Donnerstag, 9. August 2018

Garten - Fragen und Antworten


Bei meinem letzten Gartenpost kamen ein paar Fragen auf, die ich gerne hier beantworten möchte.

Regula fragte: Hast du dich bewusst entschieden, den Garten "am Boden" zu machen? Hier bauen alle Leute Hochbete.

Ja, ich habe mich bewusst dafür entschieden, da mir u.a. der Materialaufwand (Baumaterial, Erde usw.) für Hochbeete entschieden zu hoch war. Zudem zeigt sich jetzt, wie vorteilhaft die "Bodennähe" bei der jetzigen Trockenheit ist (in den Kästen, die etwas erhöht sind, ist die Erdtemperatur höher und das Wasser versickert tiefer). Aus meiner Sicht ist es durchaus legitim Hochbeete anzulegen, wenn man z.B. Probleme mit dem Rücken/Knien o.ä. hat, aber ich beobachte auch einen gewissen Markt/Trend, der mit neuen Anschaffungen und teilweise viel Geld verbunden ist. Die bodennahen Beete haben sich über Jahrhunderte bewährt und ich glaube auch, dass sie langfristig weiter Bestand haben werden. Die bodennahen Beete zeichnen sich auch dadurch aus, dass ich mit wenig Platz und Aufwand große Anbauflächen habe (meine Gänge/Bretter zwischen den Beeten sind z.B. nur 20 cm, bei Hochbeeten müsste ich wesentlich mehr Platz für Gänge einplanen, damit ich mit dem Po auch durchpasse und mich umdrehen kann).

Stefanie fragte: Wie anders es alleine durch die EInfassungen wirkt, irgendwie aufgeräumter. Warum war das sinnvoll?

Die äußere Einfassung soll eine deutliche Kante/Begrenzung zwischen Rasen und Beeten schaffen. An den geraden Brettern kann man gut entlang mähen oder schneiden. Zudem wird die Erde der Beete nicht so leicht auf den Rasen "geschludert", wenn man an den Rändern umgräbt o.ä. tut. Theoretisch könnte ich die Einfassung auch noch mit einem Kupferband oder einer anderen Schneckenbarriere versehen (dieses Jahr ist es den Schnecken zum Glück zu trocken). Außerdem wollte ich den Garten formal ein bisschen an die alten Bauerngärten/Potager anlehnen und da geben die Bretter den Rahmen vor.

TAC kommentierte: Ich wusste gar nicht, dass man mit Gras auf den Beeten mulchen kann. In normalen Sommern müssen meine Männer einmal die Woche mähen. Wir haben das Gras immer in den Kompost getan.
Dazu passt auch die zweite Frage von Stefanie:Und den Mulch, den macht ihr zwischen die Saatreihen oder auf die Saatreihen drauf? 

Rasenschnitt kann sowohl als Mulchdecke (Reduzierung der Verdunstung bzw. Schutz vor Auswaschen bei hohen Niederschlägen) gesehen werden, aber auch als Langzeitdüngergabe und Nahrung für die Bodenlebewesen. 
Ich lege den Mulch zwischen die Saatreihen bzw. dann um die jungen Pflanzen rundum. Frischer Rasenschnitt ist praktisch und leicht zu verteilen.
Langfristig kann man mit regelmäßigem Abdecken mit Rasenschnitt einen "grabungsfreien" Garten erzielen: Deckt man die Beete im Herbst gut ab, muss man im Frühjahr das Material an den entsprechenden Stellen nur ein bisschen zur Seite rechen und man hat lockere, feuchte Erde darunter. Getrockneter Rasenschnitt auf den Beeten ist nicht immer der allerschönste Anblick (bzw. entspricht nicht unserem gewohnten Bild von einem ordentlichen Gartenbeet), aber man spart sich auch das Unkrautjäten, da der Rasenschnitt das Unkraut erstickt/nicht so durchlässt.

Stellt gerne weitere Fragen, das ist für mich auch eine Möglichkeit das neu Gelernte zu vertiefen und nochmal zu wiederholen! Bei Interesse können wir im Frühjahr auch einen Mini-Kurs/Garden along mit dem Erstellen von Fruchtfolgen machen 🌿

Mittwoch, 8. August 2018

Noch ein paar freie Tage

Das Ende der Sommerferien naht und für meinen Mann hat der Arbeitsalltag eigentlich schon wieder begonnen. Er konnte sich aber ein paar Tage vor und nach dem Wochenende frei nehmen (bzw. letzte Woche konnte er gar nicht mehr in die Arbeit, da die Klimaanlage im Gebäude wegen Überhitzung (!) kaputt gegangen war und so wurden alle wegen der heißen Temperaturen im Haus heimgeschickt...) und so nutzen wir die Tage um gemeinsam mit meinem Schwesterherz und ihrem Freund ein bisschen Regional-Urlaub zu machen.
Wir begannen mit einem Tagesausflug auf eine Westküsteninsel, wo wir eine Rundwanderung von gut 12 km machten. Dank einer anhaltenden Brise waren dort die Temperaturen ganz erträglich :-)
Ein paar Tage später brachen wir Richtung Norden auf, wo wir bei den Schwiegereltern unterkamen und Tagesausflüge in die Umgebung machten. Gestern Abend kamen wir wohlbehalten wieder zurück, voll mit Eindrücken und Mitbringseln (ich habe schon einen Preis für das Handarbeitsbingo gekauft 😊).
Apfelinspiration und -wissen durften nicht fehlen
Auch historische Gärten sind immer einen Besuch wert.

Mittwoch, 1. August 2018

Der Gartenkurs (Teil 2)


Ja, nachdem dann alles vorbereitet war, begann ich nach und nach zu säen und die ersten Setzlinge auszupflanzen. Das war schon nicht einfach, denn ab dem 3. Mai hatte es kaum mehr geregnet. Der Lehmboden war aber gut mit (Schmelz-)Wasser gesättigt und unsere Kursleiterin ermutigte uns, begleitet von guten Ratschlägen.
Ich arbeitete viel mit Komposterde, die ich glücklicherweise ausreichend zur Verfügung hatte. Entweder ganz als "Decke" oder angehäufelt in Rillen für die Direktsaat.
Die Lehmklumpen ließ ich Lehmklumpen sein, wir konnten sie nicht einfach zerkleinern und in ihnen war wertvolle Feuchtigkeit gespeichert. Sie werden sich im Laufe der Jahre durch die Zuführung von organischem Material weitestgehend "auflösen".
Außerdem arbeitete ich viel mit Grasschnitt, den ich zwischen den Reihen ausbrachte. Das hat sich bis jetzt super bewährt! Zum einen enthält der Grasschnitt viel organisches Material, das den Bodelebewesen zur Verfügung steht, und zum anderen schützt es den Boden vor dem Austrocknen/reduziert die Verdunstung.
Mitte Mai pflanzte ich noch den Mais aus und dann ging es mit meiner körperlichen und seelischen Verfassung rasant bergab während die Temperaturen stiegen. Ich empfand den Garten nur noch als Belastung, der Kurs war wie ein extra Gewicht am Bein - und immer noch eine Arbeit, noch eine Dokumentation, noch eine Aufgabe, die eingeschickt werden sollte. Ich zweifelte stark, ob das meiner Psyche - wie anfangs geplant - noch zuträglich war, oder ob ich das Handtuch werfen sollte. Mein Mann ermutigte mich und in Absprache mit der Kursleiterin konnte ich manche Aufgabe etwas theoretischer (statt nur praktisch im Garten) bearbeiten und mein Mann las oft spät abends noch Korrektur. Etwas in mir wollte diesen Kurs unbedingt weitermachen, vielleicht auch als Notfallplan, wenn die Behandlungen nicht so positiv verlaufen wären.
Mitte Juni sah der Garten dann aber so aus und mir war zum Heulen: Alles wuchs ineinander, alles sah lieblos, braun und verwahrlost aus. Wo sollte ich nur anfangen?
Dann kam aber Hilfe, die was von ihrer Sache versteht: Meine Eltern machten "Arbeitsurlaub" bei uns und wer anders, als meine Mama, die schon ihr Leben lang (sehr erfolgreich!) gegartelt hat - wiederum genetisch geprägt von meiner Oma, die mit gut 90 Jahren das garteln immer noch nicht lassen kann, konnte mir besser unter die Arme greifen?!
Sie wusste gleich was zu tun war, so dass ich zumindest die letzte Aufgabe für das Frühlingshalbjahr noch bestehen konnte. Mein Papa wurde angewiesen Einfassungen zu bauen, mein Mann musste den Rasen mähen, so dass genügend Mulch/Grasschnitt zur Verfügung stand. Bretter zwischen den Beeten und letzte Aussaaten machten, dass ich wieder im Plan war.
So brachten wir bis Anfang Juli den Garten wieder in Schuss und seit ein paar Woche bin ich auch wieder einsatzfähig. Am Montag hatten wir wieder unser erstes Kurstreffen (google classroom) und ich freue mich wieder auf die Aufgaben und Herausforderungen.
Wie der Garten jetzt, Anfang August, aussieht, zeige ich euch bei einem Gartenrundgang demnächst.

Dienstag, 31. Juli 2018

Der Gartenkurs (Teil 1)

Ende Februar begann ich mit einem Herzensprojekt, das mich zwischenzeitlich ganz schön ge-/überfordert hat, jetzt aber wieder große Freude und Zufriedenheit gibt: Dem Gartenkurs
Im Februar und März war es vor allem viel Theorie, wir mussten uns in die Grundlagen des biologischen Gartenbaus einlesen, die gängisten Pflanzenfamilien im Garten (inkl. lateinischer Namen) lernen, die Prinzipien der Fruchtfolge pauken. Immer mit einem Aufsatz/einer Aufgabe am Ende der Woche. Der Kurs ist ja ein Fernkurs und so sind unsere Arbeiten u.a. die wichtigste Bewertungsgrundlage.
Dann war es endlich so weit und ich konnte mich - gut mit Theorie gerüstet - an die Planung meines Kursprojekts machen: Ich hatte mich für eine achtjährige Fruchtfolge entschieden und sollte nun neben einer Grobplanung (siehe oben) dann auch die Detailplanung machen.
Leider kann ich euch meine Abbildungen nur mit schwedischem Text zeigen, aber fragt gerne in den Kommentaren nach, wenn ihr etwas genauer wissen wollt. In der obigen Detailskizze sieht es deshalb so voll aus, weil auch Vor-, Zwischen- und Nachkulturen mit eingezeichnet sind.
Am aufwendigsten war eindeutig die Aussaattabelle zu erstellen, die alle Informationen zu Saatgut, Aussaatwoche (ev. Voranzucht und Auspflanzung), geplante Erntewoche, Anzahl Pflanzen, Saatgutmenge usw. enthalten sollte. Jede Sorte bekam ihre eigene Reihe und bei ein bisschen Vielfalt kommt da schon einiges zusammen. Schließlich soll man dem Plan auch noch folgen! ;-)
Irgendwann verschwand auch hier der Frost aus dem Boden und wir konnten uns daran machen, im Anschluss an den Polytunnel, zwei große "Äcker" umzugraben. Einen Teil hatte ich im Herbst noch mit Umzugskartons abgedeckt, aber vor allem der schwere Lehmboden war die eigentliche Herausforderung.
Es gibt ja verschiedene Methoden, einen neuen Garten anzulegen. Für mich war das eine Kriterium, dass ich wegen des Kurses kein ganzes Jahr Zeit hatte, wie es in vielen Büchern vorgeschlagen wird: Meine Beete mussten sofort in Gebrauch genommen werden können. Zum anderen verlangte der schwere Lehmboden nach einer tiefgründigen Lockerung. Um das Bodenleben nicht noch zusätzlich zu stören, entschied ich mich für die sog. Doppelgrabung (hier gibt es schematische Zeichnungen dazu). Ein weiterer Vorteil: Kein Erdreich blieb über und musste abtransportiert werden, keine zusätzliche Erde musste zugeführt werden. 
Und so waren dann Anfang Mai beide "Äcker" fertig und die Pflänzchen in der Voranzucht-Kinderstube warteten geduldig auf mildere Temperaturen.
Fortsetzung folgt...

Montag, 30. Juli 2018

Die Hitze

Im Moment sitze ich im Wohnzimmer, wo es "nur" 27,4 Grad hat, während es draußen stark auf die 30 Gradmarke zugeht. Und das in Schweden, und das schon seit Wochen!
Dazu gibt es eigentlich nicht mehr viel zu erzählen, außer dass es einfach ungewöhnlich ist. Allerdings hatten wir auch einen ungewöhnlich langen und kalten Winter, an den sich jetzt keiner mehr zu erinnern scheint. Trockene Sommer gibt und gab es ja immer wieder, jetzt aber passt das fantastisch ins Sommerloch der Presse, denen anscheinend immer noch niemand gesagt hat, dass Klima das durchschnittliche Wetter über 30 (!) Jahre hinweg ist und nicht aus Singularitäten besteht.
Traurig schaut es hingegen schon aus, an vielen Stellen herbstlich. Andererseits zeigt die Natur jetzt auch wieder, welche Anpassungsstrategien sie in petto hat, wenn man sie nur machen lässt (keine Hochleistungsmonokulturen u.ä.). Natürlich ist die Ernte in Trockenjahren geringer, aber mit klugen Methoden, von denen ich euch demnächst erzählen werde, kann man doch einiges erwirtschaften.

Was mich dennoch beschäftigt, ist das laute Klagen von allen Seiten, über Probleme, die gewissermaßen "hausgemacht" sind: Wald Forst für knapp 1 Miljarde Kronen hat gebrannt - dabei sind sich alle einig, dass es in einem gesunden Mischwald und keiner Fichtenmonokultur kaum zu so einer Ausbreitung der Feuer gekommen wäre. Gerade in Schweden ist man ja, was Kahlschlag und Aufforstung mit Monokultur angeht, nicht zimperlich und ich bin gespannt, ob was daraus gelernt wird. Einen interessanten Artikel kann man hier auf der Seite des schwedischen Radios lesen (evtl. auf den hellblauen Balken mit Pfeil nach unten "visa mer" klicken um den ganzen Text lesen zu können).
Ähnlich ist es mit der Tierhaltung: Die, die im kleineren Stil arbeiten, können jetzt auch oft auf Waldweiden oder andere, ursprüngliche Formen ausweichen, aber ein Bauer in Schonen mit 1000 Kühen kann die natürlich nicht einfach in einen Laubwald rauslassen.
Und die Berichterstattung wird immer schneller und lauter und sensationeller... Das macht mich nachdenklich.
Oft höre ich mir die Nachrichten gar nicht mehr an und versuche die Sache so zu sehen:
- dieses Jahr habe ich keinen Bedenken, wenn der Herbst kommt: Licht- und Wärmespeicher sind vollgefüllt
- manche meiner Kräuter (Lavendel, Bohnenkraut) sind so aromatisch wie noch nie
- mehrjährige Sträucher und Bäume tragen fantastisch: Johannisbeeren, Brombeeren, Äpfel
- ich kann täglich kühle Erfrischungen genießen und auf der Terasse im Schatten lesen, stricken, Äpfel schälen
- es gibt kaum Zecken und Schädlinge (denen ist es wohl auch zu trocken und heiß)

Kinder, ist das eine Hitze!
Kinder, ist das heute heiß!
Nur zwei Sachen gibt’s die nützen:
Baden gehen oder Eis.

Freitag, 27. Juli 2018

Apfelliebe: Im großen Stil

2017 war bestimmt kein Apfeljahr. Wir kamen gerade mal bis Mitte Februar mit unseren eigenen Lageräpfeln. Allerdings hatte der Klarapfelbaum gut getragen und ich habe zahlreiche Marmeladen, Chutneys und Ketchup ausprobiert. Auch Apfelmus und Saft haben wir gemacht, aber mal ehrlich, wie viel Apfelmus wird in einem 2 Personen-Haushalt gegessen?! Saft machten wir mit dem Dampfentsafter oder einem Haushaltsentsafter.
Dabei stellten wir fest, dass Saft das einzige Apfelprodukt ist, das wir - neben roh essen - im großen Stil konsumieren, gerne täglich. Nur kommt man da mit einem kleinen Entsafter nicht weit...
Also haben wir uns dieses Jahr - nachdem wir schon lange darüber gelesen und recherchiert haben - in Deutschland für eine Hydropresse entschieden (bei Intresse einfach Hydropresse googeln). Während ich aus Deutschland viele Anlaufstellen kenne, wo man seine Äpfel hinbringen kann (Gartenbauverein, Bund Naturschutz u.ä.), gibt es hier in Schweden kein solches Netzwerk. In Göteborg gibt es nur eine einzige "Saftmanufaktur" und die haben wir vom Grund- und Literpreis her als recht teuer empfunden. Also haben wir selbst investiert und wir finden jetzt schon (nach 3 Mal pressen) dass es sich lohnt bzw. lohnen wird.
Zum Glück besitzen wir mittlerweile eine Dachbox fürs Auto, denn in den Kofferraum hätte neben selbiger Presse, Kernobstmühle und Saftfass nicht mehr viel reingepasst...
Wegen des Rekordsommers und trotz der Trockenheit lagen bei unserer Rückkehr schon zahlreiche Klaräpfel auf der Wiese, tolles Fallobst und ideal zum Entsaften. Wir haben uns aber den "Luxus" gegönnt, die Äpfel einzeln zu verlesen und auszuschneiden, schließlich lagen einige sicher schon länger rum und manche Würmer hatten sich schon länger gütlich getan. Das war etwas zeitaufwändig, aber das ist für uns auch der Unterschied - und Zeit hatten wir schließlich auch im Urlaub.
Mindestens so wichtig wie die Presse an sich ist die Kernobstmühle, die im Prinzip wie ein Häcksler funktioniert, aber aus Edelstahl und lebensmittelechtem Kunststoff besteht (und super leicht mit dem Gartenschlauch zu reinigen ist). Die Äpfel werden auf die ideale Größe zerkleinert, bevor man die Maische in die Presse einfüllt.
Die Mühle ist aber so hoch, dass ich einen Hocker bräuchte, bzw. muss mein Mann sie befüllen ;-)
Hier sieht man das Innere der Hydropresse vor dem Befüllen. Der Naturkautschuk-"ballon" wird mit Wasserdruck aufgefüllt (einfach normalen Gartenschlauch anschließen) und drückt damit die Maische gleichmäßig und sorgsam nach außen. Man braucht also keinen Strom für die Saftpresse.
Davon sieht man aber nichts, denn man muss den Deckel fest aufschrauben, der dem Druck stand hält.
Schon während dem Einfüllen der Maische muss man einen Eimer unterstellen, denn allein vom Zerkleinern und dem Eigengewicht beginnt der Saft zu fließen.
Ist der Wasserdruck aber erstmal aufgebaut, strömt der Apfelsaft nur so heraus. Paradiesisch! :-)
Nachdem der Pressvorgang fertig ist (nur ca. 15 Minuaten), lässt man das Wasser ab und füllt die leere Blase/den Ballon wieder mit etwas Luft. Dann kann man die Presse öffnen und den sehr trockenen Trester einfachst herausnehmen. Hier haben wir ihn fürs Foto stehen gelassen, aber normal ziehen wir ihn mit Netz und Korb - eins, zwei, drei - einfach ab und drücken ihn direkt in die Kompostkiste heraus.
Die Presse reinigt man wieder einfachst nur mit dem Gartenschlauch.
Da ja der Wasserverbrauch in diesen trockenen Tagen ein empfindliches Thema ist, haben wir überall Eimer und Gießkannen stehen und benutzen das Pressen- und Waschwasser zum Gießen. Eine winwin-Situation. Erst freuen wir uns über Apfelsaft, dann freuen sich die Tomaten ;-)
Zum Schuss pasteurisieren wir den Apfelsaft: Größere Mengen im Saftfass mit dem Tauchsieder, bis 10 Liter geht's auf dem Herd schneller. Bis jetzt füllen wir noch alles in die vorhandenen Flaschen ab, da wir diese "Portionsgröße" für uns ganz praktisch finden, aber das kann sich ja noch ändern.
Ich hoffe, Ihr glaubt mir, dass ich weder gesponsort bin noch versteckt Werbung machen möchte: Wir sind einfach begeistert und auch erleichtert, dass sich diese Investition nicht als Flop, sondern als noch besser als erhofft rausgestellt hat. Vor allem das einfache Saubermachen macht das Saftpressen leicht. Heute haben wir in 3 1/2 Stunden (inkl. Saubermachen) 17 Kilo Äpfel zu 10 Liter Saft verarbeitet. Das kann man dann auch wirklich mal an einem Vormittag oder nach der Arbeit machen.
Mir wäre es hingegen ein Anliegen, wenn ich euch mit meiner Begeisterung anstecken könnte. In den Gärten liegt oft so viel Obst, dass dann zusammengerecht und zur Kompostieranlage gebracht wird, während die Supermärkte voll von roten und grünen Exemplaren aus Übersee sind. In Schweden wird nur 1 von 20 Äpfeln, die in den Gärten reifen, gegessen/verarbeitet, alles andere geht in den Kompost. Nicht dieses Jahr, aber in einem anderen Jahr biete ich vielleicht den Nachbarn an, dass ich ihre Äpfel abhole. Oder lade zum Schaupressen ein ;-) Unsere "Lieblingsnachbarn" waren schon hier und haben zugeschaut. Die Kinder (1 und 4 Jahre) haben den Saft genossen und er war überhaupt nicht "zu trüb" oder "zu sauer" oder "zu braun". Sie haben wirklich genossen ❤ und das war das beste Kompliment für uns.
Im großen Stil muss ich jetzt auch Etiketten schreiben. Dieses Jahr mit Sortennamen, denn wir werden sowohl single als auch blended machen und wir sind gespannt auf die verschiedenen Geschmäcker. Alles wird aber natürlich extra virgine* gepresst. 2018 ist wieder ein Apfeljahr und mit etwas Glück und Regen wird das ein fantastischer Apfelherbst.

Achja, hier noch ein Link zu einer recht informativen Seite: Apfelsaft selber machen

*Die Begriffe habe ich mir in einem Apfelbuch angelesen, denn es gibt natürlich auch hier keine Grenzen, wie weit man sich vertiefen kann... ;-D

Mittwoch, 25. Juli 2018

Was bisher geschah

Herzlichen Dank für alle eure Mails und Kommentare, die ihr mir hier gelassen habt. Ich habe lange überlegt, ob und wie ich wieder zu bloggen anfangen sollte und kann man nach einer so langen Pause einfach wieder anknüpfen, tun so als sei nichts gewesen?
Wie einige gemutmaßt haben, hat die lange Blogpause tatsächlich vordergründig mit unserem Kinderwunsch zu tun. Wie schon immer bei diesem Thema beschäftige ich mich viel mit der Gratwanderung privat - persönlich - tabuisiert - öffentlich diskutieren - sich schützen - sich angreifbar machen usw. Jetzt mache ich den Versuch, es zu erzählen. Vielleicht tut es mir gut, vielleicht werde ich es bereuen.

Kurz nachdem wir unser Sternchen verloren haben, hätten wir eigentlich einen Termin für eine IVF-Behandlung am hiesigen Uni-Klinikum gehabt. Ich habe ihn abgesagt, da ich mich weder körperlich noch seelisch dafür bereit fühlte. Ich kam sogar zu dem Entschluss, dass ich nie eine IVF-Behandlung durchführen möchte, da mir mein Körper ja gezeigt hatte, dass es vielleicht doch auf natürlichem Weg gehen könnte.

Könnte... Denn es kam zu keiner weiteren Schwangerschaft und als wir im Februar eine weitere Einladung zur Vorbesprechung im Uni-Klinikum im Briefkasten hatten, haben wir diesen Strohhalm ergriffen. Der Termin kam genau zur richtigen Zeit für mich und für uns. Nach all den (6) Jahren fühlte ich mich diesen Winter erschöpft und aufgerieben, unsere Beziehung hatte schon einige Blessuren abbekommen, von meiner Psyche und meinem Selbstbild ganz zu schweigen. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, habe vieles andere ausprobiert (ich kann keinen Kräutertee mehr sehen!) und habe abgewägt. Dann bin ich, mit meinem Mann an der Hand, ins kalte Wasser gesprungen.

Das Team hat uns gut betreut und ich habe die anstrengenden Behandlungen gut überstanden.
Und jetzt schreibe ich gleich einen Satz, der mich all die Jahre zuvor dazu gebracht hat, zahlreichen Blogs den Rücken zu kehren. Ich habe mir immer vorgenommen, ihn nicht zu schreiben, aus Rücksicht und Respekt allen Leserinnen gegenüber. Und jetzt schreibe ich ihn doch, wissend, dass es manchen so wehtun wird.

Wenn alles gut geht, werden wir Anfang 2019 eine kleine Familie.
So, jetzt ist es raus. Und ich habe sehr gemischte Gefühle, dass ich das hier öffentlich mache. Andererseits bin ich z.B. auch auf der Arbeit sehr offen damit umgegangen, da ich es wichtig finde, dass man darüber spricht. Viele Familien kommen inzwischen auf diesem Weg zu stande. Für viele ist es aber auch ein weiteres Glied in einer langen Kette von Versuchen, körperlichem und seelischem Leid.

Dieser Frühling und Sommer waren sehr anstrengend, körperlich und psychisch. Ich bin auch immer noch nicht überm Berg. Ich bin sehr demütig und haben großen Respekt vor dem, was war, und vor dem, was kommen wird.

Und ich werde nicht mehr darüber hier schreiben, denke ich. Vorerst nicht. Es ist zu wertvoll, zu zerbrechlich, zu privat. 
Ich habe aber wieder große Lust zu bloggen. Euch die Sachen zu zeigen, die in meinem Garten gedeihen vegetieren, Apfelliebe teilen und Handarbeiten zu dokumentieren. Natürlich sollte ich auch mal wieder über Schweden schreiben, die Trockenheit, die anstehenden Wahlen und anderes.

Dieser Eintrag wurde nicht so durchgänging und wohlformuliert, wie ich es schon fünfzig Mal im Kopf gedacht hatte. Aber jetzt ist er geschrieben. Es hätte sich nicht rund angefühlt, Euch einfach mit Fragezeichen stehen zu lassen, zumal sehr herzliche Mails gezeigt haben, dass es Fragezeichen gab. Und jetzt entlasse ich diesen Eintrag ins www.
Ich bitte um Verständnis, dass ich die Kommentarfunktion bei diesem Eintrag deaktiviere. Ich möchte hier weder überschwängliche Glückwünsche noch lange Erfahrungsberichte lesen und ich bitte, dies zu respektieren. Wer aber das Gefühl hat, man müsste mir unbedingt etwas mitteilen, kann dies gerne via e-mail tun.

Und jetzt werde ich mich dran machen, den Blog ein bisschen abzustauben und, achja, Ideen für das Herbsthandarbeitsbingo habe ich auch schon. Das wird es natürlich wieder geben :-)

Danke für Eure Nachrichten während der Stille, danke fürs Lesen hier und herzlich Willkommen zurück auf dem Blog! ❤❤❤