Dienstag, 11. Februar 2014

Wetterbericht

Im Moment weiß man hier gar nicht so recht, wie man das Wetter eigentlich benennen soll. Mal scheint es wechselhaft wie im April, dann wieder Dauergrau wie im November. Gerade aber hat sich eine dicke, dicke Nebeldecke vom Meer her kommend über unseren Stadtteil gelegt. In den Abendstunden kann man es zur Zeit richtig gehend beobachten, wie sich die Suppe wabernd vom Hafen an Land bewegt und alles einhüllt. Auf dem Foto kann man es leider nicht so gut erkennen. Ich finde diesen Meeresnebel aber sehr beeindruckend, so kenne ich das gar nicht von daheim.
Vor ein paar Tagen kam auch der Regen und hat den Schnee weggewaschen. Nach einigen Wochen ohne Regen ist das Klopfen der Tropfen gegen die Fenster wieder ein ganz ungewohntes Geräusch. Irgendwie finde ich es sogar schön.
Der Schnee ist nun fast komplett verschwunden. Seit zwei Tagen haben wir auch schöne Phänomen, dass sich die Nebel-Wolkendecke einmal am Tag etwas lichtet und die Sonne hindurch scheint. Wie kräftig und wärmend muss sie erst sein, wenn sie nicht durch ein Nebeltuch hindurch scheinen muss.
An der westlichen Hauswand beantworten zarte Geschöpfe die Frage vom Anfang jedoch ganz eindeutig:
Es ist Frühlingswetter! Wir sind seine Boten und strecken schon mal die Köpfchen heraus! Sicher kommt noch das eine oder andere Mal Schnee, aber wir sind das sichere Anzeichen, dass es heller und wärmer werden wird!

Montag, 10. Februar 2014

Alltagsfreude: Speiseplan

Ich versuche immer, nur einmal in der Woche einkaufen zu gehen. Das erspart viel Zeit und wenn es gut geplant ist, funktioniert es ganz wunderbar. Dazu schreibe ich mir immer einen Wochenspeiseplan - bis jetzt auf Schmierpapier. Bei Frau Weh habe ich von ihrem laminierten Speiseplan gelesen und der Gedanke ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ein Laminiergerät habe ich hier zwar nicht, aber selbstklebende Buchfolie...
Also habe ich einen Dauer-Speiseplan gestaltet und mit der Buchfolie überzogen. Nun hängt er am Kühlschrank und macht mir - und meinem Mann ;) - viel Freude.
Wenn ich den Speiseplan anschaue, dann freue ich mich auch darüber, dass es mir doch gelingt, immer wieder etwas Kreatives in meinem Alltag zu verwirklichen. Oft bin ich angesichts der Stoffstapel, Wollberge und Ideenhaufen im Kopf  - in Kombination mit Zeit-/Schlafmangel und schlechtem Gewissen - ein bisschen frustriert, aber eigentlich gibt es wohl keinen Grund dazu. Natürlich könnte man immer noch mehr, noch schneller - und verliert dabei den Blick für das, was man eigentlich eh - und trotzdem - schafft.

P.s.: Vielen herzlichen Dank für euren lieben Kommentare vom Wochenende! Leider haben auch andere fleißig kommentiert und mich mit Spam 'zugemüllt'. Deshalb habe ich nun wieder die Sicherheitsabfrage aktiviert. Ich hoffe, dass es sich nun wieder beruhigt, dann mache ich sie wieder raus. Schade, dass es offensichtlich nicht anders geht.

Sonntag, 9. Februar 2014

Sonntagsfreude: Heimat auf dem Teller

Semmelknödel sind eine meiner Leibspeisen, es gibt sie hier aber nur ganz selten - weil es kein Knödelbrot zum Kaufen gibt und ich oft keine Zeit verwenden kann/mag, um es selber zu schneiden.
Am Wochenende kann man sich aber die Zeit nehmen und die 'Mini-Baguettes' in Knödelbrot verwandeln. (Diese Mini-Baguettes sind übrigens an sich gut geeignet, erinnern aber an die Konsistenz von Styropor... Mein Traum also: Eine alte Knödelbrotschneidemaschine oder zumindest eine Brotschneidemaschine und eigene Semmeln in Knödelbrot verwandeln...)
Rucola-Semmelknödel mit Rahmschwammerl - meine Sonntagsfreude :)

Mehr Sonntagsfreudensammler gibt es auch in diesem Jahr wieder auf dem Kreativberg.

Samstag, 8. Februar 2014

Mein Rücken

Wie ich es hier vor fast zwei Wochen schon angedeutet habe, ist der Rücken im Moment mein Sorgenkind. Die Entzündungen in und um den Mund habe ich mit fleißigem Salbeitee-Gurgeln vertrieben, aber die Rückenschmerzen, bzw. v.a. Schulter und Nacken bleiben. Dabei ist es im Moment kein Wunder, merke ich doch selbst, was mich alles belastet, was alles auf meinen Schultern liegt. Der Dauerstress mit der schlechten Vereinbarkeit des Mathekurses und der Schule, v.a. wenn es dann noch Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr gibt. Ich merke wie ich immer dünnhäutiger werde. Der andauernde Baulärm und die allfreitäglichen Partys bei unseren (neuen) Nachbarn erzeugen Ohrenrauschen und Unwohlsein. Die Schultern sind die ganze Nacht angezogen, morgens wache ich mit steifem Nacken auf. Die viele freiwillige (Bloggerland, e-mails) und unfreiwillige (Schule, Uni) Computerzeit trägt sein übriges dazu bei.
Da wir keine Badewanne haben (man muss schon froh sein, wenn man in unseren unbeheizten 2,5 m² nicht in der Dusche festfriert), ist die einzige Wärme-Entspannungsquelle eine Wärmflasche in den Nacken gelegt. Und ansonsten, ja, ansonsten versuche ich mich morgens mit ein paar Yogaübungen wieder einigermaßen in Form zu bringen. Allerdings, alles ohne rechten Erfolg. Ich habe irgendwie das Gefühl oder das Bedürfnis, dass ich noch mehr machen müsste.
Aber das ist hier in Schweden so schwierig, dass es mich manchmal so wütend macht, dass ich gleich die Schultern wieder nach oben ziehe. Eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen gibt es nämlich so gut wie gar nicht. Verspannungen usw. sind ein individuelles Problem, dazu bekommt man keine Überweisung zu einem Krankengymnasten o.ä. In dem viel gepriesenen schwedischen Gesundheitswesen hat man nämlich als Patient (im Vergleich zum Schulwesen!) kaum oder gar keine Wahlfreiheit. Während ich in Deutschland vielleicht eben mir noch eine zweite Meinung einholen würde oder könnte, gibt es diese Möglichkeit hier nicht. Wenn mein Hausarzt der Meinung ist, dass ich nur verspannt bin und mich doch endlich einfach (!) entspannen solle, dann ist das Thema abgeschlossen, der Vermerk in der Online-Patientenkartei, macht es unmöglich einen anderen Arzt wegen dem gleichen Ding noch einmal zu konsultieren. Was also in Deutschland Auswüchse in eine ganz andere Richtung treibt, entwickelt sich hier in eine ganz andere Richtung.
Wenn mir meine Mama von ihrem Osteopaten vorschwärmt oder meine Schwester sich Unterstützung bei unserer Haus- und Hofheilpraktikerin holt, dann bekomme ich einen Klumpen im Hals (und die Schultern wandern noch höher nach oben). Ich stimme meinem Hausarzt natürlich voll und ganz zu, dass ich nicht krank bin und auch kein orthopädisches Probelm habe. Aber meinem Körper geht es ja nicht ganz gut, zumindest nicht so gut, dass ich meinen Alltag uneingeschränkt ausführen kann.
Unterstützung, Prophylaxe, Ganzheitlichkeit, das ist den (Hauptstadt-)Schweden suspekt. Hokuspokus und Geldmacherei eben.
Nun ja, dann werde ich mal versuchen, mit Hilfe von Restenergie meine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Und es vermeiden, über das schwedische Gesundheitswesen nachzudenken*. Vielleicht sollte ich dieses Wochenende auch einfach mal entspannen?!

*Meine Hypothese ist, dass man in zehn Jahren dort ist, wo man in Deutschland heute ist. Nämlich bei der Einsicht, dass Schul- und Alternativemedizin gut mit einander funktionieren können. Und dann kann ich ein bisschen herablassend tun und sagen, dass wir das schon immer wussten ;) (So wie die Schweden jetzt herablassend und ein bisschen verächtlich das deutsche Praxis betrachten)

Freitag, 7. Februar 2014

Im Winter am Meer

Die Fotos sind schon bei einem Spaziergang vor ein paar Wochen entstanden, seit dem hatten wir keinen einzigen Tag mehr mit Sonne. So könnte der Winter hier aber mit den tollen Eisformationen aussehen...

Donnerstag, 6. Februar 2014

genäht: Für mehr Ordnung in der Schultasche

In kleinen Schritten und kurzen Augenblicken sind Naht für Naht diese Helferlein für mehr Ordnung in der Schultasche entstanden. Da ich ja eine 'Wanderlehrerin' mit fünf Einsatzschulen bin, muss ich meine mobile Klassenzimmerausrüstung immer dabei haben. Denn nicht jeder Raum, der uns für den Deutschunterricht zur Verfügung steht, ist entsprechend ausgerüstet. So habe ich meine eigenen Whiteboard-Marker oder 30 Magnete immer dabei. Bis jetzt fiel alles immer lose im Rucksack herum und das Gekruschel hat mich schon mehr als ein Schulhalbjahr schrecklich genervt. Mein Vorsatz fürs neue Jahr war also - mehr Ordnung in der Schultasche! Man hat ja schließlich Vorbildfunktion...
 Für die Magnete entstand so ein Beutel mit doppeltem Kordelzug, innen mit schwarzem Uni-Stoff gefüttert. Das Mäppchen für die Stifte ist einfach ein Stoffquadrat (Oberstoff - Vlies - Futterstoff) mit Gummibändern an den entsprechenden Stellen und Überschlag, damit nichts rausrutscht. Von den kleinen Kulturbeuteln gibt es zwei, aber nur einer hat es aufs Foto geschafft. Der mit dem roten Reißverschluss ist mein 'privater' mit Handcreme, Desinfektionsmittel, Brillenputztüchern usw. Der mit dem schwarzen Reißverschluss soll zukünftig Lernspiele und Zubehör (Karten, Würfel etc.) beherbergen.

Das einzige, was meine Freude an diesem Set noch ein bisschen trübt, ist der Blick auf meinen linken Zeigefinger: Ich habe mir - weil es ja schnell-schnell gehen muss - in den Finger genäht! Das ist mir noch nie passiert und war ziemlich unangenehm. Noch unschöner war allerdings die ausgefranste Wunde, vielleicht hätte ich doch einen Zickzack-Stich verwenden sollen ;) In Zukunft werde ich jedenfalls vorsichtiger sein und schauen, wo der/die Finger ist/sind, wenn ich Vollgas aufs Pedal trete. Wieder was gelernt...

Dienstag, 4. Februar 2014

Pisa-Schock in Schweden Teil 3: Die Krise



Ja, es lässt sich kaum leugnen, das schwedische Schulwesen steckt in der Krise und wird im Superwahljahr zum Politikum. Alle haben eine Meinung und scheuen sich nicht, diese in diversen Debatten in der Tagespresse kund zu tun.
Mit meiner deutschen Lehrerausbildung im Gepäck besuche ich gerade eine Weiterbildung um nach diesem vierten und letzten Semester das schwedische Lehrerexamen zu erhalten. Gleichzeitig arbeite ich als Muttersprach-/Deutschlehrerin und komme an vielen verschiedenen Schulen herum. Ehrlich gesagt, finde ich die Stimmung im Moment ziemlich bedrückend und wenig aufmunternd. Dass in Deutschland immer noch Kompendien wie „Macht Knäckebrot schwedische Kinder klüger?“ (einfach googlen, dann kommt man zum pdf; ich konnte den Link hier irgendwie nicht einbetten) kursieren, lässt meinen Blutdruck steigen. Was dort geschildert wird, passt nicht mit meinem Gesamteindruck des schwedischen Schulwesens zusammen. Über meine persönliche Meinung will ich aber erst im nächsten Beitrag schreiben, heute soll es um die Kernpunkte der Schulkrise gehen.

Den ersten Teil über den Aufbau des Schulsystems und den zweiten Teil über schwedischen Schulalltag gibt es hier (Schulsystem) und hier (Alltag) zum Nachlesen.


Zunächst ist so eine Krise natürlich auch ein Konstrukt der Medien, der Gesellschaft und der Politik. Im Moment hat man aber das Gefühl, es ist eine unaufhaltsame Spirale abwärts, eine „self-fulfilling prophecy“, ein Fass ohne Boden. Täglich kommen neue Schreckensmeldungen ans Licht. Ich versuche die kritischen Punkte ein bisschen aufgegliedert darzustellen.

Die Schüler:
Die sinkenden Schülerresultate in allen Fächern haben erst dazu geführt, dass man wieder mehr den Blick auf die Schulen gelenkt hat. Im Moment gibt es dazu folgende ‚Problempunkte‘:
-       allgemeiner Leistungsabfall: In allen Bereichen liegt Schweden unter dem OECD-Durchschnitt bei der PISA-Studie; auch andere internationale Studien verstärken diesen Eindruck
-       Schwedisch und Leseverständnis: Im Durchschnitt verlässt jeder fünfte schwedische Schüler (Jungen; bei Mädchen sieht es etwas besser aus) ohne die notwendige Lesekompetenz, einen einfachen Zeitungsartikel zu verstehen.
-       Mathematik: Weniger als 50% der Studienanfänger bestehen einen Mathe-Eignungstest der Technischen Universität (im Vergleich zu gut 70% in den 70er Jahren)
-       Mehr und mehr Schüler klagen über schlechte Arbeitsbedingungen, zuletzt von den Gesundheitsbehörden aufgegriffen: Nur die wenigsten haben das Gefühl, dass sie die notwenige Arbeitsruhe im Klassenzimmer vorfinden.

Ich habe diese Punkte ausgewählt, weil sie – natürlich etwas punktuell darstellen – ein gutes Gesamtbild vermitteln: Es hakt an allen Ecken und Enden.

Die Lehrer:
Sind vermutlich ein Teil des Problems selbst, aber leiden auch extrem unter der Situation.
-       Schweden war eines der wenigen Länder, in der man auch ohne formale Lehrerausbildung als Lehrer arbeiten konnte/teilweise immer noch kann. Grafiker unterrichten Kunst, deutsche Ökonomen geben Deutschunterricht usw. Pädagogische oder didaktische Grundkenntnisse – nicht erforderlich.
-       Ein Schwall an Pflichtweiterbildungen und Reformen überschüttet jetzt die Lehrer – Stress!
-       Wenig Kompetenz und Profession drücken allgemein die Löhne. Seit Jahren kämpfen die Lehrer nun, dass sie endlich angemessene Löhne bekommen.
-       81% der Lehrer empfindet die Arbeitsbelastung an der Schule als unzulässig.
-       75% der schwedischen Lehrer geben äußern gegenüber dem schwedischen Lehrerreichsverband*, dass sie an Schlafstörungen leiden.
-       90% der Lehrer sehen die Ursache für die größere Arbeitsbelastung in den jüngsten Reformen.
-       65% der Lehrer hat nicht genügend Zeit für die Unterrichtsvor- und nachbereitung.
-       70% der Lehrer empfinden, dass ihr Beruf ihre Freizeit negativ beeinflusst

(alle Zahlen: Lärarnas Riksförbund)
Die Politik:
Die Politiker befinden sich im Wahlkampf und die Schule ist nun ein gefundenes Fressen:

-       Schwedens Bildungsminister ist ein ehemaliger Major, der gerne mehr Ordnung in die schwedische Schule bringen will.
-       Die politischen Parteien zerfleischen sich zwischen „Wahlfreiheit für Schüler und Eltern“ und „keine finanziellen Gewinne im Schulbereich“.
-       Die aktuelle Regierung, die auch die vorherige war, versuchen die Schule ‚gesund zu reformieren‘. Die Reformen der letzten Jahre: Ein neuer Lehrplan, Noten ab der 6. Klasse (statt bisher 8.), verpflichtende Lehreraus-/weiterbildung und eine Lehrerzulassung, mehr Dokumentation, mehr Verwaltung.

Die Gesellschaft:
Die Gesellschaft ist natürlich empört und es muss schmerzhaft sein, einem der Flaggschiffe des Landes beim Sinken zuzusehen. Zudem gibt es eine berechtigte Unruhe, wie es mit qualifizierten Arbeitskräften aus dem eigenen Land weitergehen wird. Und jeder hat eine Meinung, natürlich, schließlich ging ja jeder selbst zur Schule. Ein Professor für Führungsqualität (ledarskap) äußert sich über eine ganze Seite in der Sonntagsausgabe der Dagens Nyheter, warum man in Schweden jetzt das französische Schulsystem als Vorbild nehmen soll. Schüler schreiben Leserbriefe, dass sie die Lehrer als zu schlapp und laissez faire empfinden.

 *Reichsverbund deshalb - Schweden ist keine Republik, sondern hat einen König als Staatsoberhaupt  - daher Königreich