Freitag, 10. Februar 2017

Frühlingsfrische Vitamine (3): Exotisch angehaucht

Ziemlich genau vor 5 Jahren durfte ich im Februar eine der beeindruckendsten Reisen meines Lebens machen: Hawai'i. Zu dem Zeitpunkt war ich noch an der Uni in den USA und kämpfte mit der Forschung (die Dokumentation des Abschmelzens von Gletschern mit Hilfe von Satellitenbildern - eine knifflige Sache wegen des komplexen Reflektierens von bestimmten Wellenlängen des Lichts usw.) und war so gar nicht glücklich. Aber ich hatte mich für eine wissenschaftliche Konferenz auf Hawai'i beworben und hatte sogar ein Stipendium dafür bekommen. Mein Prof, seine Frau und mein (damals noch nicht) Mann begleiteten mich. Mein Prof und ich besuchten die Konferenz zwei Tage und den Rest verbrachten wir zusammen mit einem weiteren Forscherehepaar mit der Erkundung der Insel.
Es lag sicher mit am Klima und der Sonne, aber auch daran, dass ich für mich selber beschlossen hatte aus der Forschung auszusteigen, ... auf Hawai'i ging es mir richtig gut und ich fühlte mich so wohl. Gerade die üppige Vegetation hatte es mir angetan.
Bin ich zwischen 17 und 27 wirklich viel gereist, so hat sich mein Radius nun deutlich verkleinert: Schweden und Deutschland, und das ist so in Ordnung. Ich habe meine Entscheidung keine Stunde lang bereut. Ich weiß, dass ich das Richtige getan habe. Es braucht gute, engagierte (und überqualifizierte 😉) Lehrkräfte, ich habe kein Bedürfnis, Karriere zu machen und ich mag eher das einfache, ruhige Leben. Nun habe ich eine sichere Anstellung und das Häuschen mit Garten - beides wäre nicht der Fall, wenn ich in der Forschung geblieben wäre. Es war nervenaufreibend genug, bis mein Mann auch eine gute Stellung an einer Uni fand, und man muss das Glück/Schicksal nicht noch mehr herausfordern...
Aber manchmal habe ich Sehnsucht. Nicht nach den USA im Allgemeinen und nicht nach Indiana im Besonderen, aber nach den Plätzen, die ich bereisen durfte. Und im Februar, wenn mir hier immer noch die skandinavischen Eiswinde um die Nase wehen, wenn der Boden so gar nicht tauen will, wenn der Himmel tagelang bleigrau ist, dann denke ich an Hawai'i und habe etwas Fernweh.
Allerdings ist eine Hawai'i-Reise im Moment alles andere als realistisch (wir haben immerhin ein Haus gekauft...) und ich verspüre auch keine große Lust in die USA zu reisen. Umso überraschter und glücklicher war ich, als die Koch- und Backzeitschrift Allt om mat (ich habe ein Abo auf Weihnachten bekommen) im Briefkasten lag und mit Rezepten, inspiriert von der hawaiianischen Küche, schon auf dem Umschlag farbenfroh zum exotisch angehauchten Kochen einlud.
Ich entschied mich für ein leichtes, frisches Abendessen mit Nachspeise: Fish Taccos und selbstgemachtes Sorbet.
Die Zutaten bekam ich alle im Bioladen und bis auf die Avocado sind sie gar nicht mal so exotisch, aber schmeckten hervorragend, in der Kombination: Grüner Salat, Blaukrat, ein paar Avocado-Würfel, Fisch und eine Majonäse, mit Zitronensaft und Sweet-Chili-Soße verfeinert. Der Fisch ist MSC-gefischt vor der Küste Norwegens und wurde von mir eine Stunde in 1 Liter Wasser mit 2 EL Salz eingelegt. Fragt mich nicht warum, aber es stand so im Rezept. Ich glaube, es funktioniert so mit jedem festfleischigen, weißen Meeresfisch. Ich habe die Stücke in Butter von beiden Seiten angebraten. Alles in fertige Weizen-Tortillias eingewickelt und es schmeckte frisch und nach meer...
Zur Nachspeise pürierte ich eine Dose Kokossahne und ein Glas eingelegte Ananas mit 2 EL Honig. Die Masse ließ ich in der Eismaschine cremig gefrieren und stellte sie dann noch mal in den Gefrierschrank bis zum Essen. In der Zeitschrift wird vorgeschlagen, dass man selbst Macadamia-Nüsse als Topping karamellisiert, aber ich hatte etwas besseres: Macadamia-Krokant, das wir damals auf einer Macadamia-Plantage gekauft hatten. Die Dose war, wie ein Schatz gehütet, mehrmals mit uns umgezogen, immer aufgespart, für den besonderen Anlass. Ein tristgrauer Februarabend, fünf Jahre später, im eigenen Häuschen war nun Anlass genug, die Krokantstücke zu zerkleinern und über meine Nachspeise à la Hawai'i zu streuen.
Meine treuen Leserinnen wissen, dass ich oft und viel über unser Essen reflektiere. Ich bin auch der Meinung, dass man mit seinem Konsumverhalten größere Kreisläufe beeinflussen kann (bio, fair-traide - Angebot und Nachfrage...). Kokos, Ananas und Avocado sind weder regional noch saisonal, aber manchmal kaufe ich das als etwas Besonderes ein. Und ich kaufe nur Produkte, die unter akzeptablen Umständen entstanden sind (soweit ich das mit den entsprechenden Zertifizierungen nachvollziehen kann).
In Schweden wäre regional und saisonal sehr, sehr eintönig, zumindest während des Winterhalbjahrs (es wäre wohl vor allem Grütze...) und so wäge ich verschiedene Faktoren gegeneinander ab und treffe meine Entscheidungen. Sie sind nicht immer einfach und wohl an sich viel verwobener und verflochtener, als wir es durchschauen können, aber ich denke, dass schon das Nachdenken darüber wichtig ist.
In diesem Sinne: Aloha!

3 Kommentare:

  1. Wunderschön dein Bericht, liebe Barbara,
    hat mir heute richtig gutgetan, nachdem bei uns so tristes Wetter ist, dass
    ich es nicht hinaus geschafft habe.......und Morgen werde ich auch etwas Besonderes kochen (haben etwas zu feiern - Autoneukauf).
    Schöne genußvolle Tage
    und liebe Grüße
    Wane

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  2. Ich muss Wanne zustimmen, wunderbarer Bericht und diese Farben! Dein Haarkranz hat sicher wunderbar geduftet und das Kochheft sieht sehr einladend aus! Die Geschmäcker wäre genau meins, mein Ehemann ist da eher bodenständiger;)
    Weiterhin viel Freude beim Geniessen!
    Herzlich, Rita

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  3. Manchmal braucht man einfach so etwas... Und manchmal kommt so eine Zeitschrift wie zur richtigen Zeit! Mir geht es manchmal auch so, in den Wintermonaten (auch wenn Zürich bestimmt weniger extrem kalt ist...) und dann ist Fotos anschauen die allerbeste "Medizin". Liebe Grüsse, Miuh

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