Wenn mich vor 10 Jahren jemand gefragt hätte, wie ich mir meine Wohnsituation in der Zukunft vorstelle, wäre vor meinem Inneren Auge zunächst ein altes Waidlerhaus aufgetaucht, dann ein Bio-Holz-Lehmhaus und auf Platz 47 vielleicht ein rotes Bullerbü-Haus mit viel Natur in Schweden. Nun ja, jetzt wohne ich ja schon mal in Schweden und die Varianten 1-46 sind auf die hinteren Plätze gerutscht - immer noch Wunsch, aber deutlich unrealistischer.
Ich habe es ja schon mehrmals anklingen lassen, dass mich unsere Wohnsituation in der Großstadt zunehmend nervt: Sowohl die Lage mit U-Bahn und Stadtautobahn in 'Hörabstand' als auch die Beengtheit unserer Wohnung, in der mein Arbeitszimmer mit Schulsachen usw. in Kistern auf dem Boden steht. Also haben wir uns nun immer intensiver mit dem Gedanken einer Veränderung auseinander gesetzt: Die Finanzen kalkuliert, Wohngegenden 'analysiert' (Pendelmöglichkeiten nach Stockholm, Infrastruktur, Natur, Lärmbelastung usw.) und uns über den Verkauf unserer eigenen Wohnung Gedanken gemacht.
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| Styling für den Foto-Termin: Tulpen und Wand Ton in Ton |
Da es in Stockholm + Großraum eigentlich keinen existierenden Mietmarkt gibt (und der existierende über jahrelange Wartelisten geregelt wird), werden Wohnungen und Häuser ge- und verkauft (mit entsprechenden Krediten/Verschuldungen). Das geschieht wiederum in 95% der Fälle über einen Makler, der in Schweden eine neutrale Zwischenperson ist und das Maklerwesen 3 Jahre an einer Hochschule studiert hat. Zudem muss man wissen, dass es in Schweden auch kaum Festpreise gibt, sondern (fast) alle Immobilienkäufe über ein Bietverfahren abgewickelt werden. Die Preise, die in den Anzeigen gezeigt werden, sind Ausgangspreise bzw. sog. Acceptpreise falls es nur einen Bieter gibt, was in Stockholm aber eigentlich nie vorkommt.
Nun mussten wir uns also einen Makler suchen und so haben wir uns für eine Maklerin einer Versicherungsgesellschaft entschieden. Meine Schwägerin hatte bereits gute Erfahrungen mit diesen Maklern gemacht. Nach einem Sondierungsgespräch vor zwei Wochen haben wir einen Vertrag mit ihr unterschrieben und nun war sie diese Woche zu einem (in Schweden) sehr wichtigen Termin da: Dem Fotografieren des Verkaufsobjekts mit einem professionellen Fotografen.
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| Das Wohnzimmerfenster: "ljust och fräscht" - hell und frisch, das schwedische Einrichtungsmantra |
Mit Putzen allein ist es aber nicht getan, die Wohnung
muss nämlich gestylt werden, so dass sie einen hellen, luftigen und großen Eindruck macht. Und das war das Mammutprojekt
dieser Woche: In einer 12 Stundenaktion haben wir im Prinzip die halbe Wohnung ausgeräumt, Sachen in Kisten gepackt und in den Keller verfrachtet, Bücher nach Farben und Größe sortiert, die Blumen auf den Balkon gestellt und stattdessen zwei Orchideen hier einziehen lassen. Ein riesen Aufwand für eine halbe Stunde Fotoshooting. Man könnte sogar Sachen, die man für das Styling kauft, wieder von der Steuer absetzen - so gesellschaftlich etabliert ist dieses Stylen+Fotografieren für den Verkauf!
Nun ja, jetzt haben wir es geschafft, aber das Wiederauspacken machen wir langsam und nach Bedarf. Einstweilen wird der Alltag auch so funktionieren und wir wissen ja auch - sobald wir selbst ein Kaufobjekt gefunden haben, werden wir die Wohnung auf den Markt stellen und dann wird es zwei Visningar (Besichtigungen) geben, zu denen die Wohnung wieder "so wie auf den Fotos aussehen" muss...
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| Nachdem das Bad fotografiert war, wurden alle Papiertaschen mit Büchern und wichtigen Dokumenten ins Bad verfrachtet. Daraus haben wir sie aber schon wieder entfernt ;) |
Naja, ein Bullerbü-Haus wird es nun wohl auch nicht werden, die gibt es gar nicht so oft hier, wie man glaubt. Es wird wohl ein wahrscheinlich unökologisches, gelbes Steinhaus werden; es ist besser sich schon mal an diesen Gedanken zu gewöhnen. Und dann verblüfft es mich doch auch immer wieder, wie viele Kompromisse man im Leben macht, wie viele Wünsche und Träume man 'einfach so' aus pragmatischen Gründen aufgeben muss.
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| Das Bücherregal normal und "gestylt" |
Nun sind wir aber zumindest auf dem Weg aus der Stadt... Ich werde weiter von unseren Abenteuern und meinen soziokulturellen Beobachtungen berichten. Hier lernt man wieder die Schweden von einer ganz anderen Seite kennen!
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| Abends durften die Geranien zurück vom Balkonausflug ins warme Wohnzimmer. Dabei habe ich gesehen, dass es höchste Zeit für eine Frühjahrskur mit Düngergaben ist - nächste Woche dann... |