Am Sonntag
einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken... die
ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung
schlicht und einfach eine
Sonntagsfreude sind :)
Die Sonntagsfreude ist eine Idee von Maria, die bei Rita weitergeführt wird
Es ist Ende November. Zwei Monate sind vergangen. Die Worte kommen zurück. Energie und Lebensfreude sind öfter wieder spürbar. Dankbares Erinnern an schöne Stunden wird leichter. Ich bin zurück auf dem Weg.
Bekannte, Familie und eine neue Arbeitsstelle sind die Wegweiser auf dem Weg, den ich wieder aufnehme, den ich weitergehe und der doch anders ist. Ein wichtiger Wegbegleiter fehlt.
Die neue Arbeitsstelle war eine Abzweigung, die auf dem Weg lag. Allerdings musst ich erst zu der Abzweigung kommen und das dauerte seine Zeit. Dann war es eine natürliche Entscheidung, zu dem Zeitpunkt diese Abzweigung zu wählen. Jetzt vertrete ich eine Klassenlehrkraft in einer dritten Klasse. Es ist eine sehr schwierige Klasse mit Diagnosen und Inklusionsschüler. Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Kräfte und Kompetenzen vielleicht nicht ausreichen. Es ist kein einfacher Weg, den ich zusammen mit 25 Kindern gehe. Und doch ist er wichtig und gerade jetzt auch richtig.
Obwohl es über Stolpersteine geht, bergauf, bergab, geht es flott voran. Das Teilziel des Weges sind die Weihnachtsferien und wir nähern uns mit großen Schritten. Außerdem spreche ich den ganzen Tag, erkläre, gebe Hinweise, ermahne, lache, rede mich um Kopf und Kragen und merke, dass die Wörter zurück sind.
Das neue Wegstück ermöglicht mir neue Perspektiven. Neue Aussichten, Einblicke, Eindrücke. Der Weg ist vielleicht etwas karger geworden und doch immer noch so reich. Man muss sich nur nach beiden Seiten umschauen: Wer geht mit, wer begleitet ein Stück, wer hat einen guten Tipp für eine Teiletappe. Neue Erlebnisse legen sich zu den Erinnerungen im Rucksack, der immer dabei ist. Der Mann an meiner Seite ist immer da. In guten und schwierigen Wegabschnitten. Wir sind mit gutem Schuhwerk ausgestattet, wir gehen im gleichen Takt.

Die Tage werden schnell kürzer, um drei Uhr beginnt die Dämmerung, um vier ist es schon mehr oder weniger dunkel. Dann kehren wir von unseren Tagesetappen zurück ins Häuschen, bereiten gutes Essen zu, das uns Kraft für den nächsten Wegabschnitt gibt. Wärme und Licht umgeben uns, gefühlt und wortwörtlich. Die zwei Monate sind fast wie im Flug vergangen, wir haben trotz allem, oder gerade deswegen, viel geschafft: Holz eingelagert für unseren Ofen, Lampen aufgehängt, Teppiche ausgelegt. Wir haben unser Häuschen auf die kalte, dunkle Zeit vorbereitet. Wir haben uns einen Platz für kalte, dunkle Tage geschaffen, der sich schon bewähren musste und bewährt hat.

Trotz der momentanen Schwere ist so vieles leichter hier in Göteborg. Wir sind noch kein halbes Jahr hier und doch fühle ich mich angekommen. Hier fühle ich mich geerdet, mehr als ich es in Stockholm jemals war. Unser Häuschen ist sicher ein wichtiger Grund, andere Kantsteine auf dem neuen Weg sind der Arbeitsplatz mit so netten Kollegen und vielen herzlichen Eltern, ein richtiger Bioladen, eine Markthalle, ein Ratsch an der Kasse, das "Kleinstädtische" an Göteborg im Vergleich zum Hauptstadtsnobbismus von Stockholm, die Nähe zum Kontinet.
Es ist Sonntag und ich freue mich, dass ich hier am Weg stehe, wo ich eben jetzt bin. Vieles erscheint sinnvoll, notwendig und stimmig. Ich fühle mich ruhig und gelassen und freue mich auf den Weg auf Weihnachten hin.
Ich freue mich auch sehr, dass Rita die Sonntagsfreuden übernommen hat und ich bin voll Dankbarkeit für eure lieben Worte und Zeilen, die mich aus dem Internet erreicht haben. Ich freue mich auch, dass meine Lust am Bloggen zurück kommt und dass ich Teil eines wertvollen virtuellen Netzwerks sein kann.
(Die Fotos sind bei einer kleinen Wanderung letzten Sonntag im nördlichen Halland entstanden.)