Nun brennt schon die zweite Kerze am Adventskranz und es ist an der Zeit, den zweiten Teil des Musters für die schwedischen Weihnachtshandschuhe zu präsentieren.
Tomte und Lussekatter
Tomte und Tomtenissar sind wahrscheinlich die weihnachtlichsten Motive der skandinavischen Weihnacht und was passt besser als das goldgelbe Safransgebäck in der Woche, in der Lucia gefeiert wird?!
Tomtar (Wichtel)
Die Musterbordüre mit den Wichteln umfasst den kompliziertesten Teil, für diejenige, die eine Herausforderung mag. Da strickt man nämlich gleichzeitig mit 3 Farben und hat die Daumenöffnung auf der Handinnenseite.
Das muss aber nicht so sein!!! Ihr könnt euch auch direkt dafür entscheiden nur mit rot und der dunklen Hintergrundfarbe zu stricken und die weißen Bärte hinterher aufzusticken (Maschenstich). Das ist vollkommen legitim und ihr könnt die folgenden Erläuterungen einfach überlesen.
Für alle Strickerinnen:
Nach der Beendigung des Julbocksmotivs wird auf der Handrückseite eine Reihe grün gestrickt, der beige Faden wird eingewebt mitgeführt, dann strickt man noch eine Reihe auf der Handinnenseite mit dem wiederkehrenden Muster in grün - beige.
Farbwechsel: Den beigen Faden abschneiden, man beginnt mit dem roten Faden. Dieser wird auf der Handrückseite erstmal "unsichtbar" mitgeführt (ganze Reihe grün), auf der Handinnenseite beginnt man nun mit der Musterung in rot-grün.
Für das Stricken mit drei Farben:
In der ersten "Bartreihe" wird der dritte Faden angesetzt. Da es nur fünf Reihen sind, ist es für mich hilfreich, diese am Tisch sitzend zu stricken, die Knäuel ordentlich vor mir aufgereiht, so dass es kein Wirrwarr gibt.
Den dunklen und den weißen Faden führe ich mit der einen Hand, den roten mit der anderen.
Auf der Handinnenseite webe ich den weißen Faden alle drei Maschen mit ein, es sind nur der grüne und der rote sichtbar. Auf der Handrückseite benutze ich alle drei für das Muster, aber auch hier ist es wichtig, nicht zu vergessen, die Fäden regelmäßig einzuweben.
Das sieht ungefähr so aus:
Beim Maschenanschlag oberhalb des Daumens habe ich den roten und die weißen Faden zusammengefasst gehalten und den grünen extra:
Für alle Strickerinnen - das Daumenloch:
Nach der ersten Bartreihe werden 15 Maschen des Daumenzwickels (noch eine Zunahme nach dem Julbock-Muster) auf einer Sicherheitsnadel oder einem Stück Restfaden stilllegen. Darüber direkt 13 neue Maschen anschlagen.
Die 13 Maschen mustert man gegengleich zum unteren Daumenzwickel, nur dass man nun nicht in jeder 3. Reihe eine Zunahme macht, sondern
in jeder zweiten Reihe rechts und links eine Abnahme (zwei Maschen zusammenstricken).
Wenn das Tomtemuster abgeschlossen ist, ist man auch mit den Abnahmen fertig und hat wieder drei Maschen (Ausgangsanzahl) auf der Nadel (insgesamt 15 Maschen), die nun in das normale Handinnenseitenmuster integriert werden.
Tomtar, Tomtenissar, Hustomtar und andere
Beeinflusst von Kinderbüchern kennt man im deutschsprachigen Raum vor allem den Tomte, z.B. Tomte Tummetott. Dabei umfasst das Völkchen der Tomtar bzw. Tomtenissar vor allem kleine Wesen, die man auf Deutsch als Wichtel bezeichnen würde. Die kleinen Wesen mit gedrungenem Körperbau (es gibt auch Frauen!) findet man traditionell in der Nähe von Häusern und Höfen, wo sie trotz ihrer mürrischen Umgangsweise oft hilfsbereit sind. Das dankt man ihnen um Weihnachten mit einer Schüssel Grütze oder Milchreis. Dankt man ihnen nicht, können sie richtig gemein und ekelhaft werden. Das Bild, des besonnenen, netten Tomte(nisse), wie es beispielsweise in Tomte Tummetott gezeichnet wird, kennt der schwedische Volksglaube nicht. Da ist dieses Kleinvolk wirklich mit Vorsicht zu genießen und immer bereit, Schabernack zu treiben.
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| Rote Tulpen sind in Schweden sehr weihnachtlich! |
Dann gibt es aber natürlich noch den Tomte, der dem Weihnachtsmann entspricht und den Julbock als Geschenkeausteiler abgelöst hat. Allerdings ist der Tomte nicht unbedingt schön und würdig wie ein Nilkolaus, sondern auch eher zerrupft, launisch und vor allem ein bisschen gemein zu den Frauen im Haus sein. In der Familie meines Mann will der Tomte beispielsweise immer einen Kuss von der Hausfrau (meiner Schwiegermutter) und zwickt sie gerne in die Seite. Unglücklicherweise ist mein Schwiegervater genau dann nie (!) zur Stelle, um sie zu verteidigen. Das macht die kleineren Kinder ein bisschen unsicher...
Also, Tomtar aller Art sind nicht nur niedlich, sondern vor allem mit einer Portion Misstrauen und Vorsicht zu genießen! Wobei sich das eben gerade im Zuge von Einflüssen von außen und der Wirtschaft zu verändern scheint.
Lussekatter
Zur Entspannung kommt nun ein ganz einfacher Mustersatz mit kurzen Abständen zwischen den Farben und normaler Musterung auf der Handinnenseite.
Für viele beginnt die Weihnachtszeit erst so richtig, wenn man die erste Lussekatt oder Lussebulle gegessen hat. Das ist inzwischen nicht mehr unbedingt an Lucia (13. Dezember), sondern ab Mitte/Ende November wird das Gebäck in den Geschäften angeboten und auch schon fleißig gekauft.
Den Luxus, sich Gebäck mit dem teuersten Gewürz leisten zu können, was lange nur einer bestimmten Bevölkerungsgruppe vorbehalten, gerade im armen, kargen Nordland konnte man davon nur träumen. In Küsten- und Handelsstädten wie Göteborg importierte man jedoch schon früh exotische Gewürze, die auch in den Küchen der Kaufleute Verwendung fanden.
In den schwedischen Supermärkten sucht man Safran vergeblich im Gewürzregal, er wird ausschließlich in 0,5 Gramm-Tütchen an der Kasse ausgegeben.
Während der meiste Safran in Europa aus Spanien kommt, kann man sich auch für Safran aus Fair Trade-Projekten entscheiden und so z.B. Frauen in Afghanistan unterstützen.