... eine Muttersprachlehrerin?
Meine Randbemerkungen über meine neue Arbeit haben anscheinend großes
Interesse geweckt, deshalb will ich hier versuchen, mein Aufgaben kurz
zu beschreiben.
Laut schwedischem Schulgesetz hat jedes Kind, das zu Hause eine andere/eine zweite (Mutter-)Sprache spricht, Anrecht auf eine Unterrichtseinheit Muttersprachunterricht pro Woche in der Schule. Außerdem kann sogenannte 'Lernbegleitung' beantragt werden, bei der mit einer Muttersprachlehrkraft die Inhalte anderer Fächer besprochen werden. Letzteres wird vor allem von Neuankömmligen in Anspruch genommen. Ein dritter Aufgabenbereich, der von Muttersprachlehrern betreut werden kann, ist Sprachunterricht als Wahlfach (moderne Fremdsprachen).
Da ich 'nur' Teilzeit arbeite, habe ich nur fünf Einsatzschulen, während meine Vollzeit-Kolleginnen an bis zu 12 verschiedenen Schulen arbeiten. An vier Schulen arbeite ich mit insgesamt 16 Kindern mit Muttersprachunterricht. Die Altersspanne reicht von der 1. bis zur 9. Klasse, also das ganze schwedische Grundschulspektrum. Auch die Sprachkompetenz ist sehr unterschiedlich: Bei manchen Kindern wird zu Hause nur Deutsch gesprochen, bei anderen spricht eigentlich nur noch die Oma Deutsch. Auch Umfang des Wortschatzes und Schriftlichkeit schwanken sehr. Zudem besuchen nicht nur deutsche Kinder, sondern auch österreichische und schweizer Kinder den Unterricht. Da können die Dialekte schon sehr unterschiedlich sein. Das vorrangige Ziel des Unterricht ist, das alles auf Deutsch sein soll. Dabei reicht die Spannweite von Erörterung schreiben in der Oberstufe bis zum Memory spielen in der Unterstufe.
An einer Schule bin ich aber zwei Stunden in der Woche, denn dort unterrichte ich eine kleine Gruppe Sechstklässer, die Deutsch als moderne Fremdsprache gewählt haben. Letzte Woche lernten wir: "Hallo! Wie heißt du? Ich heiße Maximilian."
Angestellt wird man als Muttersprachlehrerin nicht bei einer Schule, sondern bei einer Spracheinheit der kommunalen Schulabteilung. Diese 'entsendet' mich dann.
Der Muttersprachunterricht findet ausschließlich am Nachmittag nach dem Regelunterricht statt. Die Kinder haben in der Regel viel Spaß daran und kommen gerne.
In der Praxis sieht das dann so aus, dass ich wie der Wind von der Uni nach Hause radle, meine Schulsachen packe und dann zur U-Bahn sprinte, denn die Reisewege übersteigen meinen Radelradius. An manchen Schulen habe ich ein eigenes Fach im Lehrerzimmer und einen schönen Raum für den Unterricht. An manchen Schulen muss ich alles mitnehmen, das 'Klassenzimmer' ist ein Abstellkammerl.
Muttersprachlehrer verdienen im Durchschnitt weniger als 'normale' Grundschullehrer. Obwohl ich sofort Vollzeit arbeiten könnte, ist es mir doch sehr wichtig, dass ich meine Weiterbildung gut weitermachen kann, denn langfristig möchte ich doch sehr gerne als Klassenlehrerin ohne Rumreisen und mit angemessenem Lohn sein. Aber im Moment ist es so ganz und gar passend und richtig. :)
Liebe Barbara, das ist ja sehr interessant. Und für dich eine schöne Möglichkeit deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und trotzdem zeitlich noch deine Weiterbildung zu verfolgen. Toll!
AntwortenLöschenViele Grüße, Karin
Was für eine coole Einrichtung, dass mehrsprachig aufwachsende Kinder ein Anrecht auf solchen Unterricht haben! :-) Und es klingt ja wirklich so, als würde dich der Job neben der Fortbildung gut ausfüllen und Spaß machen. Spannend! :-) Danke für den Einblick und weiter viel Freude bei deiner Arbeit!
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Steffi