Letzten Mittwoch war der 1. Februar und ich habe mich entschlossen, bei Gesas Aktion "Fernsehfreier Februar" mitzumachen. Nun ist eine Woche vergangen und ich will hier kurz berichten, wie es mir damit so geht.
Zunächst muss ich vorausschicken, dass wir keinen Fernseher besitzen. Auch haben wir keine Abos für Streamingdienste (Netflix o.ä.), aber wir haben ein Tablet und jeder hat einen Laptop. Die erste Woche habe ich für mich damit verbracht, mein "Fernseh-Verhalten" zu analysieren und darüber nachzudenken. Zum Fernsehen benutze ich nämlich das Tablet und den Inhalt aus drei Mediatheken: ZDF, BR und SVT (Sveriges Television). Wenn ich von der Schule nach Hause komme ist oft mein erster Griff zum Tablet und mit einer Tasse Tee schaue ich etwas aus dem Angebot von ZDF oder BR an. Beide Sender sind nun ja nicht für seichtes Programm bekannt, aber ich wähle schon mal Inhalte aus, die mir vielleicht nichts geben, oder die man nicht unbedingt sehen müsste.
Als ich dieses Verhalten mir bewusst vor Augen hielt, fiel mir eine wichtige Sache auf: Beide Mediatheken zeigen Sendungen auf Deutsch!!! Vielleicht anfangs bewusst, dann immer mehr unbewusst, habe ich mir in meinem schwedischen Alltag in Göteborg deutschsprachige Alltagsfluchten gesucht. Während ich in Stockholm noch als Deutschlehrerin arbeitete und viel Deutsch in der Arbeit sprach, habe ich nun kaum noch Deutsch um mich herum. Mit meinem Mann spreche ich schwedisch, in der Schule spreche ich schwedisch, beim Einkaufen, ich habe keine deutschsprachige Bekannte mehr in der Nähe. Ich schreibe Deutsch auf WhatsApp und telefoniere meistens einmal täglich mit meiner Mama, aber das war es. Vor allem höre und sehe ich so selten Deutsches. Die deutschen Sendungen sehen auch anders aus, es gibt ein anderes Design, einen anderen Geschmack, eine andere Ästhetik.
Nun will ich die restlichen drei Wochen darauf verwenden, mich aktiv mit diesem Bedürfnis nach Zweisprachigkeit auseinander zu setzen: Endlich Anrufe tätigen, die ich schon lange versprochen habe. Mehr deutsches Internetradio und Podcasts hören, deutsche Bücher lesen, mich anstrengen und mit meinem Mann Deutsch sprechen. Außerdem werde ich mir die eine oder andere Sendung erlauben, aber kritisch ausgesucht und hinterfragt. Schließlich ist mir meine Zweisprachigkeit wichtig und so will ich auch am öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland teilhaben.
Die erste Woche des FernsehFreien Februars habe ich
- angefangen, einen deutschsprachigen Roman zu lesen (Der Trafikant - sehr empfehlenswert)
- die Weihnachtssachen ordentlich in Schachteln verpackt und verräumt
- ein Paar Handschuhe für meinen Mann gestrickt
- neue Strickprojekte angeschlagen
- mir Zeit genommen, um die ZEITung zu lesen und auch mal wieder ausführlich in Zeitschriften zu lesen, z.B. über die Geschichte des Handschuhstrickens im Nordland (überhaupt bin ich im Moment von Handschuhen recht angetan)
- habe ich wieder mehr fotografiert und gebloggt
Danke, liebe Gesa, für deine Impulse!
Und habt ihr, die ihr in Deutschland lebt, vielleicht Fernseh-Tipps für mich? Kritische, anregende, inspirierende, auch unterhaltsame Sendungen, die ich vielleicht gezielt sehen sollte, um weiterhin am Ball zu bleiben, was das deutschsprachige Fernsehen (und die dazugehörigen Diskurse, Diskussione und Dialoge) betrifft?
Hallo Barbara,
AntwortenLöschenich freue mich, dass Du mitmachst! Und es ist wirklich interessant, dass bei Dir das Fernsehen eng verbunden mit dem Thema Zweisprachigkeit ist. Bei mir gibt es leider nicht so viel zu analysieren bei dem Thema. Bei mir ist es ganz klar faule, bequeme Zerstreuung.. :-) Und auch gemeinsame Gewohnheit mit dem Mann. Damals (lang, lang ist's her) als ich alleine gewohnt habe, habe ich viele Jahre keinen Fernseher gehabt. Aber das ist mit dem Mann nicht zu machen. Und dann schleicht es sich halt so ein. Aber immerhin wird es mir durch den FernsehFreienFebruar wieder bewusst!
Ich wünsche uns beiden weiterhin viel Spaß :-)
Liebe Grüße,
Gesa
Liebe Barbara,
AntwortenLöschenals lange, stille Mitleserin deines inspirierenden und wunderschön gestalteten Blogs habe ich mich heute sehr in deinem Beitrag wiedergefunden. Auch ich arbeite als Lehrerin, besitze keinen Fernseher, schaue mir aber immer wieder gerne Reportagen/Dokus etc. direkt nach der Schule auf meinem Laptop an. Immer wieder habe ich damit gehadert ("Kann ich nichts sinnvolleres in der Zeit tun?"). Mittlerweile gestehe ich es mir einfach zu, da ich herausgefunden habe, dass dieses "Berieseln" eine sehr gute Ablenkung von vielen Gedanken, die mir nach so einem Tag im Kopf schweben, für mich ist. Es bringt mir kurzzeitige Entspannung von unserem kreativen Beruf und dem so oft vollen Schulalltag...Und ich finde die meisten Reportagen auch immer sehr interessant ;-). Kennst du die Reihe "Lebenslinien"? Diese Doku berichtet immer sehr feinfühlig, authentisch und nah über Menschen und ihre Lebensläufe.
Kann ich nur sehr empfehlen - auch wenn es vielleicht erst wieder nach dem Februar für dich relevant ist.
Toll, was du schon so alles in dieser einen Woche statt Fernsehen geschafft hast!
Herzliche Grüße,
Franziska
Wir suchen in den Mediatheken auch immer sehr gerne nach Dokumentationen. Heute zum Beispiel ein Film über Gerhard Richter, sonst auch sehr gerne die Reihe 37Grad, Menschen hautnah oder Tag7.
AntwortenLöschenLG Micha
Wir leben auch ohne Fernseher und mit Mediatheken und DVDs. Ich schaue gern bei 3sat und arte rein und ich liebe Reisedokus ;-)
AntwortenLöschenAber seit wir keinen Fernseher mehr haben schaun wir viel weniger, denn da kann man nicht mehr so viel "zappen".
LG aus München
Stefanie
Liebe Barbara, bei mir sieht es so aus wie bei Gesa, durch meinen Mann ist jeden Abend der Fernseher an, er schaut zur Entspannung Quarcks & Co. und Ähnliches, oder einen Film, Tatort oder eine Serie. Ich sitze dann dabei und stricke oder lese (auch ganz klar bei mir Faulheit).
AntwortenLöschenWenn er auf Montage ist, bleibt der Fernseher aus. Das ist von der Wahrnehmung her ganz anders und eigentlich auch viel intensiver.
Im Sommer bin ich viel auf der Terasse oder im Garten.
Ich finde das toll, dass ihr keinen Fernseher habt, mir würde auch ein Laptop reichen. Ich hatte mal vorgeschlagen, den Fernseher aus dem Wohnzimmer zu verbannen und in das Zimmer meines Mannes zu stellen, da schaute er mich ganz entsetzt an:)))
Ich wünsche Dir ein kuscheliges Wochenende
liebe Grüße von Birgit
Dein Fernsehfreier Monat finde ich eine ganz interessante und gelungene Aktion! Wir haben einen Fernseher, aber ich schaue nur noch wenig und wenn, am liebsten Dokumentationen auf 3Sat oder Arte. Biographien mag ich auch sehr. Oder Historische Berichte. Mit einem gewissen lehrreichen Inhalt. Mein Mann sieht auch wenig und wenn dann oft, bitte nicht lachen, Rosamunde Pilcher. Aber nicht etwa wegen der seichten, etwas kitschigen Geschichten, nein, er hört sich oft nur die Filmmusik an oder staunt über die wunderschönen Naturbilder. Ich glaube, wir werden irgendwann mal nach Wales oder Südengland in die Ferien fahren, um die Küste oder die Gärten zu sehen.
AntwortenLöschenWeiterhin viel Freude beim Lesen!!
Herzlich, Rita