Samstag, 30. Juni 2012

Bilder sagen mehr als Worte...

... aber sie erzählen nicht von meiner anhaltenden Erkältung, zermürbenden Augenblicken in denen die richtigen Worte in der fremden Sprache fehlen, vom Gefühl, doch immer die Deutsche, die Ausländerin zu bleiben.
Aber die Bilder haben Augenblicke festgehalten, die so gut taten. Unterwegs sein - Abstand bekommen; ein Fest, das mit so viel Ernsthaftigkeit und Traditionsbewusstsein gefeiert wird, dass es nicht mehr kitschig sein kann; etwas Inselleben. Dort gab es Zeit für Spaziergänge, Luftveränderung, neue Sinneseindrücke, Handarbeiten, Backen von bayrischen Rohrnudeln für 12 Personen und dicht gedrängtes Essen am kleinen Küchentisch, laute Diskussionen, viel Lachen, Gemeinschaft, Familie, Sonne, Wind und Sturm.
Nach dem vielen Unterwegssein merke ich, dass ich doch nun hier im neuen, halbfertigen Zuhause zur Ruhe kommen werde, gesund werden kann. Unterwegs sein ist auch eine innere Reise und als wir heute die Treppen hochstiegen, wusste ich, hier werde ich zu Hause sein können. Es ist zwar nicht Heimat, aber zu Hause und alles braucht seine Zeit. Da Geduld nicht meine Stärke ist, war es eine gute Übung, halbfertige Projekte und offene Fragen zurückzulassen. Nun bin ich wieder da. Neue Kraft, neue Geduld und eine neue Perspektive.
Und nun genießt die Bilder :)

Samstag, 23. Juni 2012

Glad Midsommar!

Ihr Lieben, ich bin für eine Woche nicht in der Stadt, sondern mache wie jeder Schwede Midsommarurlaub mit meiner Familie. Es tut gut, eine Woche nicht zu malern, zu putzen, zu renovieren, mit Behörden zu diskutieren. Einfach weit weg. Blauer Himmel und weisse Wolken. Kühle Temperaturen. Erdbeeren und Hering. Bekannte Treffen. Sich nicht ganz so fremd zu fühlen, sondern ein bisschen dazugehören.
Einfach eine Pause. Auch eine Pause vom Bloggen. Ich bin mir (immer noch) nicht sicher, ob mir dieses Format so passt. Was meint ihr? Hinterlasst mir doch ein paar Anregungen, was ihr gut findet, was nicht, über was ihr gerne mehr lesen möchtet, was unnötig ist. Gestern habe ich bemerkt, dass ich unnötig viele Fotos ohne Gesichter gemacht habe, so dass ich sie im Blog zeigen kann (Privatssphäre und so). Und kein einziges mit mir und Gesicht. Hm, so soll es nicht sein. Ich möchte gerne kommunizieren, vielleicht auch ZU gerne, weil ich mich manchmal recht einsam fühle und überlege, welche Blogeinträge könnten zu mehr Kommentaren/Reaktionen führen. Andererseits schaffe ich es auch selbst nicht, mich regelmässig per email oder Telefon zu melden. :( Ich werde erstmal hier den Sommer begrüssen, mich hoffentlich gut erholen, Kräfte sammeln, und nachdenken wie es weitergehen wird. Bis bald.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Zur Abwechslung...

... mal ein paar gute Nachrichten.
Zunächst der Schreck gestern Abend, dass Blogger den Blog gelöscht hätte (was anscheinend auch einigen von Euch angezeigt wurde - tut mir leid!). Dem war aber nicht so, er hatte sich nur versteckt. Alles wieder gut :)
Außerdem war das eine Kleinigkeit im Vergleich zum bürokratischen Wahnsinn, der mir wirklich die letzten Nerven raubt. Es genügt ein Anruf von XY, der meinem Mann sagt 'Tut uns leid, aber wenn ihre Frau keine Personennummer hat...' - und schon kullern die Tränen. Manchmal versuche ich mir einzureden, dass das ja alles gar nicht so schlimm ist und Millionen von Menschen ohne ID-Karte, Bankkonto und Versicherungen leben, aber der Vergleich hinkt wohl ein bisschen...

Heute aber eine gute Nachricht: Ich habe für Ende August einen Gesprächstermin für meine berufliche Weiterbildung bekommen - und das ohne Personennummer! :) Der Zettel hängt nun am Kühlschrank und ich freue mich immer, wenn ich ihn anschaue.
Auf dem Heimweg von dem Termin bin ich heute durch den königlichen Nationalstadtspark geradelt. Dass nun endlich auch mal die Sonne scheint, trägt zusätzlich zu meiner nun hervorragend guten Laune bei :) Und jetzt gehts wieder mit voller Kraft ans Malern!
Alles Liebe, Barbara

Montag, 18. Juni 2012

Nationalgetränk Kaffee

2011 wurden in Schweden 161 Liter Kaffe per capita getrunken. Wenn man Kinder und Jugendliche wegrechnet, kommt man vermutlich auf noch eine größere Menge. Nach dem European Coffee Report von 2009 tranken nur die Finnen mehr Kaffee als die Schweden. Über die Ursachen darf spekuliert werden. Die schwedische Kaffeeinformationsseite gibt an, dass sowohl das Klima als auch eine Gegenbewegung zum übermäßigen Alkoholkonsum in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Ursachen für den hohen Kaffeekonsum sein könnten. Auf dieser Seite wird auch mit Zahlen belegt, was schon immer meine Beobachtung war: Es wird ständig und überall Kaffee getrunken, auch im Beruf. Darf man meinem Schwager (einem Arzt) glauben, 'muss' er täglich auf der Arbeit bis zu 7 Tassen trinken...
Es gehört auch zu den liebenswürdigen Eigenschaften dieses Landes, dass immer eine Kanne Kaffee für einen Besucher bereit steht. Das kann (vor allem im Norden) aber dazu führen, dass der sog. Kochkaffee den ganzen Tag schon auf dem Herd vor sich hin köchelte. In der Regel wird der Kaffee ohne Zucker und kohl schwarz (sehr stark) getrunken.
Da ich aber überhaupt keine Kaffeetrinkerin bin, versucht mein Mann mich nun mit erlesenen Kaffeebohnen  auf den Geschmack zu bringen. Zur Hochzeit bekamen wir diese tolle Kaffeemühle geschenkt und ich finde das Mahlen damit so toll! Ich fühle mich wie Kasperls Großmutter und möchte am liebsten auch dazu 'Alles neu macht der Mai' singen... Aber wer Kaffee mahlen möchte, muss ihn auch trinken.
Im Moment noch mit ganz viel Milch (so dass er fast kalt ist...), aber es wird schon :)
Und Integration kann nicht immer nur ein Vergnügen sein ;)

Sonntag, 17. Juni 2012

Sonntagsfreude: Ein bisschen Alltag

Zunächst: Heute morgen haben wir endlich die Gewinnerin des Duftkissens gezogen:
Liebe Gesche von Kirschenzeit (hier ist grad Erdbeerzeit...), wir gratulieren dir ganz herzlich zum Gewinn und ich bitte dich noch um etwas Geduld, hier dauert es noch ein bisschen, bis wieder Zeit zum Handarbeiten sein wird. Du kannst mir ja per e-mail schon mal deine Adresse zukommen lassen :)

Ansonsten freue ich mich heute über den schwedischen Sommer und dass ich in meiner blitzblank-sauberen Küche einen Sonntagskuchen backen kann.
Die Sonntagsfreude ist nach einer Idee von Frau Kreativberg.

Samstag, 16. Juni 2012

Doch nicht verheiratet!

Was im Moment noch vom blau-gelben Traum übrig ist, ist unsere neue Bettwäsche im (noch) blauen Schlafzimmer, die wir uns als Hochzeitsgeschenk vom Finkhof bestellt haben - das sehen sowohl wir, als auch die schwedischen Fußballfans so (gestern 2:3 gegen England verloren)...
Dabei fing der Tag gestern so gut an: Zum Frühstück gab es mein Lieblingsjoghurt und wir füllten gewissenhaft alle unzähligen Formulare für die Behörden aus.
Als wir schließlich beim Skatteverket ankamen, zog sich schon eine recht ordentliche Schlange die Straße hinab, in die wir uns ordentlich einreihten (mit Blick auf die Klara-Kirche).
 Auf die Minute öffneten sich die Tore und es wurden immer nur in Grüppchen die Leute von Sicherheitsleuten eingelassen (die wissen schon, warum sie dort Sicherheitspersonal haben...). Wir konnten alles ausfüllen, bis sich herausstellte, dass alle schwedischen Wohnungen (in Mehrfamilienhäusern) seit 1.Januar eine 'Nationale Wohnungsnummer', eine Art Personennummer für Wohnungen, haben. Die wussten wir natürlich nicht, also konnte mein Mann seinen Umzug nach Stockholm nicht anmelden. Ich durfte meinen Antrag einreichen, denn es würde ohnehin 4 Wochen dauern, da könnte ich es schon mal einreichen und dann nächste Woche eine Ergänzung nachreichen. Außerdem dürften wir unsere Ehe anmelden. Nachdem die gestrenge Rezeptionistin das alles genehmigt hatte, bekamen wir einen Kölapp und durften uns auf die Wartebank setzen. Bald kamen wir an die Reihe und die wirklich nette Frau half uns sehr; allerdings: Nach schwedischem Recht werden wir erst verheiratet sein, wenn eine Sachbearbeiterin des Skatteverkets das auch so sieht. Und das in der EU! Wir waren so sauer und ich fand das auch echt kränkend! Jetzt sind wir Sambo und in der Personenstandsurkunde meines Mannes steht 'ledig'...
Und nun warte ich auf meine Personennummer, denn ohne die kann man kein Bankkonto eröffnen, in kein Register aufgenommen werden, keine Versicherung abschließen...
Bei der Einwanderbehörde konnten wir zumindest alle Dokumente einreichen, dort wird es aber bis zu 3 Monate dauern.
Also haben wir dann anschließend erst mal eingekauft und uns dann am Nachmittag wieder ans Großreinemachen gemacht. Mein Mann hat das Bad gezogen, ich die Küche. Ich glaube, beides war gleich schlimm. Fertig geworden sind wir nicht. Die langen Abende verleiten einem zwar dazu die Zeit zu vergessen und so haben wir bis 10 Uhr auf Hochdruck geputzt, aber ganz fertig sind wir noch nicht. Dabei sind wir beide wahrlich keine Putzfreaks, öfters ziehen wir eine Stunde Lesen/Stricken dem Staubsaugen vor, aber das war/ist schon eine andere Kategorie. Es ist schade, dass offensichtlich Menschen das Eigentum anderer nicht sorgsam behandeln, nach dem Motto: Nach mir die Sintflut...
Ein schöner Sonnenuntergang (22:45 Uhr) und Hagebutten-Rosen auf dem Tisch, der nun wieder richtig steht, haben mich aber wieder versöhnt...
Heute werden wir weiter an unseren Fronten kämpfen, aber wir haben uns schon vorgenommen, heute auch mal ein paar andere Sachen zu machen, nicht immer nur putzen - z.B. Farbmuster der Farben für Wohnzimmer, Schlafzimmer und Flur zu holen :)

Donnerstag, 14. Juni 2012

Ankunft auf 60°N

Heute war der Abschied doch noch sehr dramatisch, denn meine Mama musste heute morgen ins Krankenhaus. Ich war sehr bestürtzt und bekam auch unmittelbar ein schlechtes Gewissen: Was bin ich für eine Tochter, die nun einfach abreist? Meine Mama, die immer für mich da war, einfach so zurücklassen?
Kurz bevor ich durch die Sicherheitskontrolle ging, rief ich unseren alten Hausarzt an (in einem Dorf ist das möglich), der mich beruhigte. Also ging ich durch die Sicherheitskontrolle und zwei Stunden später saßen wir im Flugzeug. Einerseits freute ich mich sehr, als ich die Wälder, Äcker und Seen wieder sah, andererseits kam auch das schlechte Gewissen wieder; nun war ich wirklich abgereist.
Als wir endlich ankamen, waren wir auch zunächst positiv von der Wohnung überrascht. Also, nicht optisch (wir wollen auf jeden Fall neu streichen und ein bisschen renovieren), aber sie erschien uns nicht ganz so schmutzig, wie befürchtet. Allerdings hatten wir noch nicht genauer hingeschaut: Ein verkohlter Schneebesen, monatealte Käsereste im Reibeisen und ein paar Gelbe Rüben in der Schublade...
Und ich könnte die Liste an Ekligem noch fortführen (Badezimmer!), aber es ist natürlich auch wieder schön hier. Ich konnte schon mit meinem Papa sprechen, dass sich alles stabilisiert hat und sie gut ohne mich zurecht kommen. Wir haben leckere Sachen eingekauft und hoffentlich auch die Küche bald wieder so in Schuss, dass wir es auch genießen können. Und ein Blümchen auf dem Tisch sowie ein bisschen Sonne machen alles gleich schöner...
Nun werde ich das Schlafzimmer beziehen und morgen steht der erste Behördengang an.

p.s. Habt so vielen herzlichen Dank für alle Euren lieben Kommentare - sie bedeuten mir so viel und lassen mich optimistisch bleiben! Da unser Zwischenmieter glücklicherweise auch vergessen hat, das Internet zu kündigen, kann ich Euch auf dem Laufenden halten. Und sobald wieder etwas Alltag ist (hoffentlich in zwei, drei Wochen) finde ich hoffentlich auch wieder Zeit für emails und meine Blogrunde...

Alles Liebe und eine Gute Nacht wünsche ich Euch von da, wo die Sonne schon um 3:30 Uhr wieder aufgehen wird :)