Donnerstag, 29. August 2013

Wandertagebuch: Dem Herbst entgegen

Das höchste der Gefühle für einen Wanderer oder Bergsteiger ist der Gipfel. Manche entwickeln geradezu eine Besessenheit, einen bestimmten Gipfel um jeden Preis besteigen zu können. Umso frustrierender ist es dann, wenn äußere Einflüsse, auf die man nicht einwirken kann, wie das Wetter zum Beispiel, dies verhindern. Immer wieder steigt man ins Basislager unterhalb des Gipfels auf, um dann von dort aus wieder und wieder umkehren zu müssen, weil sich der höchste Punkt in Wolken, Sturm und Schneeschauern hüllt. Wieder kein Gipfelerlebnis.
Diese Gefühle und Frustration mussten wir im ersten Halbjahr dieses Jahres ganz oft in Kauf nehmen, kein Gipfelerlebnis wollte sich einstellen, weder in beruflicher noch in privater Hinsicht. Nicht einmal einen kleinen Nebengipfel konnten wir erreichen.
Bis wir dann im Sommer, als wir echte Gipfel in Bayern und Schweden erwanderten, plötzlich anfingen, unsere Gedanken in andere Richtungen gehen zu lassen. Vielleicht sind wir einfach noch nicht trainiert genug für den Gipfel? Vielleicht wäre es noch zu gefährlich, so eine Gratwanderung mit Steigeisen, Karabiner und Seil? Ist nicht das Wandern, das Gehen, wunderschön und erfüllend? Braucht es unbedingt gleich, sofort ein Gipfelerlebnis? Vielleicht wollen wir auch zu viele Gipfel (alle 8000er...) auf einmal?
 Und während wir uns darauf einstellten, einfach so eine Zeit lang noch dahin zu wandern und die kleinen Erlebnisse, rechts und links des Weges wert zu schätzen und uns daran zu erfreuen, da tauchte plötzlich ein kleiner Gipfel vor uns auf. Wir schauten ihn aus der Ferne an, studierten die Umgebung und dachten uns: Den hier, den können wir besteigen! Und wir haben es getan. Wir haben eine Hürde genommen, ein Ziel erreicht, nämlich: Arbeit für uns beide, im Heimatland des Mannes. Er hat für seinen Traumjob wieder einen Jahresvertrag (immerhin ein Jahr...) bekommen. Und ich bekam ganz unverhofft die Anfrage, ob ich nicht als Deutschlehrerin arbeiten möchte. Es ist eine drittel Stelle, genau das, was ich zum Einstieg in das Berufsleben hier möchte. Nicht ganz genau das, womit ich ab nächsten Jahr arbeiten möchte, aber doch jetzt so ganz und gar richtig.
Ganz unverhofft sind wir nun ein großes Stück auf unserem Weg weitergekommen. Das Tempo hat sich auch ganz schön erhöht - Vollzeit studieren, 30% arbeiten, der Mann arbeitet Vollzeit und fährt auch mal wieder weg. Im Moment genießen wir aber den Schwung, der nun in unseren Alltag gekommen ist. Und ich bin dankbar für die Möglichkeit, dass ich arbeiten darf. Und alle neuen Wege und Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.
Und der frische Herbstwind, den man hier schon morgens und abends spürt, er zeigt sich als freundlicher Rückenwind, der uns anstupst und weiterträgt.

8 Kommentare:

  1. Liebe Barbara,
    na - das klingt doch wirklich richtig gut. Ich freue mich sehr für euch - dass ihr diesen Berg so gut gemeistert habt. Ich wünsche dir für deine neue Arbeitsstelle ganz viel Freude, Erfolg und schöne Erfahrungen.
    Freuen würde ich mich sehr, wenn du darüber hin und wieder berichtest (meine Neugierde ist so groß!).

    Ganz liebe Grüße! :-)

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  2. Liebe Barbara,
    herzlichen Glückwunsch zu deinem Job. Das klingt ziemlich spannend, schön, dass du bereits als Deutschlehrerin arbeiten kannst! Eure anderen, größeren Gipfel werdet ihr sicherlich auch noch erreichen. Vielleicht stellt sich ja aber auch im Laufe der Zeit heraus, dass ihr dieses Ziel gar nicht mehr weiter verfolgen wollt.
    Schön auch, dass dein Mann einen weiteren Jahresvertrag bekommen hat! Ich bin in der unglaublich glücklichen Position, dass ich an der Uni einen Drei-Jahresvertrag bekommen habe und freue mich darüber wirklich sehr. Eigentlich unglaublich, dass es in der Wissenschaft nur solche kurzen Arbeitsverträge gibt. Viele Projekte brauchen länger.
    Viel Spaß und Erfolg bei der Arbeit!
    Liebe Grüße,
    Kathrin

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  3. Das klingt sehr gut! Schön, dass du mit neuem Schwung in den Herbst starten kannst!
    LG, Micha

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  4. Das tönt wunderbar und plötzlich tut sich wieder eine Tür auf....;)
    Weiterhin viel Schwung!
    Herzlich, Rita

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  5. Eine Portion Rückenwind tut immer gut. Alles Liebe und viel Vertrauen, dass der Wind beständig bläst, Martina :-)

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  6. Obwohl der Herbst ja die dunkle Jahreszeit ankündigt, klingt Dein heutiger Eintrag nach Aufbruchsstimmung als wäre es Frühling. Ich freue mich sehr, Dich nun so positiv "zu lesen". Die Gute-Laune-Jacke wird jetzt wohl oft getragen :-)
    Jeder hat wohl so seine Gipfel, unterschiedlich hoch und jeder Weg ist mehr oder weniger steinig. Ich denke, manchmal genügt auch ein Blick von unten auf die "alten" Gipfel. Plötzlich sieht man dann ganz unerwartet einen ganz anderen, vielleicht nicht ganz so hoch, aber die Aussicht von dort oben ist auch herrlich!
    Liebe Grüße
    Melanie

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  7. Es freut mich riesig, dass ihr nun erst mal auf dem einen Gipfel die Aussicht genießen könnt. Weitergehen könnt ihr ja immer noch. :-)Gutes Einleben euch da oben und viel Freude bei eurer Arbeit!

    Liebe Grüße und weiter viel Kraft für den Weg!
    Steffi

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  8. Schön, dass ihr die Kleinheiten am Wegesrand als das eigentliche Positive sehen könnt. Ich glaube ja immer, dass dieses Vermögen eines unserer Lebensziele sein sollte. Es ist nur nicht immer so leicht, dass man auch aus scheinbar Unbedeutendem große Zufriedenheit Erlangen kann. Weiterhin alles Gute! Lg, Elisabeth

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