitt Thema im Gartenkurs. Ich wählte mir für meine Aufgabe zwei Bäume aus, die beide Sommeräpfel trugen und somit abgeerntet waren/wurden. Mit den späteren Apfelsorten warte ich noch etwas, denn man kann ja noch bis Ende September beschneiden und da können Ernte und Schnitt Hand in Hand gehen.
Einer der Apfelbäume steht bei den Nachbarn im Garten und die waren so nett, mich blutige Anfängerin an den Baum ranzulassen. Andererseits, der Baum ist so verwachsen, da kann ich auch nicht mehr viel kaputtmachen ;-)
Oben seht ihr einen Ausschnitt der Krone. Ins Auge fallen sofort das Gestrüpp an dichten Wassertrieben, die sich über mehrere Generationen entwickelt haben. Außerdem wachsen Triebe aus dem Stamm.
Die Äste und Zweige wachsen in- und umeinander, was zu Abreibungen und Krankheitsherden führen kann. Je luftiger eine Krone, desto weniger können sich Schädlinge und Pilze halten. Allerdings darf man dem Baum auch nicht zu viele Äste auf einmal entfernen, denn dann treibt er wieder Wassertriebe, die viel Blattmasse für die Photosynthese produzieren sollen.
Ich begann also als erstes mit dem Entfernen der Zweige am Stamm. Dabei ist es wichtig, nicht zu nah am Stamm zu schneiden, sondern dem Baum ein paar mm zu lassen, so dass die Schnittstellen vernarben und verwachsen können.
Als nächstes entfernte ich abgestorbenes Material, was immer ein Eingang für Pilze sein kann und was man ja vermeiden möchte. Hier sieht man, dass ich außerhalb des "Kragens" schneide, der ein bisschen wie ein Schildkrötenhals aussieht und die Säge erst da ansetze, wo die Rinde glatt ist. Ich verwende viel eine Baumsäge "japanischer Art", also eine Japansäge, die aufgrund ihrer Zahnung ohne viel Kraftaufwand schneidet und saubere Schnitte macht. Saubere Schnitte sind das A und O, dann hat der Baum die besten Voraussetzungen die Schnitte selber zu heilen. Wundverschluss oder ähnliche Pasten sollte man meiden, die Natur braucht keine solchen Hilfmittel.
Meine Säge kann ich außerdem zusammenklappen und gut in der Arbeitshose verstauen, was aus Arbeitssicherheitsgründen ein Vorteil ist. Außerdem verwende ich noch eine Baumschere, aber nur bei den dünnsten Zweigen, denn man sollte nicht zu viel quetschen.
Man sollte außerdem versuchen, Sägen oder Scheren an Stangen/Teleskopstangen zu vermeiden, da man da nie genau sieht, wo und wie man den Schnitt ansetzt. Besser ist es in eine gute Leiter zu investieren. Bei alten Hochstamm geht das natürlich nicht immer, aber man sollte einfach versuchen, so viel wie möglich in "Augenhöhe" zu beschneiden.
| Vorher |
| Nachher |
Hier zusammengefasst meine Tipps bzw. was ich im Kurs und durch meine Praxisversuche gelernt habe:
- Man muss sich einfach nur trauen. Bäume beschneiden ist mit dem richtigen Werkzeug körperlich nicht schwer und keine Geheimwissenschaft, die nur von älteren Herren beherrscht wird
- Ist der Baum arg verwachsen, ist es am Besten einen 3- oder 5-Jahresplan zu erstellen. Ich habe beispielsweise diese Saison nur die unteren Wassertriebe und Verwachsungen entfernt, aber weder die Höhe eingekürzt noch die oberen Wassertriebe entfernt. Das mache ich in den kommenden Sommern.
- Maximal 30% der Blattmasse/Zweige/Baumkrone entfernen. Ich habe versucht mich eher Richtung 20% zu orientieren, da die Bäume durch den trockenen, heißen Sommer ohnehin leicht gestresst sind.
- Alle Triebe am Stamm entfernen
- Alles Abgestorbene entfernen
- Alles, was sich überkreuzt, aneinander reibt oder ineinander wächst, entfernen
- Dann kann man noch zu dicht stehende Äste/Zweige/Wassertriebe entfernen
- Bevor man den nächsten Baum in Angriff nimmt, Säge und Baumschere desinfizieren, so dass man keine Krankheiten zwischen den Bäumen verbreitet (z.B. Krebs)
Hej ,
AntwortenLöschendas hast du super erklärt . Jetzt wage ich mich bestimmt
auch mal an den Schnitt . Wir haben hier auch alte
verwachsene Bäume , was ich eigentlich ( optisch) sehr
schön finde . Aber eben m es tut dem Baum nicht gut .
Aber mein Papa hat Bäume immer radikal ausgelichtet ,
das mir das weh tat . Und der Opa hat immer gesagt , du
musst einen Hut durch die Krone werfen können . Naja
ich versteh das schon mit dem luftig und so .
Wir haben immer mit vielen Wassertrieben zu tun , sind
aber auch späte Äpfel , das wird knapp mit bis September .
Bin gespannt , was du uns demnächst Wissenswertes
mitteilst . Und alles Gute !
Liebe Grüße rüber zu dir .
Herzlichst JANI
Durch deine vorher Nachherbilder sieht man gut den Erfolg und alles leuchtet mir ein. Danke für die gute Beschreibung!
AntwortenLöschenLiebe Grüße, Marita
Spannend wieder dein Bericht! Desinfizierst du mit irgendeinem besonderen Mittel? Wir haben für die Reinigung des Saftraums eh Zeug da, aber ich frag mich,ob du spezielles nutzt.
AntwortenLöschenDie Teleskopstange plus einen Hakenaufsatz nutzen wir oft zum Schütteln der Bäume.
VG Stefanie
Hej barbara,
AntwortenLöschenSuper toll erklärt. Bei uns müssen auch bäume beschnitten werden. Unsere mirabelle hat mein mannletztes jahr und davor beschnitten.sie hatte pilz und war sogar schon wackelig. Die vorbesitzer haben nichts mehr im garten machen können. Dieses jahr hat sie das erste mal wieder früchte getragen :-) ganz lg aus dänemark, ulrike :-)
Zwei Wochen Schnittkurs. Das war bestimmt sehr lehrreich. Ich schneide unsere Bäume auch selber, habe aber leider noch nie die Werkzeuge desinfiziert. Da muss ich mich gleich mal informieren. Machst du das mit Hitze oder Alkohol?
AntwortenLöschenLiebe Grüsse, Esti