Donnerstag, 21. August 2014

Was grad so los ist

Es tut mir leid, dass es schon wieder so still geworden ist. Irgendwie fehlt mir noch der Rhythmus, die Zeit, die Muse, um zum regelmäßigen Bloggen zurück zu finden. An Ideen für Einträge würde es mir nicht fehlen, aber es klappt nicht so wirklich mit der Verwirklichung. Also schreibe ich heute ein paar Zeilen, über das, was hier gerade so los ist...
Ich plane, telefoniere, schreibe E-Mails und telefoniere. Es scheint für manche Schulen eine Unmöglichkeit zu sein, die Muttersprachlehrer mit den notwendigen Informationen zu versorgen, obwohl es jedes Jahr das gleiche Prozedere ist. So habe ich immer noch so manche Lücke und der Stundenplan wird nicht fertig. Ich schreibe Elternbriefe und überlege mir Themen für den Einstieg ins neue Schuljahr.
Heute Abend war ich mit meinen Kolleginnen auf der Ausstellungseröffnung "Wir sind Roma". Die Roma gehören zu einer der  fünf anerkannten ethnischen Minderheiten in Schweden und mussten und müssen täglich Diskriminierung, Vorurteile und Nachteile auf sich nehmen. Wie auch in anderen Ländern litten sie unter Verboten, sog. rassenbiologischen Untersuchungen und Experimenten sowie Zwangssterilisationen bis in die 50er Jahre hinein. Zuletzt sorgte das Roma-Register der Polizei in Schonen für große Aufregung: Letztes Jahr (im Jahr 2013!!!) wurde bekannt, dass die südschwedische Polizei in den letzten Jahren - vor allem auf Vorurteilen basierend - über 4000 Menschen mit Roma-Wurzeln in ein extra Register aufgenommen hat. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl um ganz 'normale' Mitbürger, die in Wohnungen leben, einer geregelten Arbeit nachgehen, und um deren Kinder! Mit der Ausstellung, die in Göteborg am Stadtmuseum konzipiert wurde, werden die Roma als ganz 'normale' Menschen und Jugendliche dargestellt sowie die Geschichte der Roma in Europa und in Schweden beleuchtet. Zur Eröffnung war auch Prominenz gekommen, unter anderem Soraya Post, die schwedische Europaabgeordnete für die Feministische Initiative ist. Auch der Integrationsminister Erik Ullenhag war da und die coolen Roma-Rapper TNT aus Göteborg brachten mit ihrem Lied übers Außenseitertum Schwung in die Ausstellungsräume.
Es war ein intensiver Abend mit meinen netten Kolleginnen, guten Gesprächen und viel zum Nachdenken. Das finde ich schön, dass wir weiblichen Kollegen öfter abends zu Kulturveranstaltungen gehen. Ich glaube, das macht auch die gute Stimmung bei uns aus (trotz viel Alltagsfrustration und Stress als 'Herumreisende' zwischen den Schulen)...
Schließlich wird es hier auch schon herbstlich. Es scheint als hätte der Schulanfang auch dem Wetter signaliert - jetzt ist Herbst :) Wir haben dieses Jahr viele Wildfrüchte, was ein Hinweis auf einen strengen Winter sein soll. Mir kann das nur recht sein, solange wir nicht wieder einen dunkelgrauen Wischiwaschi-Winter bekommen...

Montag, 18. August 2014

Hart gelandet...

... bin ich letzte Woche im Arbeitsalltag mit allen Begleiterscheinungen. Die kurze 'Hochzeitsreise' nach Graubünden hat zusätzlich Trubel mit sich gebracht und ich werde wohl den Rest der Woche mit 'mich-und-die-Arbeit'-sortieren, Aufräumen und auch Ausruhen sowie hoffentlich ausreichend Schlaf verbringen.
Der Pilot ist übrigens ganz sanft gelandet, aber das Bild passt gut zum Thema 'Landung'...
... bin ich auch mit meinem Dirndlprojekt, man könnte es sogar als Bruchlandung bezeichnen: zu hoher Schwierigkeitsgrad (ganz so weit sind meine Nähkünste also doch noch nicht) und Zeitdruck waren keine guten Voraussetzungen, so dass ich mich schließlich ständig unzureichend und überfordert gefühlt habe. Es fiel mir nicht leicht, am Mittwoch das Projekt für vorläufig gescheitert zu betrachten und aufzugeben.
Sehnsuchtsblick aus dem Donau-Isar-Express heute morgen
Beruflich, hobby-mäßig (es handelt sich ja hierbei um Hobbies!) und privat will ich mich nun also erstmal von den Prellungen nach der harten Landung erholen und es ruhig und einfach halten. Und Socken stricken kann auch so schön sein ;)

Samstag, 9. August 2014

Hauptstadtmorgen



Angenehm kühl, frische Luft, menschenleer und mildes frühherbstliches Sonnelicht - ein guter Start in den Tag :)

Freitag, 8. August 2014

Kinderwunsch: Abwarten und Tee trinken

Auf meinen Text hier im Mai haben mich überwältigend viele Rückmeldungen, Kommentare und e-mails erreicht. Auch jetzt, ein paar Monate später, kommen immer wieder noch nette Zeilen bei mir an. Das berührt mich sehr und ich merke, dass ich damit ein wichtiges Thema angestoßen habe, zu dem viel mehr eigene Erfahrungen haben als an der gesellschaftlichen Oberfläche sichtbar. Das Beste an den authentischen Erfahrungsberichten, die viele mit mir geteilt haben, war das Aha-Erlebnis: Denen geht es ja genau so, die gleichen Gefühle, eine ähnlich festgefahrene Lebenssituation, schwierige Entscheidungen, die getroffen werden wollen - ich bin also noch nicht verrückt, sondern befinde mich in einer ganz 'normalen' Lage in Anbetracht unserer langen Kinderwunschzeit. Danke also, dass ihr so lieb und ehrlich auch eure Geschichten mit mir geteilt habt!
Wie ich es schon angedeutet habe, war dieser Sommer manchmal ziemlich herausfordernd für mich. Nachdem ich im Frühsommer einen regelrechten Höhenflug hatte, ging es mit Anbruch der Sommerferien ziemlich abwärts: Ich war die ganze Zeit kränklich und dass es wieder grauer um mich wurde, verstärkte wieder mein eigenes Ohnmachtsgefühl, dass ich es doch immer noch nicht (Fräulein Ungeduld!) im Griff hätte und das müsste ich doch jetzt schnellstens mal schaffen. Zum Ende hin gelang es mir aber zunehmend, diesem etwas Auf- und Ab-Sommer versöhnlicher gegenüber zu stehen und mir die schönen Augenblicke vor Augen zu halten. Zudem achte ich wieder vermehrt auf meinen Körper - sprich Eisengehalt (!), ausreichend Obst, Bewegung usw. - so dass ich mich einfach fit fühle und damit auch psychisch besser.
Ich habe in den Sommerferien auch alle mehr oder weniger neuen Babys und schwangere liebe Menschen besucht. Es war ganz unterschiedlich: Manches steckte ich ganz gut weg, anderes saß länger wie ein kleiner Stachel. Es hatte sicher mit meiner eigenen Verfassung zu tun, aber auch wie es war, unseren Freunden, Bekannten und Verwandten zu begegnen bzw. wie sie uns begegneten. Manche hat es wohl verunsichert, dass wir so offen darüber sprechen (im Vorfeld des Besuchs schon gesagt haben) und entsprechend steif waren die Begegnungen. So wie wir uns durch unsere Kinderwunschzeit verändert haben, so haben sich auch andere durch ihre Elternwerdung verändert und die gemeinsame Schnittmenge war nicht mehr besonders groß.
Umso schöner war die Begegnung mit einem meiner zwei Patenkinder, das ich im Dezember zu Taufe begleiten darf, und dessen Eltern. Wir hatten so viele gemeinsame Gesprächsthemen, machten Ausflüge, die Eltern hatten keinerlei Berühungsängste, wir durften das Kind ganz viel halten, tragen, unser Kinderwunsch wurde kurz mal thematisiert, aber es war einfach alles natürlich und vieles so wie früher. Ebenso schön und rund war die Begegnung mit meiner schwangeren Cousine. Das hat mir alles sehr viel Mut gemacht, mich erfüllt und bestätigt, dass es wichtig und richtig war, meine selbstgewählte Isolation wieder zu verlassen.
Natürlich ist aber längst noch nicht "alles wieder gut". Die Trauer ist immer noch da, auch der Schmerz und die Wut besuchen mich noch Regelmäßig. Aber es ist anders. Ich habe keine Kraft und auch keine Lust mehr auf durchheulte Nächte, ich habe den Nebel leid und auch unser Leben würde inzwischen wieder mehr Vollgas statt angezogener Handbremse vertragen! Dazu braucht es aber noch ein paar Abschiede: Abschiede von Vorstellungen, Wünschen und Plänen, die sich so einfach nicht mehr einstellen oder realisieren lassen werden. Diese Abschiede tun noch weh, aber sie gelingen schrittweise. Nach einer bestätigenden Diagnose bei meiner deutschen Frauenärztin (ich hatte mir eingeredet, dass ein Besuch in Deutschland alle schwedischen Untersuchungen über den Haufen werfen würden...) muss ich mich wieder von einem Selbstbild und einem Lebensbild verabschieden. Das tut öfter noch weh, aber gleichzeitig gibt es mir auch einen neuen Rahmen vor, innerhalb dessen ich mir Neues ausdenken kann (und muss).
Rotklee soll ein gutes Kinderwunschkraut sein, ich trinke selbstgemischten Frauenmantel-Rotklee-Tee; es gibt sicher auch noch andere empfehlenswerte Teemischungen, aber diese passt mir gerade :)
Für den Frühherbst habe ich mir also vorgenommen, achtsam zu mir selber zu sein und mir selber Gutes zu tun. Außerdem will ich wieder mehr ganz für meinen Mann da sein, auch er trauert, und das Gefühl, eine starke Partnerin (und keine Heulsuse) an seiner Seite sein zu können, das tut gut! Als Tante und Patin gebraucht zu werden und eine Bezugsperson sein zu können, hat Neues in mir ausgelöst. Zunächst erschien es mir unmöglich, Patin zu sein, aber jetzt finde ich die Idee nicht mehr so dumm. Meine Bedenken, dass ich als 'Trostpreis' das Patenamt zugedacht bekommen habe, erwies sich als nichtig und als eine Einbildung meinerseits. Ja, solche Gedanken kann man in einer verzweifelten Kinderwunschzeit schon mal denken. Die Eltern meiner zwei Patenkinder haben sich aber durchaus was dabei gedacht, das nichts (!) mit meiner Kinderlosigkeit zu tun hat, sondern mit meiner Person, Persönlichkeit und meinem Leben, das als wertvoller Beitrag zum Aufwachsen der Kinder angesehen wird. Inzwischen habe ich sogar schon ein Babykleidungsstück genäht und eine Taufkerze liebevoll gestaltet. Undenkbar noch vor ein paar Monaten! Und es macht sogar wieder etwas Spaß, mir Selbstgemachtes für die beiden Mädchen auszudenken. Es beschleicht mich natürlich noch der ein oder andere Gedanke, wie gerne ich das alles einfach auch für ein eigenes Kind machen würde, der eine oder andere Seufzer wird von Herzen geseufzt - aber dann ist auch wieder gut ;)
Ja, die Teestunde ist auch ein Vorhaben für den Frühherbst, das wegen der Hitze und momentanen Unregelmäßigkeit im Alltag noch oft hintenan stehen muss. Achtsam einmal am Tag Tee zu trinken, der gut tut. Die Hoffnung nicht aufgeben, aber vielleicht anderes erstmal in den Vordergrund stellen. Ich würde gerne ein schönes Geburtstagsfest für meinen Mann organisieren, der gestern ein Jahr älter wurde (er ist einige Jahre älter als ich), bei dem nicht unser Alter im Bezug auf den Kinderwunsch im Zentrum steht, sondern ganz viele Kuchen, Blumen, liebe Leute, Gespräche und Lachen. Wie ich das hinkriege, weiß ich noch nicht, aber darüber kann ich mir - zur Abwechslung - jetzt mal den Kopf zerbrechen...

Donnerstag, 7. August 2014

In der Küche: Zucchini-Schafskäse-Kuchen

Die Aufräumaktion in den Küchenschränken ist fast erfolgreich abgeschlossen, allein die Backschublade wartet noch auf eine Endreinigung. Keine echte Resteküche, aber vielleicht eine Fundstückeverwertung habe ich schon am Sonntagabend gemacht, als der Mann noch zu Hause war. Gefunden habe ich nämlich angebrochenes Dinkelvollkornmehl, mehrere Flaschen Rapsöl, eine geöffnete Tüte Sesam und ein Stück Zucchini aus dem elterlichen Garten. Dazu hat dieses Rezept hervorragend gepasst, ich musste lediglich ein Päckchen Feta kaufen. Zwiebeln, Eier, Joghurt, Salz und Pfeffer sind immer im Haus, der Dill kam aus dem Tiefkühlfach, auf Schwarzkümmel habe ich verzichtet.

In aller Munde: Der große Waldbrand

In den schwedischen Medien hört man seit Tagen nichts mehr anderes als Nachrichten über den großen Waldbrand: Etwa 100 km nordwestlich von Stockholm brennen seit einer Woche fast 200 km² Wald, der - so wie alles nach diesem Sommer - extrem trocken war. Was den Brand ausgelöst hat, darüber kann man im Moment nur spekulieren. Über die Lage im Waldbrandgebiet kann man auch bei der Sueddeutschen lesen. Ich glaube, noch nie hat man sich in Schweden sehnlicher ein anhaltendes Regenwetter gewünscht! Ich denke viel an die Betroffenen und die Rettungskräfte, verwundere mich aber auch ein bisschen über das schwedische Krisenmanagement (welches inzwischen aber auch in Schweden kritisiert wird).
Hier in Stockholm hat es heute morgen heftig geregnet und es gab ein kräftiges Gewitter. Nun wollte ich die Fenster öffnen, um die frische, kühlere Luft einzulassen - aber der Wind hatte sich gedreht. Nun kann man den beissenden Rauchgeruch aus der Waldbrandzone hier in Stockholm riechen* und so bleiben die Fenster erstmal zu.
*Ich brachte den Rauchgeruch zuerst nicht mit dem Waldbrand in Verbindung, denn ich dachte nicht, dass das möglich wäre. So habe ich zuerst unruhig die Wohnung, das Haus und die nähere Umgebung inspiziert, bis die Nachrichten die Auflösung brachten: Wegen NW-Wind riecht man den Rauch heute in Uppsala und Stockholm...

Mittwoch, 6. August 2014

Sommer-Sticheleien

Zum Examen habe ich mir das schwedische Buch Kleine und große Stickereien von Karin Holmberg gegönnt. Auf die Künstlerin wurde ich aufmerksam, nachdem sie dieses Jahr einen bedeutenden Preis für die Buchumschlaggestaltung des Literaturklassikers Die Einwanderer von Vilhelm Moberg erhalten hat. Auf diesem Blog hier kann man die Kunstwerke näher betrachten.
Auf jeden Fall war das Buch für mich ein Volltreffer. Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich relativ viel Kreuzstich gestickt, aber dann habe ich die Lust daran verloren. Karin Holmberg benutzt dagegen klassische Handwerkskunst auf freche, zeitgenössische Weise und da habe ich mich gerne inspirieren lassen:
Mit günstigen Stoffschuhen vom schwedischen Modegiganten entstanden hier nach Karin Holmbergs Vorlage ein Paar pfiffige Schuhe für meine modebewusste jüngere Schwester.
Ohne Fingerhut geht gar nichts - die Beschichtung des Stoffes im Inneren leistet ausdauernd Widerstand.
Vernähen muss man die Fäden so unsichtbar und aber dauerhaft wie möglich an der Aussenseite.

Über ihre aktuellen Projekte berichtet Karin Holmberg auf ihrem Blog Der Blog der Stickerin - Brodösens Blogg.