Donnerstag, 17. Mai 2012

TISUS Nachlese

Vor mehr als einer Woche war ich also bei herrlichstem Wetter in München um den TISUS Sprachtest abzulegen.Die Anmeldung zum Test erfolgte recht unkompliziert über Internet und man musste 2000 SEK (etwa 200 Euro) überweisen. Es gab die Möglichkeit den Test vor Ort zu machen oder einen Antrag auf die Ableistung im Ausland zu stellen. Offensichtlich waren es mehrere Interessenten, die in München schreiben wollten, und so bekam ich bald Bescheid, dass das klappen wird.
In München musste ich noch einmal 35 Euro an die dortige Prüferin bezahlen (und mit den Anreisekosten sind wir dann mal bei so 300 Euro...) und mich ausweisen, bevor es endlich los ging. Wir waren zwei 'richtige' Ausländer und zwei Halbschweden, die, nachdem sie in Deutschland aufgewachsen sind, in Schweden studieren möchten und deshalb trotzdem den Sprachtest machen mussten.
Der erste Teil war Leseverständnis und dafür waren 75 Minuten vorgesehen. Die Texte waren eher allgemeiner Art, zum Beispiel über den Einfluss von Salz auf den Bluthochdruck, über den didaktischen Ansatz, die Gesetze der Mechanik im Fitness-Studio zu vermitteln, über einen neuen Gesetzvorschlag zur Bejagung von Wölfen und über die sinkende Beliebtheit des Königshauses in Schweden (worüber der 5. war habe ich vergessen...). Zu jedem Text gab es Fragen, die teilweise schon sehr kniffelig waren. Man musste sehr genau lesen und über einen reichen, nuancierten Wortschatz verfügen.
Nach 10 Minuten Pause ging es gleich weiter mit dem Aufsatz. Dafür waren 2 1/2 Stunden vorgesehen. Man sollte zum Thema "Leitung - Notwendigkeit und Konsequenzen" schreiben. Im Aufsatz sollte man auf die verschiedenen Führungsstile (demokratisch, autoritär) Bezug nehmen, den Bedarf von Anleitung oder Führung in bestimmten Situation und von bestimmten Personengruppen erörtern usw. Gleichzeitig sollte man zeigen, dass man gut argumentieren kann und auf akademischen Niveau schreiben und diskutieren kann. Fand ich schwierig.
Und schließlich das Mündliche: 15 Minuten Vorbereitungszeit und dann 12 Minuten monologisch in ein Aufnahmegerät sprechen. Das vorgegebene Thema war Konsumgewohnheiten.

Mit den Zeitvorgaben und Aufgabenstellungen kam ich gut zurecht. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich in dieser vorgegebenen Testsituation wirklich zeigen konnte wie gut ich schwedisch spreche. Allerdings, glaube ich, wäre es mir sehr schwer gefallen, den Test nur mit dem Wissen/Können aus Sprachkursen zu bestehen. Man muss zügig arbeiten und viel Sprachgewohnheit haben. Aber ich spreche ja auch täglich mehrere Stunden schwedisch, von daher wird es schon gepasst haben. Das Ergebnis gibt es in 3 Wochen...

Blick auf die Isar und die tolle Kastanienblüte...

Mittwoch, 16. Mai 2012

Zerissen II

Mein Freund zieht mich manchmal damit auf, dass angeblich nur Leute bloggen, denen es schlecht geht und die sich auf diese Weise positive Bestätigung und Aufmunterung holen wollen. Als mein Post 'Zerissen' auf wundersame Weise in den Weiten des www verschwand, dachte ich, das ist ein Zeichen, auf diesem Blog in Zukunft doch nur noch ausschließlich über schöne Erlebnisse zu berichten. Denn schlecht geht es mir wirklich nicht, im Gegenteil, mir geht es eigentlich sehr gut und ich bin eigentlich seeehr glücklich...
Ja, aber da gibt es dieses eigentlich. Denn ganz uneingeschränkt kann ich mich im Moment nicht freuen. Ich werde nämlich nun mehr oder weniger endgültig mein Heimatland verlassen. Der Liebe wegen. Ich habe die letzten Wochen viel darüber nachgedacht, wie und warum ich bloggen will. Natürlich will ich den zu Hause gebliebenen ein bisschen darüber berichten, was so 2000 km entfernt alles los ist. Ich möchte das Land vorstellen, so, wie es wirklich ist, wenn man dort lebt. Aber natürlich soll es auch noch Platz für meine Hobbies und Leidenschaften, Austausch über Kreatives auf diesem Blog geben.
Als ich die Bilder für den Header ausgewählt habe, habe ich sehr idyllische, ästhetische genommen. Nicht die Hauptstadt im Regen oder Novembergrau, keine sozialen Wohnungsbauprojekte, keine abgeholzten Wälder. Sondern Bilder, die wahrscheinlich auch jeder von uns in sich trägt, wenn man an Astrid Lindrens Heimat denkt: rote Häuschen, Seen, Preiselbeerblüte, unberührte Natur. Das ist natürlich eine Seite und genau diese Seite lockt jedes Jahr tausende von (v.a. deutschen) Urlaubern in dieses Land.
Aber die andere Seite ist, dass ich eben nicht als Urlauberin in dieses Land gehen werde, sondern ich werde versuchen, dort zu leben. Und das Leben ist eben kein Bullerbü!
Deshalb werdet ihr auf diesem Blog, in dem es eben auch ums Auswandern, Integration oder Inklusion, Bürokratie und viele (Neu-)Anfänge geht, auch von Zweifeln, Niedergeschlagenheit, Heimweh und Ärger mit den Behörden lesen. Denn alles andere wäre meiner Meinung nach nicht ehrlich. Ich kann nicht einfach das alles weglassen und ein idyllisches Bild zeichnen, das nicht realistisch ist und das dann den einen oder anderen vielleicht sogar motivieren könnte, über Auswanderpläne nachzudenken. Ich habe schon für mehr als ein Jahr in dem Land gelebt und ich weiß mehr oder weniger worauf ich mich nun einlasse. Mit einem Einheimischen an meiner Seite wird manches vielleicht unkomplizierter als es damals war, als ich ganz auf mich allein gestellt war. Aber grundsätzlich habe ich kaum noch Illusionen, die ich vor 5 Jahren hatte. Ich stelle dennoch immer wieder in persönlichen Gesprächen fest, dass viele andere, mit mir diese Illusionen teilen, von denen ich auf schmerzhafte Weise erfahren musste, dass sie nicht eintreten/zutreffen werden.
Deshalb nehmt es mir bitte nicht übel, wenn es auf diesem Blog manchmal (hoffentlich aber sehr selten!) auch eher Unerfreuliches oder Unangenehmes zu lesen gibt. Das hat nichts damit zu tun, dass ich ein Jammerlappen oder eine Heulsuse wäre, aber ich habe keine Lust, ein Bild von einem Land zu zeichnen, das nur wenig mit der von mir erlebten Realität zu tun hat. Wer also sein Bullerbü-Bild bewahren will, sollte diesen Blog vielleicht in Zukunft nicht mehr lesen. Wer aber an bürokratischem Wahnsinn vor atemberaubenden Sonnenuntergängen und zauberhafter Natur, skandinavisch-bayerischer Einrichtung und Handarbeiten interessiert ist, der sei hier herzlich willkommen! :)
In nur weniger als einem Monat sind wir schon wieder auf 60° Nord. Hui, wie jetzt die Zeit dahin rennt. Und eigentlich freue ich mich doch schon sehr...

Dienstag, 15. Mai 2012

Unser tägliches Brot: Vogelmieren-Vollkornbrot

Als ich heute endlich mal wieder ein Stündchen Zeit hatte um im Garten zu werkeln und dabei nach der Hektik der letzten Tage ein bisschen durchzuatmen, da fielen mir ganz zarte Blümchen auf.
Der Hühnerdarm, wie das (Un-)Kraut hier im Volksmund heißt, oder auch die Vogelmiere, hatte sich in letzter Zeit prächtig entwickelt und so war nun endlich genügend zusammengekommen, dass ich eines meiner Lieblingsbrote backen konnte. Dafür braucht man etwa 100 g Hühnerdarm/Vogelmiere, das dann gewaschen und kleingehackt wird.

Zu dem normalen Brotteig aus 500g Mehl (400g Dinkel und 100g Kamut) kommen jede Menge Körner: Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne und Sesam. Das Kraut gibt dem Brot eine luftige Struktur. Der recht weiche Teig wird in eine Form gefüllt und dann etwa 1 Stunde gebacken. Das Rezept stammt aus dem wunderbaren Buch von Margarete Vogl.
Und jetzt gönne ich mir zum Abendessen eine Scheibe vom ersten Vogelmieren-Brot des Jahres, vielleicht mit Butter und den ersten Radieserl aus dem Garten...

Sonntag, 13. Mai 2012

Sonntagsfreude: Mein grünes Kleid

Wir sind wohl behalten wieder von unserer 'Hochzeitsreise' zurückgekehrt und ich freue mich immer noch über das Glück des Brautpaars, das schöne Fest im Kreise netter Freude - und über mein Kleid, das den Härtetest bestanden hat. Es ist ein besonderes Gefühl, wenn man in ein selbstgenähtes Festgewand gekleidet ist, finde ich. Und man kann sich sicher sein, dass niemand auf dem Fest das gleiche trägt :)
Das Wetter war herrlich, es war fast 30° warm, was die Anzugträger schwitzen ließ. Wie erfrischend ist da ein luftiger Rock, der dank Tüllunterrock (im Schnitt/Muster so nicht vorgesehen gewesen) auch einen schönen Stand hatte, etwas raschelte und sich noch vornehmer anfühlte.
Wir hatten die Ehre, dass wir bei der standesamtlichen Trauung schon dabei sein durften, die nur im kleinsten Kreis gefeiert wurde. Was für eine Auszeichnung! Und für meinen zukünftigen Mann war es hilfreich, so eine deutsche Trauung auch mal zu sehen und zu erleben. Jetzt weiß er, dass er im Prinzip nur 'ja' sagen muss und unterschreiben ;)
Anschließend machten wir einen Spaziergang durch die zauberhafte Altstadt, zum einen um Fotos zu machen, zum anderen war das auch der Weg zur Kirche. Allerdings war eine kurze Pause im Schatten nicht schlecht...
Nach der kirchlichen Trauung gab es Kaffee, Kuchen und Hochzeitstorte im Pfarrgarten. Und genau als wir im Auto saßen um zum Gasthof zu fahren, wo die Feier dann statt fand, fing es an zu regnen und zu gewittern. Aber dann waren wir ja im Festsaal und das Wetter konnte toben wie es wollte. Wir bekamen ausgesuchte Spezialtitäten, führten nette Tischgespräche, und tanzten bis in den nächsten Tag... Hach, ein schönes Fest!
Unseren Zuschuss zu einer Hochzeitsreise in den Norden haben wir stilecht verpackt, wobei die Ehre für die tollen Elche meiner Küchenfee (=Schwester) zuteil wird. Denn ich musste ja noch Kleid, Rose und Tasche fertig nähen. Und den Schmuck habe ich dann auch noch selbst aus Glasperlen gemacht. Damit dann auch alles zu den Schuhen passt... :)
Sonntagsfreude nach einer Idee von Frau Kreativberg

Mittwoch, 9. Mai 2012

Auf 'Hochzeitsreise'...

Seit gestern ist nun endlich auch mein Liebster wieder hier im Herzen Europas und heute morgen haben wir unser Aufgebot bestellt (darüber gibt es noch einen extra Eintrag). Ansonsten habe ich den heutigen Tag ebenso wie das letzte Wochenende an der Nähmaschine verbracht, denn am Freitag heiratet eine ganz liebe Freundin, die auch im Winter 2007/08 in Schweden studiert hat. Da will ich mich natürlich in Schale werfen und habe die Gelegenheit genutzt um mir ein schönes bauschiges Raschelkleid zu nähen.
Und ich bin nun wirklich (endlich) in letzter Minute fertig geworden. Ich hoffe, dass die nächsten Tage nun ein bisschen ruhiger werden und dass wir schöne Fotos (u.a. vom Kleid) machen können, die ich dann hier zeigen kann. Morgen werden wir also 500 km durch die Republik fahren, denn leider wohnt meine Freundin weit weg. Aber ich freue mich schon sehr auf die Fahrt, die schöne Landschaft(en) und liebe Leute. Wir haben noch ein bisschen Urlaub drangehängt und so wird es erst Anfang nächster Woche wieder Neues hier zu lesen geben.

Montag, 7. Mai 2012

TISUS...

... heißt 'Test in Swedish for University Studies' oder so ähnlich und den muss ich morgen machen. Dafür werde ich extra nach München fahren (um 10 Uhr beginnt der Test, Abfahrt hier um 6:15 Uhr - Landleben!). Das Dirndl ist gebügelt, denn wenn ich schon in die Landeshauptstadt fahre... Außerdem will ich nun noch jede Gelegenheit nützen um mein Lieblingsgewand auszuführen - so viel Mut, es in Schweden im Alltag zu tragen habe ich doch nicht... Außerdem dabei, ein Stadtplan, ein Schwedisch-Schwedisches Wörterbuch und ein schwedisches Buch, in dem ich auf der Fahrt zum 'warm werden' lesen will.
Der Test ist ein standardisierter Test und entspricht in etwa dem TOEFL für Englisch. Dabei muss ich schreiben, lesen (Leseverständnis) und sprechen. Vor den beiden letzteren Aufgaben habe ich keine Angst, aber jetzt rächt es sich ein bisschen, dass ich die Sprache nicht nur, aber vor allem mündlich erlernt habe. Beim Schreiben fühle ich mich einfach unsicher(er).
Jeder, der nicht über eine Unipartnerschaft an eine schwedische Uni kommt, muss diesen Test machen. Allerdings kann man auch den Test machen, um eine Bestätigung zu bekommen, dass man Schwedisch auf dem Niveau B kann. Und das brauche ich für meine Zusatzausbildung zur Integration in den schwedischen Arbeitsmarkt.
Wieder ein Schritt auf der langen Reise in den Norden. Drückt mir bitte die Daumen! :)

Donnerstag, 3. Mai 2012

Alles neu...

... macht der Mai. So auch im Garten. Vieles ist wieder auf Neustart. Für mich gibt es nicht schöneres als die Beete umzugraben, mit Kompost anzureichern, hacken, rechen - und dann, eine fruchtbare, ebenmäßige, dunkle Beetfläche, in der man dann einfach drauflos pflanzen kann. Und das Wetter macht auch mit!
Vor zwei Wochen, bei meinem Osterbesuch, habe ich die Erbsen gesät. Nun sehen sie schon so aus:
Auch die Blumen, die ich damals gesät hatte, waren nun schon bereit fürs Pikieren. Dieses Mal habe ich mich zum ersten Mal getraut, einen sog. Wurzelschnitt zu machen, d.h. die lange Pfahlwurzel mit der Schere abzuschneiden, so dass sich die anderen Wurzeln kräftiger entwickeln. Es scheint den Pflänzchen jedenfalls nicht geschadet zu haben, denn sie schauen heute sehr frisch aus.
Dieses Jahr wenden wir natürlich alle Kunstgriffe an, wollen wir doch die schwedischen Hochzeitsgäste mit unserem Bauerngarten beeindrucken. Und in den gehören nun mal Gemüse und Blumen. Mutigerweise will ich auch nur eigene Blumen für den Blumenschmuck zur Hochzeit verwenden, denn ich mag es gerne einfacher und natürlich. Nun heißt es Daumendrücken, dass die Eisheiligen dieses Jahr milde gestimmt sind.
Stilechte Teepausen im Garten gibt es nun dank diesem tollen Geschenk von meiner Schwester :)
Und was mich besonders freut, meine Lieblingsgeranie hat schon die erste Blüte. Ich liebe diese Farbe!
Von dieser Geranie nehme ich auch zwei Stöcke mit nach Schweden. Die Schweden sind große Geranienliebhaber [perlagon-älskare], noch öfter als die dunklen Sorten findet man allerdings helle Sorten auf vielen Fensterbänken. Da die Sommersaison oft kurz ist, dürfen die Geranien das ganze Jahr über dort stehen. Im Frühling werden sie dann umgetopft und aufgepeppt, wie auch bei der Wunderbaren Clara. Eine sehr beliebte helle Sorte ist die Geranie Mårbacka, die nach dem Wohnsitz von Selma Lagerlöf benannt wurde.
Nun aber noch ein Stündchen in den Garten, das gute Wetter nutzen...